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Gesundheitliche Risiken durch Alkoholkonsum

Wer zu viel Alkohol trinkt, schadet nachhaltig seiner Gesundheit. Dabei muss aber nicht gleich eine Alkoholsucht vorliegen.

Nicht nur die Höhe des konsumierten Alkohols, auch das Umfeld, das Trinkmuster, der Lebensstil und Begleit- sowie Vorerkrankungen bestimmen die speziellen gesundheitlichen Risiken. Einen entscheidenden Einfluss haben „verzerrende Faktoren“ (Confounder), etwa das soziale Umfeld, das Alter, das Geschlecht, die Ethnie, der BMI, das Rauchen, der sozioökonomische Status, die körperliche Aktivität, die Ernährung,  und – nicht zuletzt – die Erbanlage. Die psychischen und sozialen Folgen bei regelmäßigem Alkoholkonsum können beträchtlich sein.

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Mundhöhle und Speiseröhre

Rauchen und Alkohol sind die wichtigsten Risikofaktoren für Krankheiten in diesem Bereich. Alkohol schädigt je nach Konzentration die Schleimhaut und ruft eine Entzündung vor.  Im unteren Teils der Speiseröhre kann sie u. a. Mitursache einer „Refluxösophagitis“ sein.

Magen

Exzessives Trinken sowie höherprozentige Getränke können eine Magenschleimhautentzündung mit Blutungen verursachen (akute hämorrhagische Gastritis). Schon geringer Alkoholkonsum kann die Schließmuskelfunktion einschränken, einen Reflux der Magen- und Gallensäuren verursachen und langfristig das Risiko einer bösartigen Entartung der Magenschleimhaut im Bereich des Öffnungs- und Schließmuskels erhöhen

Leber

Potenzielle Schäden reichen von einer Leberverfettung bis hin zur Leberzirrhose, die in ein Leberzellkarzinom übergehen kann. Nahezu 90 % aller Patienten mit chronischem Alkoholkonsum haben eine Fettleber. Das Risiko einer Leberzirrhose steigt bei Männern bereits bei täglichem Konsum von 30 Gramm Alkohol und bei Frauen bei 15 Gramm Alkohol. Bei 60 Gramm pro Tag ist langfristig das Risiko hierfür sechsfach erhöht, bei 80 Gramm vierzehnfach. Das Risiko von Frauen ist nahezu doppelt so hoch wie das von  Männern  (Deutsche Leberstiftung, DHS 2013).

Dass manche Menschen zwar reichlich trinken, aber dennoch gesund bleiben, andere hingegen schon bei moderatem Alkoholkonsum an einer Leberverfettung und –Zirrhose, die möglicherweise in Leberkrebs übergeht, liegt auch an den Erbanlagen. Studien belegen, dass die genetische Disposition eine wichtige Rolle dabei spielt, ob Alkohol krankmacht oder nicht.

Wenn die Leber mit dem Abbau des Alkohols überfordert ist, wird sie durch unvollständig abgebaute Stoffwechselprodukte sukzessive geschädigt. Die Schädigung läuft in mehreren Stadien ab: Zuerst bildet sich die Fettleber. Die Gamma-Glutamyltransferase (γ-GT) ist dann erhöht. Bei der Fettleberhepatitis steigen auch  die Aspartat-Aminotransferase– Enzyme  (GOT/ASAT), die Aspartat-Aminotransferase, die Alanin-Aminotransferase (GPT/ALAT)(GOT/ASAT) und die Alkalische Phosphatasen (AP) an. Bei fortdauernder Schädigung wird Lebergewebe in funktionsuntüchtiges Bindegewebe umgebaut. Dann sind alle Stoffe erniedrigt, die die Leber herstellt, wie etwa Albumin, direktes Bilirubin und Gerinnungsfaktoren. Zahlreiche, teilweise lebensgefährdende Vitaminmangel-Störungen wie z. B. Vitamin K (Blutgerinnung), Vitamin B1 (Thiamin) (Wernicke-Korsakow-Syndrom), Vitamin D (Osteoporose und Osteomalazie), Vitamin B12 (Blutzellbildung), Vitamin C (Immunabwehrschwäche), Folsäure (Anämie) und vielen andere Folgeerkrankungen sind die Folge bei einem Vitamin-, Mineralien-, Spurenelemente Mangel.

