Brustkrebs: BRCA-Gen

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, ein mutiertes BRCA-Gen zu haben?

Bei mehr als 25 % aller Brustkrebspatientinnen, die jünger als 40 Jahre sind, soll eine BRCA-Mutation vorliegen. Die Wahrscheinlichkeit hierfür bei einer Krebserkrankung nach dem 51. Lebensjahr beträgt weniger als 3 % und ist sehr unwahrscheinlich, wenn die Patientin zum Zeitpunkt der Erkrankung über 70 Jahre alt ist. Ein Hochrisikogen als Ursache ist auch unwahrscheinlich, wenn lediglich eine Brust befallen ist, wenn die Krebserkrankung auf eine Hormontherapie anspricht und die Krankheit einen »eher gutartigen« Verlauf nimmt. In Familien mit zwei an Brustkrebs erkrankten jungen Frauen (< 50 Jahre) (und/oder an Brustkrebs erkrankten Männern) beträgt die Wahrscheinlichkeit eines mutierten BRCA1/2-Gens 14 Prozent, bei drei erkrankten Frauen mehr als 20 Prozent. Wurde bei einer Erkrankten ein mutiertes BRCA1- oder BRCA2Gen nachgewiesen, wird den anderen Familienmitgliedern empfohlen, sich ebenfalls zu untersuchen lassen. Auch die männlichen Nachkommen sollten sich untersuchen lassen.

Können auch Männer an Brustkrebs erkranken?

Vielen ist nicht bekannt, dass die BRCA- und PALB2-Genmutationen und die damit einhergehende erhöhte Krebsgefährdung auch an männliche Nachkommen vererbt werden und von diesen wiederum an die Kinder mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit weitergegeben werden können. 1 % aller Brustkrebserkrankten in Deutschland sind Männer. Sie erkranken durchschnittlich etwa zehn Jahre später als Frauen. Ihr durchschnittliches Erkrankungsalter liegt zwischen 60 und 70 Jahren. Meist wird der Krebs bei ihnen erst spät erkannt, denn bei mehr als 40 % der Betroffenen befindet sich der Tumor zum Zeitpunkt der Diagnose schon im Ausbreitungsstadium III und IV. Angeborene genetische Risiken sind bei ihnen zumeist die Ursache. Männer mit einer angeborenen BRCA2- oder einer PALB2-GenMutation sind besonders gefährdet (Backe et al. 2002). Sie haben auch ein leicht erhöhtes Risiko für Bauchspeicheldrüsen- und Prostatakarzinom. Bei ca. 30 % ist eine familiäre Häufung von Brustkrebserkrankungen bekannt.

Gibt es ethnische Häufigkeitsunterschiede?

Dass (invasive) Brustkrebserkrankungen in der asiatischen Bevölkerung seltener als in Europa und den USA sind, liegt wahrscheinlich weniger an einer vererbbaren genetischen Konstellation als an unterschiedlichen Umwelteinflüssen und Lebensgewohnheiten. Bestätigt wird dies durch Migrationsstudien. Japanerinnen (und insbesondere deren weibliche Nachkommen), die nach Hawaii ausgewandert sind, erkranken viermal häufiger an Brustkrebs als ihre im Herkunftsland verbliebenen Landsleute. Gleiches trifft auf Afroamerikanerinnen zu, in deren Heimatland das Erkrankungsrisiko weit geringer ist als in Amerika (Flegal et al. 2002). Dass Brustkrebserkrankungen bei Frauen schwarzafrikanischer Herkunft in den USA besonders häufig sind und bösartiger verlaufen als bei einheimischen US Frauen europäischer Abstammung, wird auf äußere Einflüsse (Ernährungsweise, Lebensgewohnheiten, psychosoziale Besonderheiten), nicht aber auf angeborene genetische Faktoren zurückgeführt.

Quelle und Leseempfehlung zur Brustkrebsvorsorge:

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Hermann Delbrück ist Arzt für Hämatologie – Onkologie und Sozialmedizin sowie Rehabilitation und physikalische Therapie und Hochschullehrer für Innere Medizin und Sozialmedizin. Während seiner Laufbahn in der experimentellen, kurativen und vor allem rehabilitativen Onkologie veröffentlichte er mehrere Lehrbücher. Er ist der Herausgeber zahlreicher Ratgeber für Betroffene mit Krebs. Seit seiner Emeritierung 2007 befasst er sich vorrangig mit Fragen der Prävention von Krebs.