Eierstockkrebs: Einfluss Ernährung, Hormone und Infektionen

Bildquelle: Flickr/Christina Tu, Sue & Bill Gross Stem Cell Research Center

Ernährung als Krebs-Risiko?

Es gibt nur wenige epidemiologische Studien, die sich mit dem Einfluss der Ernährung auf das Erkrankungsrisiko von Eierstockkrebs befasst haben. Wenn überhaupt, zeichnen sich in diesen, ausschließlich retrospektiven Beobachtungsstudien, lediglich nicht signifikante Zusammenhänge ab.  Tendenziell sollen stark übergewichtige Frauen (BMI > 30) – verglichen mit normalgewichtigen Frauen – ein um 25 Prozent bis 80 Prozent höheres Risiko für den endometrioiden Eierstockkrebstyp haben. Hormonelle Interaktionen und Entzündungsfaktoren aus dem Fettgewebe sollen hierfür die Ursache sein, denn Fettgewebe wirkt wie ein latenter Entzündungsherd, dessen Entzündungsmediatoren zu einer ständigen Zellstimulation führen. Außerdem wandelt Fettgewebe Vorstufen der Sexualhormone in Östrogene um, wodurch es zu einem Krebs förderndem Östrogenüberschuss kommt.

Hinweise auf einen Einfluss bestimmter Vitamine oder Mineralien finden sich nicht. Zwar haben Eierstockkrebspatienten häufig einen niedrigen Vitaminspiegel, der aber eher Folge als Ursache der Krebserkrankung ist. Negative Einflüsse von Kaffee sind nicht bekannt, ja, in mehreren Beobachtungsstudien wurde eher eine mögliche Schutzwirkung bei häufigem Kaffeekonsum vermutet. Antioxydative und antientzündliche Substanzen im Kaffee sollen hierfür die Ursache sein, heißt es.
Es gibt keine Hinweise, dass Alkoholkonsum das Eierstockkrebs-Risiko beeinflusst.

 

Infektionen und immunologische Einflüsse als Eierstockkrebs-Risiko?

Eierstockkrebs ist nicht ansteckend und kann weder durch Wunden oder Bluttransfusionen, noch beim Geschlechtsverkehr übertragen werden. Papillomviren (HPV) spielen bei diesem Krebs nach heutigem Kenntnisstand – im Unterschied zum Gebärmutterhalskrebs – keine Rolle.
Es ist unwahrscheinlich, dass eine systemische Immunabwehrschwäche die Entstehung von Eierstockkrebs fördert. Denkbar sind jedoch lokale Einflüsse. Eine ständige Immunreizung, wie sie bei einer chronischen Entzündung stattfindet, könnte theoretisch ebenso wie eine lokale Schwächung der Immunabwehr einen negativen Einfluss ausüben. Letztere kann altersbedingt sein, im Zusammenhang mit einer chronischen Entzündung oder einem Fremdkörper-Reiz stehen. Sie kann auch Folge einer ständigen Überforderung oder von Schadstoffeinwirkungen sein. Einige Experten vermuten einen Zusammenhang mit Beckenentzündungen.

 

Vor- und Begleiterkrankungen als Risiko?

Wer einmal an Krebs erkrankte, ist – gleichgültig welches Organ befallen war und unabhängig davon, ob die Therapie zu einer Heilung führte oder nicht – grundsätzlich stärker krebsgefährdet. Brustkrebspatientinnen sind zusätzlich gefährdet, weil die vererblichen „Brustkrebsgene“ BRCA-1 und BRCA-2 auch gleichzeitig Risikogene für Eierstockkrebs sind.
Ein mehrere Krebserkrankungen begünstigendes und vererbliches Krankheitssyndrom ist das „non polyposis colorectal cancer syndrome“ (HNPCC= Lynch Syndrom). Ein bis drei Prozent aller Frauen mit der vererbbaren Anlage für das HNPCC erkranken an Eierstockkrebs.
Zu den Krebsvorstufen soll auch die Endometriose, was jedoch von einigen Experten angezweifelt wird. Man schätzt das Krebsrisiko auf etwa 1 % (Mackelenbergh et al 2015). Ursächlich diskutiert man hormonelle Einflüsse, aber auch eine Auswanderung von Endometriumzellen in die Bauchhöhle. Der zeitliche Abstand zwischen einer Endometrioseerkrankung und einem Karzinom ist sehr lang und im Zweifel nicht bestimmbar.

Borderline-Tumore sind – wie der Name sagt – an der Grenze von Bösartigkeit zu Gutartigkeit; sie werden von manchen Ärzten in die Klasse der Karzinome mit geringer Bösartigkeit eingestuft (LMP = Low-malignant-potential-Tumore) und von anderen fakultative Präkanzerosen bezeichnet. Laut einer großen retrospektiven /prospektiven Kohortenstudie der AGO (Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie) gehen Borderline Tumore bei 2,3 % der Betroffenen in ein Karzinom über (Mackelenbergh et al 2015).
Einzelne Eierstockzysten, wie man sie häufig bei Frauen nach den Wechseljahren findet, bergen kein erhöhtes Krebsrisiko (Sharma et al 2015). Ob Frauen mit polyzystischen Eierstöcken ein erhöhtes Erkrankungsrisiko haben, ist umstritten (Schildkraut et al 1996, Schüler et al 2012). Das Krankheitsbild ist gekennzeichnet durch starkes Übergewicht, hormonelle Veränderungen und eine häufige Insulinresistenz, die alle für sich die Entstehug von Krebs fördern.

