Gebärmutterhalskrebs: Risiken, Vorsorge und HPV-Impfung

Bildquelle: By Ortenau Klinikum [CC BY-SA 3.0 de (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons

Vor Einführung der gesetzlichen Krebsvorsorge-Früherkennungsuntersuchungen 1971 war Gebärmutterhalskrebs in Deutschland eine der häufigsten Krebserkrankungen bei Frauen. Seitdem ist die Krankheit seltener geworden. Grund sind die regelmäßigen Vorsorge-Untersuchungen. Das Häufigkeitsverhältnis von Gebärmutterhalskrebs und Gebärmutterkrebs hat sich seit Einführung der Krebsvorsrgeuntersuchungen signifikant verringert.

Gebärmutterkörperkrebs ist heute etwa doppelt so häufig wie Gebärmutterhalskrebs. Vor 1971, vor der Einführung des Krebsvorsorge-Früherkennungs-Programms, war das Verhältnis umgekehrt. Der Nutzen der Krebsvorsorge ist bei keiner anderen Krebserkrankung so eindeutig wie beim Gebärmutterhalskrebs. Keine andere Krebserkrankung bietet so gute Möglichkeiten einer Verhinderung und einer lebenslangen Heilung. Man geht davon aus, dass das Erkrankungsrisiko bei einer größeren Inanspruchnahme der Vorsorge-Früherkennung und Nutzung der seit einigen Jahren möglichen Impfung gegen die Virusinfektion noch weiter sinkt.

Gebärmutterhalskrebs ist das letzte Stadium einer Krankheit, die Jahrzehnte vorher mit einer Infektion mit bestimmten Humanen Papillomviren (HPV) begonnen hat. Die Entstehung steht im engen Zusammenhang mit einer Virusinfektion, die – wenn sie nicht ausheilt bzw. durch eine Impfung verhindert wird -, zu Gewebeveränderungen mit Bildung atypischer Zellformationen und schließlich zu Krebs führt. Diese Zell- und Gewebeveränderungen (auch Carcinoma in situ oder Krebsvorstufen genannt) sind bei den Vorsorgeuntersuchungen gut erkennbar und können leicht entfernt werden.

Gebärmutterhalskrebs: Risiken und Einflüsse

Die HPV-Infektion ist eine zwar notwendige, aber nicht hinreichende Ursache, denn es bedarf zusätzlicher Einflüsse, damit es zu Krebs kommt. Vorausbedingung für die Krebsentstehung ist eine Infektion mit humanen Papillomviren (HPV), die zu Gewebeveränderungen (Dysplasien) führt. Die meisten heilen spontan aus, nur wenige chronifizieren und verursachen – je nach zusätzlichen Einflüssen und Risikofaktoren – Zellveränderungen, von denen ein bestimmter Prozentsatz zu einem invasiven Krebs führt. Prozentual erscheint das Risiko einer Chronifizierung klein, aber absolut gesehen ist dieser „kleine Prozentsatz“ auf die gesamte Bevölkerung bezogen sehr groß, denn mehr als 90 % der weiblichen Bevölkerung macht irgendwann eine HPV-Infektion durch.

Erkrankungsrisiken für Krebs des Muttermunds (x = fraglich erhöht, xx = doppelt so hoch, xxx = mehr als doppelt so hoch, xxxx = sehr hohes Risiko)

  •  chronischer Infekt mit humanen Papillomviren an der Gebärmutterschleimhaut (XXXX)
  • frühzeitige sexuelle Aktivität (XXX)
  • häufige Geburten (X)
  • häufig wechselnde Sexualpartner (XXXX)
  • mangelhafte Genital- und Sexualhygiene des Partners (XXX)
  • Rauchen (XX)
  • angeborene oder erworbene Immunschwäche (XX)
  • gleichzeitige sexuell übertragbare Krankheiten, wie z. B. HIV, Herpes-Simplex-Viren oder eine Chlamydien-Infektion (XXX)
  • längerfristige Einnahme hormonell wirkender Verhütungsmittel („Pille“) (X?)
  • niedriger sozioökonomischer Status (X)

