Prostatakrebs-Vorbeugung durch Ernährung

Je nach Ernährungsweise erhöht oder erniedrigt sich das Krebsrisiko, wobei der Einfluss der Ernährung jedoch nicht überbewertet werden darf. Es müssen zahlreiche Faktoren zusammentreffen, damit es zum Ausbruch der Krebserkrankung kommt Die Ernährung ist in dem „Puzzle“ der vielen Risikofaktoren nur ein Einflussfaktor von vielen.

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Für einzelne Inhaltsstoffe in Lebensmitteln vermutet man, dass diese die Entwicklung von Prostatakrebs bremsen. Bei einigen von ihnen wurde auch eine Schutzwirkung in Zellkulturen, ja sogar in Tier-Tumormodellen bestätigt, beim Menschen gibt es jedoch für keinen Inhaltsstoff schlüssige Beweise für eine vorbeugende Wirkung. Man geht heute davon aus, dass die Krebsgefährdung weniger durch einzelne Inhaltsstoffe in Nahrungsmitteln als durch das gesamte Ernährungsmuster beeinflusst wird, d. h. durch das, was, wie und in welcher Menge gegessen wird (WRCF).

Viele Empfehlungen zur optimalen Ernährung werden kontrovers diskutiert; einige sind widersprüchlich oder zumindest wenig konkret (Tabelle). Mehr als über Vorteile weiß man über die Nachteile einer gesundheitsschädlichen und eventuell sogar Krebs fördernden Ernährungsweise. Sicher ist, je früher man im Leben eine krebsgefährdende Ernährungsweise vermeidet, umso wahrscheinlicher ist ein positiver Effekt zu erwarten. Insofern kommt den Eltern auch eine Mitverantwortung für ein später erhöhtes Krebsrisiko ihrer Kinder.

Akute Veränderungen sind bei einer Umstellung der Ernährungsweise unwahrscheinlich. Andererseits kann man von einer Ernährungsumstellung auch im höheren Alter noch profitieren, da eine falsche Ernährung die Aggressivität von Krebsvorstufen fördert und einen eventuellen Krankheitsverlauf verschlimmert.

 

Ratgeber-Übersicht:

Wie lassen sich Ernährungseinflüsse in Studien nachweisen?

Um Ernährungseinflüsse festzustellen, benutzt man verschiedene Testverfahren wie Fall-Kontroll-, Kohorten- oder Interventionsstudien. Ihre Aussagekraft unterscheidet sich. In Fall-Kontroll-Studien werden Patienten und gesunde Kontrollpersonen anhand von Fragebögen nach bestimmten Verhaltensweisen wie z. B. ihren Ernährungsgewohnheiten in der Vergangenheit befragt (retrospektive Studien). In Kohortenstudien werden Personen über einen genau definierten Zeitraum beobachtet. Ihre Verhaltensweisen und die Ereignisse werden dokumentiert.

Es gibt unzählige Untersuchungen, Studien und Kommentare zur positiven Wirkung bestimmter Ernährungsweisen. Meist sind es retrospektive Studien, in denen die Angaben von Gesunden und Kranken zu ihrem Ernährungsverhalten in der Vergangenheit dokumentiert und ausgewertet werden. Die meisten halten wissenschaftlichen Ansprüchen nicht stand. Häufig sind sie sind schon von ihrer Idee her ungeeignet, da sie fälschlicherweise davon ausgehen, dass Krebs die Folge einzelner Ernährungsfaktoren- wie etwa die des Fettverzehrs- ist und nicht berücksichtigen, dass es sich um eine multikausale Erkrankung handelt, bei der zahlreiche Einflüsse zusammentreffen. Lebensmittel sind komplexe Systeme, deren Inhaltsstoffe miteinander und mit der Darmflora in Wechselwirkung treten. Sie ändern ihre Eigenschaften durch Verarbeitungsverfahren wie Würzen, Marinieren, Fermentieren, Kochen und Backen. Welchen Einfluss auch die Küchentechnik auf unsere Gesundheit hat, ist bis heute nur bruchstückhaft

Häufig wird auch in den Schlussfolgerungen und Empfehlungen ignoriert, dass epidemiologische Studien im Optimalfall Korrelationen, nicht jedoch Kausalitäten nachweisen können.

Bevor man aus den in der Literatur und Werbung gegebenen Empfehlungen Rückschlüsse für sich zieht, sollte man die als Beweis zitierten Studien hinsichtlich einiger Kriterien durchleuchten (Tabelle).

Die höchste Aussagekraft und Relevanz haben „Ernährungs- Interventionsstudien“. In ihnen wird der Einfluss einer bestimmten Ernährung oder eines bestimmten Wirkstoffes auf die Krebsentstehung – am besten randomisiert, placebokontrolliert und doppelblind – in einer definierten Gruppe untersucht. Es sind prospektive Studien. Solche Studien, die den Nachweis einer Wirksamkeit für eine krebsfeindliche Ernährung gibt es nicht; es wird sie voraussichtlich auch in der Zukunft nicht geben. Neben den ethischen Bedenken ist problematisch, dass solche Interventionsstudien Jahrzehnte und mit sehr vielen Teilnehmern dauern würden, um relevante Ergebnisse für den Endpunkt „Verhinderung einer Krebserkrankung“ zu erzielen. Außerdem sind solche Studien sehr kosteneffektiv.

Bevor man aus den in der Literatur (und Werbung) gegebenen Empfehlungen für sich Rückschlüsse zieht, sollte man die zum „Beweis“ vorgelegte Studie in Hinblick einiger Kriterien durchleuchten (Tabelle).

 

Aspekte, die man bei der Interpretation von Ernährungsstudien und Studienergebnissen zur Krebsentwicklung beachten muss

  • Ein Kritikpunkt ist, dass in den meisten Studien das Ernährungsverhalten nur für einen kurzen Zeitraum berücksichtigt wird. Studien, die die Ernährungsweise in der Jugend bzw. im frühen Erwachsenenalter berücksichtigen, gibt es kaum, obwohl es äußerst wahrscheinlich ist, dass sich Verhaltensweisen wie die Ernährung – erst nach vielen Jahren hinsichtlich des Ausbruch einer Krebserkrankung auswirken. (Akute Veränderungen sind bei Korrekturen der Ernährung unwahrscheinlich!).
  • Die meisten Hypothesen und Empfehlungen basieren auf Befragungen von Betroffenen (Fall-Kontroll-Studien). Deren Angaben sind erfahrungsgemäß häufig unzuverlässig und subjektiv gefärbt. Zuverlässiger sind Befragungen von gesunden Personen, die über einen längeren Zeitraum beobachtet und regelmäßig zur Ernährung Stellung nehmen (Kohortenstudien). (Beobachtungen und Analysen von Betroffenen sind naturgemäß sehr subjektiv gefärbt).
  • Selten werden altersangepasste Analysen vorgenommen, obwohl der Organismus auf Schadstoffe bei jungen Menschen anders reagiert als bei älteren Menschen. (Je nach Lebensalter ist der Einfluss der Ernährung verschieden).
  • In vielen Studien konzentriert man sich ausschließlich auf das Gewicht, gleichwohl sich der Einfluss des Übergewichts nicht von anderen Einflussfaktoren trennen lässt. (Der Einfluss von Übergewicht und Fettsucht lässt sich nicht separat von anderen Krebsrisikofaktoren bestimmen).
  • Studien können immer nur auf gestellte Fragen eingehen (Je unklarer die Frage, desto unklarer die Aussage einer Studie)
  • Häufig werden Erfahrungen aus Tierversuchen und Studien mit Zellkulturen auf Menschen übertragen (was nicht statthaft ist).
  • Nicht alle Studien, die sich mit dem Einfluss der Ernährung auf die Krebsentwicklung befassen, definieren und differenzieren Übergewicht und Fettsucht (Adipositas). (Nur wenige Studien gehen auf die Fettverteilung ein).
  • Manchmal sind die Befragten nicht repräsentativ.
  • Mitunter liegen Informationsfehler bei Befragungen vor. So geben stark Alkohol Konsumierende eher geringere Mengen Alkohol an, während Normal oder Nichttrinker eher zutreffende Angaben machen (Informationsbias).
  • Aufgrund des individuellen Lebensstils der Probanden sind die Ergebnisse mancher Ernährungsstudien schwer vergleichbar. (Eine einzige positive Studie kann immer purer Zufall sein. Aber auch Meta-Analysen, die häufig unterschiedlich konzipierte Studien mit Gesunden und Kranken aus verschiedenen Kulturkreisen und Altersgruppen zusammenfassen, lassen nur bedingt allgemeingültige Aussagen zu.
  • Häufig werden falsche Korrelationen mit anderen Risikofaktoren aufgestellt. (Erkrankungs-, Rezidiv- und Sterblichkeitsrisiken werden manchmal nicht voneinander getrennt).
  • In einigen Studien werden keine klaren Angaben zum Zeitpunkt der Gewichtsmessung gemacht; manche beschränken sich sogar nur auf Angaben zur Zeit der Krebsdiagnose, (obwohl das Körpergewicht eher Folge als (Mit) Ursache der Erkrankung ist).
  • In manchen Studien werden Einflüsse auf die Erkrankungshäufigkeit mit solchen auf den PSA-Wert vermischt. (Der PSA-Spiegel ist ein sehr unspezifischer Marker, der bei vielen nicht krebsbedingten Ursachen erhöht sein kann. Erkrankungs-, Rezidiv- und Sterblichkeitsrisiken müssen getrennt aufgeführt und beurteilt werden).
  • Die Genauigkeit statistischer Antworten hängt von der Genauigkeit der Fragen ab. Erkrankungs-, Rezidiv- und Sterblichkeitsrisiken werden häufig in der Statistik und den Studien nicht voneinander getrennt.
  • Welche Surrogatparameter wurden benutzt? (Gesamtüberleben (OS: Overall Survival), Krankheitsfreies Überleben (DFS: Disease free Survival), Ereignisfreies Überleben (EFS: Event-free Survival),Objektive Ansprechrate (ORR: Objective Response Rate), Zeit bis zur Tumorprogression (TTP: Time to Progression,  Progressionsfreies Überleben (PFS: Progression-free Survival). Zeit bis zum Therapieversagen (TTF: Time to Treatment failure),Tumormarker (PSA).)
  • In einigen Studien werden Erfolgsquoten in Prozent (relatives Risiko) und manchmal in Absolutzahlen (absolutes Risiko) ausgedrückt. (Angaben in Relativprozent verfälschen häufig die Bedeutung einer Aussage)
  • Soziale Ursachen werden nur in wenigen Studien ausreichend gewürdigt, obwohl – völlig unabhängig von der Ernährung – sozioökonomisch Benachteiligte zusätzliche Risiken haben und häufiger an Karzinom erkranken. (Je niedriger der soziale Status, desto häufiger sind Tabak- und Alkoholabusus, Immobilität, Exposition mit krebsfördernden Stoffen!).
  • Wesentlich häufiger als negative werden positive Studien publiziert. (Negative Studienergebnisse verschwinden häufig in der Schublade“,Publikationsbias).