 

Hormonelle Einflüsse als Risiko?

Je länger die Hormonaktivität andauert, desto höher ist das (endometrioide) Krebserkrankungsrisiko. Die Anzahl der Eisprünge scheint die Krebsentstehung zu begünstigen. Frauen, bei denen früh die Periode einsetzt und die erst spät in die Wechseljahre kommen, sind daher stärker gefährdet.
Gestützt wird die Hypothese einer hormonellen Beeinflussung auch durch die Beobachtung, dass hormonelle Kontrazeptiva („die Pille“) einen Schutz ausüben und dass sich mit der Anzahl der Schwangerschaften das Erkrankungsrisiko reduziert. Frauen, deren Eierstöcke während der Schwangerschaften und Stillzeiten längere Zeit zur Ruhe kamen, erkranken deutlich seltener als jene Frauen, die niemals eine Schwangerschaft durchmachten.
Das Erkrankungsrisiko ist bei Frauen höher, die über längere Zeit Hormone wegen Wechseljahresbeschwerden und oder zur Prävention divrser chronischer Erkrankungen (Hormonersatztherapie) einnahmen. Einige Autoren gehen von jährlich einer zusätzlichen Eierstockkrebserkrankung bei 8300 Frauen aus, die solche Hormonpräparate einnehmen (RR = 1,59). Noch 5 Jahre nach Absetzen der Hormoneinnahme soll bei ihnen das Erkrankungsrisiko erhöht sein (RR = 1,25) (Morch et al 2009, Beral et al 2015). Einige Experten meinen, es sei irrelevant, ob die Therapie Östrogene allein oder eine Östrogen-Gestagen-Kombination enthält, andere machen vornehmlich die östrogenhaltigen Präparate für das erhöhte Erkrankungsrisiko verantwortlich. Dass in den westlichen Staaten die Erkrankungs- und Sterberaten wegen Eierstockkrebs seit 2002 hochsignifikant abgenommen haben, wird einerseits auf die verbreitete hormonelle Antikonzeption („Antibaby Pille“) und andererseits auf die geringere Verschreibung von Hormonerstztherapien zurückgeführt (Malvezzi et al 2016)
Zusammenhänge zwischen Unfruchtbarkeit und Eierstockkrebs werden kontrovers diskutiert, wohingegen Kinderlosigkeit bei normaler Hormonaktivität zu den Risikofaktoren zählt.
Während einige Experten die medikamentöse Vorbehandlung (Ovulationsinduktion) vor einer künstlichen Befruchtung als Ursache für das erhöhte Krebsrisiko anschuldigen, vertreten andere die Auffassung, dass der gleiche Grund, der die Frauen unfruchtbar mache, auch den Krebs auslöse. Nicht die hormonelle Behandlung, sondern die Unfruchtbarkeit als solche sei die Ursache für das erhöhte Erkrankungsrisiko, sagen sie.
Bei der Kinderwunschbehandlung werden Medikamente mit dem Ziel verabreicht, die Reifung der Eizellen in den Eierstöcken zu forcieren und möglichst viele Eizellen für eine künstliche Befruchtung zu gewinnen. Das gebräuchlichste Medikament ist Clomifenzitrat, das die Ausschüttung von zwei Gonadotropinen fördert, nämlich das luteinisierenden Hormon (LH) und das follikelstimulierenden Hormon (FSH). Beide Hormone steuern den weiblichen Monatszyklus und lassen etwa alle vier Wochen einmal im rechten und einmal im linken Eierstock je eine Eizelle heranreifen.
Angeblich sollen hochgewachsene Frauen ein höheres Erkrankungsrisiko haben als kleinwüchsige. Hormonelle Einflüsse könnten möglicherweise hierfür der Grund sein, denn das Größenwachstum wird u. a auch hormonell beeinflusst.

Quelle und Buch-Tipp:

[block]3[/block][block]4[/block]

Noch keine Stimmen.
Bitte warten...

Hermann Delbrück ist Arzt für Hämatologie – Onkologie und Sozialmedizin sowie Rehabilitation und physikalische Therapie und Hochschullehrer für Innere Medizin und Sozialmedizin. Während seiner Laufbahn in der experimentellen, kurativen und vor allem rehabilitativen Onkologie veröffentlichte er mehrere Lehrbücher. Er ist der Herausgeber zahlreicher Ratgeber für Betroffene mit Krebs. Seit seiner Emeritierung 2007 befasst er sich vorrangig mit Fragen der Prävention von Krebs.