Lungenkrebs: Vorsorge durch Rauchentwöhnung

Ratgeber-Übersicht:

Ich möchte gerne das Rauchen aufgeben, aber schaffe es nicht allein?

Gesichert ist, dass, wer das Rauchen aufgibt, sein Krebsrisiko signifikant senkt, auch wenn er nie mehr das Risiko eines Nie-Rauchers erreicht. Dass Rauchen schädlich und krebsfördernd ist, gehört inzwischen zu den Binsenweisheiten. Kaum ein Raucher negiert die schädlichen Auswirkungen. Die meisten Raucher haben daher auch mindestens schon einmal einen Versuch zur Abgewöhnung unternommen. Tatsache ist aber, dass von ihnen die wenigsten überhaupt ein Jahr durchhalten, wenn sie den Abbruchversuch ohne Hilfe unternehmen (Breitling et al 2009, Batra 2010). Um die Chancen eines langfristigen Rauchverzichts zu erhöhen, sind individuelle Empfehlungen notwendig. Unverzichtbar und Voraussetzung für einen Erfolg bei allen Methoden ist jedoch die Motivation, der Wille zum Aufhören. Nur wer wirklich aufhören möchte, schafft es auch. Doch selbst bei einer hohen Motivation schaffen es Viele nicht. Es gibt keine Methode, die uneingeschränkt einen Erfolg garantiert. Es gibt bei der Tabakabhängigkeit physische und psychische Ursachen, die über die Wahl und Erfolgswahrscheinlichkeit einer Methode zur Raucherentwöhnung entscheiden. Eine psychische Abhängigkeit äußert sich darin, dass das Rauchen zu einer Gewohnheit geworden ist; einer physischen Abhängigkeit liegt hingegen eine starke Abhängigkeit vom Nikotinspiegel zu Grunde. Meist liegen beide Abhängigkeiten in einem mehr oder minder starkem Verhältnis vor, weswegen bei der Entwöhnung auf beide Ursachen eingegangen werden muss. Zusätzlich gibt es viele andere, soziale und soziodynamische Gründe, die bei der Tabakentwöhnung berücksichtigt werden müssen. Unterstützend wirken öffentliche Maßnahmen zur Einschränkung des Tabakkonsums. Ab 2020 soll eine generelle Zigarettenwerbung an Bus- und Bahnhaltestellen, an Gebäudefassaden, Litfaßsäulen und im Kino untersagt werden. Ein früheres Verbot ließ sich leider gegen die Lobbyarbeit der Tabakindustrie nicht durchsetzen. Dass die Tabaksteuern in den letzen Jahren kontinuierlich hochgesetzt wurden, hat wesentlich mit zu dem geringeren Zigarettenkonsum beigetragen. Rauchern, die das Rauchen aufgeben und Rat und Hilfe in Anspruch nehmen wollen, ist die von der Deutschen Krebshilfe und dem Deutschen Krebsforschungszentrum organisierte Raucher Hotline zu empfehlen (www.tabakkontrolle.de, Tel.: 06221/424224. Mo bis Freitag 14 bis 18 Uhr). Neben einer telefonischen Beratung vermittelt sie Adressen von speziell ausgebildeten Kursleitern, die in Wohnortnähe Tabak-Entwöhnungskurse anbieten. Eine ähnliche „Rauchstopplinie“ bietet die Krebsliga Schweiz in mehreren Sprachen an.

Gründe, das Rauchen aufzugeben

  • etwas für die Gesundheit tun
  • mehr Geld zu sparen
  • nicht mehr abhängig zu sein
  • attraktiver wirken
  • weniger Mundgeruch, weniger Gestank der Kleidung
  • weniger Ärger mit dem Partner
  • Verbesserung der erektilen Potenz
  • mehr Energie und Ausdauer
  • geringere Kurzatmigkeit
  • Erhöhung der Lebenserwartung
  • Geringere Infektanfälligkeit

Kriterien der Abhängigkeit bei starken Rauchern

  • zwanghaftes Rauchverlangen
  • verminderte Kontrollfähigkeit bzgl. Beginn, Beendigung und Menge des Tabakkonsums
  • Entzugserscheinungen bei Wegfall bzw. Einschränkung des Konsums
  • Toleranzentwicklung (Erhöhung der Zahl täglich gerauchter Zigaretten)
  • Vernachlässigung anderer Tätigkeiten zugunsten des Rauchens
  • fortgesetztes Rauchen trotz des Wissens um die gesundheitsschädigende Wirkung

Wie erfolgreich sind die verschiedenen Methoden der Raucherentwöhnung?

Verhaltensweisen werden schon im Kindesalter geprägt, so auch Rauchgewohnheiten. Je früher mit dem Rauchen begonnen wird, desto höher ist das Risiko einer lebenslangen Abhängigkeit und somit auch das von Lungenkrebs. Die meisten Raucher haben als Jugendliche angefangen. Wichtig ist daher die Tabakprävention im Kindes- und Jugendalter. Jugendliche, die bereits in frühen Jahren rauchen, kopieren vielfach das Verhalten ihrer Eltern. Ein ganz schlechtes Vorbild sind Eltern, die in Gegenwart von Kindern rauchen. Kinder rauchender Eltern greifen später doppelt so häufig zu Zigaretten wie Kinder von Nichtrauchern.  Sinnvoll ist, schon in der Grundschule Maßnahmen zur Verhinderung des Rauchens in den allgemeinen Lehrplan aufzunehmen, wobei die Inhalte der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen anzupassen sind. Nicht allein die negativen gesundheitlichen Auswirkungen des Rauchens, sondern vor allem die positiven Konsequenzen des Nichtrauchens müssen bei Jugendlichen hervorgehoben werden. Gedanken an die eigene Gesundheit spielen bei ihnen bei der ersten Zigarette keine große Rolle. Sie haben häufig eine größere Angst vor Einbußen ihrer körperlichen (sportlichen) Leistungsfähigkeit und ihres äußeren Erscheinungsbildes als vor späteren Krebs- und Herz- Kreislauf-Krankheiten. Größere Erfolgschancen als Hinweise auf körperliche und intellektuelle Einbußen haben daher Argumente wie die bessere körperliche Leistungsfähigkeit, das Gefühl der Unabhängigkeit, finanzielle Einsparungen sowie eine größere Attraktivität von Nichtrauchern. Je nach Ursache der Tabakabhängigkeit gibt es bei Erwachsenen verschiedene Entwöhnungshilfen, die nicht zuletzt deshalb auch unterschiedlich Erfolg versprechend sind.