Gibt es eine krebsfeindliche Ernährung? Bieten Diäten einen Schutz?

Problematisch ist, dass gerade bei Fragen der Ernährung jeder kompetent mitzureden glaubt und, dass die Medien gerne sensationsträchtige Halbwahrheiten gerade bei sogenannten Krebsdiäten verbreiten. Dabei ist die Qualität von Datenerhebungen gerade bei Ernährungsstudien häufig sehr unbefriedigend. Sie beruhen in der Regel allein auf Selbstauskünften von Probanden, deren Wahrheitsgehalt nicht weiter überprüft werden kann. Hinzu kommt, dass Ernährung und Krebs auch zu einem Geschäftsfeld geworden ist, mit dem sich offensichtlich viel Geld verdienen lässt indem man den Konsumenten suggeriert, dass bestimmte Nahrungsnittel und Nahrungsergänzungsmittel vor Krebs schützen bzw. den Verlauf einer Krebserkrankung günstig beeinflussen.

Es gibt unzählige wohlmeinende, manchmal aber auch eher kommerziell ausgerichtete Empfehlungen für angeblich krebsfeindliche oder gar krebshemmende Ernährungsweisen. Dem steht entgegen, dass bislang keine bestimmte Ernährung identifiziert werden konnte, die eindeutig krebsverhindernd wirkt. Häufig beruhen die Behauptungen auf falschen Schlussfolgerungen aus Datenerhebungen, die auf den ersten Blick einleuchtend erscheinen und sich schwer widerlegen lassen.

Krebsfeindliche Diäten gibt es nicht! Wer so etwas behauptet, muss sich den Vorwurf  der Unwissenheit, der Naivität  oder – schlimmer – der  Scharlatanerie gefallen lassen. Wenn überhaupt, dann kann man nur eine Ernährung empfehlen, die sich nicht krebsfördernd auswirkt. Nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft gibt es auch keine einzelnen Nahrungsbestandteile, die von sich aus „krebsfeindlich“ sind. Zu Unrecht wird dies von immer wieder von einigen »Gesundheitsaposteln« und Geldmachern behauptet.

„Krebsdiäten“, die einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht standhalten und die zu Mangelzuständen führen können

  • Fasten,
  • Rohkost
  • Breuß „Krebskur – Total“,
  • Öl-Eiweiß-Kost nach Budwig,
  • Gerson-Diät,
  • Makrobiotik,
  • Ketogene und kohlenhydratarme Kost.

Lohnt sich eine Umstellung der Ernährung noch im hohen Alter?

Sicherlich, das Risiko einer späteren Krebserkrankung ist umso geringer, je früher man auf eine gesunde Ernährung achtet. Es ist auch richtig, dass die Entwicklung einer Prostatakrebserkrankung 10 bis 20 Jahre und länger dauert.

Andererseits weiß man, dass sich lange vor der Krebsdiagnose Krebszellen und -vorstufen im Darm befinden, die keine Beschwerden bereiten und lange stationär bleiben, d. h. nicht wachsen (latente oder schlafende Tumore). Erst bei Eintritt bestimmter Ereignisse werden sie „wach“. Dazu gehört ein ungesunder Lebensstil mit einer ebenso ungesunden Ernährung. Die Aggressivität von Krebszellen sowie das Wachstum latenter Karzinome werden bei gesunder Lebensführung gehemmt.

Ganz abgesehen davon, dass sich eine gesunde Ernährung auch auf andere Erkrankungen auswirkt, ist die allgemeine Lebenserwartung heute derart gestiegen, dass man auch im hohen Alter von einer idealen Lebensweise noch profitiert. Die durchschnittliche Lebenserwartung von 65jährigen Männern betrug 2006/07 immerhin noch 17,1 Jahre, die von Frauen 20,4. Dies ist eine Zeitspanne, in der sich Auswirkungen der Ernährung auf die Krebsentstehung durchaus bemerkbar machen.

Ein gesunder Lebensstil nutzt der Gesundheit und dem persönlichen Wohlergehen in jedem Fall. Ideale Ernährung bedeutet nicht den Verzicht auf schmackhaftes Essen.

 

Welche Ernährung erhöht und welche schützt möglicherweise?

Vor einer einseitigen Ernährung sollte man sich hüten! Einseitige Diäten sind schädlich, d. h., sie wirken sich negativ auf die Gesundheit, die Immunabwehr, die Lebensqualität und möglicherweise auch auf das Erkrankungsrisiko aus.

Nicht nur falsch, sondern auch gefährlich, sind Empfehlungen einer fett- und eiweißreichen Ernährung. Fett fördert die Entwicklung einer Insulinresistenz mit nachfolgender Hyperinsulinämie und Freisetzung Insulin ähnlicher Faktoren, die den Übergang von Krebsvorstufen zu invasiven Karzinomen fördern. Krebszellen lieben Fett als energiereichsten Nährstoff, den sie zu ihrer Energiegewinnung nutzen. Die „Fettsucht“ der Krebszellen geht so weit, dass in vielen Tumoren die Fettsäure-Synthetase (FAS) herauf reguliert ist.

Einfache und schnell verfügbare Kohlenhydrate (z. B. Zucker, Weißmehl) gelten im Gegensatz zu komplexen Kohlenhydraten als ungesund, weil sie zu einem schnellen Blutzucker- und Insulinanstieg führen. Durch eine ballaststoffreiche Kost mit langsam verwertbaren Kohlenhydraten können hingegen Blutzucker- und Insulinspitzen vermieden werden, ohne den Tumor mit zu viel Eiweißbausteinen, anabolem Insulin sowie IGF-Wachstumsfaktoren zu versorgen. Nach schnell verfügbaren Kohlenhydraten wie Zucker/ Weißmehl mit Tierprotein: z. B. Gummibärchen, Milchschokolade, Früchtejoghurt, Pizza, Schnitzel mit Pommes, Steak mit Kartoffeln, Cornflakes in Milch, Müsli mit Zucker oder Rosinen in Milch, Cappuccino, Milchshakes, Wurst- und Käsebrötchen, Hamburger und Fast Food steigt der Insulinspiegel besonders rasch an.

Empfohlen wird allgemein eine Lebensmittelauswahl, wie sie auch bei der mediterranen Kost üblich ist, d. h. eine fett- und fleischarme Kost mit einem hohen Anteil an Obst und Gemüse, mehr Fisch als Fleisch, Oliven- oder Sonnenblumenöl und wenig Alkohol. Eine solche Ernährung reduziert auch gleichzeitig das Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen sowie für Typ 2 Diabetes.

 

Ernährungsempfehlungen zur Reduzierung des Prostatakrebsrisikos

  • Eine ausgewogene Ernährung, die auch Gemüse, Vollkornprodukte und Früchte (600g /Tag) beinhaltet.
  • Vermeidung von starkem Übergewicht; (der BMI sollte < 30, der Bauchumfang < 102 cm sein). Dem Risikofaktor Übergewicht sollte man durch eine kalorienarme und vorwiegend ballaststoffreiche Kost, besonders jedoch durch vermehrte körperliche Aktivität Rechnung tragen (mindestens 30 -60 min/Tag)
  • Fleisch Verzehr nicht mehr als an maximal 3 Tagen wöchentlich (< 500g/wöchentlich)
  • Fettarme Ernährung
  • Kein Fast food
  • Verminderung des Fettkonsums auf unter 30% der Kalorien
  • Lebensmittelauswahl, wie sie bei der mediterranen Kost üblich ist, d. h. eine fett- und fleischarme Kost, Fisch, Gemüse mit Oliven- oder Sonnenblumenöl und Mäßigung beim Alkoholkonsum
  • Molkereiprodukte mit hohem Fettgehalt meiden
  • Mäßigung beim Alkoholkonsum, keine hoch konzentrierten Alkoholika!