Gallensteine

Moderater Alkoholkonsum soll die Wahrscheinlichkeit von Gallensteinen reduzieren. Das Gallensekret verdickt sich weniger, so dass sich weniger Gallensteine bilden. Zudem verändert Alkohol die Zusammensetzung des Gallensekrets – und damit das Verhältnis der Phospholipide und Gallensalze zu Cholesterin.

Bauchspeicheldrüse

Hoher Alkoholkonsum ist häufig die Ursache für eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis), die  sich klinisch als „akute“ Pankreatitis manifestiert, jedoch bereits morphologisch Zeichen einer chronischen Bauchspeicheldrüsenerkrankung aufweist. Meist haben die Betroffenen dann mehr als 80 Gramm Alkohol pro Tag getrunken. Die chronische Pankreatitis birgt eine hohe Gefahr, in einen Krebs überzugehen. Für die Entwicklung einer chronischen Pankreatitis ist nicht die Art des alkoholischen Getränks, sondern die absolute Alkoholmenge entscheidend. Jeglicher Alkoholkonsum ist bei einer Pankreatitis verboten, u. a. auch wegen der erhöhten Krebsgefahr.

Dünndarm

Alkohol schädigt im Dünndarmschleimhaut, sichtbar an Schleimhautrötungen, Zellabschilferungen und kleinen Schleimhautblutungen. Die Folge ist eine Reduzierung der Dünndarmoberfläche (Atrophie) mit Hemmung der Absorption zahlreicher Nährstoffe. Klinisch relevante Störungen der Absorption im Dünndarm werden jedoch nur bei chronischem und reichlichem Alkoholkonsum (Männer über 60 g pro Tag, Frauen ab 30 bis 40 g pro Tag) gesehen. Betroffene mit Zöliakie und/oder Laktoseintoleranz sollten Alkohol meiden.

Dickdarm

Patienten/-innen mit hohem Alkoholkonsum haben ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko für Adenome (Polypen), die bösartig werden können. Chronischer und hoher Alkoholkonsum erhöht wahrscheinlich das Risiko für die Entwicklung bösartiger Dickdarmtumore. Die International Agency for Research on Cancer (IARC) hat 1997 darauf hingewiesen, dass besonders der Enddarm alkoholgefährdet ist. Wird täglich mehr als 1 Liter Bier konsumiert, ist das Risiko um das Dreifache erhöht.

Gicht

Täglicher Bierkonsum verdoppelt das Gichtrisiko im Vergleich zu anderen alkoholischen Getränken, selbst wenn die Menge des reinen Alkohols gering ist. Weintrinker sind weniger gefährdet. Offensichtlich ist nicht der reine Alkohol die Ursache für die Gicht, sondern nichtalkoholische Bestandteile im Bier. Bier ist das einzige alkoholische Getränk mit einem hohen Puringehalt (Choi, H 2004).

Blutdruck / Herz

Bei täglichem Alkoholkonsums und ab einer gewissen Höhe des Blutdrucks kommt es beim Mann (ab etwa 30 g Alkohol täglich) und bei der Frau (ab 20 g täglich) zu einem Bluthochdruck. Oberhalb dieser Schwelle führt regelmäßiger Alkoholkonsum langfristig zu einer Arteriosklerose – und einer koronaren Herzerkrankung. Bei hohem Blutdruck sollte man auf Alkohol verzichten.

