Brustkrebs-Vorsorge: Erkrankungsgefahr und Einflüsse

Welche Einflüsse begünstigen die Krebsentstehung (Tumorinitiation) und welche die weitere Entwicklung der Krankheit (Tumorpromotion)?
Für die Entstehung von Krebsgenen (Tumorinitiation) und die weitere Krankheitsentwicklung sind in der Regel andere Einwirkungen verantwortlich (Tumorpromotion). Einzelne Genmutationen bzw. „Krebsgene“ mit fehlregulierten Krebszellen führen nicht zwangsläufig zu einer Krebskrankheit. Man schätzt, dass die meisten Genschäden dank Reparaturgenen repariert oder gar eliminiert werden. Das Gen p53 ist z. B. ein solches Reparaturgen („Tumorsuppressor-Gen“). Ist es geschädigt (mutiert), so erhöht sich das Risiko einer Krebserkrankung. Die BRCA-Gene haben eine große Bedeutung für die Aktivität von Reparaturgenen. Sind sie mutiert und beeinträchtigt, steigt das Erkrankungsrisiko. Frauen mit mutierten BRCA-Genen haben daher ein hohes Krebserkrankungsrisiko. Die Dominanz (Penetranz) und die Aktivität von Krebsgenen haben einen großen Einfluss, ob es zu einer Krebskrankheit kommt. Nicht alle Krebsgene sind nämlich aktiv. Viele werden erst bei zusätzlichen Ereignissen aktiv. „Epigenetische“ Faktoren“ entscheiden mit darüber. Damit sich kranke Zellen vermehren und ein Tumor entsteht, der das Gewebe infiltriert, bedarf es weiterer Einflüsse. Hierzu zählt man Tumorpromotoren, die die Aggressivität der Krebszellen und das Mikromilieu im Brustgewebe beeinflussen. Natürlich spielt auch die Immunabwehr eine Rolle. Somit sind drei Faktoren Voraussetzung zur Entwicklung einer Krebskrankheit: Zum einen Faktoren, die zu Genmutationen und fehlregulierten Zellen führen, zum zweiten epigenetische Einflüsse, die die Aktivität der mutierten Gene beeinflussen und zum dritten Tumorpromotoren als Wegbereiter für eine Invasion der Krebszellen. Natürlich spielen auch Schutzfaktoren eine Rolle, die gegebenenfalls kranke Gene und/oder Zellen eliminieren.

Wie groß ist die Erkrankungsgefahr, je nach Verursachung?

Man geht zunehmend davon aus, dass die Vorlaufzeit lange währt und mehrere Einflüsse zusammentreffen müssen, damit ein Karzinom entsteht. Insofern ist es schwierig, den einzelnen Risikofaktoren ein zahlenmäßiges Grading, ihrer Bedeutung entsprechend, zuzuordnen. Die im Folgenden angegebenen Abstufungen (Gradings) sind daher hypothetisch.

Relative Risikoerhöhung für Brustkrebs im Vergleich zur Normalbevölkerung:

