Brustkrebs: Vorbeugung mit Naturheilmitteln

Haben Naturheilmittel und Naturheilverfahren einen Einfluss auf das Brustkrebsrisiko?

Vielen Pflanzen werden Inhaltsstoffe nachgesagt, die vor Krebs schützen sollen. Zu solchen vermeintlich schützenden Inhaltsstoffen zählen die Karotinoide, Ballaststoffe, Flavonoide, Isoflavone, Folsäure, Vitamine C und E, Allium-Bestandteile, Isothiozyanate und viele andere (Steinmetz 1991). Ob, und wenn ja, in welchem Ausmaß sie tatsächlich vor Krebs schützen, ist unklar. Aussagekräftige Therapiestudien, die den schulmedizinischen Ansprüchen genügen, gibt es kaum. Problematisch ist bei Naturheilmitteln deren mangelnde Standardisierung und dass sie zu nicht vorhersehbaren Interaktionen mit anderen Medikamenten führen können. Ähnliches gilt für die in der Naturheilkunde verwandten Heilmethoden. Zwar kann man bei ihnen keinen direkten Einfluss auf das Krebswachstum nachweisen, doch haben sie insofern einen Stellenwert, da sie in der Regel zur körperlichen und seelischen Stabilisierung – und somit möglicherweise indirekt zum Krebsschutz – beitragen können.
Kommentar: Ein Naturheilmittel muss wegen seiner pflanzlichen Herkunft nicht zwangsläufig ein günstigeres Nutzen-Risiko-Verhältnis haben. Auch für natürliche Heilstoffe gilt der Grundsatz, dass, wenn etwas Wirkungen hat, es auch Nebenwirkungen haben kann.

Lässt sich die Krebserkrankung mit biologischen Therapien verhindern?

Der Begriff der »biologischen« Tumortherapie ist in aller Munde, obwohl niemand diesen Begriff so recht zu definieren weiß. Von den Vertretern der »unkonventionellen Therapieverfahren« wird der Begriff gerne wegen seiner suggestiven Wirkung verwendet. Eine biologische Medizin ist jedoch nicht so einfach, wie häufig behauptet wird.
Kommentar: Immer dann, wenn die Pharmaindustrie und andere Anbieter auf dem Gesundheitsmarkt ihre Produkte mit dem Hinweis einer »biologischen Wirkung« zu vermarkten versuchen, sollte man kritisch die Wirksamkeit der angebotenen »biologischen Therapien« hinterfragen.

Was kann man von Kneipp-Kuren erwarten?

Ob von der Kneipp-Wassertherapie Auswirkungen auf das Wachstum invasiver Krebstumore zu erwarten sind, ist fraglich; hingegen sind positive präventive Effekte bei der von Kneipp vertretenen Ganzheitstherapie auf das physische und seelische Wohlbefinden sehr wahrscheinlich. Dass Mönche nicht nur länger leben, sondern auch seltener an Krebs erkranken, wird u. a. auf deren Lebensweise zurückgeführt, die viele Gemeinsamkeiten mit der von Kneipp propagierten Ordnungstherapie hat. Wichtige Prinzipien dieser Ordnungstherapie, die zu einer bewussten und natürlichen Lebensführung in allen Bereichen führt, sind: regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, Einhaltung eines Wochenund Jahresrhythmus, Bewegung an der frischen Luft, ein ausgewogenes Maß an Ernährung, geregelte Essenszeiten, sinnvolle und aktive Lebensgestaltung, ein ausgewogener Wechsel von Arbeit und Freizeit, zufriedenstellende soziale Kontakte.
Kommentar: Positive präventive Effekte der von Kneipp vertretenen Ganzheitstherapie auf das physische und seelische Wohlbefinden sind sehr wahrscheinlich.

Vermindern Lebensmittel aus biologischem Anbau das Krebsrisiko?