Alkohol schwächt den Herzmuskel. Die Wirkung ist dosisabhängig. Die akute Reaktion auf Alkohol ist reversibel; bei chronischem Alkoholabusus führt sie hingegen zu überwiegend irreversiblen Veränderungen, wobei der Übergang von akuten zu chronischen Veränderungen mit einer eingeschränkten Funktion des Herzmuskels, ventrikulären Dysfunktionen und einer Dilatation des linken Ventrikels nicht exakt abgegrenzt werden kann.

Patienten/-innen mit chronischem Alkoholabusus weisen häufig Herzrhythmusstörungen auf, die durch die direkte Alkoholwirkung auf die myokardialen Erregungsleitungsprozesse und Effekte auf das autonome Nervensystem hervorgerufen werden. Supraventrikuläre Ereignisse wie Tachyarrhythmien (Tachyarrhythmia absoluta), Vorhofflattern, Extrasystolen, ventrikuläre Rhythmusstörungen mit Extrasystolie und Tachykardien sowie verschiedene Formen der Erregungsleitungsverzögerungen mit AV-Blockierungen und Schenkelblockbildern kommen vor. Die Behandlung unterscheidet sich nicht von Rhythmusstörungen anderer Genese.

Etwa ein bis zwei Prozent aller Patienten*innen mit chronischem Alkoholabusus entwickeln Symptome einer Herzinsuffizienz. Schätzungen gehen davon aus, dass eine dilatative Kardiomyopathie „unklarer Genese“ bei 40 bis 60 % der Betroffenen auf chronischen Alkoholabusus zurückzuführen ist. Dabei scheint für die Manifestation einer Kardiomyopathie die lebenslang kumulativ aufgenommene Alkoholmenge von entscheidender Bedeutung zu sein. Die meisten Patienten haben über mehr als zehn Jahre täglich mehr als 40 g Alkohol getrunken. Die Manifestation von alkoholinduzierten Kardiomyopathien unterscheidet sich prinzipiell nicht von der Herzinsuffizienzsymptomatik anderer Genese (Die Erkenntnisse und Literatur über die protektiven Wirkungen moderaten Alkoholkonsums sind zusammengefasst bei DHS 2013)

Schlaganfall

Bei einem Alkoholkonsum von bis zu 14 g pro Tag soll das Risiko für einen ischämischen Schlaganfall erniedrigt sein. Danach, d. h.  ab einem täglichen Alkoholkonsum von etwa 30 bis 40 g steigt das Risiko an. Vorher schützt Alkohol vor einem ischämischen, nicht aber vor einem hämorrhagischen Insult. Der Schutzeffekt geringer Alkoholmengen steht mit erhöhten Prostazyklinkonzentrationen, einer verbesserten Fibrinolyse und Veränderungen der relativen Konzentrationen von HDL- und LDL-Lipoproteinen sowie geringer ausgeprägten arteriosklerotischen Gefäßveränderungen im Zusammenhang. Das so genannte „Binge-Drinking“, das heißt die kurzfristige exzessive Alkoholaufnahme, erhöht das Risiko für einen Schlaganfall

Immunabwehr

Alkohol schwächt die Immunabwehr, wobei die Wirkmechanismen noch weithin unklar sind. Je höher der Promillewert, umso schwächer werden die Abwehrkräfte. Alkoholiker sind besonders anfällig für eine Lungenentzündung, für Tuberkulose und für bestimmte Krebsarten. Impfungen sind nach Alkoholgenuss weniger wirksam. Nebenwirkungen sind bei Alkoholikern häufiger, weswegen man allgemein an den Tagen der Impfung eine Alkoholkarenz empfiehlt.

Lunge

Bei allergischen Patienten, die zu Asthma neigen, können bestimmte alkoholische Getränke zu asthmatischen Beschwerden führen. Schuld daran sind die Histamine, die sich bei der Produktion mancher alkoholischen Getränke entwickeln.

Alkoholiker versterben häufig an einer Lungenentzündung. Im Palliativstadium wird der Hustenreflex durch Alkohol gebremst, so dass Schleim nicht abgehustet wird. Dadurch wird die Entwicklung einer Lungenentzündung  (Aspirationspneumonie) begünstigt.

