Prostatakrebs-Vorbeugung durch einen gesunden Lebensstil

Regeln für einen gesunden Lebensstil:

  • Nicht rauchen
  • Mäßigung beim Alkoholkonsum
  • Regelmäßige körperliche Aktivität
  • Vermeidung von Übergewicht
  • Ernährung ähnlich der mediterranen Kost

Ob eine gesunde Lebensführung direkte Auswirkungen auf die Erbsubstanz hat, und so die Entstehung von Krebs verhindert, ist zweifelhaft. Wahrscheinlicher sind Auswirkungen auf Repairmechanismen und eine Hemmung bereits ausgelöster Krankheitsprozesse. Krebsvorstufen und „schlafende Karzinome“ bleiben bei einem gesunden Lebensstil noch viele Jahre ruhig. Die Aggressivität von Tumorzellen wird reduziert, das Tumorwachstum verlangsamt sich und die Immunabwehr wird verbessert.

 Zwischen dem Wissen um eine gesunde Ernährung, der Notwendigkeit körperlicher Aktivität, dem Verzicht auf Tabak sowie der Mäßigung beim Alkoholkonsum und einer Umsetzung im Alltag besteht allerdings eine große Diskrepanz. Anspruch und Wirklichkeit von gesunden Verhaltensweisen klaffen insbesondere bei Männern weit auseinander. Sie gelten als „Präventionsmuffel“, was möglicherweise mit erklärt, warum sie stärker als Frauen krebsgefährdet sind (www.maennergesundheitsportal.de).

Ratgeber-Übersicht:

Lohnt sich auch im hohen Alter eine Anpassung des Lebensstils

Prostatakrebs hat eine lange Vorlaufzeit. Schon lange vor Ausbruch der Krebserkrankung sind Krebszellen in der Prostata feststellbar. Sie bereiten keine Beschwerden und wachsen – wenn überhaupt – nur langsam. Erst bei bestimmten Ereignissen, so einem ungesunden Lebensstil, wachen diese „schlafenden“ Karzinome auf. Umgekehrt wird ihr Wachstum bei einem gesunden Lebensstil verlangsamt, wenn nicht sogar verhindert. Erfahrungen zeigen eindeutig, dass von Krebspatienten mit starkem Alkohol- und Nikotinkonsum die Therapie nicht so gut vertragen wird und schlechter anschlägt, wie von Patienten, die das Rauchen aufgegeben und den Alkoholkonsum vermindert haben. 

Ein weiteres Argument ist die gestiegene Lebenserwartung. Die durchschnittliche Lebenserwartung für 65 Jahre alte Männer beträgt heute mehr als 17 Jahre (2006/2007 in Deutschland). Das ist in etwa der durchschnittliche Zeitraum der Entwicklung von latenten zu invasiven Karzinomen.

Ein gesunder Lebensstil fördert die Gesundheit und das persönliche Wohlergehen; dabei braucht man keineswegs auf Annehmlichkeiten im Leben zu verzichten.

Schützt körperliche (sportliche) Aktivität?

Laut dem WCRF (World cancer research fund), aber auch gemäß vieler Studienergebnisse hemmt körperliche Aktivität nicht nur die Krebsentstehung, sondern auch den Krankheitsverlauf (Kenfield et al 2011, Richman et al 2011).

Die Risikoreduktion beträgt im Mittel 10 bis 30%. Aggressive metastasierende Karzinome sind bei körperlich aktiven Männern seltener; bei ihnen steigt der PSA-Spiegel langsamer an als bei inaktiven Männern (Orsini et al. 2009).

Die biologischen Mechanismen, die bei körperlicher Aktivität zu einer Abnahme des Erkrankungsrisikos führen, sind noch unzureichend geklärt. Wahrscheinlich ist, dass sich mehrere Schutzfaktoren in ihrer Wirkung addieren, ja möglicherweise sogar potenzieren.

Mögliche Erklärungen für die Reduzierung des Prostatakrebsrisikos bei körperlicher Aktivität. 

  • Auswirkungen auf den Testosteron-Spiegel
  • Reduzierung der Insulinresistenz und Verhinderung einer Hyperinsulinämie sowie Insulin ähnlicher Faktoren wegen des höheren Energieverbrauchs
  • Vermeidung von Übergewicht
  • Reduzierung des Körperfetts mit Verminderung Krebs fördernder Adipokine
  • Beeinflussung der Immunabwehr
  • Verhinderung chronischer Entzündungsreaktionen
  • Erhöhte Aufnahme von Vitamin D3
  • Reduzierung des ionisierten Kalziums im Blut
  • Aktivierung von Reparaturgenen und anderen genetischen Schutzmechanismen
  • Gibt es Empfehlungen zur Intensität der körperlichen Aktivität?

