Brustkrebs: Immunologische Einflüsse und Infektionen

Gibt es Zusammenhänge zwischen der Immunabwehr und dem Brustkrebsrisiko?

Zwar gibt es keine eindeutigen Beweise, aber naheliegende Hinweise dafür, dass der Immunabwehr eine nicht unbeträchtliche Rolle bei der Krebsentstehung zukommt. Beobachtungen sprechen dafür, dass bei einer Immunabwehrschwäche die Gefährdung durch andere Risiken beträchtlich steigt. Die körpereigene Abwehr ist ein sehr komplexes Geschehen, das sich aus vielen einzelnen immunologischen Abläufen und Einflußfaktoren zusammensetzt. Was für einzelne Abläufe in der Immunabwehr förderlich ist, kann auf andere blockierend wirken. Welche Schritte in der »Immunkaskade« schließlich für die Auslösung und Manifestation einer Krebserkrankung bzw. die Aktivierung und Wegbereitung von Onkogenen oder die Inaktivierung von Reparaturgenen verantwortlich sind, ist noch weitgehend unklar. Ob und inwiefern belastungsabhängige Veränderungen im Immunsystem für die Entstehung einer Krebserkrankung von Bedeutung sind, ist weit weniger gesichert, als oft angenommen. Vorstellbar ist eine Krebs fördernde Wirkung lokaler, immunologischer Störungen im Brustgewebe. Eine ständige Immunreizung, wie sie bei einer chronischen Entzündung stattfindet, könnte bei der Krebsentstehung ebenso wie eine lokale Schwächung eine gewisse Bedeutung haben. Sie kann altersbedingt sein, kann im Zusammenhang mit einer chronischen Entzündung oder einem FremdkörperReiz stehen und Folge einer ständigen Überforderung oder Auswirkung von Schadstoffen sein. Die Beobachtung, dass bei unbehandelten AIDS-Patientinnen Brustkrebs häufiger auftritt, frühzeitiger und auch bösartiger verläuft, lässt auch auf systemische immunologische Einflußfaktoren schließen. Hierfür spricht, dass sich nach einer erfolgreichen AIDSTherapie, die Immunabwehr stabilisiert und das Krebsrisiko abnimmt. HIV-Viren verursachen zwar selber keinen Krebs, wirken jedoch indirekt wie ein Kofaktor, indem die durch sie verursachte Schwächung der Immunabwehr die Aggressivität der Tumorzellen verstärkt. Die bei Transplantierten häufige Immunabwehrschwäche wird auch für die bei ihnen häufigeren Krebserkrankungen verantwortlich gemacht. Die zur Verhinderung der Transplantatabstoßung eingenommenen Medikamente erhöhen das Krebsrisiko.

Gibt es Zusammenhänge mit Infektionen? Spielen Virusinfektionen eine Rolle?

Krebs ist nicht ansteckend und kann auch nicht durch Wunden oder Bluttransfusionen übertragen werden. Die Diskussion um Viren als Auslöser bestimmte Formen von Brustkrebs führt immer wieder dazu, dass Menschen Scheu vor engem Kontakt mit Krebspatienten haben. Eine Befürchtung, die unbegründet ist, obwohl bei anderen Karzinomen, so beim Krebs des Muttermundes, beim Schamlippenkrebs oder beim Afterkrebs) Virusinfektionen begünstigend wirken können.

Gibt es Zusammenhänge zwischen der Psyche, der Immunabwehr und Krebs?

Die so genannte Psychoneuroimmunologie, ein in den 1990er-Jahren in der Öffentlichkeit viel beachtetes Forschungsgebiet, hat bisher weit weniger greifbare Ergebnisse geliefert als erhofft. Ob und inwiefern stressabhängige Veränderungen im Immunsystem für die Entstehung einer Krebserkrankung von Bedeutung sind, ist bisher kaum gesichert.

Quelle und Leseempfehlung zur Brustkrebsvorsorge:

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Hermann Delbrück ist Arzt für Hämatologie – Onkologie und Sozialmedizin sowie Rehabilitation und physikalische Therapie und Hochschullehrer für Innere Medizin und Sozialmedizin. Während seiner Laufbahn in der experimentellen, kurativen und vor allem rehabilitativen Onkologie veröffentlichte er mehrere Lehrbücher. Er ist der Herausgeber zahlreicher Ratgeber für Betroffene mit Krebs. Seit seiner Emeritierung 2007 befasst er sich vorrangig mit Fragen der Prävention von Krebs.