Nervensystem

Alkoholabhängige haben häufig Polyneuropathien (Schmerzen des peripheren Nervensystems). Ihnen drohen im Spätstadium epileptische Anfälle und Depressionen. Ungefähr 3 bis 5 % der chronisch Alkoholabhängigen erkranken an einem Wernicke-Korsakow-Syndrom. Bei ihnen kommt es zu einer organischen Hirndegeneration mit  Persönlichkeitsveränderungen, Antriebsarmut, starken Gefühlsschwankungen.

Gehirn / Kognition

Bei chronischem Alkoholmissbrauch kommt es zu einem Hirnsubstanzverlust, der sowohl die graue als auch die weiße Substanz betrifft. Gefürchtet ist bei chronischem Alkoholabusus eine Demenz, die mit Gedächtnisstörungen, Konfabulationen und Gangstörungen einhergeht. Schuld sind geschädigte Nervenzellen im Groß- und Kleinhirn. Die Spätatrophie des Kleinhirns, eine alkoholbedingte degenerative Schädigung des Kleinhirns, kommt vornehmlich bei Männern vor.

Unter dem Sammelbegriff »kognitive Störungen« werden Beeinträchtigungen der äußeren und inneren Informationsverarbeitung im Gehirn zusammengefasst.

Im Frühstadium, bei mäßigem Alkoholkonsum werden von vielen Menschen die positiven Auswirkungen geschätzt. Konrad Adenauer soll häufiger gesagt haben: „Ein gutes Glas Wein ist geeignet, den Verstand zu wecken. Es sollte aber bei dem einen Glas bleiben“. Der Übergang von Entspannung und der Verlust von Kontrollfunktionen ist fließend. Ob regelmäßiger und mäßiger Alkoholkonsum protektive Effekte hinsichtlich eines kognitiven Abbaus und des Demenzrisikos hat, ist umstritten.

Unter dem Wert von 0,3 Promille hat man häufig das Gefühl der Entspannung. Man ist in einer heiteren Stimmung, redselig und kontaktfreudig, jedoch können schon bei dieser geringen Menge Konzentrationsstörungen beginnen. Ab 0,3 Promille ist man „beschwipst“ und in euphorischer Stimmung. Die Hemmschwelle ist gesenkt, manche Menschen sind reizbarer. Ab 0,8 Promille gilt man schon als betrunken. Es kommt zu Konzentrationsproblemen, Gleichgewichtsstörungen, zu einer  Selbstüberschätzung sowie Enthemmung. Bei 1 bis 2 Promille kommt es zu einer lallenden Sprache und Hemmungslosigkeit. Bei 3 Promille wirkt der Körper wie stark betäubt – mit unkontrollierten Bewegungen bis hin zur Reaktionslosigkeit.

Alkohol stimuliert die Gaba-Rezeptoren und hemmt die NMDA-Rezeptoren, wodurch es zu einer Entspannung und Angstlösung kommt. Die GABA-Rezeptoren entwickeln bei ständiger Stimulation Toleranz. Bei längerem Alkoholmissbrauch werden immer größere Mengen Alkohol benötigt, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Aufmerksamkeitsstörungen, Gedächtnisstörungen bis hin zu einer demenziellen Symptomatik nehmen bei dauerhaftem und stärkerem Alkoholkonsum zu. Die beeinträchtigten Kontrollfunktionen können bei den unter Alkoholeinfluss stehenden Menschen zu Aggressivität und Gewalttaten, Problemen in der Partnerschaft, der Familie oder bei der Arbeit führen. Vandalismus, Gewalttätigkeiten, sexuelle Übergriffe sind häufiger. Zu den Folgeschäden zählen seelische Veränderungen und depressive Episoden. Es droht ein Abbau der grauen und weißen Substanz mit Verlust des Kurz- sowie des Langzeitgedächtnisses, ähnlich wie beim Korsakow-Syndrom. Letzteres tritt überwiegend bei Patienten mit lang bestehender, schwerer Alkoholerkrankung auf und soll Folge des Vitamin B1-Mangels (Thiamin) sein.