Tipps für rauchende Eltern

  • Wenn sie selbst nicht aufhören können, rauchen sie nicht in Gegenwart von Kindern.
  • Rauchen sie nicht in Räumen, in denen sich Minderjährige aufhalten, vor allem nicht im Auto
  • Stärken sie das Selbstbewusstsein ihrer Kinder, damit sie dem Druck Gleichaltriger, die rauchen, entgegensetzen können: „ich muss nicht rauchen.“
  • Körperliche Fitness und rauchen passen nicht zusammen. Unterstützen sie sportliche Aktivitäten ihrer Kinder.

Rauchentwöhnung durch Punktschlussmethode?

Die Mehrzahl der Raucher, die sich erfolgreich das Rauchen abgewöhnt hat, hat dies im Rahmen eines Willensentschlusses abrupt getan. Sie beschließen, ab einem bestimmten Zeitpunkt überhaupt nicht mehr zu rauchen, und halten sich daran. „Von heute auf morgen“ rauchen sie nicht mehr.
Kommentar: Die Punktschlussmethode zeigt in Studien die höchste Erfolgsquote. Jedem Raucher sollte geraten werden, zunächst aus eigener Anstrengung einen Aufhörversuch zu unternehmen. Nur wenn ihm dies nicht gelingt, sollte er die Hilfe bei anderen Methoden der Raucherentwöhnung suchen.

Rauchentwöhnung durch Reduktionsmethode?

Sie besteht darin, Schritt für Schritt das Rauchen zu reduzieren, um schließlich ganz aufzuhören. Ein Nachteil ist, dass nach anfänglichen Erfolgen die „letzten“ Zigaretten an Bedeutung gewinnen und das endgültige Aufhören dann deutlich schwerer fällt. Weil das Verhalten vieler abhängiger Raucher im Wesentlichen durch das Bedürfnis und Verlangen nach Nikotin gesteuert wird, passen „Reduktionsraucher die Inhalationstiefe und -stärke diesem Bedürfnis an, um die erwünschte Nikotindosis aufzunehmen. Sie ziehen stärker an der Zigarette und inhalieren tiefer. Dies führt dazu, dass trotz reduziertem Zigarettenkonsum weiterhin die gleiche Menge an krebsfördernden Schadstoffen aufgenommen wird.
Kommentar: Gar nicht mehr zu rauchen, fällt erfahrungsgemäß vielen „Ausstiegswilligen“ leichter als kontrolliertes Rauchen und eine schrittweise Reduktion des Zigarettenkonsums.

„Rauchentwöhnung durch Light“-Zigaretten?

Die Bezeichnung „leicht“ oder „light“ ist irreführend, denn sie suggeriert ein geringeres Krebsrisiko, das in keiner Weise erwiesen ist. Seit geraumer Zeit darf die Tabakwerbung daher nicht mehr mit dem Begriff „Leicht“ und „mild“ werben. „Leicht“ bezieht sich in erster Linie auf den Nikotin- und Teergehalt im Zigarettenrauch, nicht jedoch auf das Krebserkrankungsrisiko.
Kommentar: „Leichte“ Zigarettenraucher rauchen meist mehr; zumindest inhalieren sie tiefer. Trotz eines deutlich reduzierten Schadstoffgehalts der Zigaretten ist die Höhe der krebsfördernden Menge dann die gleiche. Erfahrungen haben gezeigt, dass Umsteiger von starken auf leichte Zigaretten mehr rauchen und tiefer inhalieren als vorher und entsprechend nicht weniger Schadstoffe inhalieren.

Rauchentwöhnung durch Filterzigaretten?

Zwischen 40 % und 70 % der durch Polonium (210Po) und radioaktives Blei (210Pb) bedingten Strahlenbelastung und andere Krebs gefährdende Stoffe werden zwar im Filter zurückgehalten, jedoch wird die Krebsgefährdung dadurch nur unwesentlich reduziert. Grund ist, dass Filterzigarettenraucher häufiger zur Zigarette greifen, vor allem jedoch tiefer inhalieren.
Kommentar: Filterzigaretten reduzieren das Krebsrisiko – wenn überhaupt – nicht merklich. „Gesundes Rauchen gibt es nicht.“

Rauchentwöhnung durch Mentholzigaretten?

Menthol verändert den strengen Geschmack im Rauch, außerdem stimuliert es die Kälterezeptoren, was ein Gefühl von Frische vermittelt. Da die Flüssigkeit zudem kühlt und befeuchtet, ist ein tieferes Inhalieren möglich, was die gesundheitsschädigende Wirkung verstärkt.
Kommentar: Wissenschaftler fordern ein Verbot von Zigaretten mit integrierten Mentholkapseln im Filter. Die EU arbeitet an einem grundsätzlichen Verbot von Zusatzstoffen, die den charakteristischen Tabakgeschmack verfälschen. Zusatzstoffe in Tabakprodukten, insbesondere Aromastoffe wie Menthol verringern das Krebsrisiko nicht, ja fördern Tumore, die sich bevorzugt peripher befinden (an den Lungenrändern), wohingegen die Tumore sonst mehr zentral gelegen sind. Das Aroma der Mentholzigaretten soll zu einer höheren Abhängigkeit führen als bei konventionellem Rauchen. Aufhör-Versuche fallen Rauchern von Zigaretten mit Menthol- oder anderen Geschmacksstoffen besonders schwer.