Ist eine Gewichtsregulierung sinnvoll?

Übergewicht, gemessen mit dem BMI sowie Bauchumfang und/oder Taille-Hüft-Verhältniss  ist ein vermeidbarer Risikofaktor für ein aggressives Prostatakarzinom. Die meisten Experten raten bei starkem Übergewicht (BMI > 30) zu mehr körperlicher Aktivität und einer Ernährungsumstellung, die sich nach dem tatsächlichen Bedarf richtet. Dies führt zwar langsam, aber dafür sicherer zu einer lang anhaltenden Gewichtsabnahme. Körperliche Aktivität gilt über die Gewichtsstabilisierung hinaus als eigenständiger Hemmfaktor für Prostatakrebs.

Wichtig ist, dass hierauf schon in der Jugend geachtet wird. Nicht nur, weil bis zu 80 % der übergewichtigen Kinder auch später im Erwachsenenalter zu einer Adipositas neigen, sondern weil Übergewicht im jugendlichen Alter nach Meinung einiger Experten direkte Auswirkungen auf das spätere Prostatakrebsrisiko haben kann (Giovannucci et al 1997, Brown et al 2009). Sicher ist, dass die Anlage für Prostatakrebs schon lange vor der Krebsdiagnose besteht. „Im Alter muss man den Preis für (Ernährungs-) Sünden in der Jugend bezahlen“.

Mit mehr körperlicher Aktivität, einer bedarforientierter Kalorienaufnahme und einer geringeren Aufnahme von gesättigten Fettsäuren (besonders Transfetten) reduzieren Übergewichtige auch andere Krankheitsrisiken; so das Risiko für Herz – Kreislauf – Erkrankungen, für hohen Blutdruck, für Diabetes. Vielen ist nicht bewusst, dass die Mehrzahl der Prostatakrebspatientinnen nicht etwa am Krebs, sondern an Herz – Kreislauf – Versagen versterben.

Wie schafft man es, bei Übergewicht (Adipositas) abzunehmen?

Einfach nur zu sagen, man solle weniger essen und sich mehr bewegen, reicht nicht und führt – ohne Berücksichtigung der Ursachen – selten zu einem dauerhaften Erfolg.

  • Primär sollte man nach den Ursachen für Übergewicht suchen und dementsprechend Überlegungen zur Gewichtsabnahme anstellen. Es gibt Tausende von Empfehlungen zur Gewichtsverringerung, auf deren Vor- und Nachteile an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden kann. Die meisten führen zu einer mehr oder weniger ausgeprägten Gewichtsabnahme in den ersten Monaten; kaum eine wirkt aber länger als ein oder zwei Jahre. Wichtiger als irgendwelche Diäten ist es, dass man seine Ernährungsgewohnheiten langfristig umstellt, um das gewünschtes Gewicht dauerhaft zu erreichen und zu halten. Die meisten Diätempfehlungen schaffen das nicht!
  • Hungerkuren durchzuführen, mit Gewalt die Kalorienaufnahme zu beschränken, für eine der zahlreichen „Wunder-Diäten“ Unmengen Geld auszugeben, ist nicht ratsam. Erfolgreicher ist es, Konzepte langfristig, nachhaltig und flexibel anzulegen. Bessere Alternativen sind Sport und Bewegung, eine an die Belastungen und individuellen Erfordernisse des Körpers angepasste Ernährung; vor allem jedoch eine bewusste Ernährung.
  • Grundsätzlich gilt das Prinzip: „Entweder man nimmt weniger Kalorien auf oder man verbraucht mehr Kalorien.“ Wer mehr Kalorien aufnimmt, als er verbraucht, setzt Speck und Bauch an. Maßnahmen zur Erhöhung des Energieverbrauchs und eine Anpassung der Ernährung an den Energiebedarf führen zwar langsam, aber dafür sicher zu einer lang anhaltenden Gewichtsabnahme.
  • Zwar ist eine schnelle Gewichtsreduzierung sehr motivierend, kurzfristigen starken Gewichtsabnahmen folgt jedoch meist ein deprimierender Stillstand, wenn nicht sogar ein prompter Rückfall. Eine langsame Steigerung regelmäßiger körperlicher Belastungen und eine „bewusste Ernährung“ wirken hingegen langfristig und nachhaltig.
  • Neben der Gewichtsabnahme kommt es bei körperlicher Aktivität zu einer Zunahme an Muskelmasse, und so zu einer Sensibilisierung der Rezeptoren für das Schlüsselhormon Insulin, sowie einer besseren Nutzung von Zucker in der Zelle. Der Appetit nimmt dadurch ab. Nach stärkeren Belastungen steigert sich der Stoffwechsel bis zu 24 Stunden.
  • Die Ernährung sollte kalorienarm, fettarm, ballaststoffreich sein und einen niedrigen Glykämischen Index haben. Ballaststoffe vermitteln ein frühes Sättigungsgefühl. Man sollte nicht nur auf den Fettgehalt, sondern auch auf die Art des Fettes achten. Den größten Sättigungseffekt hat Olivenöl, das darüber hinaus einen hohen Anteil an einfachen, ungesättigten Fettsäuren enthält.
  • Allein durch bewusstes Essen nimmt man häufig an Gewicht ab. Bewusst heißt, nur dann zu essen, wenn man Hunger hat; langsamer zu essen und das Essen zu genießen; sich bewusst zu sein, was man isst. Häufig sind es nämlich nicht Hunger und Appetit, sondern Kummer, Frust, Langeweile oder Ablenkung in schwierigen Lebenslagen und Automatismen, die Übergewichtige veranlassen, zu viel essen. Wer bewusst isst, isst langsamer. Das Gefühl der Sättigung setzt umso früher ein, je langsamer man isst! „Nebenbei zu essen“ führt zu Übergewicht!
  • Gewichtskontrollen, eine Art Tagebuch bzw. die Benutzung eines der im Internet angebotenen Ernährungs-Apps sind sinnvoll
  • Eine fettreiche Ernährung kann sich – zumal bei mangelnder Bewegung – schnell auf das Körpergewicht auswirken. Bei pflanzlichem Eiweiß ist das Risiko wesentlich geringer. Tierisches Eiweiß steckt oft in Lebensmitteln, die darüber hinaus fettreich sind. Selbst körperliche und sportliche Höchstleistungen sind bei ausschließlich pflanzlicher Kost möglich, wie einige erfolgreiche Iron-Triathlon-Kämpfer bewiesen haben.
  • Eine fettreiche Ernährungsweise geht mit einer hohen Energiedichte einher. Bis zu 75 % der Energien stammen aus Schweine-, Rind- und Lammfleisch, nicht jedoch aus Geflügel, Wild oder Fisch
  • Den Alkoholkonsum sollte man mäßigen! Vielen ist nicht bewusst, dass Alkohol fast so viele Kalorien enthält wie Fett.
  • MetforminR reduziert nicht nur den Zuckerspiegel bei Typ 2 Diabetikern, sondern reduziert auch den Appetit und wird deshalb erfolgreich zur Gewichtsreduzierung eingesetzt. Abgesehen davon gibt es Beobachtungen, dass sich die Einnahme von MetforminR bei Diabetikern präventiv gegen Krebs auswirkt.

 

 

Gibt es ein Idealgewicht im Hinblick auf die Krebsgefährdung?

Ein Idealgewicht gibt es nicht. Das „Normalgewicht“, d. h. einen Body Mass Index (BMI) zwischen 18, 5 und 25 braucht man nicht erreichen. Er gilt nur für junge Menschen. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ein BMI bei Senioren bis 28 krebsgefährdend ist. Der BMI sollte jedoch auf keinen Fall höher als 30 sein. Der Body Mass Index berechnet sich aus Körpergewicht (in kg) dividiert durch Körpergröße x Körpergröße (in m2).