Kommentar: Die Wirkung von Alkohol auf die Kognition und Gehirnleistungist individuell sehr unterschiedlich. In der pränatalen Phase, in der Pubertät und im fortgeschrittenem Alter sind negative Auswirkungen besonders ausgeprägt. Das Geschlecht, der Gesundheitszustand und die Art des alkoholischen Getränks sowie die Gewöhnung und die Stimmung, in der man sich befindet, haben einen Einfluss. Ältere Menschen mit Alkoholabhängigkeit zeigen stärkere alkoholbedingte kognitive Veränderungen. Bei ihnen besteht auch eine geringere Wahrscheinlichkeit, dass sich die kognitiven Störungen bei dauerhafter Abstinenz erholen.

Sexualität

Übermäßiger Alkoholkonsum begünstigt bei beiden Geschlechtern ein riskantes Sexualverhalten. Sexuell übertragbare Krankheiten und unerwünschte Schwangerschaften kommen gehäuft vor. Alkoholiker klage häufig über Impotenz und eine erektile Dysfunktion.

Schwangerschaft / Embryonale und kindliche Entwicklung

Ist ein Embryo während der Organbildung Alkohol ausgesetzt, so besteht die Gefahr schwerer körperlicher und kognitiver Entwicklungsschäden. Ist die Organbildung bereits abgeschlossen, sind äußerliche Missbildungen kaum erkennbar. Schädigungen des zentralen Nervensystems (ZNS) – und damit verbundene Verhaltensstörungen – können allerdings auftreten. Heute weiß man, dass auch geringe Mengen Alkohol die körperliche und geistige Entwicklung von Kindern gefährden. Pädiater nennen Alkohol eine „teratogene Noxe“, also ein die Leibesfrucht schädigendes Gift.

Schon wenige Gramm Alkohol genügen, um bleibende Organschäden und ein fetales Alkoholsyndrom hervorzurufen. Die gleichzeitige Gabe von Alkohol und Cannabis verdoppeln das Vorkommen von Wachstumsstörungen und Fehlbildungen des Gehirns. Neugeborene von alkoholkranken Müttern müssen oftmals direkt nach der Geburt wegen Entzugserscheinungen intensivmedizinisch behandelt werden, denn der Fetus baut den Alkohol langsamer ab als im mütterlichen Organismus. Hinzu kommt, dass der Fetus Alkohol aus dem Fruchtwasser aufnimmt. Der noch nicht vollständig ausgebildete Organismus kann die toxischen Stoffe nur sehr langsam (oder gar nicht) abbauen.

Während der Stillzeit sollten stillende Mütter auf Alkohol verzichten, da dieser in die Muttermilch übertritt und zu gesundheitlichen Schäden des Säuglings führen kann. Mehr als zwei alkoholische Getränke täglich erhöhen das Risiko für einen plötzlichen Kindstod. Säuglinge können zu Beginn selbst geringe Alkoholmengen kaum abbauen.

Die früher in der Normandie übliche Gewohnheit, schreiende Säuglinge durch einige Tropfen Calvados in der Flasche ruhigzustellen, soll eine wirksame Methode zur Ruhestellung gewesen sein. Sie führte aber in der Region zu auffallend vielen geistig behinderten Kindern. An der Mosel war diese „Beruhigung“ schreiender Säuglinge in der Vergangenheit ebenfalls ein probates Mittel zur Ruhigstellung, soll aber ähnliche Störungen zur Folge gehabt haben.

Pubertät

Beihäufigerem Alkoholkonsum in der Pubertätdrohen Beeinträchtigungen der kognitiven Leistung, des Gedächtnisses, der räumlichen Wahrnehmung, des Abstraktions-, Problemlösungs- und Planungsvermögens sowie der Verhaltenskontrolle. Das Risiko für eine spätere Abhängigkeit steigt.

