Brustkrebs Früherkennung: Selbstuntersuchung und ärztliche Untersuchung

Brustkrebs Maßnahmen zur Früherkennung

In diesem Beitrag geht es nicht um (gesetzliche) Krebsvorsorge-Untersuchungen bei (noch) Gesunden, sondern um die derzeit gebräuchlichen Untersuchungen bei einem Krebsverdacht. Die Maßnahmen sind zu unterscheiden von den Check-Up-Untersuchungen und den gesetzlichen Krebsvorsorge-Untersuchungen, die sich an vermeintlich Gesunde richten. Die  Aussagekraft der Untersuchungen wird bestimmt durch ihre Sensitivität und Spezifität sowie die Häufigkeit richtiger bzw. falsch positiver oder falsch negativer Befunde. Ideal wären Untersuchungen mit hundertprozentiger Sensitivität und Spezifität. Solche Untersuchungen gibt es aber nicht. Die Realität liegt weit darunter. Die in diesem Beitrag erwähnten Werte stellen nur grobe Richtgrößen dar.

Brustkrebs: Auf welche Warnsignale sollte man achten?

Gibt es typische Frühsymptome? Brustkrebs kündigt sich im Frühstadium selten durch Symptome wie Schmerzen, einer Gewichtsabnahme oder einer Leistungsminderung an. Knotige Veränderungen in der Brust sind häufig meist gutartiger Natur sind, denen man jedoch trotzdem Bedeutung beimessen sollte.
Kommentar: Es gibt keine spezifischen Frühsymptome. Selbst ausgedehnte Tumoren bereiten häufig lange keine Beschwerden.

  • wenn sich die Größe der Brust verändert
  • wenn sich beim Heben der Arme eine Brust anders verformt als die andere
  • wenn sich Haut oder Brustwarze an einer Stelle einziehen
  • wenn sich die Brusthaut rötet oder schuppt und nicht verheilt
  • wenn eine Hautrötung im Brustbereich nicht abklingt
  • wenn die Haut an einer Stelle aussieht wie eine Orange
  • wenn aus einer Brustwarze wasserklare oder blutige Flüssigkeit austritt
  • wenn die „Knotigkeit“ einer Brust an einer Stelle zunimmt
  • wenn Schmerzen an einer Stelle in der Brust auftreten.

Brustkrebs Selbstuntersuchung

Die Selbstuntersuchung erfolgt idealerweise in der Woche nach Beginn der Regelblutung, da dann das Drüsengewebe besonders weich ist. Sie sollte auch später immer am gleichen Tag im Zyklus erfolgen, weil dann die Tastbefunde am besten vergleichbar sind.

Warnsignale bei der Selbstuntersuchung:

  • Knoten in der Brust: Krebsverdächtige Knoten fühlen sich fest, unregelmäßig begrenzt an und lassen sich nicht verschieben. Ein Krebsknoten schmerzt in der Regel nicht.
  • Veränderung an der Brustwarze: auffällig sind Einziehungen einer Brustwarze, Entzündungen und Hautveränderungen sowie blutige Absonderungen. Veränderungen der Brustgröße oder *der Haut: eine großporige, sogenannte „Orangenhaut“, auffällige Rötung, Entzündung oder unterschiedliches Verhalten beider Brüste beim Heben der Arme sind verdächtig.
  • Schwellung in der Achselhöhle: eine Schwellung in der Achselhöhle kann auf eine mögliche Beteiligung der Achsellymphknoten hinweisen.
  • Überwärmung und evtl. Rötung der Haut einer Brust: kann auf eine, den Krebs begleitende Entzündung hinweisen

Vorteile der Selbstuntersuchung:

  • preisgünstigste und in einigen ländern der Dritten Welt einzig mögliche Maßnahme zur Krebsfrüherkennung
  • Stärkung von Körperbewusstsein
  • Gefühl eines aktiven Eigenbeitrags zur Gesunderhaltung