Statistische Erkrankungsrisiken für Gebärmutterhalskrebs

2014 erkrankten in Deutschland etwa 4600 Frauen, von denen 1600 verstarben (Robert Koch Institut 2014). Das theoretische Erkrankungsrisiko für ein neugeborenes Mädchen, irgendwann im Laufe des Lebens zu erkranken, beträgt heute weniger als 0,8 % (also eines von 120 Mädchen) (Robert Koch Institut 2012). Das war früher anders. Bis 1970 war Gebärmutterhalskrebs in Mitteleuropa der häufigste Genitalkrebs bei der Frau, danach sank im zeitlichen Zusammenhang mit der Einführung der flächendeckenden Vorsorge-Früherkennung die Erkrankungshäufigkeit (Pap-Test).
Im Gegensatz zur Krebshäufigkeit ist die Häufigkeit der Gewebeveränderungen (Krebsvorstufen) angestiegen. Hauptgrund hierfür sind die häufigeren HPV-Akutinfektionen und die größere sexuelle Freizügigkeit; aber auch die verbesserten Methoden der Früherkennung und der systematische Abstrich am Muttermund (Pap Test) bei den Vorsorge-Untersuchungen.

 

Lebensalter   35 Jahre   45 Jahre   55 Jahre   65 Jahre
Erkrankungsrisiko    0,2%     0,2% 0,2%   0,1%

 

Genetische (angeborene) Einflüsse auf Gebärmutterhalskrebs

Nach dem derzeitigen Erkenntnisstand spielt die Erbanlage eine untergeordnete Rolle. Dass Kinder erkrankter Eltern häufiger am gleichen Krebs erkranken, erklärt sich weniger mit gemeinsamen Krebsgenen als mit gemeinsamen Lebensgewohnheiten. Manche krebsfördernde Lebensgewohnheiten werden in einigen Familien über viele Generationen hinweg „vererbt“.

 

Ernährung als Risiko?

Bei unter- und fehlernährten Frauen kommt es häufig zu einer persistierenden Virusinfektion; die Krebsvorstufen entwickeln sich schneller zu einem aggressiven Krebs. Ob stark übergewichtige Frauen ein höheres Erkrankungsrisiko und schlechtere Heilungschancen haben, ist umstritten.
Zusammenhänge mit einzelnen Ernährungsbestandteilen sind sehr unwahrscheinlich.

 

Infektionen und immunologische Einflüsse auf Gebärmutterhalskrebs?

Die Krebsentstehung eines Gebärmutterhalskrebses ist eng mit einer Virusinfektion beim Geschlechtsverkehr verbunden. Entscheidend ist, dass der Gebärmutterhals mit HPV infiziertem Smegma der männlichen Vorhaut in Berührung kommt. Schon beim ersten Sexualkontakt kann es zu einer Infektion kommen. Nur in Ausnahmefällen ist eine Infektion ohne Sexualkontakt möglich, so während der Geburt, wenn es zu einer Virusübertragung von der infizierten Mutter auf das Neugeborene kommt. Viren können auch bei nicht penetrierenden sexuellen Kontakten (Petting) übertragen werden (L. E. Manhart, L. A. Koutsky (2002). Die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung durch anderen Körperkontakt, über Schwimmbäder oder kontaminierte Toiletten, ist äußerst gering.

Man schätzt, dass etwa drei Viertel aller Frauen im Laufe ihres Lebens eine HPV-Infektion am Muttermund durchmachen, die sich allerdings in 98 von 100 Fällen spontan zurückbildet. In etwa 2 % der Infektionen gelingt es den Erregern jedoch, das Immunsystem zu überwinden (Basemann et al 2005), so dass es zu einer andauernden (chronischen bzw persistierenden) Infektion mit Zellveränderungen kommt. Man spricht von einer persistierenden Infektion, wenn die Viren länger als 6 bis 18 Monate nachweisbar sind.
Auch diese chronischen Infektionen und assoziierten Gewebeveränderungen können sich noch zurück bilden. Nur dann kommt es zu Krebs, wenn die krankhaften Gewebeveränderungen (Dysplasien bzw. CIN I bis III) die körpereigene Abwehr überstehen. Im Durchschnitt dauert es 10 bis 15 Jahre, bis sich aus einer akuten HPV-Infektion krankhafte Zellveränderungen entwickeln und weitere zehn bis zwanzig Jahre, bis aus ihnen ein invasiver Gebärmutterhalskrebs entsteht.