Osteoporose

Moderater Alkoholkonsum scheint einen eher protektiven Effekt auszuüben. Neuere epidemiologische Studien bestätigten erhöhte Knochendichtewerte bei Menschen, die geringen bis mäßigen Alkoholkonsum angaben. Welcher Mechanismus dafür verantwortlich ist, ist unklar (DHS 2013). Bei chronischem Alkoholmissbrauch kommt es häufiger zu einer Osteoporose und Osteomalazie. Sie sind die Folge von Veränderungen im Mineralstoffwechsel und Einflüssen des veränderten Östrogen- und Testosteronspiegels auf den Knochenstoffwechsel.

Schlaf

Weil Alkohol müde machen kann, herrscht die irrtümliche Auffassung, Alkohol  helfe bei Schlafproblemen. Dies trifft aber nur bedingt zu. Wer vor dem Schlafengehen Alkohol trinkt, schläft zwar schneller ein, nimmt dem Körper aber die Nachtruhe. Statt im Schlaf Erholung zu finden, ist der Organismus damit beschäftigt, den Alkohol abzubauen. Dadurch verkürzen sich die Tiefschlafphasen. Man schläft unruhig und wacht häufig auf. Zudem begünstigt Alkohol Schnarchen – was die Schlafqualität des (der) Partners bzw. der Partnerin einschränkt.

Alkohol in geringer Menge wirkt zwar beruhigend auf das zentrale Nervensystem. Mehr als ein Glas verhindert jedoch den für die Erholung notwendigen Wechsel zwischen Traum- und Tiefschlafphase.

Schlafstörungen durch Alkoholkonsum:

  • Alkohol beeinträchtigt die Tiefschlafphase und die nächtliche Erholungsphase.
  • Man muss wegen des Harndrangs häufiger aufstehen.
  • Schlafwandeln nimmt zu.
  • Die Muskulatur in den oberen Atemwegen erschlafft, so dass beim Ein- und Ausatmen Schnarchgeräusche entstehen. Es kann zu einer Schlafapnoe kommen.
  • Der Körper wird nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Man wacht kurz auf (meist ohne es zu merken). Dadurch wird der Schlafrhythmus unterbrochen. Das Herz beginnt schneller zu schlagen und der Blutdruck steigt (Arousal).
  • Alkoholkonsum fördert Übergewicht, das häufig mit Schlafstörungen assoziiert ist (z. B. Schnarchen, Schlafapnoe).

Übergewicht

Alkohol ist hochkalorisch und hemmt darüber hinaus auch die Fettverbrennung. Nach Fett (9 kcal/g) ist Alkohol der stärkste Kalorienlieferant (7,1 kcal/g). 1 g Zucker enthält übrigens „nur“ 4 kcal. Ein Liter Bier enthält je nach Alkoholgehalt ca. 280 kcal (40 g Alkohol x 7 Kcal = 280 kcal) und eine Flasche Wein (75o ml) je nach Alkoholgehalt bis zu 1000 kcal. Je höher der Alkoholgehalt, desto höher ist im Wein die Anzahl der Kalorien. Somit ist Wein theoretisch kalorienreicher als Bier, da man in der Regel aber mehr Bier (ca. 450 kcal) als Wein trinkt, neigen Biertrinker eher zu Übergewicht.

Alkohol (Ethanol) wird im Körper durch das Enzym Alkohol-Dehydrogenase (ADH) in Acetaldehyd umgewandelt und schließlich durch sogenannte Aldehyd-Dehydrogenasen (ALDH) weiter zu Acetat verarbeitet. Letzteres wird beispielsweise bei der Herstellung von Fettsäuren gebraucht, was ebenfalls ein Grund dafür sein kann, dass man bei regelmäßigem Alkoholkonsum Gewicht „ansetzt“.