 

Empfehlungen für das ideale Körpergewicht (BMI) in Abhängigkeit vom Lebensalter (Quelle: NRC, Diet and Health. Implications for Reducing Chronic Disease Risk (1989)

Alter                 Empfohlener BMI

19 -24 19 – 24
25 -34 20 -25
35 -44 21 -26
45 -54 22 -27
 54- 65 23 -28
 >65 24 -29

 

Empfehlungen für das ideale Körpergewicht nach dem Body Mass Index (BMI) in Abhängigkeit vom Geschlecht (Quelle DGE 1992)

Kategorie Männer Frauen
Untergewicht weniger als 20 weniger als 19
Normalgewicht 20 – 24,9 19 – 23,9
Übergewicht 25 – 29,9 24 – 29,9
Starkes Übergewicht (Adipositas Grad I) 30 – 34,9 30 – 34,9
Adipositas Grad II 35 – 39,9 35 – 39,9
Adipositas Grad III 40 oder mehr 40 oder mehr

 

Bloße Gewichtsmessungen haben den Nachteil, dass das Gewicht von Muskeln und Fettgewebe unterschiedslos gemessen wird. Der Body Mass Index (BMI Wert) hat zwar eine höhere Aussagekraft als die alleinige Gewichtsmessung, ist jedoch nach neueren Erkenntnissen bei der Ermittlung des Krebsrisikos nur von geringem Wert. Daher wird der BMI – Wert häufig zusätzlich mit einer Messung des Körperfettanteils verbunden. Nominelles Übergewicht in Kombination mit einem niedrigen Körperfettanteil weist eher auf einen muskulösen Menschen und weniger auf krebsgefährdendes Übergewicht hin. Dies umso mehr, weil muskulöse Menschen  meist körperlich aktiv sind und somit eher über zusätzliche krebsschützende Faktoren verfügen.

Ein 190 cm großer gut trainierter Sportler mit 100 kg und einem Körperfettgehalt zwischen 10% und somit einen BMI von 27,7 würde so im Bereich des Übergewichts und der Hochrisikogruppe angesiedelt werden, was Unsinn ist. Zur Risikoberechnung ist der Körperfettanteil wesentlich wichtiger.

Nach Meinung vieler Experten ist die Fettverteilung ein bedeutsamerer Einflussfaktor für die Krebsgefährdung als ein erhöhter BMI bzw. das mit kg ermittelte Übergewicht.

Sportmediziner benutzen hierfür die Kaliperometrie nach der 10-Punkt-Methode nach Parischkova.  Auch gibt es zahlreiche Körperfettanalysegeräte. Die „Bioelektrische Impedanzanalyse“ beruht auf der unterschiedlichen Leitfähigkeit von Fett und Muskeln sowie dem Skelett. Mit ihr lassen sich das Körperwasser, die fettfreie Körpermasse und damit auch das Fettkompartiment, die Körperzellmasse und die extrazelluläre Masse ausreichend genau berechnen. Nominelles Übergewicht in Kombination mit einem niedrigen Körperfettanteil weist eher auf einen muskulösen Menschen mit weniger gefährdendem Übergewicht hin.

 

Der Körperfettanteil von Männern soll im Idealfall nicht mehr als 23 % und bei Frauen nicht mehr als 27% betragen.

Besonders in der Krebsprävention wird dem Umstand große Bedeutung beigemessen, wo das Fett gespeichert wird, da die speziell im Bauchfett  gebildeten Hormone zu chronischen unterschwellig ablaufenden Entzündungsprozessen führen und das Tumorzellwachstum anregen. Die Messung des Bauchumfangs ist daher ein wichtiger Parameter. Den Bauchumfang misst man dort, wo er am größten ist, also in Nabelhöhe etwa in der Mitte zwischen Beckenkamm und Rippenbogen.

Der Bauchumfang sollte bei Männern idealerweise unter 92 cm und bei Frauen unter 80 cm liegen.

Noch besser als die Bestimmung des Bauchumfangs ist nach Meinung vieler Experten die Ermittlung des Taille-Hüft-Verhältnisses (Waist-Hip-Ratio= WHR). Der Taille-Hüft-Quotient gibt das Verhältnis von Bauch- zu Hüftumfang an. Er errechnet sich aus dem Quotienten aus dem Taillenumfang in Zentimetern und dem Hüftumfang in Zentimetern, wobei die Taille in Nabelhöhe und die Hüfte an der dicksten Stelle gemessen wird.

 

Das Taille-Hüft-Verhältnis sollte bei Männern kleiner als 1.0 und bei Frauen kleiner als 0,85 sein. 

Der Taille-Körper – Größe – Quotient (Waist to height ratio, WHtR ) ist ein noch besserer Indikator, zumindest was die Krebsgefährdung betrifft, da er die Ausprägung des Bauchfetts stärker berücksichtigt. Die alleinige Messung des Taillenumfangs berücksichtigt nämlich nicht die Körpergröße. Das Verhältnis zwischen Bauchumfang und Körpergröße (Waist to height Ratio = Bauchumfang in cm, geteilt durch die Körpergröße in Zentimetern) gilt nach neuesten Forschungen als aussagekräftigste Methode zur Bestimmung des Krebsrisikos.

Grenzwerte gelten für Männer und Frauen gleichermaßen; sie ändern sich allerdings mit dem Alter: Für unter Vierzigjährige ist ein Wert über 0,5 kritisch. Je höher der WHtR, desto größer das Risiko. Ein WHtR von 0,53 entspricht normalerweise etwa einem BMI von 25.

Die weight – to – height ratio (WHtR) sollte bei Personen < 40 Jahren  zwischen 0,32 und 0,50 liegen,  von 40 bis 50 Jahren zwischen 0,5 und 0,6 und bei über Fünfzigjährigen bei 0, 6.

Beispiel: Eine 61-jährige Frau mit einem Taillenumfang von 84 Zentimetern und 1,61 Meter Größe hat einen weight- to – height ratio (WHtR) von 0,52, was als normal gilt. Dass sie wegen einiger Fettpolster im Hüftbereich auf einen gesundheitsgefährdenden BMI von 27 kommt, muss sie daher nicht beunruhigen. Ein 30-jähriger Mann, der 1,83 misst und einen Taillenumfang von 102 Zentimetern hat, kommt auf einen Wert von 0,56, einer Indikation zur Gewichtsabnahme.

 

Ab welchem Schwellenwert ist eine Gewichtsreduzierung notwendig?

Konkrete Angaben, ab welchem Körpergewicht mit einer gesundheitlichen Gefährdung zu rechnen ist und ab wann gewichtsreduzierende Maßnahmen notwendig sind, gibt es nicht. Es wird sie auch niemals geben, denn je nach Alter (Tabelle), Gesundheitszustand, Knochenbau, Gelenkstatus, Größe, ja selbst je nach genetischer Prädisposition gibt es andere Schwellenwerte. Im Übrigen ist es zwar klar belegt, dass massives Übergewicht die Krebsgefahr steigert, ob im Umkehrschluss das Krebsrisiko jedoch gesenkt wird, wenn man an Gewicht abnimmt, ist zwar sehr wohl möglich, aber wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Deswegen sollte in erster Linie auf das Vermeiden von Übergewicht Nachdruck gelegt werden.

Die Vorstellungen zum Sollgewicht aus Sicht der Krebsverhütung variieren je nachdem, ob die primäre Krebsprävention, die Verhinderung der Wiedererkrankung oder das Fortschreiten der Erkrankung im Vordergrund stehen. Das Phänomen der „glücklichen Adipösen“ („happy obese), die – zumindest was ihren Stoffwechsel anbetrifft –  gesund sind und bei denen keinerlei erhöhtes Krebsrisiko bekannt ist, zeigt, dass offensichtlich Übergewicht sich nur bei zusätzlichen Risikofaktoren Krebs begünstigend auswirkt.

Die in der Literatur erwähnten Krebserkrankungsrisiken und Empfehlungen beziehen sich vorwiegend auf Menschen mit einem Übergewicht ab einem BMI >30. Leichtes und mittleres Übergewicht beeinflusst kaum das Krebsrisiko; es verkürzt nicht die Lebenserwartung, kann sich aber negativ auf orthopädische Einschränkungen, auf den Blutdruck, Herz und Diabetesrisiko auswirken.

Es gibt Studien, die auf eine höhere Langlebigkeit bei leichtem Übergewicht hinweisen (BMI = 25 – 27) hin. Auch bei mittlerem Übergewicht (BMI von 25 bis 30) ist die Notwendigkeit einer Gewichtsabnahme sehr umstritten. Sie ist nur bei zusätzlichen Krebsrisiken und anderen gewichtsbedingte Gesundheitsstörungen relevant wie z. B. einem Typ 2 Diabetes oder ausgeprägtem Bauchfett. Auch bei hohem psychosozialen Leidensdruck ist ein BMI zwischen 25,0 und 29,9 kg/m2 interventionsbedürftig.

Ziel sollte sein, einen BMI-Wert < 28 zu erreichen. Ein realistisches Ziel ist eine Gewichtsabnahme von ca. 500 Gramm wöchentlich. Die Gewichtsabnahme sollte nicht abrupt, sondern langsam erfolgen. Bei einem täglichen Energiedefizit von 600 kcal und einer Begrenzung des Nahrungsfetts auf maximal 30 % der zugeführten Kalorien kann dies Ziel erreicht werden. Besser und langfristig auch eher erreichbar ist es, den Energieverbrauch durch zusätzlich stärkere körperliche Aktivität und Sport zu steigern. Am besten ist es, beides gleichzeitig zu tun, d. h. eine negative Energiebilanz dank bewusster und kalorienarmer Ernährung zu erreichen und gleichzeitig den Energiebedarf durch körperliche Aktivität zu erhöhen.

