Brustkrebs Risiken: Medikamentös, Strahlung, Brustimplantate und Deos

Foto: Kristian Pfaller

Erhöhen Brustimplantate das Brustkrebsrisiko?

Tritt die in den Prothesen befindliche Silikonflüssigkeit aus, so kann es zu einer chronischen Entzündung kommen, die das Zellwachstum stimuliert. Sehr selten kommt es auch zu immunologischen Problemen bei intakter Prothesenoberfläche. Man hat den Eindruck, dass dies vor allem bei Prothesen mit texturierter Oberfläche häufiger ist. Bei Schwellungen, Rötungen und erst recht bei Entzündungen sollte man den Arzt aufsuchen. Sehr selten kann ein Lymphdrüsenkrebs die Ursache sein. Dass bei Frauen mit Brustimplantaten häufiger ein fortgeschrittener Brustkrebs auftritt, hängt wahrscheinlich eher mit der erschwerten mammographischen Krebserkennung zusammen. Brustimplantate – gleich welcher Machart – sind röntgendicht und können Teile des Brustgewebes im Röntgenbild verdecken. Vor allem die vor dem Muskel liegenden, weniger die unter der Muskelschicht, liegenden Silikonkissen erschweren die Diagnostik. Deswegen, aber auch zur Erkennung möglicher Kapselrisse, empfehlen viele Experten bei Vorliegen von Brustimplantaten die Sonographie und/oder das Kernspin zur Vorsorge-Früherkennung einzusetzen.

Welchen Einfluss hat die Hormonersatztherapie?

Eine längere Hormonbehandlung geht mit dem Risiko gesundheitlicher Nebenwirkungen einher. Neben einer erhöhten Gefährdung für Herzinfarkt, Thromboembolien, Schlaganfälle, Lungenkrebs und Demenz besteht auch ein erhöhtes Erkrankungsrisiko für Brustkrebs. Ob die häufig bei Wechseljahresbeschwerden empfohlenen pflanzlichen Östrogene (Phytooestrogene) tatsächlich harmlos sind, ist unklar, zumal sie im menschlichen Organismus eine ähnliche Wirkung wie die natürlichen Sexualhormone entfalten. Experten sind mit der Verschreibung von pflanzlichen Phytohormonen zurückhaltend. Der früheren Vorstellung, dass man unbesorgt das synthetische Hormon Tibolon einnehmen könne, wird heute allgemein widersprochen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM, www.bfarm.de) stellt auf seiner Internetseite Informationen zu Nutzen und Risiken der Hormonersatztherapie bereit. Ebenfalls bietet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzGA) Informationen zur Hormonersatztherapie (www.frauengesund heitsportal.de).

Welchen Einfluss hat die ionisierende Strahlung?

Wenn eine ionisierende Strahlung auf den menschlichen Körper trifft, kann es zu einer Genschädigung kommen. Hierdurch entsteht allerdings nicht zwangsläufig Krebs, denn die Zellen verfügen über entsprechende Reparaturmechanismen. Je häufiger es jedoch zu Schäden an der Erbsubstanz kommt, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwann dieser Repairmechanismus versagt. Dann stirbt die Zelle ab, oder es kommt zu einer bösartigen Entgleisung des Zellwachstums, wobei zusätzliche epigenetische Einflüsse die Aggressivität der Krebszellen und die Empfindlichkeit des Gewebes erhöhen. Mit zunehmendem Alter nehmen Genmutationen aus den unterschiedlichsten Gründen zu und die Fähigkeit des Organismus zur Eliminierung schadhafter Gene ab (z. B. durch geschwächte Reparaturgene, und/oder einer geringeren Produktion von Antioxydantien oder die Apoptose). Voraussetzung für einen strahleninduzierten Krebs ist eine besondere Empfindlichkeit des Gewebes. Sich schnell teilendes Gewebe ist stärker gefährdet als ruhendes. Die Zellteilungsrate in der Brust ist in der Pubertät, in der Schwangerschaft und bei einer Hormontherapie relativ hoch, weshalb die Brust zu den besonders gefährdeten Organen zählt. Besonders gefährdet sind Frauen mit einer erblich bedingten Krebsdisposition. Experten vermuten, dass ehemalige Strahlenbelastungen wesentlich häufiger die Krebsursache sind als allgemein angenommen. Da die hierdurch verursachten Krebsfälle sich aber erst nach vielen Jahren manifestieren, haben Betroffene frühere Röntgenuntersuchungen oft vergessen und denken an andere Ursachen.

Wie hoch ist die Krebsgefahr bei einer Strahlenexposition?

Eine Hochdosisbestrahlung verursacht derart hohe Schäden der Erbsubstanz, dass eine effiziente Reparatur unmöglich ist und binnen kurzer Zeit der Tod eintritt. Bei einer Niedrigdosis-Bestrahlung, wie sie in der Medizindiagnostik üblich ist, kommt es hingegen zu einer mehr oder minder kompletten Reparatur. Verzögerte Späteffekte einzelner, nicht vollständig reparierter Gene sind jedoch viele Jahre nach der Exposition noch möglich. Niedrigdosiseffekte sind in der Medizindiagnostik von Bedeutung, während Hochdosiseffekte typischerweise nach strahlentherapeutischen Behandlungen oder nuklearen Unfällen beobachtet werden. Seit den Atombombenabwürfen in Hiroshima und Nagasaki besteht allgemein Sicherheit über Krebsfolgen bei Dosiswerten oberhalb von ca. 100 mSv. Solch hohe Werte kommen jedoch in der Medizindiagnostik nicht vor.