Kaloriengehalt alkoholischer Getränke

  • Ein Liter Altbier (5 %) enthält ca. 450 kcal. Bockbier (7 %) 650 kcal.
  • Eine Flasche Sekt oder Champagner (0,75 l) enthält ca. 600 kcal.
  • Eine Flasche Rotwein (0,75 l) südafrikanischer Shiraz 13,5% enthält ca. 710 kcal.
  • Eine Flasche Weißwein (0,75 l Saar Riesling 8%) enthält ca. 420 kcal).
  • Eine Flasche Whisky (500 ml) = 1240 kcal.
  • Eine Flasche Branntwein (500 ml) = 1075 kcal.

Kommentar: Übergewicht zählt zu den wichtigsten Krebsrisikofaktoren. Beinahe 7 % aller Krebsneuerkrankungen sollen laut Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums im Zusammenhang mit Übergewicht stehen (Delbrück 2020, Behrends et al 2018).  Übergewicht schädigt – anders als die klassischen Kanzerogene – nicht die DNA -Struktur und verursacht Gen-Mutationen, sondern verstärkt ähnlich – wie Alkohol – die Aktivität und Wirkung von Kanzerogenen.

Der Großteil der Bevölkerung bringt Krebs eher mit Unter- als mit Übergewicht in Verbindung. Tatsächlich sind aber Zusammenhänge zwischen Übergewicht und der Krebsentstehung  eindeutiger. Sie sind allerdings nicht bei jeder Krebsart gleich ausgeprägt. Bei hormonempfindlichen Karzinomen (Brust-, Gebärmutter- und Prostatakrebs) und Darmkrebs ist das Risiko größer als bei anderen Tumoren.

Die Weltgesundheitsorganisation betrachtet starkes Übergewicht und Bewegungsarmut als das weltweit drängendste Gesundheitsproblem. Sie spricht von einer Epidemie.

Wie für Lebensmittel, so gibt es auch für alkoholische Getränke einen glykämischen Index (GI). Dieser zeigt an, wie stark der Blutzuckerspiegel nach dem Genuss bestimmter Lebensmittel und Getränke steigt. Je höher der Kaloriengehalt und der glykämische Index ausfallen, umso mehr Insulin wird ins Blut ausgeschüttet – und desto größer ist die Krebsgefährdung. Alkoholische Getränke mit besonders hohen GI-Werten sind Bier, Gin Tonic, Mixdrinks und Alcopops.

Interaktionen von Alkohol mit der Krebstherapie

Alkoholkonsum beeinflusst die Wirkung und die Verträglichkeit vieler Medikamente. Sowohl eine Verstärkung als auch eine Abschwächung sind möglich. Zu einer Verstärkung kann es kommen, wenn Alkohol und Medikamente am gleichen Rezeptor angreifen. Dies ist häufig bei zentral wirkenden Medikamenten (Psychopharmaka, Hypnotika, Analgetika, Antihistaminika) der Fall. Bei der Einnahme von Amitriptylin (SarotenR) darf man gleichzeitig keinen Alkohol zu sich nehmen. Chronischer Alkoholkonsum führt zu einem beschleunigten Abbau von Medikamenten, was z. B. zu einer geringeren Empfindlichkeit von Narkose- und Schmerzmitteln führt. Sie brauchen bei Zahnextraktionen meist eine stärkere Anästhesie. Benzodiazepine führen gelegentlich zu paradoxen Reaktionen.

Während einer Strahlentherapie besteht kein generelles Verbot für Alkohol. Ein Glas Sekt oder Rotwein ist am Behandlungstag erlaubt, es sei denn, die bestrahlten Tumore befinden sich im HNO-Bereich. An Tagen der Chemotherapie sollte man keinen Alkohol trinken. Jedes Zytostatikum hat ein eigenes Nebenwirkungsspektrum, weswegen man grundsätzlich den behandelnden Therapeuten nach möglichen Nebenwirkungen von Alkohol fragen sollte. Bei bestimmten Zytostatika (z. B. Methotrexat und Aminopterin) kann es zu einer verstärkten Wirkung kommen.