  • *fortgeschrittenes Alter ( > 4)
  • *Krebserkrankung der anderen Brust ( > 4)
  • *Eierstockkrebs ( > 10)
  • *eine an Brustkrebs oder Eierstockkrebs erkrankte Angehörige ersten Grades im Alter < 50 Jahre ( > 3)
  • *eine Angehörige ersten Grades mit Brustkrebs ( > 2,0)
  • *zwei Angehörige ersten Grades mit Brustkrebs ( > 4)
  • *drei oder mehr Angehörige ersten Grades mit Brustkrebs ( > 12)
  • *zwei oder mehr Angehörige zweiten Grades mit Brustkrebs (1,5 -1,7)
  • *häufigere Prostatakrebserkrankungen bei Angehörigen ( > 2)
  • *angeborene Hochrisikogene wie z. B. Brca1/Brca2-Genmutation (> 5)
  • *angeborene moderat penetrante Risikogene wie z. B. atM, cheK2, PalB2 (1,5 – 5,0)
  • *angeborene Niedrigrisikovarianten wie z. B. FGFr2, tOX3 (< 1,5)
  • *Lynch Syndrom, Cowden Syndrom, Peutz-Jeghers Syndrom, familiäres diffuses Magenkarzinom ( > 4)
  • *frühere Brustkrebserkrankung (3-4)
  • *Dcis Krebsvorstufe ( > 8)
  • *Zustand nach Entfernung einer Dcis oder Clis ( > 4)
  • *frühere Brustbiopsie mit atypischer Hyperplasie (4 – 5)
  • *frühere Brustbiopsie mit Lcis oder Dcis (8 – 10)
  • *Brustimplantat (1,25)
  • *erste Regelblutung < 12 Jahre (2)
  • *späte Regelblutungen (1,5 – 2)
  • *keine Geburten (nullipara) (1,4)
  • *hormonelle Antikonzeption, „die Pille“ (ca. 1.2)
  • *Spätgebärende (> 30 Jahre) bei der ersten Geburt (1,5 – 2)
  • *mehr als 5 Jahre kombinierte Östrogen/Gestagentherapie kurz nach Beginn der Wechseljahre (1,5 – 2,0)
  • *häufige Lungenaufnahmen und Durchleuchtungen in der Jugend ( > 1)
  • *Bestrahlung der Lunge/Brustregion in der Jugend ( > 3)
  • *Typ-2-Diabetes (1.3 – 1.8)
  • *starkes Übergewicht (BMi > 30) nach den Wechseljahren (1.4)
  • *hohe Körpergröße (1,3)
  • *geringfügiger Alkoholkonsum < 12 g. täglich nach den Wechseljahre (1,05)
  • *regelmäßiger Alkoholkonsum > 20 g. täglich nach den Wechseljahren (1,2)
  • *regelmäßiger Alkoholkonsum > 30 g. täglich nach den Wechseljahren (1,5)
  • *körperliche Inaktivität nach Wechseljahren bei Normalgewicht (1.4)
  • *körperliche Inaktivität nach Wechseljahren bei Übergewicht ( < 1)
  • *Zigarettenrauchen (20 Packungsjahre) bis zur Ersten ausgetragenen Schwangerschaft) (1.75)
  • *extreme Dichte des Brustgewebes im Alter 40 – 49 Jahre (2)
  • *extreme Dichte des Brustgewebes (nach den Wechseljahren) ( > 3)
  • *unterschiedlich dichtes Brustgewebe (1,5 – 2)

Welche Einflüsse begünstigen die Krebsentstehung (Tumorinitiation) und welche die weitere Entwicklung der Krankheit (Tumorpromotion)?

Für die Entstehung von Krebsgenen (Tumorinitiation) und die weitere Krankheitsentwicklung sind in der Regel andere Einwirkungen verantwortlich (Tumorpromotion). Einzelne Genmutationen bzw. „Krebsgene“ mit fehlregulierten Krebszellen führen nicht zwangsläufig zu einer Krebskrankheit. Man schätzt, dass die meisten Genschäden dank Reparaturgenen repariert oder gar eliminiert werden. Das Gen p53 ist z. B. ein solches Reparaturgen („Tumorsuppressor-Gen“). Ist es geschädigt (mutiert), so erhöht sich das Risiko einer Krebserkrankung. Die BRCA-Gene haben eine große Bedeutung für die Aktivität von Reparaturgenen. Sind sie mutiert und beeinträchtigt, steigt das Erkrankungsrisiko. Frauen mit mutierten BRCA-Genen haben daher ein hohes Krebserkrankungsrisiko. Die Dominanz (Penetranz) und die Aktivität von Krebsgenen haben einen großen Einfluss, ob es zu einer Krebskrankheit kommt. Nicht alle Krebsgene sind nämlich aktiv. Viele werden erst bei zusätzlichen Ereignissen aktiv. „Epigenetische“ Faktoren“ entscheiden mit darüber. Damit sich kranke Zellen vermehren und ein Tumor entsteht, der das Gewebe infiltriert, bedarf es weiterer Einflüsse. Hierzu zählt man Tumorpromotoren, die die Aggressivität der Krebszellen und das Mikromilieu im Brustgewebe beeinflussen. Natürlich spielt auch die Immunabwehr eine Rolle. Somit sind drei Faktoren Voraussetzung zur Entwicklung einer Krebskrankheit: Zum einen Faktoren, die zu Genmutationen und fehlregulierten Zellen führen, zum zweiten epigenetische Einflüsse, die die Aktivität der mutierten Gene beeinflussen und zum dritten Tumorpromotoren als Wegbereiter für eine Invasion der Krebszellen. Natürlich spielen auch Schutzfaktoren eine Rolle, die gegebenenfalls kranke Gene und/oder Zellen eliminieren.

Quelle und Leseempfehlung zur Brustkrebsvorsorge:

Hermann Delbrück ist Arzt für Hämatologie – Onkologie und Sozialmedizin sowie Rehabilitation und physikalische Therapie und Hochschullehrer für Innere Medizin und Sozialmedizin. Während seiner Laufbahn in der experimentellen, kurativen und vor allem rehabilitativen Onkologie veröffentlichte er mehrere Lehrbücher. Er ist der Herausgeber zahlreicher Ratgeber für Betroffene mit Krebs. Seit seiner Emeritierung 2007 befasst er sich vorrangig mit Fragen der Prävention von Krebs.