Am häufigsten findet man folgende Empfehlungen (www.dgsp.de):

  • Da Übergewicht und Bewegungsmangel schon in der Jugend und im frühen Erwachsenenalter bedeutende Risikofaktoren sind, sollte schon sehr frühzeitig auf ausreichende Bewegung geachtet werden. Bekanntlich dauert es viele Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte, bis zur Entstehung von invasiven Karzinomen. Trotz dieser langen Entwicklungszeit sollte man sich jedoch auch im fortgeschrittenen Alter körperlich und sportlich aktiv betätigen, da dies die Bösartigkeit von Krebszellen und latenten Karzinomen hemmt (www.dgsp.de).
  • Man sollte sich so belasten, dass man mindestens dreimal pro Woche für eine halbe Stunde in leichtes Schwitzen gerät, heißt es. Optimal sind mittelgradige, aber regelmäßige Belastungen. Sportliche »Höchstleistungen« sollte man nicht anstreben. Leistungssport, Kampf- und Wettkampfsport sowie extreme Ausdauersportarten wie Marathonlauf sind eher nachteilig. Sie schwächen wahrscheinlich das Immunsystem, wohingegen eine moderate körperliche Belastung die Immunabwehr stärkt.
  • Im Grunde wirken sich alle körperlichen Aktivitäten in Freizeit, Beruf oder Haushalt schützend aus. Eine Erhöhung der Alltagsaktivität (Treppen steigen anstatt Fahrstuhl fahren, gehen oder Rad fahren anstatt Autofahren etc.) ist gleichwertig mit Sport. Freizeitsport wird jedoch besonders positiv beurteilt. Auch körperliche Belastungen im Rahmen einer beruflichen Tätigkeit sind positiv zu bewerten. Eine Beobachtungsstudie bei Briefträgern würde demnach eine geringere Prostatakrebshäufigkeit bei ihnen nachweisen.
  • Jede Steigerung um 4 MET- h/Tag soll mit einer 20% niedrigeren Erkrankungsrate einhergehen, sagen einige Experten (Leitzmann et al 2008); eine MET (metabolic equivalent) entspricht in etwa dem Energieverbrauch von 1 kcal/kg Körpergewicht und Stunde bzw. den Umsatz von 3,5 ml Sauerstoff pro Kilogramm Körpergewicht pro Minute bei Männern.
  • Wichtig sind regelmäßige Aktivitäten. Wegen der positiven Auswirkungen des Sonnenlichts auf die Bildung von Vitamin D3 sowie des geringeren Serumkalziums und ionisierten Kalziums werden Aktivitäten im Freien besonders empfohlen.
  • Allgemein empfiehlt man einen individuellen Trainingsplan, der Ausdauertraining (60 bis 75% der maximalen Herzfrequenz) mit Krafttraining (40 bis 70% der Maximalkraft) kombiniert. Einige Autoren empfehlen 7 Stunden schnelles Spazierengehen pro Woche (Chao et al 2004), andere mindestens 30 Minuten schnelles Gehen, Joggen oder Fahrradfahren an mindestens fünf Tagen, besser 45 bis 60 Minuten. Auch Sportarten wie Schwimmen, Golf oder Skilanglauf werden für geeignet gehalten. Nach Verlautbarungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollte man mindestens 2,5 Stunden pro Woche Sport treiben.

Gibt es Richtwerte für die optimale Trainingsintensität?

Es wird ein individueller Trainingsplan empfohlen, der Ausdauertraining (60 bis 75 % der maximalen Herzfrequenz) mit Krafttraining (40 bis 70 % der Maximalkraft) kombiniert. Als grober Richtwert gilt die Herzfrequenz: 180 minus Lebensalter in Jahren. Der Wert darf um zehn höher oder niedriger sein, sollte jedoch im Mittel 150/Min. nicht überschreiten. Blutdruckwerte in Ruhe, deren erster Wert (systolischer Wert) dauerhaft über 160 liegt, sind zu vermeiden.Die folgende Formel gibt Orientierungswerte für ein gezieltes Lauftraining. Beim Radfahren kann man hiervon fünf, beim Schwimmen gar zehn Schläge abziehen.

Formel nach Lagerstrom zur Berechnung des richtigen Trainingspulses (Orientierungswert)

Trainingspuls = Ruhepuls + (220 – 2/3 Lebensalter) – Ruhepuls x Fitnessfaktor

Fitnessfaktor: 0,6 für Untrainierte, 0,65 für mäßig Trainierte und 0,7 für sehr gut Ausdauertrainierte

Gibt es besonders empfehlenswerte sportliche Aktivitäten?