Bei bisherigen Analysen wurden in Bio-Lebensmitteln zwar kein eindeutig höherer Nährwert, aber weit weniger Schadstoffe und Rückstände von Pflanzenschutzmitteln als in konventionellen Lebensmitteln festgestellt. Als gesichert darf gelten, dass Bio-Produkte zumindest „weniger ungesund“ als konventionelle Lebensmittel sind. Ein Vorteil der tierischen Bio-Produkte ist, dass sie weniger als konventionelle Fleischwaren mit Pestiziden und Antibiotika belastet sind, denn der Ökolandwirt muss bestimmte Standards zum Tierund Pflanzenschutz einhalten. In Bio-Produkten lassen sich nahezu keine Pestizid-Rückstände finden, denn Bio-Landwirte dürfen keine chemisch-synthetisch hergestellten Pestizide einsetzen. Sie müssen bei ihren Tieren „weitestgehend auf Antibiotika verzichten“, so die Richtlinien des EU-Bio-Siegels. Sind diese dennoch notwendig, müssen die Landwirte es dokumentieren. Hat ein Tier Antibiotika bekommen, muss der Bio-Bauer deutlich länger warten, bis er schlachten darf. Das Futter für Bio-Tiere darf auch keine genetisch veränderten Organismen und Erzeugnisse enthalten. Einschränkungen gelten für Verarbeitungshilfsstoffe, Pflanzenschutzmittel, Düngemittel, Bodenverbesserer und Saatgut. In Bioprodukten lassen sich nahezu keine Pestizid-Rückstände finden, denn Bio-Landwirte dürfen keine chemisch-synthetisch hergestellten Pestizide einsetzen. Geringfügige Pestizidrückstände sind jedoch theoretisch möglich, da nicht auszuschließen ist, dass von konventionell wirtschaftenden Nachbarhöfen Pflanzenschutzmittel herüberwehen. Viele wissen nicht, dass weniger als 4 % der in Deutschland verkauften Lebensmittel aus regionaler ökologischer Erzeugung stammen. Mehrheitlich werden Bio-Lebensmittel aus Osteuropa, ja sogar Afrika und Neuseeland, importiert. Ob dort der Anbau, die Düngung, die Konservierung und der Transport tatsächlich den strengen deutschen Schutzbestimmungen genügen und mit Pflanzenschutzmitteln ebenso kontrolliert umgegangen wird, bezweifeln manche Experten.
Kommentar: Wer sich gesünder ernähren will, tut dies eher mit Nahrungsmitteln aus dem biologischen Anbau der Region als mit konventionellen Produkten bzw. Fertiggerichten aus dem Supermarkt. 

Woran erkennt man, ob sich in Lebensmitteln gentechnisch veränderte Zusätze befinden?

Zwar gibt es bislang keine Nachweise dafür, dass gentechnisch veränderte Komponenten in zugelassenen Lebensmitteln irgendein höheres Risiko tragen, aber dennoch fragen sich viele Menschen, ob gentechnisch veränderte Lebensmittel nicht doch langfristig gesundheitsschädigend ein gesundheitsschädigend sind. Skeptiker betonen, dass die Langzeiteffekte völlig unklar sind und Langzeitfolgen wie Krebs nicht auszuschließen seien. Generell müssen gentechnisch veränderte Lebensmittel gekennzeichnet werden, jedoch gibt es zahlreiche Ausnahmen von dieser Bestimmung. So bedarf es keiner Kennzeichnung, wenn der Anteil veränderter Bestandteile unter 0,9 % liegt, wenn Zusatzstoffe wie z. B. in Brot mit Hilfe gentechnisch veränderter Mikroorganismen hergestellt wurden oder, wenn geschlachtete Tiere gentechnisch verändertes Futter erhalten haben.
Kommentar: Bei den Öko-Siegeln und den Kennzeichnungen „ohne Gentechnik“ ist davon auszugehen, dass die Lebensmittel ohne Hilfe von Gentechnik hergestellt wurden.

Was ist bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (Herbiziden) zu beachten?

Eine ganze Reihe synthetischer Unkrautvernichtungsmittel steht wegen Gefahr für Gesundheit und Umwelt sowie einer möglichen Resistenzentwicklung auf der Liste für ein generelles Verbot. Im Interesse des Wasser- und Umweltschutzes wird empfohlen, unerwünschten Bewuchs mit mechanischen und thermischen Methoden, wie Hacken oder Kratzen, Hochdruckreiniger oder Abflammgeräten zu beseitigen. Herbizide sollten nicht eingesetzt werden. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist streng limitiert. Er ist nur auf Flächen erlaubt, die Land- oder forstwirtschaftlich sowie gärtnerisch genutzt werden. Ein Herbizidverbot gilt für alle nicht landwirtschaftlich genutzten Böden, also für Industriegelände, Bahngleise und kommunale Zonen, wie Marktplätze und Friedhofswege, Bürgersteige, Gehwege, Hofflächen oder Zufahrten (Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen). Auf den Golfplätzen in Deutschland wird der Einsatz von Herbiziden und Fungiziden sehr streng überwacht. Stichprobenartig werden Bodenproben entnommen und Wasseranalysen durchgeführt, ob die Richtlinien eingehalten werden. Auf vielen außereuropäischen Golfplätzen ist man weniger strikt, weswegen Golfspieler dort Schutzmaßnahmen besonders ernst nehmen sollten. Hierzu zählt: Nur mit Golfhandschuhen spielen, nicht auf dem Golfplatz essen, nach dem Spiel gründlich die Hände waschen, lange Hosen oder zumindest halblange Socken tragen.
Kommentar: Erfreulicherweise sind in den letzten Jahren in Deutschland die Schadstoffkonzentrationen im Grundwasser sowie die Pestizidrückstände in Lebensmitteln und die Belastung des Grundwassers mit Nitrat zurückgegangen. Dass es bislang keinen eindeutigen Nachweis für ein erhöhtes Krebsrisiko von Pestizidrückständen gibt, ist kein sicheres Ausschlusskriterium für Kanzerogenität. Es fehlen Langzeituntersuchungen sowie Forschungen zu Wechselwirkungen der Pflanzenschutzmittel untereinander und ihrer Abbauprodukte. 