Mehrere Einflüsse können die Chronifizierung begünstigen und/oder die Intervallzeit zum Krebs verkürzen. Hierzu gehören: Rauchen, genitale Infektionen mit Herpes-simplex-Viren, Chlamydien oder eine HIV-Infektion. Je schwächer das Immunsystem ist, umso größer ist die Gefahr (Smith et al 2004, Schiffmann et al 2007). Besonders gefährdet sind daher Frauen mit AIDS und Frauen, die immununterdrückende Medikamente erhalten.
In Einzelfällen kann eine angeborene Immunabwehrschwäche dazu beitragen, dass das Immunsystem nicht effizient auf das HP- Virus reagiert, so dass der Virus nicht eliminiert wird und die Infektion fortdauert (chronifiziert).

 

Humane Papillomviren (HPV) als Risiko?

Papillomaviren rufen Entzündungen und Hautveränderungen hervor. Sie dringen in die Haut- oder Schleimhaut vermutlich durch kleine Risse oder Verletzungen ein, wo sie sich im Inneren der Zellen vermehren. Einige von ihnen kommen nur beim Menschen vor und werden deswegen Humane Papillomviren (HPV) genannt. Es gibt etwa 170 verschiedene Genotypen von Hp-Viren, von denen etwa 40 den Genitalbereich bei sexuellen Kontakten befallen. Einige von ihnen fördern die Entwicklung von Krebs.
Man unterscheidet Hochrisiko-Virustypen (hrHPV) und Niedrigrisiko-Virustypen (nrHPV). Letztere verursachen Warzen im Genitalbereich, auch Kondylome genannt. Sie sind zwar unangenehm, aber harmlos und haben keine Bedeutung bei der Krebsentstehung. Anders hingegen die Hochrisiko-HPV-Typen, die sich in den Schleimhautzellen am Übergangsbereich zwischen Scheide und Gebärmutterhals (Muttermund) ansiedeln und Zellveränderungen verursachen, aus denen Krebs entstehen kann. Besonders gefährlich sind die HPV-Typen 16 und 18. Sie sind für die Entstehung von etwa 70 Prozent der Gebärmutterhalskrebs-Erkrankungen verantwortlich.
Hochrisiko-HPV verursachen nicht nur Krebs im Genitalbereich (Muttermund, Scheide und Schamlippen bei Frauen und am Penis bei Männern), sondern können auch zu bösartigen Tumore an anderen Stellen führen. Mehr als 90 % der Analkarzinome (Afterkrebs) sind Folge von HPV-Infektionen. Manche Mundhöhlenkarzinome werden auch von HP-Viren verursacht.

 

Hormonelle Einflüsse als Risiko?

Geschlechtshormone haben – wenn überhaupt – nur einen sehr geringen Einfluss. Früher brachte man die Einnahme hormonell wirkender Verhütungsmittel („Antibaby Pille“) mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko in Verbindung, was heute jedoch angezweifelt wird. Wenn überhaupt, führt die „Pille“ nur dann zu einer erhöhten erhöhten Infektionsgefahr, wenn sie mit häufigerem Partnerwechsel verbunden ist (Ponnath et al 2012).
Mit jeder Geburt soll das Risiko für eine HPV-Infektion steigen, meinte man früher und verwies auf die häufigeren Krebserkrankungen bei Frauen, die viele Schwangerschaften hinter sich hatten. Heute weiß man, dass nicht hormonelle Ursachen, sondern psychosoziale Faktoren die Ursache für die damals höhere Karzinomrate waren. Kinderreichtum war früher ein Indiz für einen niedrigen Lebensstandard mit unbesorgterem Geschlechtsverkehr und häufigerem Partnerwechsel.

 

Demographische Einflüsse als Risiko?