Rauchentwöhnung durch E-Zigaretten?

Die E-Zigarette ist äußerlich kaum von einer echten Zigarette zu unterscheiden. Sie besteht aus einer Stromquelle, einem elektrischen Vernebler, einer auswechselbaren Kartusche mit einer Flüssigkeit und einer Steuerungselektronik. Wird am Mundstück gesogen, aktiviert ein Sensor automatisch die Zigarette, und die Flüssigkeit wird unter Wärmeeinwirkung von Temperaturen bis zu 65 Grad vernebelt. Verfechter der E-Zigaretten loben ihre „saubere Sucht“ als Alternative zum schädlichen Rauchen und preisen sie als wirksame Möglichkeit zur Überwindung der Abhängigkeit von Zigaretten. Die E-Zigarette qualmt tatsächlich wie eine richtige Zigarette, aber ohne Tabak. Der “Rauch”, der bei ihr austritt und inhaliert wird, ist der beim Zerstäuben der nikotinhaltigen Tabakalkaloidflüssigkeit entstehende Wasserdampf. Da Tabak nicht verbrannt wird, entsteht keine Glut, und es werden keine Krebs fördernden Gifte wie Teer freigesetzt. Es gibt unterschiedliche Füllungen in den E-Zigaretten. In einigen befindet sich nur Wasser, also Wasserdampf, in anderen Nikotin, Propylenglykol, Aromen, Ethanol und Glycerin. Es gibt Tausende von Aromastoffen für E-Zigaretten. Wie sie auf die Atemwege wirken, ist weitestgehend unbekannt. Dass sie nicht ganz ungefährlich sind, zeigen Berichte von allergischen Reaktionen.
Kommentar: E-Zigaretten – auch solche mit nikotinfreien Liquids – können Entzugserscheinungen abmildern und so möglicherweise auch die Chance erhöhen, tabak-abstinent zu werden. Ohne Teer, Zusatzstoffe und Kohlenmonoxid sind sie weniger ungesund als herkömmliche Tabakzigaretten; sie sind sauberer für die Umgebung und weniger gefährlich für Passivraucher. Finger werden nicht gelb und auch Vorhänge und Tapeten behalten ihre Farbe und stinken nicht. Die Vorteile von E-Zigaretten sind dennoch sehr umstritten. Gegner weisen auf bislang noch unbekannte gesundheitliche Folgen und auf Einstiegsanreize für Jugendliche hin. An Minderjährige dürfen keine E-Zigaretten und E-Shishas verkauft werden, auch nicht über Online-Shops. Der Behauptung der Industrie, dass E-Zigaretten gesundheitlich völlig unbedenklich seien, wird von den meisten Experten energisch widersprochen. Nicht nur die Gesundheit der EZigaretten- Raucher, sondern auch die unbeteiligter Dritter würde beeinträchtigt, behaupten einige Experten. Rauchen mit E-Zigarette sei keine echte Raucherentwöhnung, da ja nach wie vor „geraucht“ wird.

Kommentare des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg zu „Elektrischen Zigaretten“

  • Die kurz- und langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen von elektrischen Zigaretten sind nicht ausreichend erforscht
  • Aufgrund des hohen Abhängigkeitspotentials des in e-Zigaretten enthaltenen Nikotins sind elektrische Zigaretten als gesundheitlich bedenklich einzustufen
  • Sowohl bei nikotinhaltigen wie auch nikotinfreien e-Zigaretten entstehen Carbonyl-Verbindungen, darunter Formaldehyd, Acrolein und Acetaldehyd die Krebs hervorrufen können
  • Es ist davon auszugehen, dass von elektrischen Zigaretten ein deutliches Suchtpotential ausgeht
  • Es ist davon auszugehen, dass elektrische Zigaretten insbesondere Kindern und Jugendlichen, die vorher nicht rauchten, den Einstieg in den Nikotinkonsum erleichtern.
  • Die elektrischen Zigaretten ahmen echte Tabakprodukte in verharmlosender Form nach. Die Aerosole von e-Zigaretten und e-Shishas enthalten
  • Feine und ultrafeine Partikel, die besonders in der Wachstumsphase die Entwicklung der Lunge beeinträchtigen. die Nutzung von e-Zigaretten stellt eine ernsthafte Bedrohung dar für Jugendliche
    Zusätzlich erhöht es die Nikotin und Giftstoff-Belastung von Nichtrauchern und Umstehenden.

 

Rauchentwöhnung durch rauchlose Tabakprodukte (Snus)?

Snus ist ein mit Salzen versetzter Tabak, der unter die Ober- oder Unterlippe gesteckt wird. Das Salz dient dazu, den pH-Wert im Mund aufrechtzuerhalten, was die Aufnahme von Nikotin begünstigt. Da man beim Snusen den Tabak nicht raucht, und somit auch keine Schadstoffe wie beim Zigarettenrauchen entstehen, und es keine Belastungen durch Passivkonsum gibt, wird das „Snusen“ auch zur Tabakentwöhnung empfohlen. Tatsächlich enthält Snus jedoch Kanzerogene, denn „Snuser“ haben ein erhöhtes Risiko für Rachen-, Speiseröhren- und Bauchspeicheldrüsenkrebs (Bofetta 2008). Weiterhin legen Studien nahe, dass der Snus-Konsum sich negativ auf den Herz-Kreislauf auswirkt. Das enthaltene Nikotin macht in ähnlichem Maße nikotinabhängig wie Zigarettenkonsum. Snus ist in der Europäischen Union verboten, darf aufgrund einer Ausnahmeregelung jedoch in Skandinavien verkauft werden, wo „Snusen“ sehr populär ist.
Kommentar: Zur Tabakentwöhnung ist Snus nicht geeignet. Zwar kann Snus kurzfristig Entzugssyndrome unterdrücken, langfristig wird eine Nikotinabhängigkeit jedoch aufrecht erhalten (Schaller et al 2012). Die Weltgesundheitsorganisation und das Scientific Committee on Emerging and Newly Identified Health Risks der Europäischen Union bewerten rauchlose Tabakprodukte als gesundheitsschädliche Produkte, die zudem abhängig machen.