Schützt grüner Tee vor Krebs?

Grüner Tee ist eine Vorstufe vom schwarzen Tee – beide Sorten entstammen derselben Teepflanze (Camellia sinensis). Während grüner Tee nach dem Pflücken nur kurz erhitzt (z. B. gedämpft) und dann getrocknet wird, durchläuft Schwarztee noch den Prozess der Fermentation. Grüner Tee enthält – ebenso wie viele Früchte und Gemüsesorten – Polyphenole und Katechin sowie Querzetin, denen eine entzündungshemmende antioxidative und Krebs hemmende Wirkung nachgesagt wird. Die sanfte Verarbeitung bewahrt beim grünen Tee die wichtigen Inhaltsstoffe und macht ihn besonders bekömmlich. Vor allem in Ostasien ist der Glaube weitverbreitet, dass der Genuss von grünem Tee vor Krebs schütze. Die Katechine sollen protektiv wirken. Einen wissenschaftlichen Nachweis hierfür gibt es allerdings bislang nicht. In einer größeren japanischen Studie wurden keine unterschiedlichen Erkrankungsrisiken bei viel oder wenig Tee trinkenden Frauen festgestellt (Iwasaki et al. 2010).
Kommentar: Entgegen früheren Berichten und auch positiven Effekten in Zellkulturen beeinflusst grüner Tee nicht das Brustkrebsrisiko. Dass in Regionen mit hohem Teekonsum Brustkrebserkrankungen seltener sind, liegt wahrscheinlich nicht am grünen Tee, sondern ist auf so komplexe Ursachen zurückzuführen wie z. B. das seltenere Übergewicht, die körperliche Aktivität und die fettärmere Ernährung dortigen Bevölkerung.

Schützt eine sojareiche Ernährung?

In Sojabohnen befinden sich Phytooestrogene und Isoflavone, die Beschwerden in den Wechseljahren lindern und angeblich auch vor Krebs schützen sollen. Gestützt wird die Empfehlung einer sojareichen Kost mit dem Hinweis auf die geringere Erkrankungshäufigkeit in Ostasien, wo die Ernährung sehr sojahaltig ist. Tatsache ist jedoch, dass Östrogene sich nicht schützend auswirken, sondern das Zellwachstum möglicherweise sogar stimulieren.
Kommentar: Heute geht man davon aus, dass die niedrigere Brustkrebsrate in Asien nicht mit der sojareichen Ernährung zusammenhängt, sondern Folge des dort geringeren Übergewichts, der fettärmeren Ernährung und der intensiveren körperlichen Aktivität ist. Zumindest theoretisch kann eine sehr sojareiche Kost sogar Krebsgene bei Frauen nach den Wechseljahren aktivieren. 

Schützen Frischzellenbehandlung von Heilpraktikern?

 Kommentar: Eine Krebs hemmende Wirkung ist nicht bekannt. Es gibt Berichte über tödliche Zwischenfälle nach Injektionen von Frischzellen.

Was ist von Heilkräutern und Heilpilzen aus dem Fernen Osten zu halten?

In der traditionellen asiatischen Heilkunde werden Heilkräuter und Pilze zur Abwehr und Stärkung gegen verschiedene Erkrankungen – so auch gegen Krebs – empfohlen (z. B. Ganoderma, Shitake, Maitake, Coriolus und Agaricus). Für Heilkräuter, Pilze und Kräutertees aus Indien und Ostasien gelten besondere Sicherheitsbedenken, da in ihnen immer wieder auch giftige Beimischungen, wie Pestizide, Pyrrolizidinalkaloide und Schwermetalle mit potentiell kanzerogener Wirkung, festgestellt werden. Mit Pflanzenschutzmitteln wird in diesen Ländern noch relativ sorglos umgegangen. Häufig kommt es zu Leberschäden nach Einnahme dieser Präparate, die nicht dem hiesigen Lebensmittelrecht genügen.
Kommentar: Aus China kommen zahlreiche Studienergebnisse, die grundsätzlich positiv sind und allein schon deshalb einen fragwürdigen Ruf haben.

Quelle und Leseempfehlung zur Brustkrebsvorsorge:

Brustkrebs vermeiden (Personalisierte Krebsvorsorge und Früherkennung)

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Hermann Delbrück ist Arzt für Hämatologie – Onkologie und Sozialmedizin sowie Rehabilitation und physikalische Therapie und Hochschullehrer für Innere Medizin und Sozialmedizin. Während seiner Laufbahn in der experimentellen, kurativen und vor allem rehabilitativen Onkologie veröffentlichte er mehrere Lehrbücher. Er ist der Herausgeber zahlreicher Ratgeber für Betroffene mit Krebs. Seit seiner Emeritierung 2007 befasst er sich vorrangig mit Fragen der Prävention von Krebs.