Früher führte man die geographischen Häufigkeitsunterschiede auf unterschiedliche genetische Einflüsse zurück. Heute weiß man, dass weniger die genetische Prädisposition als die ungleiche Sexualhygiene, das Sexualverhalten, die Promiskuität und der Tabakabusus sowie die sozio-oekonomischen Bedingungen die Hauptursache für die Häufigkeitsunterschiede sind.
Weltweit ist die Gebärmutterkrebserkrankung die zweithäufigste Krebserkrankung bei Frauen (Parkin et al 2006), wobei 85 % aller Erkrankungen in Ländern der Dritten Welt vorkommen. Die Erkrankungshäufigkeit variiert zwischen 3,6 pro 100.000 Frauen in Finnland und 75,9 pro 100.000 Frauen in Malawi. Sieben von 100 weiblichen Neugeborenen erkranken in Zentralafrika im Laufe ihres Lebens an einem Gebärmutterhalskrebs; bei uns in Deutschland ist das Erkrankungsrisiko wesentlich geringer, nämlich etwa eines von 120 neugeborenen Mädchen muss mit einem späteren Krebsrisiko rechnen. Auch innerhalb Europas gibt es deutliche regionale Häufigkeitsunterschiede.
Dass Gebärmutterhalskrebs unter Hindus häufiger auftritt als in der moslemischen Bevölkerung, wird auf die bei Moslems übliche Beschneidung der Vorhaut zurückgeführt. Sie soll die Ausbreitung der Papilloma Viren unter der Vorhaut und somit die Infektionsgefahr reduzieren.
In nahezu allen Regionen, in denen Vorsorgeprogramme (Pap-Tests) eingeführt wurden, ist es zu einem dramatischen Rückgang der Krankheitshäufigkeit gekommen, während in Ländern ohne Vorsorgeprogramme keine Häufigkeitsänderungen stattfanden. Ohne Routine-Früherkennungsuntersuchungen beträgt das Lebensrisiko für die Erkrankung 3 bis 5%, in manchen Regionen sogar mehr als 6,5% (Siebert et al 2004, Arbyn et al 2008). In Deutschland hingegen beträgt das Erkrankungsrisiko lediglich 0,9% und wird in Anbetracht der in den letzten Jahren eingeführten Impfmöglichkeiten noch weiter sinken.
Ein geringeres Einkommen, ein niedriger Bildungsstand sind Risikofaktoren. Der Grund hierfür soll sein, dass Frauen aus höheren Bildungsschichten Früherkennungsuntersuchungen (Pap-Tests) und HPV-Impfungen deutlich früher und häufiger wahrnehmen als Frauen aus den niedrigeren Schichten.

 

Lebensstil und Lebensgewohnheiten als Risiko?

Je früher Geschlechtsverkehr stattfindet und je zahlreicher die Sexualpartner sind, umso höher ist die Infektionsgefahr.
Zusammenhänge mit Alkoholkonsum sind nicht bekannt. Rauchen erhöht das Krebsrisiko, wobei die Anzahl der pro Tag gerauchten Zigaretten und das Alter, in dem mit Rauchen begonnen wurde, mit dem Erkrankungsrisiko korrelieren (Kapeu et al. 2008). Das Risiko besteht auch bei ehemaligen Raucherinnen weiter. Gefährdet sind nicht nur Aktiv-, sondern auch Passivraucherinnen. Ursächlich nimmt man bei Raucherinnen eine Schwächung der Immunabwehr an der Scheide an, die zu einer Chronifizierung der Virusinfektion führt. Abbauprodukte vom Tabakrauch sind in der Schleimhaut des Gebärmutterhalses feststellbar (International Collaboration of Epidemiological Studies of Cervical Cancer 2006).
Die Anti Baby Pille wird mit einem erhöhten Karzinomrisiko in Verbindung gebracht (RR = 1,21), wofür allerdings weniger hormonelle Wirkungen als der häufigere Sexualverkehr mit unterschiedlichen Partnern verantwortlich sein soll. Die Spirale übt eher einen Schutzeffekt aus.
Zusammenhänge zwischen körperlicher Inaktivität und erhöhtem Erkrankungsrisiko werden vermutet, sind aber schwer nachweisbar.