Sein Bewegungsprogramm sollte man so auswählen, dass es zu den persönlichen Voraussetzungen und Neigungen passt. Die Gefahr, sportliche Aktivitäten einfach abzubrechen, ist umso größer, je schlechter die Bedingungen, je größer der organisatorische Aufwand, je stärker die Belastungen empfunden werden und je weniger einem die sportliche Aktivität liegt. Bestimmte körperliche Aktivitäten sind eher für Jugendliche als für Senioren geeignet. Für den Einen ist Ausdauertraining (Laufen, Schwimmen, Radfahren) besser, für den Anderen Krafttraining. Aus Sicht der Krebsprävention empfehlen sich am ehesten Aktivitäten ohne Leistungsdruck, bei denen sich neben körperlichen Herausforderungen auch psychische und soziale Aspekte integrieren lassen. Optimal ist ein Gleichgewicht zwischen Spannung und Entspannung, zwischen Aktivität und Erholung.

Regelmäßigkeit und Dauerhaftigkeit sind die Grundvoraussetzung für Gesundheitseffekte. Regelmäßig heißt, dass man mindestens dreimal pro Woche für eine halbe Stunde aktiv ist. Sportarten, die nur spezielle Muskelgruppen belasten, eignen sich weniger zur Vorbeugung. Ausdauersportarten mit kontrollierbaren Dauerbelastungen wie Gehen, Laufen, Schwimmen, Radfahren oder auch Fahrradergometerfahren sind wirksamer als Sportarten mit nur kurzen Spitzenbelastungen, wie etwa manche Ballsportarten.

Wegen der günstigen Auswirkungen des Sonnenlichts auf den Vitamin-D-Spiegel sind körperliche (sportliche) Aktivitäten besonders im Freien sinnvoll. Eine zu starke Einwirkung von UV-Strahlen – besonders bei der Mittagssonne – sollte dabei wegen der Hautkrebsgefahr und der Beeinträchtigung der Immunabwehr aber vermieden werden.

Sport in der Gruppe ist oft von Vorteil, liegt aber nicht Jedem. Vorteilhaft bei sportlicher Betätigung in der Gruppe ist, dass man sich gegenseitig motiviert und regelmäßig aktiv bleibt. Soziale Kontakte und Anerkennung durch gemeinsame Aktivitäten sind von großer Bedeutung. Älteren Personen wird allgemein die Teilnahme an Gruppentraining empfohlen, die Vereine über Internetplattformen wie (www.pur-life.de) anbieten. Begleitende Maßnahmen, wie Wellness, Sauna oder Massagen, dienen dem Wohlbefinden.

Es gibt in der wissenschaftlichen Literatur keine eindeutige Empfehlung für eine Ausdauerbelastung oder eher auf Kraft ausgerichtete Aktivitäten. Mit großer Wahrscheinlichkeit beugen sowohl Kraft- als auch Ausdauertraining einer Prostatakrebserkrankung vor.

Günstige aerobe Ausdauersportarten im Rahmen der Krebsprävention

  • Walking, Nordic Walking, Laufen, Wandern, Jogging
  • Radfahren, Fahrradergometer
  • Schwimmen,
  • Golf,
  • Ski-Langlauf,
  • Tanzen

Krafttraining

Unter Krafttraining versteht man körperliches Training mit dem Ziel, die Muskelkraft und die Muskelmasse zu steigern. Es stellt eine gute Ergänzung zum Ausdauertraining dar (Mayer et al 2011).

Der Stellenwert von Krafttraining in der Krebsprävention ist weitgehend unklar. In den meisten Publikationen wird eher dem Ausdauertraining der Vorzug gegeben, jedoch gibt es auch Argumente für Vorteile von Krafttraining. Ein wichtiges Argument für Krafttraining ist, dass über die Stärkung der körperlichen Leistungsfähigkeit hinaus auch vermehrt wichtige hormonell aktive Zytokine in die Blutbahn abgegeben werden. So hemmt das Zytokin SPARC (secreted protein acidic and rich in cysteine) – zumindest im Tierversuch – die Tumorentwicklung im Darm (Aio et al 2013). 

Für den Erhalt der Mobilität und damit auch der Fähigkeit, sich im Alltag selbst zu versorgen, wird Krafttraining mit steigendem Alter zunehmend bedeutsam (Mayer et al 2011). Ein zwei- bis dreimal pro Woche jeweils 20 bis 30-minütiges Krafttraining hat positive Effekte auf Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, für Diabetes, Osteoporose und wahrscheinlich auch Krebs (Liu et al 2011). Wer regelmäßig seine Muskeln trainiert, steigert auch seinen Kalorienverbrauch. Dies ist zum Einen eine Folge des direkten Kalorienverbrauchs (etwa 115 bis 300 Kilokalorien in einer halben Stunde je nach Intensität), zum Anderen auch eine Folge des sogenannten Nachbrenneffekts. Hierunter versteht man das Phänomen, dass Muskeln – ähnlich wie Herz, Nieren oder Lunge – auch im Ruhezustand Energie benötigen. Je mehr Muskeln der Körper hat, desto mehr Energie verbraucht er. Nicht nur der Kalorienverbrauch, sondern auch der Fettstoffwechsel wird durch Muskeltraining positiv beeinflusst. Krafttraining wirkt sich somit auch deswegen krebspräventiv aus, weil es Übergewicht entgegen wirkt und auf die Fettverteilung Einfluss hat.