Aus onkologischer Sicht ist im Übrigen wichtiger als die Gewichtsabnahme Fett abzubauen. Gelingt es Fettgewebe und Fettdepots abzubauen, nehmen auch Entzündungsfaktoren ab, die für die Entwicklung von Krebs mit verantwortlich sind. Laborchemisch ist die Verminderung der Entzündungsfaktoren bei körperlicher Aktivität durch Bestimmung des Entzündungsparameters „CRP“ messbar.

 

Welche sportlichen Aktivitäten sind gut zur Gewichtsabnahme?

Allgemeingültige Empfehlungen zu geben ist schwierig. Nicht nur, dass die körperliche Belastungsfähigkeit je nach Alter und Gesundheitszustand unterschiedlich ist, sondern es spielen auch Vorlieben eine Rolle.

Die in der Tabelle angegebenen Sportarten zählen zum Ausdauertraining, dem allgemein zur Herz-Kreislaufprävention und auch zum Schutz vor Krebs der Vorzug gegeben wird. Krafttraining eignet sich gut als Ergänzung.

 

Durchschnittlicher Kalorienverbrauch (kcal) bei verschiedenen sportlichen „Ausdauer Aktivitäten“ in Abhängigkeit vom Körpergewicht pro 30 Minuten:

 

   Sportart                             70 kg             80 kg         90 kg              Äquivalenz

Fußball (Spiel) 350 400 450 390 kcal entsprechen 2 Handvoll geröstete Erdnüsse (60g)
Spazierengehen 105 120 135 Kartoffelpuffer  (60 gr) entspricht 132 kcal
Golf (ohne Caddy, Trolley und Cart) 157 180 203 180 kcl entsprechen 60 gr Fleischwurst
Tanzen 157 180 192 200 kcal entsprechen 2 Stück Kartoffelpuffer
Tennis 245 280 315 100 gr. Gummibärchen entsprechen 328 Kcal
Tischtennis 140 160 180 300 kcl entsprechen 1 Portion marinierter Hering
Krafttraining/Bodybuilding 245 280 315 300 kcal entsprechen 1 Portion Rührei
Volleyball 140 160 180 Ein Frankfurter Würstchen (55 gr) entspricht 137, 5 kcal
Laufen (langsam) 280 320 360 450 kcal entsprechen 1 Eisbecher mit Früchten, Sahne und Gebäck
Walken/Joggen 245 280 315 1 ½ Scheiben Brot mit einer Scheibe Emmentaler entsprechen 300 kcal
Laufen (Schnell) 437 500 563 480 kcal entsprechen 1 Grillwurst mit 1 Scheibe Mischbrot
Wandern 210 240 260 2 Kugeln Eiscreme entsprechen 200 kcal
Mountainbike/BMX 297 340 382 Ein Eclair (130 gr ) entspricht 383,5 kcal
Wasserski 210 240 270 Ein Hamburger Mac Donald 100gr. Entspricht 259 kcal
Nordic Walking 280 320 360 Ein Donat gezuckert (70 gr.) entspricht 295,4 kcal
Yoga 87 100 113 Ein Esslöffel Leinsamen (20gr.) entspricht 87,8 kcal

 

Fehler, die von Übergewichtigen am häufigsten bei der Ernährung begangen werden:

  • Viele Übergewichtige essen zu schnell und sind sich gar nicht bewusst, was sie essen. (Überlegen Sie, was Sie essen und ob Sie tatsächlich noch Appetit und Hunger haben. Es gilt heute nicht mehr als unhöflich, wenn man nicht alles auf dem Teller auch auf isst!)
  • Der Kaloriengehalt bestimmter Lebensmittel ist Vielen bekannt, weniger hingegen der Kaloriengehalt von Getränken, besonders der von Alkohol. (Allein die Reduzierung des Alkoholkonsums kann zur Gewichtsabnahme führen!)
  • Unregelmäßige Mahlzeiten bergen die Gefahr von Heißhunger. (Regelmäßigkeit im Tagesablauf, auch bei Essensmahlzeiten ist wichtig!)
  • Viele Übergewichtige trinken zu wenig. (Die Flüssigkeitszufuhr sollte mindestens 2,5 Liter betragen!)
  • Der Energiegehalt von Fleisch wird häufig unterschätzt. (Wer viel Fleisch isst, wird eher dick, weil Fleisch einen hohen Energiewert hat und außerdem häufig fetthaltig ist!)
  • Eine ballaststoffreiche Kost ist nicht nur kalorienarm, sondern sättigt nachhaltig; sie lässt den Blutzuckerspiegel nur langsam ansteigen und beugt so Heißhungerattacken vor. (Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Erwachsenen, pro Tag mindestens 30 Gramm Ballaststoffe über das Essen aufzunehmen!)
  • Stress, wenig und unregelmäßiger Schlaf sind Risikofaktoren. (Dysstress und Schlafmangel sind mit unkontrollierter Nahrungsaufnahme assoziiert.
  • Die Bedeutung von Bewegung wird häufig unterschätzt (Mindestens 30 bis 60 Minuten sollte man sich täglich bewegen)

 

Empfehlungen zur Gewichtsabnahme

  • Bewusster Essen! (Planen Sie mehr Zeit für Essen ein!)
  • Viel Bewegung! Einer Gewichtsabnahme über eine Erhöhung des Energieverbrauchs z. B. durch körperliche Aktivität den Vorzug geben! (Sport ist auch aus anderen Gründen gut, jedoch muss es nicht Sport sein!).
  • Essen Sie nicht nebenbei! (Isst man „nebenbei“ oder in Hektik und schlingt das Essen hinunter, stellt sich das Sättigungsgefühl später ein!)
  • Regelmäßige und häufige Mahlzeiten! (Kleine häufige Mahlzeiten beugen Heißhunger vor!).
  • Tägliche Gewichtskontrolle! Führen Sie ein Tagebuch, in dem Sie aufschreiben, was und wann Sie gegessen haben, ob Sie sich viel, normal, mäßig oder wenig körperlich betätigt haben und ob Sie sich gut, normal, mäßig oder schlecht gefühlt haben. (Nutzen Sie eines der vielen im Internet angebotenen Ernährungs -Apps!).
  • Alkoholkonsum nur in Maßen! (Alkohol enthält fast so viele Kalorien wie Fett!)
  • Abwechslungsreich essen! (Wenig Fett, viel Obst und Gemüse!).
  • Den Fleischkonsum auf maximal 400 gr wöchentlich begrenzen! (mageres Rindfleisch ist besser als Schweinefleisch, weißes Fleisch ist besser als rotes Fleisch!)
  • Weniger Lebensmittel und Getränke mit hohem glykämischen Index. Zurückhaltung mit Softdrinks! (Ein Liter eines Softdrinks enthält bis zu 40 Stück Zucker!)
  • Einschränkung des Anteils tierischer Fette auf 1/3 des Gesamtfettes! (Eine einzige Bratwurst enthält etwa 30 Gramm Fett; der Tagesbedarf an Fett beträgt hingegen nicht mehr als 60 Gramm!).
  • Neben dem Fettgehalt auch auf die Art des Fettes achten! Verwenden Sie vorzugsweise pflanzliche Öle, besonders Olivenöl. (Den größten Sättigungseffekt hat Olivenöl, das darüber hinaus einen hohen Anteil an einfach ungesättigten Fettsäuren enthält!
  • Steigerung des unverdaulichen Faseranteils auf 50 Gramm täglich!).
  • Vorsicht vor versteckten Fetten in Snacks und Schokoriegeln sowie Wurst, Fleisch- und Wurstwaren, Milch und Milchprodukten!
  • Frittiertes, Paniertes meiden!
  • Flüssigkeitszufuhr von mindestens 2,5 Litern täglich! (Den Durst möglichst mit Wasser und nicht mit Softdrinks oder Obstsäften löschen!)
  • Einige Ernährungswissenschaftler empfehlen, rechtzeitig vor dem Schlafengehen zu essen und Kohlenhydrate zu meiden, damit die nächtliche Fettverbrennungsphase so lange wie möglich anhält. (Die Aufnahme von Kohlenhydraten steigert die Ausschüttung von Insulin, wodurch für einige Stunden der Abbau von Fett gehemmt wird!)
  • Von der Industrie werden zahlreiche Medikamente und Diäten angeboten, die zu einer Gewichtsabnahme führen sollen. Ihre Wirkung sollte nicht überschätzt und die Gefahr von Nebenwirkungen nicht unterschätzt werden. (Grundsätzlich dürfen Medikamente und Diäten nicht dazu dienen, sinnvolle und notwendige Lifestyle-Veränderungen zu ersetzen).

 

Ist eine vegetarische Kost sinnvoll?