Rauchentwöhnung durch Schnupftabak?

Rein theoretisch enthält Schnupftabak die gleichen Inhaltsstoffe wie Rauchtabak. Im Gegensatz zum Rauchen von Tabak kommt es jedoch zu keinen giftigen und Krebs verursachenden Verbrennungsprodukten (wie zum Beispiel Benzol, Teer oder Blausäure), die inhaliert werden
Kommentar: Nach aktuellen Studien ist Schnupfen weniger Lungenkrebs gefährdend als Zigarettenrauch, kann aber zu hohem Blutdruck führen.

Rauchentwöhnung durch Kautabak?

Kautabak ist weniger Lungenkrebs gefährdend, erhöht jedoch die Gefahr für Mundhöhlenkrebs. Es kommt zu keiner Gefährdung für Passivraucher.
Kommentar: Alle Kau- und Schnupftabake verstärken die Sucht nach Nikotin. Sorge bereitet den Gesundheitsbehörden in Europa die Tendenz, von Zigaretten auf andere rauchlose Produkte umzusteigen, die von jungen Leuten für vermeintlich weniger gefährlich gehalten werden.

Rauchentwöhnung durch Wasserpfeifen (Shisha)?

Wasserpfeifentabak besteht aus einer Mischung von Tabak, Melasse, Glycerin und Aromastoffen; er unterscheidet sich u. a. vom Zigarettentabak durch einen höheren Anteil Feuchthaltemittel. Einer Studie des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zufolge sind die Risiken des Konsums von Wasserpfeifentabak nicht geringer als die von Zigarettentabak. Im Gegenteil, es werden teilweise sogar größere Mengen an Schadstoffen wie Teer und Kohlenmonoxid aufgenommen als über Zigaretten. Auch die Menge des aufgenommenen Nikotins ist deutlich höher als bei Zigaretten. Die aufgenommene Menge an Kohlenmonoxid (CO) kann bis zu zehnfach höher sein und zu einer relevanten Kohlenmonoxidvergiftung führen (von Rappard et al 2014). Krebsauslösende Substanzen, wie zum Beispiel Arsen, Chrom und Nickel befinden sich in vielfach höheren Konzentrationen im Rauch. Das Abhängigkeitspotential von Wasserpfeifen liegt über dem von Zigaretten.
Kommentar: Wasserpfeifen oder „Shishas“ werden fälschlich für weniger gefährlich als Zigaretten gelten. Die Unschädlichkeit des Tabakgenusses durch den Wasserfilter ist jedoch eine Illusion! Shisha-Raucher inhalieren fast 20mal mehr Krebs erregende Teerstoffe als Zigarettenraucher. Auch kommt es zu einer Passivrauchbelastung. Außerdem wirkt sich der Konsum negativ auf die Mund- und Zahngesundheit aus, und das enthaltene Nikotin sorgt für ein dem Zigarettenrauchen vergleichbares Sucht- und Abhängigkeitspotenzial. Gefördert wird dies durch den fruchtig-süßen Geschmack. Experten gehen zudem davon aus, dass das Wasserpfeifenrauchen den Einstig in den Zigarettenkonsum begünstigt. Zu einem entsprechenden Ergebnis hinsichtlich Schädlichkeit und Suchtgefahr für regelmäßige Konsumenten kam das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bereits in einer Stellungnahme aus dem Jahr 2009.

Rauchentwöhnung durch Pfeifen- und Zigarrenrauchen?

Während Zigaretten das Lungenkrebsrisiko um etwa das 24fache gegenüber Nichtrauchern erhöhen, soll das Lungenkrebsrisiko bei Zigarren/Pfeifenrauchern „nur“ das etwa 8fache betragen. Dieser Unterschied liegt weniger am Tabak als am Rauchverhalten. Pfeifenraucher und Zigarrenraucher inhalieren weniger. Bei ihnen sind weniger die Lunge als Lippen, Mundhöhle sowie der Rachen und auch die Blase krebsgefährdet.
Kommentar: Zwar ist bei Zigarren- und Pfeifenrauchern das Risiko für Lungenkrebs niedriger, aber das für andere Organe höher. Es besteht eine erhöhte Gefährdung für Passivraucher.

Rauchentwöhnung durch  Medikamente (Bupropion und Vareniclin)?

Die Erfolgsaussicht einer Raucherentwöhnung kann mit Medikamenten verbessert werden, obwohl es sich bei vielen der im Handel frei erhältlichen Arzneimittel um Suggestivpräparate (Placebo-Medikamente) handelt. Nicht so sehr die Wahl dieser Medikamente als die Art und Weise, wie sie in suggestiver Weise verordnet werden, ist für ihren Erfolg entscheidend. Eine gewisse Ausnahme stellen Nikotin-Ersatz-Medikamente sowie Vareniclin und Bupropion dar. Letztere sind verschreibungspflichtig und ihre Einnahme sollte, wegen möglicher unerwünschter Nebenwirkungen, von einem Arzt überwacht werden. Die Wirkung von Präparaten auf pflanzlicher Basis (z. B. Kräutertablette wie Anti- Nikotin-Formula, NTB-Kräuteretten, Nicofree oder Bellador) ist fraglich

Rauchentwöhnung durch Bupropion (ZybanR)?

