Brustkrebs-Vorsorge: Risiken einer Erkrankung

Brustkrebs ist ein Paradebeispiel für eine multikausale Erkrankung, bei der zahlreiche Risiken und Einflüsse zusammentreffen müssen, damit es zum Ausbruch der Erkrankung kommt. Meist handelt es sich um ein Mix prädisponierender Gene (Krebsgene), einer bestimmten Lebensweise und/oder Umwelteinflüsse. In der Gesamtheit ergibt die Summe der einzelnen Risikofaktoren ein Risikoprofil, das individuell sehr unterschiedlich ist. „Risikofaktoren“ ermittelt man durch die Beobachtung einer größeren Anzahl von Probanden in der Bevölkerung; auf das einzelne Individuum bezogen, sind sie unscharf. Die Feststellung möglicher Risikofaktoren wird u. a. dadurch kompliziert, dass wir nicht wissen, welche Vorlaufzeit Brustkrebs bis zur Diagnose hat. Viele Experten gehen davon aus, dass die Vorlaufzeit wesentlich länger ist als früher angenommen, und sich, je nach „Penetranz“ der angeborenen Krebsgene und der Intensität erworbener Risikoeinflüsse, verkürzt oder verlängert.

Warum ist es so wichtig, sein Brustkrebs-Risiko zu kennen?

Wer sein eigenes Gefahrenpotential kennt, kann gezielter Präventionsmaßnahmen ergreifen, denn diese sollten bei hohem Risiko anders aussehen als bei mittlerem oder geringem Risiko. Einige der im Folgenden erwähnten Erkrankungsrisiken lassen sich verhindern, zumindest abmildern; andere sind nicht oder nur teilweise beeinflussbar. Sehr selten entscheidet ein einzelner Risikofaktor allein über die Gefährdung; mehrheitlich ist es die Gesamtheit. Das Fehlen von Risikofaktoren bedeutet nicht, dass man vor Krebs automatisch sicher ist. Andererseits gibt es immer wieder Frauen, die trotz aller Risiken nicht erkranken. Sie sind allerdings die Ausnahme.

  • *höheres Alter (gesichert)
  • *familiäre und erbliche Belastung (gesichert)
  • *Eierstockkrebs (gesichert)
  • *Lynch Syndrom (gesichert)
  • *hohe Gewebedichte der Brust nach den Wechseljahren (gesichert)
  • *bereits vorhergehende Krebserkrankung der anderen Brust (gesichert)
  • *Diabetes Typ II (gesichert).
  • *frühere Bestrahlung des Brustkorbs (gesichert)
  • *frühe erste Regelblutung (wahrscheinlich nach den Wechseljahren)
  • *spätes einsetzen der Wechseljahre (vermutet nach den Wechseljahren)
  • *hohes alter bei der Geburt des ersten Kindes (gesichert)
  • *Kinderlosigkeit (vor allem nach den Wechseljahren gesichert)
  • *Frühes abstillen, kurze Stilldauer (nach den Wechseljahren gesichert)
  • *späte erste Schwangerschaft (nach den Wechseljahren gesichert)
  • *längerfristige Hormonersatztherapie mit Östrogenen und Gestagenen
  • *vor allem bei Frauen nach den Wechseljahren (gesichert)
  • *orale Kontrazeptiva (vor den Wechseljahren vermutet)
  • *starkes Übergewicht (nach den Wechseljahren gesichert)
  • *Bewegungsmangel (vor allem bei Frauen nach den Wechseljahren gesichert)
  • *Ernährung, die reich an tierischen Fetten ist (nach den Wechseljahren vermutet)
  • *erhöhter Alkoholkonsum (nach den Wechseljahren gesichert)
  • *Tabakkonsum (vor den Wechseljahren wahrscheinlich)
  • *frühere Strahleneinwirkung z. B. nach Mammographien, häufigeren Röntgen-Lungenaufnahmen oder nach Bestrahlung der Lunge/Brustregion in der Jugend (gesichert)

 

Was versteht man unter den Bezeichnungen „Relatives Risiko“ und Relativer Schutzfaktor?

Das relative Risiko ist verwandt mit der Odds Ratio. Wenn die Wahrscheinlichkeit zu erkranken gering ist, sind Odds Ratio und relatives Risiko ungefähr gleich. Unter „Relativem Risiko“ (RR) versteht man den Risikounterschied zwischen Personen, die einem bestimmten Einfluss (etwa einer Hormonersatztherapie) ausgesetzt oder nicht ausgesetzt sind. Wenn das RR größer als 1 ist, geht man davon aus, dass der betrachtete Faktor das Krebsrisiko erhöht. Ist er kleiner, reduziert sich die Gefahr; er ist also ein Schutzfaktor.

Beispiel: ein RR von 1, 8 bei einem Diabetes-Typ-2 bedeutet, dass das Brustkrebsrisiko, also die „globale“ Wahrscheinlichkeit, irgendwann an Brustkrebs zu erkranken, fast doppelt so hoch ist wie bei Frauen ohne Diabetes. Ein RR von 0,49 bedeutet, dass das Brustkrebsrisiko um etwa die Hälfte verringert ist (im Vergleich zur Normalbevölkerung). Der betrachtete Faktor schützt also; er ist ein Relativer Schutzfaktor. Wenn RR gleich 1 wäre, würde die Erkrankungswahrscheinlichkeit nicht beeinflusst, d. h. der betrachtete Faktor kann mit Brustkrebs nicht in Verbindung gebracht werden.

Quelle und Leseempfehlung zur Brustkrebsvorsorge:

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Hermann Delbrück ist Arzt für Hämatologie – Onkologie und Sozialmedizin sowie Rehabilitation und physikalische Therapie und Hochschullehrer für Innere Medizin und Sozialmedizin. Während seiner Laufbahn in der experimentellen, kurativen und vor allem rehabilitativen Onkologie veröffentlichte er mehrere Lehrbücher. Er ist der Herausgeber zahlreicher Ratgeber für Betroffene mit Krebs. Seit seiner Emeritierung 2007 befasst er sich vorrangig mit Fragen der Prävention von Krebs.