Eine fleischarme oder gar fleischlose Kost hat erwiesenermaßen positive Auswirkungen auf zahlreiche Gesundheitsrisiken, so auch auf das Krebsrisiko (RR = 0,75). Nachgewiesen sind niedrigere PSA-Werte bei Veganern (Ornish et al 2005). Unklar ist allerdings, ob das geringere Krebsrisiko auf besonderen pflanzlichen Inhaltsstoffen in der vegetarischen Kost beruht oder mit der vermehrten Zufuhr von Ballaststoffen und Antioxydantien zusammen hängt oder mit der geringeren Aufnahme tierischer Fette und der geringeren Energiedichte zusammen hängt (Banim et al 2012). Die geringere Fett- und Kalorienaufnahme, das geringere Körpergewicht, die erhöhte körperliche Aktivität, geringere Gefahr einer Virusinfektion aus ungenügend durchberatenem Rindfleisch und der insgesamt gesündere Lebensstil von Vegetariern könnten auch einen Einfluss haben. Es heißt, dass sich Kohl, Broccoli, Sojaprodukte und Vollkornerzeugnisse besonders günstig auf das Krebsrisiko auswirken. Deren schützende Wirkung erklären sich einige Experten vorwiegend mit der Einwirkung von Ballaststoffen. Andere verweisen auf eine mögliche Schutzwirkung der besonders in Kohlarten, Senf und Meerrettich enthaltenen Glukosinolaten (Steinbrecher et al 2009). Broccoli soll neben antioxydativen Enzymen auch Sulforaphane enthalten, die zu einem programmierten Zelltod (Apoptose) geschädigter Zellen führen.

Angeblich essen Deutsche im Schnitt doppelt so viel Fleisch wie von den Gesundheitsorganisationen empfohlen wird. Erfreulicherweise ist man sich jedoch zunehmend der Nachteile von zu hohem Fleischverzehr bewusst und schränkt den Fleischkonsum im Gegensatz zu anderen Ländern ein; man achtet zunehmend auf Qualität, so auf den Fettgehalt. Der Fleischkonsum ist in Deutschland daher rückläufig. Hinzu kommen andere Gründe für den Fleischverzicht wie artgerechte Tierhaltung, Tierschutz, Gesundheit und Hygiene, aber auch Qualität und ethische Überlegungen beeinflussen zunehmend die Kaufentscheidung.

Konnten sich früher vornehmlich die höheren Einkommensgruppen Fleisch leisten, so nimmt heute der Fleischkonsum mit höherem Einkommen und steigendem Bildungsgrad ab. Vegetarier zu sein, ist „in“. Die Anzahl von Vegetariern – in Deutschland ehemals mit dogmatischen Sektenanhängern verglichen -, ist in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Allein in Deutschland sind beinahe 4% Prozent der Bevölkerung praktizierende Vegetarier; der Prozentsatz der derjenigen Menschen, die an mindestens drei Tagen in der Woche bewusst auf Fleisch verzichten („Teilzeitvegetarier“), ist noch höher. Vegetarier halten sich für reflektierter, umweltbewusster, weniger aggressiv, offener für gesellschaftliche Fragen.

Sicher ist, dass Fleisch als Nährstoffquelle entbehrlich ist. Bei einer Kombination von Eiern, Molkereiprodukten und pflanzlichen Lebensmitteln – wie etwa Kartoffeln und Quark oder Ei und Soja – wird man ausreichend mit Eiweiß versorgt; die in pflanzlicher Kost enthaltenen Vitamine und Mineralien, einschließlich Eisen, können Fleisch in der Ernährung ersetzen.

 

Argumente von Vegetariern für eine fleischlose Kost

  • Gesundheitliche Gründe: („vegetarische Kost wirke dem Völlegefühl entgegen“. „Im Fleisch würden sich zu viele Antibiotika, Hormone, Wachstumsfaktoren befinden. Die Massentierhaltung führe zu Antibiotika-Resistenzen“. „Eine fleischreiche Kost fördere das Krebsrisiko“. „Fleischkonsum begünstige die Entstehung von Übergewicht“).
  • Belastung des Grundwassers: („Die intensive Tierhaltung führe zu einem enormen Stickstoffüberschuss durch die anfallende Gülle und zu einer starken Belastung des Grundwassers“).
  • Beitrag zum Klimaschutz: („Es könnten viele Millionen Tonnen CO2 eingespart werden, wenn die Menschen sich vegetarisch ernährten. 18% der weltweiten Treibhausgase würden durch die Massentierhaltung und die Methangase beim Rülpsen wiederkäuender Rinder verursacht“. „Ein Fünftel der Treibhausgasemissionen in Deutschland gehe auf den Ernährungssektor zurück“)
  • Ethische Bedenken: („nicht für das Töten von Tieren mitverantwortlich sein“).
  • Tierschutz: („echter Tierschutz sei nur möglich, wenn man jedem Tier ein Recht auf Leben zugestehe. Die Massentierhaltung sei eine Quälerei. Fleischkonsum sei mit echtem Tierschutz unvereinbar“.)
  • soziale Abgrenzung: („Würstchen und Steaks seien ein Privileg der unteren sozialen Schichten“).

 

Wirkt sich eine cholesterinarme Kost positiv auf das Krebsrisiko aus?

Zur Herz – Kreislauf – Prävention mag eine Senkung erhöhter Cholesterinwerte sinnvoll sein, aus krebspräventiver Sicht besteht hierzu keine Notwendigkeit.

Von den meisten Experten wird empfohlen, tierische Fette zu meiden und durch Fett aus pflanzlichen Ölen oder Fischprodukten zu ersetzen. Die Hoffnung, dass Omega-3-Fette sich wachstumshemmend auf Tumoren auswirken, konnte bislang in keiner Studie bestätigt werden. Eine mit Omega-3-Fettsäuren angereicherte Ernährung bietet keinen Schutz vor Krebs (Andreeva et al 2012). Die zeitweilige Euphorie bzgl. Omega-3-Fettsäurepräparate war überzogen. Ein bis zwei Fischmahlzeiten pro Woche decken nicht nur den Bedarf reichlich ab, sondern sind auch schmackhafter und preiswerter als mit Omega-3-Fettsäuren angereicherte Mahlzeiten. Die Autoren der Select-Studie sehen sogar mehr Gefahren nach Einnahme von Fischöl-Kapseln (Kristal et al 2010).

 

Kann man sein Erkrankungsrisiko durch die zusätzliche Einnahme von Vitaminen vermindern?

Das BFR (Bundesinstitut für Risikobewertung) warnt vor der unnötigen Einnahme  hochdosierter Vitamine. Nur noch sehr wenige Wissenschaftler erwarten von der zusätzlichen Einnahme industriell hergestellter Vitamine eine vor Krebs schützende Wirkung. Auswertungen der Physicians’ Health Study II, – eine der größten und längsten placebokontrollierten Interventionsstudien mit Vitaminpräparaten bei knapp 14700 männlichen US-Ärzten im Alter von über 50 Jahren -, ergaben keinerlei schützenden Einfluss von Multivitaminen auf die Krebsentwicklung. Im Gegenteil, eine mit Multivitaminen angereicherte Zusatznahrung kann sich nach Meinung einiger Experten krebsgefährdend für Prostatakarzinome auswirken (Figueiredo et al. 2009, Lawson et al 2007). In Tierexperimenten haben hohe Vitamingaben die Bösartigkeit von Tumoren gefördert.

Sehr kontrovers ist die Einschätzung von Vitamin E. Es gibt einerseits experimentelle Befunde und Behauptungen, dass Vitamin E das Prostatakrebsrisiko, besonders bei Rauchern, reduziere (Heinonen et al 1998, Virtamo et al. 2003); andererseits warnen Experten zunehmend vor einer Einnahme von Vitamin E. In randomisiert – kontrollierten Studien führte weder die Einnahme von Vitamin E noch die Einnahme von Selen zu einer statistisch nachweisbaren Senkung des Prostatakrebsrisikos, ja es erkrankten in einer Studie sogar signifikant mehr Studienteilnehmer an einem aggressiven Prostatakrebs, wenn sie Vitamin E zur Prophylaxe eingenommen hatten (Kristal et al 2010,Tombal 2012, Klein 2011, Lippman et al 2009). In der Ernährungsindustrie wird heute von der früher üblichen Anreicherung von Lebensmitteln mit Vitamin E abgeraten

Beta-Karotin scheint keinen Einfluss zu haben. Ob Vitamin K2 (Menachinon)- haltige Nahrungsmittel tatsächlich das Risiko reduzieren, wie eine Analyse der EPIC Studie vermuten ließ (Nimptsch et al 2010), wird sich erst in größeren Nachfolgestudien klären. Vitamin K2 befindet sich vor allem in Käse.

Der Einfluss von Vitamin B 9 (Folsäure) wird sehr kontrovers diskutiert. Während synthetische Folinsäure Präparate möglicherweise das Prostatakrebsrisiko erhöhen (Ebbing et al 2009, Vollset et al 2013), nimmt man nach wie vor eine Schutzwirkung bei folatreicher Kost an (Figueiredo et al 2009). Ob allerdings die schützenden Effekte Folge der Folsäure sind und nicht auf andere Bestandteile in der Nahrung zurück zu führen sind, ist unklar (Konigs et al 2002). Leber, grüne Gemüse, Bohnen, Milch, Spinat, Salat, Vollkornprodukte und Nüsse enthalten so viel Folsäure, dass man auf die Einnahme  von Vitamin B Präparaten verzichten kann.