Das Arzneimittel ZybanR mit dem Inhaltsstoff Bupropion wird in den USA häufig zur Raucherentwöhnung eingesetzt. Es wirkt antidepressiv und angstlösend, und senkt in niedriger Dosierung das Bedürfnis zu rauchen; es mildert auch die Entzugssymptome. ZybanR hungert im Gehirn das Belohnungssystem aus, indem es die körpereigenen Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin zentral im Gehirn blockiert. Die Wirkung tritt daher nicht sofort, sondern erst nach etwa zwei Wochen ein. In kontrollierten Vergleichsstudien waren nach einem Jahr 20 % der Bupropion-behandelten Patienten weiterhin Nichtraucher Zu unerwünschten Nebenwirkungen (Schlaflosigkeit, Konzentrationsstörungen, Unruhe, Mundtrockenheit oder Übelkeit) kommt es bei etwa einem Drittel der Menschen. Depressionen werden mitunter beobachtet, obwohl andererseits die Einnahme von Bupropion gerade bei depressiven Entzugserscheinungen indiziert sein kann. Rauchern mit epileptischen Anfällen, mit Zuckerkrankheit, Magersucht, Erkrankungen des Gehirns oder einer Alkohol- bzw. Drogenabhängigkeit wird von der Einnahme abgeraten.
Kommentar: Bupropion ist eindeutig wirksam. In kontrollierten Vergleichsstudien waren nach einem Jahr 20 % der Bupropion-behandelten Patienten weiterhin Nichtraucher. Das Medikament ist rezeptpflichtig, muss also vom Arzt verschrieben werden. Gar nicht selten klagen Menschen über unerwünschte Nebenwirkungen. Zu den möglichen schwerwiegenden Nebenwirkungen zählen allergische Reaktionen und Krampfanfälle.

Rauchentwöhnung durch Vareniclin (ChampixR)?

Vareniclin greift an ähnlichen Strukturen im Gehirn an wie Nikotin und dämpft so Rauchverlangen und Entzugserscheinungen. Es vermindert das Vergnügen am Rauchen. Nachteilige Nebenwirkungen sind gelegentliche Klagen über Übelkeit, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen und seltsame Träume. Es besteht ein Risiko für Depressionen und Krampfanfälle.
Kommentar: Vareniclin ist verschreibungspflichtig. Es ist effektiv, führt aber häufig zu unerwünschten Nebenwirkungen. Wird es vertragen, so ist es eine gute Alternative zur Nikotinersatztherapie.

Rauchentwöhnung durch Aversionstherapie?

Zu der Aversionstherapie gehören Elektroschocks und Übelkeit hervorrufende Medikamente. Bei der Aversionstherapie soll es zu unangenehmen Wirkungen beim Rauchen kommen, so dass dieser das Rauchen mit Negativem verbindet. Zur Aversionstherapie zählen auch Schockbilder auf Zigarettenschachteln, die die Folgen des Rauchens eindringlich vor Augen führen sollen.
Kommentar: Wenngleich sich nicht bestreiten lässt, dass diese Methode häufig zu einer kurzfristigen Enthaltung führt, so ist der langfristige Effekt doch fraglich.

Rauchentwöhnung durch Verhaltenstherapie?

Angeborenes – und somit schwer beeinflussbares – Suchtverhalten gibt es zwar, ist jedoch die Ausnahme. Bei den meisten Rauchern sind es im Laufe des Lebens erworbene Gewohnheiten, die zu „durchbrechen“ sich die Verhaltenstherapie zum Ziel gesetzt hat. Wie selbstverständlich bauen Abhängige Zigaretten in ihren Alltag ein. Oft verknüpfen sie positive Eigenschaften mit Rauchen – etwa Anerkennung oder bessere Chancen, neue Kontakte etc. Der Griff zur Zigarette nach dem Essen, in der Pause oder beim Bier in der Kneipe ist für viele eine liebgewonnene Gewohnheit, von der sie ohne Hilfen nicht loslassen können. Raucher erlernen bei der Verhaltenstherapie stufenweise und bewusst, den bisherigen Automatismus ihres Raucherverhaltens zu durchbrechen und durch alternative Verhaltensweisen zu ersetzen. Einen wichtigen Stellenwert nehmen bei der Therapie Techniken zur Rückfallprophylaxe ein. Die Verhaltenstherapie versucht, mit Gesprächen, Rollenspielen oder in Gruppensitzungen neue Wege für Situationen aufzuzeigen, in denen die Betroffenen sonst zur Zigarette greifen würden. Zuerst soll der Raucher sein Verhalten und seine Gedanken im Bezug auf das Rauchen genau beobachten. Dann werden alternative individuelle Handlungsmöglichkeiten in der Gruppe oder von einem Verhaltenstherapeuten erarbeitet. Die genannten Inhalte werden sowohl im gruppen- wie auch im einzeltherapeutischen Setting angeboten. Bewährt haben sich so genannte „Raucherentwöhnungsgruppen“, die in 6 bis 10 Terminen zu je zwei Therapieeinheiten (90 bis 120 Minuten) mit 6 bis 12 Personen durchgeführt werden. Die Unterstützung von Gleichgesinnten und nützliche Tipps können das Aufhören erleichtern. Der Gruppenzwang kann manchmal dem Erfolg zuträglich sein.
Kommentar: Gut belegt ist die Effektivität einer Verhaltenstherapie bei entwöhnungsmotivierten Rauchern, bei denen die Abhängigkeit vorrangig psychisch bedingt ist. Der Kombination einer Verhaltenstherapie mit einer Nikotinsubstitution wird deswegen die größte Erfolgschance eingeräumt, weil bei der Mehrzahl der Raucher gleichzeitig eine psychische und physische Abhängigkeit besteht. Die meisten gesetzlichen Krankenkassen sind bereit, die Teilnahmekosten an Gruppenkursen für verhaltenstherapeutische Raucherentwöhnung auf individuellen Antrag zu erstatten.

Rauchentwöhnung durch Entspannungsübungen?

Viele Raucher erleben den Genuss einer Zigarette als entspannend und greifen daher in Stresssituationen dazu. Sie meinen, ohne eine solche den Stress nicht bewältigen zu können. Spezielle Übungen können diese Menschen dazu bewegen, sich ohne die „chemische Hilfe“ zu entspannen.
Kommentar: Entspannungsübungen haben sich besonders zu Beginn der Raucherentwöhnung und bei besonderen Anspannungen bewährt. Sehr geeignet ist die Muskelrelaxation.

