Lungenkrebs: Immunabwehrschwäche und Viren als Ursache?

Bildquelle: Julo “Cancer” über Wikimedia Commons (Lizenz)

Gibt es Zusammenhänge zwischen der Immunabwehr und dem Lungenkrebsrisiko?

Zwar gibt es keine eindeutigen, aber naheliegende Hinweise dafür, dass der Immunabwehr eine nicht unbeträchtliche Rollebei der Krebsentstehung zukommt. Beobachtungen sprechen dafür, dass bei einer Immunabwehrschwäche die Gefährdung durch andere Risiken beträchtlich steigt. Die körpereigene Abwehr ist ein sehr komplexes Geschehen, das sich aus vielen einzelnen immunologischen Abläufen und Einflussfaktoren zusammensetzt. Was für einzelne Abläufe in der Immunabwehr förderlich ist, kann sich auf andere blockierend auswirken.
Welche Schritte in der »Immunkaskade« schließlich für die Auslösung und Manifestation einer Krebserkrankung bzw. die Aktivierung und Wegbereitung von Onkogenen oder die Inaktivierung von Reparaturgenen verantwortlich sind, ist noch weitgehend unklar. Ob und inwiefern belastungsabhängige Veränderungen im Immunsystem für die Entstehung einer Krebserkrankung von Bedeutung
sind, ist weit weniger gesichert, als oft angenommen. Vorstellbar ist eine krebsfördernde Wirkung lokaler, immunologischer Störungen im Lungengewebe. Eine ständige Immunreizung, wie sie bei einer chronischen Entzündung stattfindet, könnte bei der Krebsentstehung ebenso wie eine lokale Schwäche Bedeutung haben. Sie kann altersbedingt sein, kann im Zusammenhang mit einer chronischen Entzündung oder einem Fremdkörper-Reiz stehen und Folge einer ständigen Überforderung oder Auswirkung von Schadstoffen sein.
Die Beobachtung, dass bei unbehandelten AIDS-Patienten Lungenkrebs häufiger, frühzeitiger und auch bösartiger verläuft, lässt auch auf systemische immunologische Einflussfaktoren schließen. Hierfür spricht auch, dass sich nach einer erfolgreichen AIDS-Therapie die Immunabwehr stabilisiert und das Krebsrisiko abnimmt. HIV-Viren verursachen zwar selber keinen Krebs, verstärken jedoch indirekt durch die Immunabwehrschwäche die Aggressivität der Tumorzellen. Die bei Transplantierten häufige Immunabwehrschwäche wird auch für die häufigeren Krebserkrankungen verantwortlich gemacht. Die zur Verhinderung der Transplantatabstoßung eingenommenen Medikamente erhöhen das Krebsrisiko.

Spielen Virusinfektionen eine Rolle?

Krebs ist nicht ansteckend und kann auch nicht durch Wunden oder Bluttransfusionen übertragen werden. Die Diskussion um Viren als Auslöser bestimmter Formen von Lungenkrebs führt immer wieder
dazu, dass Menschen Scheu vor engem Kontakt mit Krebspatienten haben. Eine Befürchtung, die unbegründet ist, obwohl bei Adenokarzinomen der Lunge Virusinfektionen eine Rolle spielen könnten.
Bewohner in Taiwan und Okinawa/Japan sind in hohem Maße von Infektionen betroffen, die Papillome in der Lunge hervorrufen. Bei den auf dem Boden von diesen Papillomen entstehenden Tumoren in der Lunge handelt es sich vorwiegend um Adenokarzinome. Humane Papilloma Viren (HPV) und Epstein-Barr- Viren (EBV) sollen die Ursache sein.

Gibt es Zusammenhänge zwischen der Psyche, der Immunabwehr und Krebs?

Die so genannte Psychoneuroimmunologie, ein in den 1990er Jahren in der Öffentlichkeit viel beachtetes Forschungsgebiet, hat bisher weit weniger greifbare Ergebnisse geliefert als erhofft. Ob und inwiefern stressabhängige Veränderungen im Immunsystem für die Entstehung einer Krebserkrankung von Bedeutung sind, ist bisher kaum gesichert.

Quelle und Buch-Tipp:

Lungenkrebs vermeiden

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Hermann Delbrück ist Arzt für Hämatologie – Onkologie und Sozialmedizin sowie Rehabilitation und physikalische Therapie und Hochschullehrer für Innere Medizin und Sozialmedizin. Während seiner Laufbahn in der experimentellen, kurativen und vor allem rehabilitativen Onkologie veröffentlichte er mehrere Lehrbücher. Er ist der Herausgeber zahlreicher Ratgeber für Betroffene mit Krebs. Seit seiner Emeritierung 2007 befasst er sich vorrangig mit Fragen der Prävention von Krebs.