Beta Carotin wird in einigen Ländern noch Lebensmitteln zugesetzt, so z. B. in Butter und Margarine zur Gelbfärbung, in Bon Bons, in Tütensuppen, Marmelade, Säften oder Joghurt? Ohne es zu merken, wird dadurch schnell die empfohlene Tageshöchstdosis erreicht oder sogar überschritten. Die Anreicherung mit Beta-Carotin in Nahrungsmitteln ist seit der CARET Studie (Bjelakovic et al 2007) in fast allen Ländern streng reglementiert. Das BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) verlangt in Deutschland die Beimischung von Carotin in Lebensmitteln zu begrenzen. Die American Cancer Society fordert Warnschilder auf β-Carotin-haltigen Lebensmitteln, um Raucher auf deren möglicherweise höheres Lungenkrebsrisiko hinzuweisen.

In der Physicians‘ Health Study II, an der sich 14.641 männliche US-Ärzte im Alter über 50 Jahren  beteiligten, wurde in einem Zeitraum von durchschnittlich 8 Jahren kein schützender Effekt nach täglicher Einnahme von Vitamin C (500 mg täglich) festgestellt.

 

Die „Vitaminindustrie“ wirbt damit, dass sich besonders antioxydativ wirkende Präparate krebsschützend auswirken.

Die Ergebnisse von Therapiestudien mit Antioxydantien wie Vitamin C und E sowie ß-Karotin sowie mit Selen, Kalzium und sprechen nicht für eine Schutzwirkung. Einige neuere Therapiestudien haben sogar bei Einnahme antioxydativ wirkender Substanzen den Verdacht einer Krebsförderung aufkommen lassen (Byers 2000, Scheppach 2007, Bjelakovic et al. 2007, Tombal 2012).

Grundannahme der Antioxidantien-Hypothese ist, dass Krebs aufgrund von „oxydativem Stress“ durch freie Radikale entsteht. Antioxidantien, allen voran die Vitamine C und E sowie die Vitamin-Vorstufe ß-Karotin, sollen aggressive Radikale abfangen und so vor Krebs schützen. Umfassendere Analysen haben jedoch ergeben, dass der Schutz wesentlich geringer ist als man früher annahm. Im Gegenteil: Megadosen dieser vermeintlichen „Antioxydantien“ überfluten den Körper mit Radikalen, insbesondere in Anwesenheit von Eisen.

 

Schützt Vitamin D vor Krebs?

In den letzten Jahren wurden neben den bekannten positiven Wirkungen von Vitamin D für den Knochenaufbau auch vermehrt präventive Effekte in Bezug auf chronische Erkrankungen, insbesondere auf Krebs, diskutiert (Freedman et al 2006, Zeeb et al 2010). Experten behaupten, dass das Krebsrisiko bei einem niedrigen Vitamin- D- Spiegel im Blut erhöht sei und verweisen auf den häufig erniedrigten Vitamin D3– Spiegel bei Prostatakrebspatienten. Sie meinen, die erhöhte Krebshäufigkeit in dem weniger sonnenverwöhnten Nordeuropa sei. auf die dortige Unterversorgung mit Vitamin D zurückzuführen.

Skeptiker negieren jeglichen Einfluss auf das Krebsrisiko und behaupten, dass man Ursachen und Folgen verwechsle. Ein niedriger Vitamin D Spiegel sei bei Tumorpatienten eine Folge der Erkrankung und nicht etwa die Ursache. Sie raten wegen der möglichen Nebenwirkungen von der Vitamin-D-Prophylaxe ab, es sei denn, diese erfolge zur Osteoporose- und Rachitisprophylaxe (Zeeb und Greinert 2010, Larsson 2009, Freedman et al 2008. Eine blinde Vitamin D Prophylaxe verursache mehr Schaden als Nutzen (Wactowski-Wende et al 2006, Weinstein et al 2011).

 

Wie erhöht man einen erniedrigten Vitamin D Spiegel im Blut?

Wenn überhaupt, so ist die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten nur bei erniedrigtem, nicht aber bei normalem Vitamin-D-Spiegel im Blut zu erwägen (Zeeb und Greinert 2010, Larsson 2009, Freedman et al 2008). ). Erst bei Werten unter 10 ng/ml sollte man Vitamin D verabreichen. Solche Mangelzustände sind in Europa allerdings selten.

Bei Werten zwischen 10 und 20 ng sollte man zuerst auf natürliche Weise die Vitamin-D-Aufnahme zu steigern versuchen. Hierzu zählen häufigere Aufenthalte im Freien, denn Vitamin D3 wird zu 90 % unter dem Einfluss von Sonnenlicht auf die Haut aufgenommen.. Nur ein kleiner Teil (ca. 10 %) wird über die Nahrung aufgenommen. Vitamin D wird deswegen auch als Sonnenhormon bezeichnet.

Bei optimalen Bedingungen kann die Haut eines jungen erwachsenen Menschen 10.000 bis 20.000 IE (also 250 bis 500 µg) Vitamin D täglich bilden. Sich regelmäßig und ausreichend bei Tageslicht an frischer Luft zu bewegen, hebt daher manchmal den Vitamin-D-Spiegel besser an als Tabletten oder Tropfen. 10 bis 15 Minuten täglich im Freien reichen bei hellhäutigen Personen im Sommer aus, um genügend Vitamin D zu produzieren. Im Gegensatz zur Einnahme von künstlichen Vitamin-D-Präparaten besteht hierbei nicht die Gefahr von Nebenwirkungen.

Bei hoher UV-Einstrahlung steigt der Melaningehalt der Haut, wodurch sich die Aufnahme von UV-Licht, und damit auch von Vitamin D, vermindert. Dass dunkelhäutige Menschen bei gleicher UV-Strahlung weniger Vitamin D als hellhäutige aufnehmen, soll mit eine Ursache für die häufigeren Krebserkrankungen in der afro-amerikanischen Bevölkerung sein. Abhängig vom Alter, dem Körpergewicht und der Schwere des Vitamin-D-Mangels wird diesen Menschen in unseren Breitengraden daher u. U. im Winter die tägliche Einnahme von 800 bis 2000 IU Vitamin D (Tropfen oder Tabletten) empfohlen.

Die Einnahme von synthetischem Vitamin D wird prophylaktisch – wenn überhaupt – nur noch Kleinkindern, Senioren und Menschen empfohlen, die aus religiösen Gründen ihre Haut weitgehend bedecken (z. B. Burka-Trägerinnen). Sie zählen zu den Risikopersonen, die in der kälteren Zeit präventiv Vitamin-D-Präparate einnehmen sollten. Ansonsten reicht körperliche Aktivität im Freien aus. In den Monaten März bis Oktober ist schon eine halbe Stunde ausreichend.

Wenn Aktivitäten bei Tageslicht und frischer Luft nicht helfen, sollte man die Ernährung verstärkt auf (fetten) Fisch und ungesättigte pflanzliche Öle umstellen. Nennenswerte Mengen an Vitamin D enthalten fettiger Fisch, Pilze, Eigelb sowie angereicherte Butter und Margarine. Erst bei völliger Wirkungslosigkeit ist die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten zu erwägen.

Ob Solarien oder Tageslichtlampen die natürliche Sonneneinwirkung ersetzen, ist umstritten. Das hauptsächlich zur künstlichen Bräunung verwendete UVA galt lange zu Unrecht als weniger schädlich im Vergleich zu UVB. Zu beachten ist, dass Sonnencremes die Vitamin D-Aufnahme reduzieren. Schon bei einem Lichtschutzfaktor von 8 geht die Vitamin-D-Produktion in der Haut um rund 95% zurück.

 

Schützen Tomaten und Tomatensaft vor Prostatakrebs?

Lycopen befindet sich reichlich in gelben und orangenen Früchten sowie in vielen Gemüsesorten. Es galt lange als krebsprotektiv. Tomaten sind besonders lycopenhaltig, weswegen ihnen in der Vergangenheit eine krebsschützende Wirkung zugeschrieben wurde. Obwohl sich eine solche in Therapiestudien nicht bestätigen ließ (Tombal 2012), herrscht in der Bevölkerung nach wie vor die Vorstellung, dass reichlicher Verzehr von Tomaten und Tomatenmark zumindest die Bösartigkeit latenter Karzinome beeinflusse. Ähnliche Vorstellungen existieren für andere gelbe Früchte.

 

Schützen Kaffee und Tee vor Prostatakrebs?

Eine inverse Assoziation zwischen Kaffee und Prostatakrebs wurde in mehreren Studien beschrieben. Prostatakarzinom-Patienten, die vier oder mehr Tassen Kaffee am Tag trinken, sollen länger krankheitsfrei sein. Als mögliche schützende Ursache werden verschiedene Phytochemikalien im Kaffee diskutiert. Bei Teetrinkern wurden keine Einflüsse auf die Krebsentstehung bzw. den Krebsverlauf festgestellt (Geybels et al 2013).

Im Internet, in den Apotheken, Drogerien und Supermärkten werden Nahrungsergänzungsmittel mit einer Vielzahl von Gesundheitsversprechen, so auch zur Krebsprävention, angeboten.