Rauchentwöhnung durch Akupunktur?

Anhänger der Akupunktur meinen, dass sich die psychotrope Wirkung des Nikotins durch Akupunktur ersetzen lasse; Skeptiker behaupten hingegen, dass der Glaube an den Erfolg und die anfallenden Kosten für den Erfolg entscheidend seien.
Kommentar: Trotz der Popularität der Akupunktur gibt es kaum wissenschaftliche Studien, die eine Wirksamkeit nachweisen . Sicher ist aber, dass die Akupunktur bei einigen Abhängigen durchaus Erfolge vorweisen kann. Die Auswertung von Studien zu herkömmlicher Akupunktur mit Nadeln, zu Akupressur sowie Laser- und Elektro-Akupunktur sprechen allerdings dafür, dass es sich bei den Wirkungen um suggestive Placebo-Effekte handelt. Die einzigen, bislang aussagekräftigen Studien zeigen, dass die langfristigen Abstinenzquoten nach einer Akupunktur sich nicht von denen einer Plazebotherapie unterscheiden.

Rauchentwöhnung durch Hypnose?

Die Hypnose ist ein suggestives Verfahren, das über eine Veränderung des Bewusstseins versucht, Rauchfreiheit zu erreichen. Bei der Hypnose wird der „Klient“ in Trance versetzt, in der das Unterbewusstsein empfänglicher ist für die „Suggestionen“ und „Vorschläge“. Sind die Vorschläge positiv formuliert, werden sie bevorzugt umgesetzt. Die Suggestionen sollen die innere Einstellung verändern und die Erwartungshaltung an ein rauchfreies Leben stärken. Hypnotiseure versprechen, die Entzugsbeschwerden erträglicher zu machen.
Kommentar: Eine Wirksamkeit konnte wissenschaftlich nicht belegt werden. Es gibt so gut wie keine Studien, die sich – wissenschaftlich nachvollziehbar – mit der Wirksamkeit und der Erfolgswahrscheinlichkeit von Hypnotherapien zur Raucherentwöhnung befasst haben. Die Hypnose ist häufig kurzfristig erfolgreich, jedoch werden die meisten Menschen schnell wieder rückfällig. Sowohl die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (2010), als auch die USamerikanischen Behandlungsleitlinien sehen keine „ausreichende Evidenz“.

Rauchentwöhnung durch Homöopathische Präparate?

Wie sind die Erfolgsaussichten? Homöopathische Präparate gelten in der Tabakentwöhnung als Außenseitermethoden, da für sie keinerlei wissenschaftliche Belege existieren. Nachweise zu erbringen, wird von Anhängern der Homöopathie abgelehnt. Ähnliches gilt für die sog. Detox-N-Spritzenbehandlung und „Rauchfrei- Spritzen“, die im Umfeld der „Erfahrungsmedizin“ angeboten werden und angeblich homöopathische Inhaltsstoffe enthalten.
Kommentar: Der Glaube an den Erfolg ist für die Wirkung homöopathischer Präparate wahrscheinlich entscheidend.

Rauchentwöhnung durch Nikotinsubstitution (Nikotinersatztherapeutika)?

Auch wenn der Begriff „Nikotinersatztherapie“ anderes vermuten lässt, wird das Nikotin bei dieser Art des Entzugs nicht durch eine andere Substanz ersetzt. Dem Körper wird vielmehr weiterhin Nikotin zugeführt. Die Entzugssymptomatik wird hierdurch unterdrückt und die Abstinenz in den ersten Wochen erleichtert. Gesundheitsgefährdende und krebserzeugende Inhaltstoffe des Tabakrauchs entfallen. Die Nikotinersatztherapie zielt darauf, dem Raucher vorübergehend Nikotin ohne begleitende Schadstoffe aus dem Tabakrauch in absteigender Dosierung zur Verfügung zu stellen. Die Unterdrückung der Entzugssymptomatik erleichtert die Aufrechterhaltung der Tabakabstinenz, ohne dass es zu den Krebs erzeugenden Auswirkungen des Tabakrauchs käme. Nikotin hat in kleiner Dosierung eine anregende und in höherer Dosierung eine dämpfende Wirkung. In niedriger Dosierung ist es kaum gesundheitsschädlich und erst recht nicht krebsfördernd. Die meisten Menschen vertragen eine Nikotinersatztherapie gut. Nebenwirkungen sind – wenn überhaupt – vorübergehend und ungefährlich. Zwei seltene, aber subjektiv belastende Nebenwirkungen sind Herzklopfen und Brustschmerzen. Nachteilig ist, dass die Nikotinabhängigkeit bestehen bleiben kann: Ein Mensch hat dann vielleicht mit dem Rauchen aufgehört, ist aber vom Nikotinkaugummi abhängig
Kommentar: Seit 1984 sind Nikotin-Ersatz-Medikamente in Deutschland zur Entwöhnung zugelassen. Sie sind nicht Rezept pflichtig, jedoch nur in Apotheken erhältlich. Die Nikotinersatztherapie eignet sich vor allem bei einer physischen Abhängigkeit vom Nikotin, wie sie häufig bei starken Rauchern (Kettenrauchern) vorliegt. Bei leichten Rauchern (z. B. Genussrauchern) sind andere Methoden zur Tabakentwöhnung Erfolg versprechender. Skeptiker behaupten, dass die Rückfallrate bei denjenigen Rauchern, die das Rauchen aufgeben wollen und Nikotinersatzprodukte zu Hilfe nehmen, genauso hoch sei wie bei jenen, die es „ohne Hilfe“ versuchen. Allein die positiven Erwartungen würden helfen, bei einer Nikotin-Ersatztherapie mit dem Rauchen aufzuhören.

Gibt es Besonderheiten, die bei den verschiedenen Nikotinersatzpräparaten zu beachten sind?