Interaktionen von Alkohol mit Diabetes

Alkohol hemmt die Glukosebildung in der Leber. Dies kann beim Typ-1-Diabetiker zu Problemen führen, da die notwendige Insulintherapie ein erhöhtes Risiko für eine Unterzuckerung birgt (Hypoglykämie Risiko). Gefürchtet sind nächtliche Unterzuckerungen, insbesondere bei Typ-1-Diabetes-Patienten.  Es gibt Berichte, dass etwa 1/5  der schweren Hypoglykämien von Diabetikern auf Alkoholkonsum zurückzuführen sind. Auch nach mehreren Stunden kann es noch zu einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) kommen. Auch beim Typ-2-Diabetiker, der nicht mehr allein durch diätetische Maßnahmen behandelt werden kann, beinhalten bei Alkoholkonsum  orale Antidiabetika sowie eine Insulintherapie die Gefahr der Hypoglykämie. Besonders gefährdet sind alkoholkranke Diabetiker/-innen mit fortgeschrittener Lebererkrankung, bei denen die Glykogenspeicher entleert sind. Jeder Typ-1-Diabetiker weiß, dass man beim Trinken von Alkohol etwas Kohlenhydrathaltiges verzehren muss.

Kommentar: Diabetische Spätkomplikationen treten bei Alkoholikern gehäuft auf. Dies ist zum einen auf die direkte Wirkung von Alkohol, vor allem jedoch auf die problematische Stoffwechseleinstellung des alkoholkranken Diabetikers zurückführen. Die früher häufig gegebene Empfehlung der totalen Alkoholabstinenz ist allerdings sowohl beim Typ-1- als auch beim Typ-2-Diabetiker nicht angemessen, sagt die Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e. V.  Beim gesunden Menschen hat akuter Alkoholkonsum aufgrund der körpereigenen Fähigkeit zur Aktivierung gegenregulatorischer Mechanismen keinen Einfluss auf die basalen Insulinspiegel im Serum (Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren e. V. (DHS) Hrsg): Suchtmedizinische Reihe Band 1. Alkoholabhängigkeit (2013).

Ändert sich die Alkoholverträglichkeit mit dem Alter?

Während man hohen Alkoholkonsum in der Jugend häufig mit Verkehrsunfällen assoziiert, verbindet man  hohen Alkoholkonsum bei älteren Menschen eher mit Einschränkungen der Gesundheit. Hoher Alkoholkonsum soll – ebenso wie Bluthochdruck – bei älteren Menschen alle Arten von Demenz fördern. Gedächtnisstörungen sind häufig das erste Symptom. Zittern, allgemeines Unwohlsein, Kopfschmerzen, ein unsicherer Gang, Schlafstörungen, depressive Verstimmungen, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und wiederholte Stürze können auf alkoholbedingte Probleme hinweisen. Die Whitehall Studie 2 hat Zusammenhänge von langjährigem, moderaten Alkoholkonsum und einer Hippocampusatrophie, einem frühen Hinweis auf eine Alzheimer‘sche Erkrankung, beschrieben.

Vielen älteren Menschen ist nicht bewusst, dass Alkohol bei ihnen stärker wirkt als bei jüngeren Menschen. Ein Grund für die schlechtere Verträglichkeit ist, dass bei ihnen der Wasseranteil im Körper sinkt und die gleiche Menge getrunkenen Alkohols zu einem höheren Alkoholpegel im Blut führt als bei Jüngeren. Ein anderer Grund ist die häufigere Einschränkung der Leberfunktion.

Kommentar: In den USA wird Älteren (ab 75 Jahren) empfohlen, nicht mehr als 10 g Alkohol pro Tag zu konsumieren. Das entspricht etwa einem Glas Bier (0,25 Liter) oder einem Glas Wein (0,1Liter)

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