 

Gebärmutterhalskrebsprävention: Impfen und Safer Sex

Die Arbeitsgemeinschaft der Medizinischen Fachgesellschaften (AMF), die Deutsche Krebshilfe und die Deutsche Krebsgesellschaft, die sich in Deutschland mit der Erstellung von Empfehlungen zur Krebsprävention, -diagnostik und- therapie (Leitlinien) befassen, haben für den Gebärmutterhalskrebs eine Leitlinie erarbeitet, die auch eine Wertung der Aussagekraft von Studien zur Vorsorge enthält. Sie enthält Empfehlungsgrade von S1 bis S3. (Arbeitsgemeinschaft der Medizinischen Fachgesellschaft 2016). Zusätzlich gibt es eine Empfehlungsgraduierung von A bis 0. Der Empfehlungsgrad A entspricht einer sehr starken Empfehlung, die man erfüllen soll, die Empfehlung B entspricht einer Empfehlung, die man erfüllen sollte, wohingegen der Empfehlungsgrad 0 einer offenen Empfehlung entspricht, die man erfüllen kann.                             

Vorbeugung setzt an mehreren Schritten in der Krankheitsentwicklung an. Der erste Schritt ist die Verhinderung einer HPV-Infektion, der zweite die Vermeidung einer Chronifizierung der Virusinfektion und der dritte Schritt die Erkennung und Beseitigung von Krebsvorstufen.

Wichtigste Vorbeugemaßnahmen

  • HPV-Impfung
  • Regelmäßige Früherkennungsmaßnahmen einschließlich Pap Test
  • Limitierung der Sexualpartner
  • Kondomschutz beim Sexualverkehr
  • Kein Tabakabusus

 

Empfehlungen für die HPV-Impfung

Eine Impfung, dank der das Krebswachstum verhindert wird, gibt es nicht. Jedoch gibt es seit einigen Jahren eine sehr wirksame Impfung gegen den Hauptrisikofaktor, nämlich gegen die Infektion mit bestimmten Papillomviren (HPV-Viren). Eine solche Infektion ist Bedingung für die Entstehung von Gebärmutterkrebs. Die Impfung ist auch wirksam gegen Krebs an den Schamlippen und der Scheide.
Sinnvoll, aber bislang wenig praktiziert, sind HPV-Impfungen auch beim Mann. Sie würden nicht nur die Partnerin vor relevanten HPV Infektionen im Genitalbereich schützen, sondern auch zur Reduzierung von Analkarzinomen, Peniskarzinomen und Krebserkrankungen der Mundhöhle beitragen.

Im Handel gibt es verschiedene Impfstoffpräparate. Sie alle enthalten Totimpfstoff gegen die, mit etwa 80%, am häufigsten zu Krebs führenden HPV-Typen 16 und 18. Einer der im Handel befindlichen Impfstoffe richtet sich zusätzlich gegen die Genitalwarzen verursachenden Virustypen HPV 6 und 11. Seit 2016 gibt es auch einen Impfstoff, der zusätzlich vor einer Infektion mit den HPV- Typen 6, 11, 31, 33, 45, 52 und 58 schützt, so dass eine theoretische Impfeffektivität von > 90 Prozent besteht. Langfristig soll dieser Neunfachimpfstoff (Gardasil 9R) die anderen Impfstoffe ablösen. Allerdings ist selbst nach diesem hochwirksamen Impfstoff kein hundertprozentiger Erfolg garantiert; es besteht ein Restrisiko für Krebs von etwa 10 %, weshalb Experten nach wie die Notwendigkeit der klassischen Vorsorge- Früherkennungs-Untersuchung mit Pap-Abstrich betonen. Die Vorsorgeuntersuchungen müssen allerdings nicht mehr so oft wie bislang, d. h. jedes Jahr, durchgeführt werden.

Die Impfung sollte so früh wie möglich, d. h. vor dem ersten Geschlechtsverkehr, stattfinden. Schon beim ersten Geschlechtsverkehr kann es zu einer Infektion kommen, die die Wirksamkeit einer späteren Impfung in Frage stellt (Löning, M. et al. 2006, Zur Hausen 2002). Allgemein wird die Impfung im Alter zwischen 9 bis 14 Jahren empfohlen. Sie sollte in zwei Einzeldosen innerhalb von sechs Monaten erfolgen. Sind die Kinder älter, sind drei Einzelimpfungen notwendig. Bei Frauen > 18 Jahre ist die Impfung eine Einzelfallentscheidung, deren Kosten von manchen Versicherungen nur im Rahmen einer freiwilligen Service Leistung übernommen werden. Bei einer bereits bestehenden Gewebeveränderung ist eine Impfung wenig sinnvoll. Allgemein geht man von einer Schutzwirkung von mindestens 5 Jahren aus; wahrscheinlich hält der Schutz jedoch wesentlich länger an. Es gibt Beobachtungen einer Schutzwirkung noch nach 20 Jahren.