Die verschiedenen Verabreichungsformen sind auf die individuellen Bedürfnisse angepasst. Bei Nikotinpflastern wird das Nikotin durch die Haut zugeführt und dadurch ein gleichmäßiger Nikotinspiegel im gesamten Tagesablauf und in der Nacht erreicht. Das Rauchverlangen wird gesenkt und die Entzugssymptome gelindert. Die Wirksamkeit ist relativ hoch und die Verträglichkeit im Gegensatz zu den anderen Darreichungsformen sehr gut. Die Pflaster werden in mehreren Stärken angeboten. Verringert sich das Verlangen nach Zigaretten, kann man die Pflasterstärke langsam reduzieren.
Kommentar: Sie eigenen sich für Raucher mit einer mittelstarken bis starken Tabakabhängigkeit (10 bis 40 Zigaretten täglich). Die Wirksamkeit der Pflaster ist relativ hoch und die Verträglichkeit sehr gut. Starke Raucher können auch Nikotinpflaster mit anderen Nikotinersatzprodukten wie Kaugummis kombinieren. Die Nikotinersatztherapie kann bei Bedarf auch länger als acht Wochen angewendet werden. Ein Absetzen wird jedoch spätestens nach sechs Monaten empfohlen.

Wie wirken Nikotinkaugummis?

Bei Nikotinkaugummis wird das Nikotin beim Kauen durch die Mundschleimhaut aufgenommen. Der Nikotinspiegel im Blut erreicht nach 30 Minuten seinen Höhepunkt und fällt danach langsam wieder ab. Nikotinkaugummis werden in zwei Stärken (2 mg und 4 mg) angeboten.
Kommentar: Nikotinkaugummis sind geeignet für Raucher mit geringer bis mittelstarker Abhängigkeit (10 bis 40 Zigaretten täglich). Sie sind indiziert, wenn plötzliches starkes Rauchverlangen oder andere Entzugserscheinungen auftreten, so zum Beispiel bei Konflikten, in Geselligkeit oder in Stresssituationen. Sie sollten nur so lange langsam und vorsichtig gekaut werden, bis der Effekt von Nikotin spürbar wird. Sobald ausreichende Mengen an Nikotin abgegeben wurden, sollten die Kaugummis in der Backentasche gehalten werden, heißt es in den Gebrauchsanweisungen.

Wie wirken Nikotinlutschtablette?

Bei der Nikotinlutschtablette wird das Nikotin durch einfaches Lutschen in einem Zeitraum von 20 bis 30 Minuten über die Mundschleimhaut aufgenommen. Es gibt sie in mehreren Stärken. Verringert sich das Verlangen nach Zigaretten, so reduziert man die Stärke langsam. Kommentar: Sie sind geeignet für Raucher mit geringer bis mittelstarker Abhängigkeit (10 bis 40 Zigaretten täglich) und einem eher ungleichmäßigem Tageskonsum.

Wie wirken Nikotinnasensprays?

Nikotinnasensprays ermöglichen, Nikotin höher dosiert und schneller zuzuführen als mit Nikotinpflaster, Nikotintabletten oder Nikotinkaugummis. Die Nikotingabe erfolgt durch je einen Sprühstoß in jedes Nasenloch. Das Spray wirkt binnen weniger Minuten. Damit lässt sich Nikotin sehr rasch und hochdosiert zuführen. Möglich ist sowohl eine regelmäßige Anwendung als auch die Gabe im Bedarfsfall. Nachteilig ist die Gefahr der Gewöhnung und Abhängigkeit. Kommentar: Nikotinnasensprays sind geeignet für Raucher mit starker Abhängigkeit (ca. 40 Zigaretten täglich). Sie imitieren am ehesten die Nikotinfreisetzung aus der Zigarette. Sie sind rezeptpflichtig. Nasensprays können die Nasenschleimhäute reizen, insbesondere bei Menschen, die entzündete Nasennebenhöhlen oder eine Erkältung haben.

Was kann man gegen Entzugsbeschwerden tun?

Entzugsbeschwerden fallen individuell sehr unterschiedlich aus. Während manche Raucher mit einem durchschnittlichen Tageskonsum von weniger als zehn Zigaretten über heftige Beschwerden klagen, geben manche Kettenraucher keinerlei Symptome an. Häufig lässt sich nicht unterscheiden, welche Symptome auf den Nikotin-Entzug zurückgehen (körperliche Abhängigkeit), und welche psychischer Natur sind. Die psychische Abhängigkeit äußert sich in einem heftigen Rauchverlangen, und dem Unvermögen, auf das Rauchen in bestimmter Situation zu verzichten. Häufig ist es die Angst, jetzt ohne Zigaretten auskommen zu müssen. Die „Macht der Gewohnheit” hat eine hohe Bedeutung. Schließlich ist Rauchen bei vielen Abhängigen ein fester Bestandteil der Lebensgewohnheiten und ein selbstverständlicher Teil des gewohnten Tagesablaufs geworden. Nicht selten berichten Exraucher noch Jahre nach dem Rauchstopp, dass sie nachts schweißgebadet aufwachen, weil sie im Traum der Versuchung stattgegeben und eine Zigarette geraucht haben. Psychisch bedingte Beschwerden müssen anders angegangen werden als körperliche Entzugsbeschwerden. Manchmal hilft bei ihnen Ablenkung, manchmal vermindern Entspannungsübungen sowie körperliche Aktivität Reizbarkeit und Frustrationsgefühle. Bei Konzentrationsstörungen helfen häufig kurze Entspannungsübungen. Das verschreibungspflichtige Medikament Bupropion kann die Beschwerden lindern. Entzugserscheinungen bei körperlicher (physiologischer) Abhängigkeit sind durch den Nikotinentzug bedingt, weswegen eine vorübergehende Nikotin-Ersatztherapie am ehesten zu einer Linderung der Beschwerden führt. Körperliche Entzugssyndrome beginnen wenige Stunden nach dem Rauchstopp und erreichen innerhalb der ersten beiden Tage einen Höhepunkt. Die Beschwerden dauern einige Tage bis Wochen, sind aber oft nach sieben bis zehn Tagen deutlich abgeschwächt oder sogar verschwunden. Psychische Entzugsbeschwerden können wesentlich länger dauern. Vor allem Raucher mit mehr als 10 Zigaretten pro Tag und Entzugsbeschwerden profitieren von der medikamentösen Therapie. Noch lange Zeit hat man gelegentlich Lust auf eine Zigarette. Solchen „Verlangensattacken“ zu widerstehen, ist nicht leicht.