Besteht eine Krebsgefahr nach Röntgen-Untersuchungen?

Ein erhöhtes Brustkrebsrisiko besteht, wenn in der Kindheit häufige Röntgenkontrollen, Schirmbilduntersuchungen bzw. Durchleuchtungen oder häufige Röntgenkontrollen der Lunge und des Herzens stattfanden. Im höheren Alter ist die Gefahr wegen der geringeren Strahlensensibilität und der längeren Latenzzeit wesentlich geringer. Die Strahlenbelastung einer (ap.) Röntgenaufnahme der Lunge beträgt etwa 0,02 bis 0,03 mSv; dies entspricht in etwa der Strahlenbelastung bei einem Interkontinentalflug oder einem zweiwöchigen Ski-Urlaub im Hochgebirge. Bei einer Mammographie ist die Belastung höher, nämlich 0,2 bis 0,6 mSv, also das Zehnfache. Bei einer computertomografischen Untersuchung des Brustkorbs ist sie noch höher; sie beträgt je nach Typ und Baujahr des Computertomographen zwischen 3 bis 7 mSv. Die Strahlenexposition bei einer Positronenemissionstomographie (PET) und einem PET/CT ist noch höher.

Erhöht die Mammographie das Krebsrisiko?

Werden moderne Geräte eingesetzt – wie sie z. B. in Deutschland im Screening-Programm gefordert werden – beträgt die mittlere Dosis im Brustgewebe etwa 0,2 bis 0,3 mSv. Zum Vergleich: Die natürliche Hintergrundstrahlung, die aus dem Weltraum oder aus Gesteinen und natürlichen Gasen stammt, erreicht im Durchschnitt Werte von pro Jahr etwa 2,1 bis 3 mSv (www.bfs.de). Die durchschnittliche Strahlenbelastung einer Mammographie entspricht somit etwa einem Zehntel der durchschnittlichen natürlichen jährlichen Strahlenbelastung in Deutschland, wobei letztere den ganzen Körper betrifft, bei der Mammographie hingegen nur das Brustgewebe. Frauen zwischen 50 und 69 Jahren sind Zielgruppe des gesetzlichen Mammographie-Vorsorgeprogramms. Das bei ihnen durch eine Mammographie verursachte Krebsrisiko ist extrem gering, zumal die Strahlenempfindlichkeit des Brustgewebes in diesem Alter deutlich geringer ist als bei jüngeren Frauen. Immunabwehrgeschwächte und junge Frauen sind stärker gefährdet. Insgesamt ist die Gefahr bei den heutigen Untersuchungsgeräten wesentlich geringer als früher.

Fördern Deos Brustkrebs?

Immer wieder wird in den Medien über mögliche Zusammenhänge von Kosmetika – besonders von parabene- sowie aluminiumhaltigen Deodorantien – und Brustkrebs spekuliert. Sie werden auch deswegen verdächtigt, weil sich die meisten Karzinome im äußeren oberen Quadranten befinden, also in direkter Nähe der Anwendung von Deodorantien. Anlass der Befürchtungen waren u. a. auch mögliche Auswirkungen Östrogen-ähnlicher Stoffe, die sich in beinahe einem Drittel aller Kosmetika und in vielen alltäglichen Pflegeprodukten wie Shampoos, Sonnencremes oder Lippenstiften befinden. Nach Auffassung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) sowie der Deutschen Krebsgesellschaft gibt es keine ernsthaften wissenschaftlichen Nachweise für eine mögliche Krebsgefährdung. Eine Metastudie aus dem Jahr 2008 kam zu dem Schluss, dass die Vermutung einer Krebsförderung von Aluminiumchlorid und Parabene in Deos unbegründet und nicht haltbar ist (Nemer 2008). Dennoch empfehlen Experten des BfR, den Einsatz von aluminiumhaltigen Deodorantien gegen Achselschweiß zu reduzieren. Auch für MOAH (Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons) enthaltende Kosmetika konnte bislang kein Brustkrebs fördernder Einfluss nachgewiesen werden

Quelle und Leseempfehlung zur Brustkrebsvorsorge:

Brustkrebs vermeiden (Personalisierte Krebsvorsorge und Früherkennung)

Hermann Delbrück ist Arzt für Hämatologie – Onkologie und Sozialmedizin sowie Rehabilitation und physikalische Therapie und Hochschullehrer für Innere Medizin und Sozialmedizin. Während seiner Laufbahn in der experimentellen, kurativen und vor allem rehabilitativen Onkologie veröffentlichte er mehrere Lehrbücher. Er ist der Herausgeber zahlreicher Ratgeber für Betroffene mit Krebs. Seit seiner Emeritierung 2007 befasst er sich vorrangig mit Fragen der Prävention von Krebs.