Laut Angaben der Industrie, europäischer und amerikanischer Prüfbehörden, sind die Impfstoffe sehr gut verträglich. Abgesehen von kurzzeitigen Reaktionen an der Einstichstelle und leichtem Fieber kommt es zu keinerlei ernsthaften Nebenwirkungen. Da die Impfstoffe keine vollständigen Viren enthalten, können sie auch keine Infektion auslösen. Vereinzelt geäußerte Vermutungen möglicher chronischer Nebenwirkungen (vorwiegend neurologischer Natur) haben sich bei Überprüfungen bislang als nicht stichhaltig erwiesen. Die weit überwiegende Mehrheit der Experten warnt davor, die Impfziele wegen dieser vagen Vermutungen infrage zu stellen. Auf jeden Fall sei der gesicherte Nutzen der Impfung um ein Vielfaches größer als der in einzelnen Fallberichten behauptete potenzielle Schaden, heißt es offiziell.

Inwieweit eine Impfung bei Männern die Krebsentwicklung bei Frauen beeinflusst, ist nicht nachgewiesen, aber sehr wahrscheinlich, weil beim Geschlechtsverkehr mit einem geimpften Mann keine Viren übertragen werden. Gesichert ist, dass die Impfung bei Homosexuellen das Risiko für Afterkrebs reduziert, denn die gleichen Papilloma Viren spielen bei der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs sowie Analkarzinom eine entscheidende Rolle. Zunehmend empfehlen Experten die Impfung daher auch bei Jungen. Noch ist eine solche Impfung aber nur in einigen wenigen Ländern im Impfplan enthalten.

 

Besonderheiten bei HPV-Impfungen

  • Je früher geimpft wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu keiner HPV-Infektion und zu keinem Krebs kommt. Der Nutzen sinkt erheblich nach dem ersten Geschlechtsverkehr.
  • Eine bundesweite Empfehlung für Frauen ab 18 Jahren oder für Männer gibt es in Deutschland derzeit nicht. Es gibt jedoch immer mehr Studien, die zeigen, dass auch sie von einer Impfung profitieren können – vorausgesetzt, sie sind mit den betreffenden Virustypen noch nicht infiziert.
  • Die Impfung ist kein Ersatz für Vorsorge-Früherkennungs-Untersuchungen. Der Pap-Abstrich bleibt nach wie vor in regelmäßigen Zeitabständen notwendig.
  • Die Impfung wirkt nicht gegen bereits bestehende Zellveränderungen in der Schleimhaut. Sie verhütet bei bereits bestehender Erkrankung nicht eine Verschlimmerung.
  • Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht, da die derzeit verfügbaren Impfstoffe nicht alle tumorrelevanten HPV- Viren abdecken. Sie schützen „nur“ gegen die häufigsten krebsrelevanten Viren. Im besten Fall (Gardasil 9R) kommt es zu einem neunzigprozentigen Schutz. Einen hundertprozentigen Schutz wird es auch in Zukunft nicht geben, da die Entwicklung resistenter Spontanmutationen der Viren möglich ist.
  • Sinnvoll sind Impfungen auch bei Jungen. In einigen Ländern (z. B. Schweiz) ist schon eine Impfung gegen HPV-Infektionen bei Jungen ab 11 Jahren im Impfplan vorgesehen.
  • Nachteilig ist, dass mit den Impfstoffen noch keine ausreichenden Langzeit Erfahrungen vorliegen.
  • Verdachtsmomente möglicher Nebenwirkungen wurden zwar bislang nicht bestätigt, sind aber nicht mit letzter Sicherheit auszuschließen.
  • Nachteilig ist, dass geimpfte Frauen manchmal fälschlich annehmen, auf Vorsorge-Früherkennungs-Untersuchungen verzichten zu können.
  • Nachteilig ist, dass man noch nicht mit Gewissheit weiß, wie lange der Impfschutz anhält. Unklar ist, ob nach einiger Zeit Auffrischungsimpfungen sinnvoll sind.