Was kann man gegen die Gewichtszunahme tun, wenn man mit dem Rauchen aufhört?

Vor allem Frauen haben Angst vor einer Gewichtszunahme, wenn sie mit dem Rauchen aufhören. Nicht selten halten sie am Tabakkonsum fest, um nicht zuzunehmen. Für manche Frauen ist eine Gewichtszunahme nach dem Rauchen schwerer zu ertragen als drohende gesundheitliche Schäden durch Rauchen. Leider ist die Befürchtung einer Gewichtszunahme nach einem Rauchstopp nicht unberechtigt. Es ist nicht leicht, mit dem Rauchen aufzuhören und gleichzeitig das Gewicht zu halten. Die meisten Raucher nehmen zu, wenn sie aufhören zu rauchen. Im ersten Jahr nach dem Rauchstopp beträgt die Gewichtszunahme im Durchschnitt etwa 4 bis 6 kg. Allerdings ist die Gewichtszunahme von Person zu Person unterschiedlich hoch. Für die Gewichtszunahme gibt es mehrere Gründe. Eine Ursache ist der bessere Appetit. Rauchen unterdrückt nämlich das Hungergefühl. Nikotin macht über denselben Schaltkreis im Gehirn satt, der über Hunger und Sättigung entscheidet und der normalerweise von Nikotinsignale auf, so meldet das Gehirn Hunger. Der bessere Appetit führt dann zu einer vermehrten Kalorienaufnahme und zu Übergewicht. Ex-Raucher verspüren noch wochenlang ständig Hunger, weil das appetithemmende Nikotin fehlt. Ein weiterer Grund ist, dass Nikotin den Stoffwechsel beschleunigt. Wer mit dem Rauchen aufhört, schraubt seinen Stoffwechsel wieder auf das persönliche Normalmaß herunter; der gewohnte Kalorienbedarf und die notwendige Energiezufuhr stimmen dann nicht mehr überein, was bei unverändertem Essverhalten – ja häufig besserem Appetit – mit einer Gewichtszunahme verbunden ist. Das fehlende Nikotin führt dazu, dass der Körper etwa 200 Kilokalorien zusätzlich verbrennen muss, die früher das Nikotin übernommen hat. Besonders betroffen sind Menschen, die viel geraucht haben und sich seit ihrem Rauchverzicht wenig bewegen. Eine weitere Ursache können die vielen kleinen Leckereien sein, die man isst, um „das Rauchen zu vergessen“. Bei Frauen ist dies häufiger der Fall als bei Männern Mit dem Rauchen aufzuhören und gleichzeitig eine Diät einzuhalten, ist schwierig. Erfahrungen zeigen, dass Diäten nur kurzfristig helfen. Kurzfristig vermag Bupropion eine Gewichtszunahme begrenzen. Nach einigen Monaten besteht allerdings kein Unterschied mehr zu Plazebo-Präparaten. Außerdem sprechen mögliche Nebenwirkungsrisiken gegen die Einnahme von Bupropion und anderen in der Raucherentwöhnung eingesetzten Medikamenten, wie Vareniclin, Fluoxetin und Dexfenfluramin. Ein angenehmer Nebeneffekt einer Nikotin-Ersatztherapie (Nikotinkaugummis und -pflaster) ist, dass hierdurch zusätzliche Kalorien verbrannt werden und auch der Appetit reduziert wird. Tatsächlich zeigen Therapiestudien, dass bei einer Nikotin-Ersatztherapie durchschnittlich etwa ein halbes bis ein Kilogramm weniger zugenommen wird als in der Vergleichsgruppe ohne Nikotinersatzpräparate. Kommentar: Diäten helfen nur kurzfristig, wenn überhaupt. Körperliche und sportliche Aktivität sind die beste Alternative, um nicht zuzunehmen und Entzugserscheinungen abzuschwächen. Da durch Rauchen von 20 Zigaretten täglich etwa 200 Kalorien zusätzlich „verbrannt werden“, muss man sich mehr als vor dem Zigarettenentzug körperlich belasten.

Erstatten die Krankenkassen die Kosten für Maßnahmen zur Tabakentwöhnung?

Obwohl die Krankenkassen von einer Raucherentwöhnung finanziell profitieren, den Nutzen nicht bezweifeln und Tabakabhängigkeit ähnlich wie andere Süchte ist, sind sie mit einer Unkostenerstattung der entstehenden Kosten bei der Abgewöhnung sehr zurückhaltend. Nur in Ausnahmefällen und nur nach Rücksprache werden gelegentlich die Kosten erstattet. Die Zurückhaltung betrifft in erster Linie die medikamentösen Hilfen. Dies hängt damit zusammen, dass Präparate zur Raucherentwöhnung generell zu den Lifestyle-Arzneimitteln zählen und somit – egal ob verschreibungspflichtig oder nicht – von der Erstattung ausgeschlossen sind. Gruppen- und Verhaltenstherapien werden hingegen häufig finanziell unterstützt; manche Kassen erstatten sogar die Kosten vollständig.

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Hermann Delbrück ist Arzt für Hämatologie – Onkologie und Sozialmedizin sowie Rehabilitation und physikalische Therapie und Hochschullehrer für Innere Medizin und Sozialmedizin. Während seiner Laufbahn in der experimentellen, kurativen und vor allem rehabilitativen Onkologie veröffentlichte er mehrere Lehrbücher. Er ist der Herausgeber zahlreicher Ratgeber für Betroffene mit Krebs. Seit seiner Emeritierung 2007 befasst er sich vorrangig mit Fragen der Prävention von Krebs.