Nahrungsergänzungsmittel sind – wie der Name schon sagt – Produkte, die die normale Ernährung ergänzen sollen. Sie werden in Form von Tabletten, Kapseln, Pulver oder Flüssigkeiten angeboten und enthalten Nährstoffe wie Vitamine oder Mineralstoffe, die auch in normalen Lebensmitteln vorkommen, allerdings nicht in so konzentrierter Form und hoher Dosierung. Sie sind frei verkäuflich, also nicht nur in Apotheken erhältlich.

Manche werden auch im Rahmen von (alternativ)medizinischen Behandlungen angeboten. Sie sind – wie der Name schon sagt – Produkte, die die normale Ernährung ergänzen sollen. Sie werden in Form von Tabletten, Kapseln, Pulver oder Flüssigkeiten angeboten und enthalten Nährstoffe wie Vitamine oder Mineralstoffe, die auch in normalen Lebensmitteln vorkommen, allerdings nicht in so konzentrierter Form und in so hoher Dosierung wie in Nahrungsergänzungsmitteln.

Nahrungsergänzungsmittel, die in Apotheken, Drogerien und im Internet häufig zur Prävention empfohlen werden.

  • Provitamine, Vitamine
  • Vitamin-ähnliche Substanzen wie Coenzym Q10
  • Mineralstoffe wie Kalzium, Magnesium, Eisen, Zink
  • Spurenelemente wie Selen
  • Mehrfach ungesättigte Fettsäuren wie Omega – 3- Fettsäuren oder Omega-6-Fettsäuren
  • Kohlenhydrate wie die Ballaststoffe Oligofructose, Probiotika
  • Sekundäre Pflanzenstoffe
  • Pflanzliche Extrakte wie Algen, Bierhefe, probiotische Kulturen
  • Eiweißbestandteile wie L-Cystein, L-Carnitin

Ihr Vorteil  in der Krebsprävention ist fraglich! Es gibt keine einzige wissenschaftlich fundierte Studie, die einen gesundheitlichen Nutzen und erst recht nicht einen Schutz vor Krebs bestätigt hätte (Bjelakovic et al 2012). Negative Effekte sind nicht auszuschließen! Durch Nahrungsergänzungsmittel nimmt der Körper unter Umständen viel mehr Mikronährstoffe und antioxydativ wirkende Substanzen auf, als es über die normale Ernährung möglich ist, was zu gesundheitlichen Problemen führen kann. Die in ihnen enthaltenen Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe können möglicherweise sogar zur Krebsförderung beitragen, so z. B. wenn sie Vitamin A in hoher Dosierung enthalten  (Ebbing et al 2009, Lippman et al 2009, Papaioannou et al 2010, Cole et al 2007, Tombal 2012). Empfohlen wird, eventuelle Mangelzustände immer zuerst über die Ernährung auszugleichen, nicht jedoch über künstliche Vitamin- und Spurenelemente. Dies gilt auch für Vitamin C.

Anders als Arzneimittel brauchen Nahrungsergänzungsmittel keine Zulassung, wenn sie auf den Markt kommen. Sie werden weder auf ihre Wirksamkeit und Unbedenklichkeit noch auf ihre Qualität überprüft. Die Verantwortung für die Einhaltung lebensmittelrechtlicher Vorschriften liegt somit beim Hersteller oder der Firma, die das Mittel in den Verkehr bringt. Da Nahrungsergänzungsmittel keine Arzneimittel sind, dürfen die Hersteller nicht mit der Beseitigung, Linderung oder Vorbeugung von Krankheiten oder mit der Eignung für ein bestimmtes Anwendungsgebiet werben. Dies ist der Grund, weswegen die Produkte oft mit allgemeinen Aussagen wie „unterstützt die Abwehrkräfte“, „übt einen ausgleichenden Effekt auf den Hormonhaushalt aus“ oder „zur Unterstützung einer gesunden Gelenkfunktion“ beworben werden. Es sind Behauptungen, die meist nicht nachgewiesen werden können und nichts über einen tatsächlichen gesundheitlichen Nutzen aussagen. Besonders bei Bestellungen aus dem Ausland kann es passieren, dass ein Mittel so hoch dosierte Inhaltsstoffe enthält, dass es in Deutschland als Arzneimittel gelten müsste.

Eine ausgewogene Ernährung enthält genügend Vitamine. Wer sich abwechslungsreich und vollwertig ernährt, bekommt in Deutschland alle Nährstoffe, die der Körper benötigt. Die zusätzliche Einnahme von Vitaminen und Mineralstoffen, ist in der Regel unnötig. Nur unter bestimmten Umständen, zu denen die Krebsvorbeugung nicht zählt, kann die vorübergehende Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sinnvoll sein, um gezielt Mangelzustände auszugleichen.

 

Welche Ernährung ist bei Krebsgefährdung zu empfehlen?

Die Meinungen, welche Ernährung am ehesten schützt, gehen weit auseinander. Mehr Einigkeit besteht, welche Nahrung zu vermeiden ist.

  • Nicht nur falsch, sondern auch gefährlich sind Empfehlungen einer fett- und eiweißreichen Ernährung. Fett fördert die Entwicklung einer Insulinresistenz und Hyperinsulinämie. und somit auch Krebs. Die empfohlene Proteinzufuhr liegt laut DGE bei 0,8 g/kg pro Tag, das entspricht 56 g bei einer 70 kg schweren Person. Besser als tierische sind pflanzliche Fette bzw. Nahrungsmittel mit einem hohen Gehalt an ungesättigten Fettsäuren.
  • Empfohlen wird eine Obst- und gemüsereiche Ernährung, die als Eiweiß Fisch und weißes Fleisch enthält. Ob fetter Fisch bzw. Fisch Fettsäuren (Omega-3 Fettsäuren) das Erkrankungsrisiko reduzieren, ist nicht erwiesen; vor Fischkapseln wird allgemein abgeraten.
  • Ob Transfette, die sich vorwiegend in frittierten Speisen, Backwaren und in gesättigten Pflanzenfette befinden, krebsfördernd sind, ist zwar nicht erwiesen; gesund sind sie jedoch sicherlich auch nicht. Ihr Anteil sollte nicht mehr als 2% betragen.

Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an ungesättigten Fettsäuren

  • Lachs, Thunfisch und Makrele
  • pflanzliche Ölen wie Sonnenblumenöl oder Olivenöl
  • Nüsse und Kerne
  • Avocados
  • Vermeiden sollte man Nahrungsmittel mit hohem Glykämischen Index (GI): (Zucker/ Weißmehl mit Tierprotein: z. B. Gummibärchen, Milchschokolade, Früchtejoghurt, Pizza, Schnitzel mit Pommes, Steak mit Kartoffeln, Cornflakes in Milch, Müsli mit Zucker oder Rosinen in Milch, Cappuccino, Milchshakes, Wurst- und Käsebrötchen, Hamburger und anderes Fast Food). Günstig wirken sich kohlenhydrathaltige Lebensmittel mit niedrigem glykämischen Index bzw. glykämischer Last (GL) aus (Higginbotham et al 2012).
  • Die Ernährung sollte reich an Nährstoffen sein. Nährstoffreich ist nicht identisch mit kalorienreich! Sie kann durchaus auch Fleisch, ja Schweinefleisch, beinhalten. Es sollte aber nicht zu viel sein! Nur 400 bis 600 gr. wöchentlich sind ideal. Mageres Muskelfleisch ist wahrscheinlich besser als fettreiches Fleisch. Man muss also nicht unbedingt das Extrem eines Veganers wählen, der sämtliche tierische Produkte, einschließlich Milch und Eier ablehnt. Etwa drei Viertel der Ernährung sollten aus pflanzlichen Quellen stammen und ein Viertel aus tierischen, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE).
  • Eine mediterrane Kost ist sicherlich nicht ungesund. „Mediterran“ heißt aber nicht Bistecca Fiorentina, Salami oder Gorgonzola, sondern viel Obst und Gemüse, Fisch und kaum rotes Fleisch“. (Im Gegensatz zu früher ernähren sich Menschen in den mediterranen Ländern heute beinahe genauso ungesund wie im Norden!). Typisch für die mediterrane Ernährung ist die Tatsache, das die aufgenommene Menge an Fett moderat ist (35 bis 40% der Gesamtenergie) und dabei hauptsächlich über Olivenöl und Nüsse aufgenommen wird. Deren prozentual vergleichsweise hoher Anteil an ungesättigten Fettsäuren sowie das geringere Diabetesrisiko sind wahrscheinlich (mit)verantwortlich für den präventiven Effekt der Diät.

Quelle und Buch-Tipp:

Prostatakrebs vermeiden (Personalisierte Krebsvorsorge und Früherkennung)

 

 

 

 

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Über den Autor Prof Dr. Hermann Delbrück

Hermann Delbrück ist Arzt für Hämatologie – Onkologie und Sozialmedizin sowie Rehabilitation und physikalische Therapie und Hochschullehrer für Innere Medizin und Sozialmedizin. Während seiner Laufbahn in der experimentellen, kurativen und vor allem rehabilitativen Onkologie veröffentlichte mehrere Lehrbücher. Er ist der Herausgeber zahlreicher Ratgeber für Betroffene mit Krebs. Seit seiner Emeritierung 2007 befasst er sich vorrangig mit Fragen der Prävention von Krebs.

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