Lungenkrebs: Einflüsse von Vor- und Begleiterkrankungen

Gibt es Krankheiten, die das Lungenkrebsrisiko erhöhen?

Menschen mit bestimmten Lungenerkrankungen (z. B. Lungenemphysem, chronische Bronchitis, Silikose und Tuberkulose) sind stärker krebsgefährdet als gesunde Mitmenschen. An einem Lungenemphysem leidende Menschen haben ein fast 2,5fach höheres Risiko für Lungenkrebs. Bei chronischer Bronchitis und Tuberkulose ist das Risiko 1,5fach, bei Lungenentzündung 1,6fach höher. Ein Lungenemphysem haben häufig starke Raucher und sind auch deshalb stärker krebsgefährdet. Chronisch-entzündliche Reizungen sind ein Risiko. Sie entstehen gelegentlich im Bereich alter Lungennarben, so nach Tuberkulose, Silikose oder einem Lungeninfarkt. Der oxydative Stress sowie der ständige Reiz zu Zellneubildungen werden für die höhere Krebsgefährdung verantwortlich gemacht. Auch die idiopathische Lungenfibrose gilt als Risikofaktor.

Sind Menschen mit einer Immunabwehrschwäche gefährdet?

HIV-Patienten haben ein erhöhtes Risiko, denn sie bauen keine Abwehrstoffe gegen Schadstoffe und krebserregende Viren auf. Bei ihnen korreliert das Erkrankungsrisiko mit der Konzentration von CD4-positiven Zellen. Erhalten HIV-Erkrankte eine antivirale Therapie und verbessern sich die Immunparameter, so reduziert sich das Krebsrisiko. Es bleibt allerdings weiterhin erhöht, wofür weniger die AIDS-Medikamente als das Gesundheitsverhalten von HIV-Patienten verantwortlich ist, denn der Tabakkonsum ist bei HIV-Patienten häufig sehr hoch (gewesen). Auch haben sich viele AIDS-Patienten häufig zusätzlich mit anderen potentiell onkogenen Viren infiziert.

Ist Diabetes ein Risikofaktor?

Anders als beim Typ 1 stellt die Bauchspeicheldrüse beim Typ-2- Diabetes (Altersdiabetes) zwar genug Insulin her, das aber von den Körperzellen schlechter verwertet wird. In der Folge produziert die Bauchspeicheldrüse kompensatorisch vermehrt Insulin. Es kommt zu einem ständig hohen Insulinspiegel im Blut, der die Entwicklung vieler Krebserkrankungen begünstigt, so auch von Lungenkrebs.
Krebserkrankungen verlaufen bei Typ-2-Diabetikern aggressiver. Die für den Diabetes-Typ-2 typische Überproduktion von Insulin und Insulin ähnlichen Faktoren (Hyperinsulinämie) kann den Übergang von Krebsvorstufen zu Krebs beschleunigen. Mit zunehmender Erkrankungsdauer steigt das Risiko. Auch kommt es beim Typ-2-Diabetes zu einer erhöhten Produktion von Entzündungsfaktoren, die wiederum das Zellwachstum fördern. Risiko steigernd wirkt sich auch die häufige Leberverfettung aus. Beunruhigend ist die rasante Zunahme von Typ-2-Diabetikern. Vieles deutet darauf hin, dass dies mit den veränderten Lebensgewohnheiten im Zusammenhang steht.

Sind Depressionen mitverantwortlich für die Krebsentstehung?

Es gibt mehrere großangelegte Studien, die sich mit dieser Frage befasst haben. So wurde u. a. dieser Frage in einer dänischen prospektiv durchgeführten Registerstudie bei über 90.000 Depressiven nachgegangen. Man beobachtete zwar ein geringfügig erhöhtes Lungenkrebs-Vorkommen im Vergleich zu der gesunden Bevölkerung, wurde aber der höhere Zigarettenkonsum Depressiver berücksichtigt, ließen sich keine Häufigkeitsunterschiede feststellen. Letzteres bestätigte auch eine große französische Studie, die den Zusammenhang zwischen Depression und Krebs bei Mitarbeitern des Gas- und Elektronikkonzerns GAZEL untersuchte. In ihr wurden die klinischen Daten von mehr als 14.000 Mitarbeitern über einen Zeitraum von 15 Jahren erfasst und ausgewertet. Das Ergebnis lautet: Es ist kein Zusammenhang zwischen Depression und Krebs feststellbar.

Quelle und Buch-Tipp:

Lungenkrebs vermeiden

Hermann Delbrück ist Arzt für Hämatologie – Onkologie und Sozialmedizin sowie Rehabilitation und physikalische Therapie und Hochschullehrer für Innere Medizin und Sozialmedizin. Während seiner Laufbahn in der experimentellen, kurativen und vor allem rehabilitativen Onkologie veröffentlichte er mehrere Lehrbücher. Er ist der Herausgeber zahlreicher Ratgeber für Betroffene mit Krebs. Seit seiner Emeritierung 2007 befasst er sich vorrangig mit Fragen der Prävention von Krebs.