WHO-Warnung: Verursacht Fleischkonsum Krebs?

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WHO: Warnung vor rotem Fleisch

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft in einem aktuellen Bericht Wurst, Schinken und verarbeitetes Fleisch als hochgradig krebserregend ein. Eine Meldung, die vor allem in Deutschland Aufsehen erregte, einem Land in dem besonders viel verarbeitetes Fleisch gegessen wird. Das Thema wurde von allen großen Medien aufgegriffen inklusive Panikmache. Dabei zeigt der WHO-Bericht nur, dass es eine Korrelation zwischen Fleischkonsum und Krebs gibt. Diese Kenntnis ist nicht etwa neu, sondern schon seit Jahren bekannt. Nach wie vor ist jedoch der zum Darmkrebs führende Wirkmechanismus unklar.
Sehr wahrscheinlich sind es mehrere Mechanismen:

Fett als Ursache

Viele Ernährungswissenschaftler meinen, der hohe Fettanteil sei krebsfördernd. Sie verweisen auf die geringere Darmkrebshäufigkeit in Ländern, wo der Fettanteil der Ernährung unter 20 % liegt. Da Schweine-, Rind- und Lammfleisch besonders fettreich sind, sei die Krebsgefährdung größer als bei Geflügel, Wild und Fischgerichten.

Karzinogene Inhaltsstoffe

Diskutiert werden neben dem Fettgehalt karzinogene Inhaltsstoffe bei der Zubereitung und Verarbeitung von Fleisch; so polyzyklische aromatische Wasserstoffverbindungen, die beim Braten, Grillen und Frittieren entstehen.

Nitrite und Nitrate

Krebsfördernde Einflüsse von Nitriten und Nitraten (Nitrosoamine) sowie eine hohe Konzentration des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin) bzw. von Eisen könnten als (Mit) Ursache in Frage kommen. Tatsächlich gibt es experimentelle Daten, die einen schädigenden Effekt des roten Blutfarbstoffs auf die Darmschleimhaut nachweisen. Den Nitrosaminen wird schon lange eine krebsfördernde Wirkung im Magen-Darm-Trakt zugeschrieben. Pökelsalze wandeln sich im verarbeiteten Fleisch zu Nitrosaminen um.

Hohe Insulin Konzentration

Eine Ursache könnte die hohe IgF-1(Insulin like Growth factor)-Konzentration im Blut bei fleischreicher Kost sein. Sie soll zu einem „oxydativem Stress“ durch freie Radikale führen.

Viren

Seit einigen Jahren wird von Forschern auf den potentiell krebsfördernden Einfluss bestimmter Viren in roh oder „medium“ zubereitetem Rindfleisch hingewiesen. Sie erwähnen die rapide Zunahme von Darmkrebs in Japan und Korea, wo zunehmend mehr „medium“ gebratenes Rindfleisch konsumiert wird. In den ländlichen Regionen Indiens, wo, wegen der hinduistischen Vorschriften, so gut wie gar kein Rindfleisch gegessen wird, seien Darmkarzinome hingegen kaum verbreitet. Auch in den arabischen Ländern, wo nur gut durchgegrilltes Rind-, Schaf- und Ziegenfleisch gegessen wird, sei Darmkrebs selten. Rohes und „medium“ zubereitetes Rindfleisch sowie luftgetrocknetes Rindfleisch wird für besonders gefährlich gehalten, da sich in ihm die Krebs verursachenden Polyoma- und Papilloma-Viren (HPV) vermehren, die erst bei Temperaturen von über 70 Grad abgetötet werden können (Brookman-May 2010, zur Hausen 2012). „Medium“ zubereitetes Rindfleisch erreicht im Inneren zumeist nur 30 bis 50 Grad, was zur Inaktivierung dieser Viren nicht ausreicht. Polyoma- und Papilloma-Viren sind nachweislich ein Risikofaktor für den Muttermundkrebs (Zervix Karzinom) sowie den Mastdarmkrebs (Analkrebs). Präventive Impfungen gegen HPV-Infektionen schützen gegen diese Erkrankungen.
Quelle& Buchempfehlung: Darmkrebs vermeiden (Personalisierte Krebsvorsorge und Früherkennung)

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Hermann Delbrück ist Arzt für Hämatologie – Onkologie und Sozialmedizin sowie Rehabilitation und physikalische Therapie und Hochschullehrer für Innere Medizin und Sozialmedizin. Während seiner Laufbahn in der experimentellen, kurativen und vor allem rehabilitativen Onkologie veröffentlichte er mehrere Lehrbücher. Er ist der Herausgeber zahlreicher Ratgeber für Betroffene mit Krebs. Seit seiner Emeritierung 2007 befasst er sich vorrangig mit Fragen der Prävention von Krebs.