Nachteile der Selbstuntersuchung:

  • unnötige Ängste beim ertasten der – meist gutartigen – (falsch positiven) Befunde
  • keine Standardisierung der Untersuchung
  • viele unnötige Arztbesuche, Mammographien und Biopsien

Kommentar: Die Selbstuntersuchung ist heute – nachdem sie früher sehr propagiert wurde –wegen der häufig falsch positiven Befunde und der zumeist sinnlosen, aber teuren sowie körperlich und psychisch belastenden Nachuntersuchungen in die Kritik geraten (U.S. Preventive Services Task Force 2009, Kösters und Goetsche 2003). Ihre Aussagekraft ist  gering. In den Stellungnahmen der Breast Cancer Coalition, der kanadischen Krebsgesellschaft, der Cochrane Collaboration und der U.S. Preventive Services Task Force heißt es, dass Selbst-Untersuchungsprogramme mehr Schaden als Nutzen anrichten und deswegen nicht mehr propagiert werden sollten. In Deutschland (S3-Leitlinien) und in den „European Guidelines for Mammographie Screening and Diagnosis“ wird die Brust-Selbstuntersuchung dennoch nach wie vor als wertvolles Instrument zur Förderung der Brustgesundheit angesehen. Deutsche Radiologen betonen, dass der Vorteil der Selbstuntersuchung im Erlernen des Körperbewusstseins und damit im früheren Selbsterkennen von Krebssymptomen liege.

Brustkrebs ärztliche Brustuntersuchung

Ihr besonderer Wert liegt neben der professionellen Inspektion und fachlichen Abtastung der Brustregion und der Lymphknotenregion darin, dass mögliche Beschwerden wie Schmerzen, Überwärmungen, Hautverziehungen, Sekretionen und familiäre Risiken stärker berücksichtigt werden können. Die Sensitivität beträgt je nach Untersucher zwischen 13,4 % und 69 %; die Spezifität kann je nach Untersucher bis zu 90 % betragen (Kolb et al. 2002, U.S. Preventive Services Task Force 2009).

Vorteile der klinischen Brustuntersuchung

  • Berücksichtigung individueller Symptome
  • Möglichkeit der ärztlichen Beratung
  • Gelegenheit, eventuelle Ängste auszuräumen

Nachteile der klinischen Brustunersuchung

  • geringe Standardisierung
  • Sensitivität und Spezifität hängen sehr von den Erfahrungen des Untersuchers ab. Bei Frauen mit dichtem Brustdrüsenkörper – also vor allem bei jungen Frauen – ist das Risiko eines falsch positiven Befundes hoch.
  • Bei auffälligem Befund muss grundsätzlich eine Mammografie bzw. Sonografie oder Kernspin, möglicherweise auch eine Biopsie des Tastbefundes erfolgen.

Kommentar: Die ärztliche Tastuntersuchung hat den Vorteil,  dass individuelle Risikofaktoren berücksichtigt und Ängste durch den Arzt ausgeräumt werden können. Insgesamt hat die ärztliche Untersuchung eine geringe Sensitivität und Spezifität und reicht zur Früherkennung nicht aus.

 

Quelle und Leseempfehlung zur Brustkrebsvorsorge:

Brustkrebs vermeiden (Personalisierte Krebsvorsorge und Früherkennung)

Hermann Delbrück ist Arzt für Hämatologie – Onkologie und Sozialmedizin sowie Rehabilitation und physikalische Therapie und Hochschullehrer für Innere Medizin und Sozialmedizin. Während seiner Laufbahn in der experimentellen, kurativen und vor allem rehabilitativen Onkologie veröffentlichte er mehrere Lehrbücher. Er ist der Herausgeber zahlreicher Ratgeber für Betroffene mit Krebs. Seit seiner Emeritierung 2007 befasst er sich vorrangig mit Fragen der Prävention von Krebs.