 

Empfehlungen zur Umstellung gesundheitsgefährdender Lebensgewohnheiten       

Theoretisch ist die sexuelle Enthaltsamkeit die einzig sichere Vorbeugung gegen Gebärmutterhalskrebs. Wer sich sicher vor einer Ansteckung schützen will, muss völlig enthaltsam sein oder einen Partner haben, der ebenfalls keine anderen intime Kontakte hatte oder sich vor dem ersten Geschlechtsverkehr gegen eine HPV-Infektion impfen ließ.

Die Beschneidung der Vorhaut des männlichen Gliedes (Circumzision) und häufige Waschungen der männlichen Vorhaut reduzieren die Infektionsgefahr und somit auch das Krebsrisiko der Frau. Je unhygienischer die Körperpflege des Mannes, desto höher ist die Infektionsgefahr. Das Gewebe unter der Vorhaut stellt nämlich einen idealen Nährboden für das Papilloma-Virus dar. „Safer Sex“ verringert, aber  beseitigt das HPV-Infektionsrisiko nicht vollständig,  denn Kondome schirmen nicht alle Hautstellen im Genitalbereich ab.

Frauen, die eine Spirale zur Antikonzeption tragen, sollen weniger gefährdet sein. Durch sie wird das Erkrankungsrisiko sowohl für Gebärmutterhals- als auch Gebärmutterkrebs verringert.

Je häufiger der Sexualpartner gewechselt wird, umso höher ist das Erkrankungsrisiko.

Ein Rauchverzicht reduziert das Erkrankungsrisiko. Körperliche, besonders sportliche Aktivität sollen das Erkrankungsrisiko und die Prognose einer Krebserkrankung günstig beeinflussen.

 

Empfehlungen zur Vorbeugung mit chirurgischen Maßnahmen        

Nach einer totalen Hysterektomie (Gebärmutterentfernung) ist eine Infektion bzw. ein Krebs unwahrscheinlich, weswegen Vorsorge-Früherkennungs-Untersuchungen unterbleiben können.

Die rechtzeitige Entfernung von Krebsvorstufen (Konisation) reduziert das Risiko eines späteren Krebses. Je nach Schweregrad der Gewebeveränderungen (Dysplasien) wird die Vorgehensweise festgelegt. Bei leichten Befunden (CIN I) wird abgewartet und nach einigen Monaten erneut getestet, da von einer sehr hohen Spontanrückbildungsrate ausgegangen werden kann. Bei mittelgradigen Dysplasien (CIN II) mit einer Rückbildungsrate von etwa 30 – 50 Prozent entscheidet man sich entweder für „zuwartendes Vorgehen mit regelmäßigen Kontrollen“ oder einer Entfernung des betroffenen Areals mittels Konisation oder Laser-Vaporisation. Da bei schwergradigen Dysplasien (CIN III) die Spontanregressionsrate nur bei 10 Prozent liegt, ist auf jeden Fall eine prophylaktische Entfernung (Konisation) indiziert. Unbehandelt besteht sonst eine hohe Gefahr, dass sich ein invasiver Gebärmutterhalskrebs entwickelt. Nach einer Behandlung des CIN III und Carcinoma in situ ist von einer vollständigen Heilung auszugehen.

Quelle und Buch-Tipp:

Krebs-Vorsorge für Frauen: Brustkrebs, Eierstockkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Gebärmutterkrebs, Scheidenkrebs, Schamlippenkrebs und Genderaspekte (Personalisierte Krebsvorsorge und Früherkennung)

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Über den Autor Prof Dr. Hermann Delbrück

Hermann Delbrück ist Arzt für Hämatologie – Onkologie und Sozialmedizin sowie Rehabilitation und physikalische Therapie und Hochschullehrer für Innere Medizin und Sozialmedizin. Während seiner Laufbahn in der experimentellen, kurativen und vor allem rehabilitativen Onkologie veröffentlichte er mehrere Lehrbücher. Er ist der Herausgeber zahlreicher Ratgeber für Betroffene mit Krebs. Seit seiner Emeritierung 2007 befasst er sich vorrangig mit Fragen der Prävention von Krebs.

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