Inwieweit passives Muskeltraining in Form von Elektro-Muskel-Stimulationstraining (EMS) und/oder Vibrationstraining (Power Plate) die gleichen Effekte wie aktives Krafttraining hat oder dieses sogar übertrifft, ist noch unklar.

Ausdauertraining

Unter Ausdauertraining versteht man Trainingsprogramme mit dem Ziel, die Fähigkeit des Körpers zu erhöhen, über einen ausgedehnten Zeitraum Leistung zu erbringen. Für Ausdauertraining benötigt man keine speziellen Trainingsgeräte. Prinzipiell reicht sogar tägliches rasches Gehen aus.

Während Krafttraining den Muskelaufbau fördert, hat Ausdauertraining die Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit zum Ziel. Ausdauertraining eignet sich idealerweise zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wird jedoch auch zu primären Krebsprävention empfohlen.

Am häufigsten werden Ausdauersportarten mit kontrollierbaren Dauerbelastungen wie Gehen, Wandern, Laufen, Nordic Walking, Schwimmen, Langlaufski, Radfahren empfohlen; Ballsportarten mit abrupten Spitzenbelastungen sind weniger vorteilhaft. Extreme Ausdauersportarten wie Marathonlauf sind nachteilig. Sie könnten zu einer Überforderung des Immunsystems führen, wohingegen moderate körperliche Ausdauer-Belastungen die Immunabwehr eher stärken und sich somit krebsschützend auswirken können.

Man unterscheidet Ausdauer – Belastungen im aeroben und anaeroben Bereich. Beim aeroben Training geschieht die Zuckerverbrennung zur Energiegewinnung mit Hilfe von Sauerstoff. Anaerob sind Belastungen dann, wenn die Energiegewinnung mit Hilfe von Sauerstoff nicht mehr ausreicht, weswegen Kohlenhydrate ohne Sauerstoff durch Milchsäuregärung in Energie umgewandelt werden. Zur Krebsprävention eignen sich daher eher aerobe Belastungen. Niedrig- bis mittelgradige Belastungen gehören dazu, da bei ihnen der Stoffwechsel ausreicht, um gemügend Energie zur Bewältigung zu gewinnen.

Die Intensität des Trainings, z. B. die Laufgeschwindigkeit sollte so gewählt werden, dass man sie nur als „etwas anstrengend“ empfindet. Wenn die Belastung als extrem anstrengend empfunden wird, erfolgt die notwendige Energiegewinnung auf anaerobem Weg. Anaerobes Training ist eher für Leistungssportler, nicht aber zur Krebsprävention, geeignet. Bei den meisten Ausdauersportarten zur Prävention handelt es sich um Training im aeroben Bereich.

Ideal sind mittelgradige, aber regelmäßige Belastungen, deren Intensität man selber beeinflussen kann. Empfohlen wird meist. ein Ausdauertraining mit moderater bis aerober Aktivität während 30 Minuten an mindestens 5 Tagen/Woche.

Kraftausdauertraining

Aus Sicht der Krebsprävention ist das kombinierte Kraft- und Ausdauertraining besonders günstig. Sowohl die körperliche Leistungsfähigkeit als auch die Muskelkraft werden hierdurch verbessert. Die Trainingshäufigkeit sollte bei Untrainierten mindestens 1x die Woche, bei Trainierten 2 – 4 x die Woche betragen, wobei die Übungen mindestens 30 bis 45 Minuten dauern sollten.

Welche Vorsichtsmaßnahmen sind zu beachten? Von welchen Sportarten ist abzuraten?

Nach längerer Inaktivität sollten sportliche Aktivitäten nur schrittweise gesteigert werden. Empfehlenswert ist bei gesundheitlichen und körperlichen Einschränkungen eine vorherige qualifizierte ärztliche Untersuchung mit Beratung, welche Übungen dem Alter und den Einschränkungen entsprechend anzupassen sind (Löllgen 2011).

Sportmedizinische Empfehlungen für die Pulsfrequenz zu Beginn eines körperlichen Trainings (Trainingspuls = 70% vom Maximalpuls) (Löllgen 2011)

Alter              Trainingsfrequenz     Maximale Herzfrequenz

(Jahre)          (S/min.)                       (S/min.)

20                  126–154                      200 (180–220)

25                  123–151                      195 (176–215)

30                  120–146                      190 (171–209)

35                 116–142                       185 (167–204)

40                 113–139                       180 (162–198)

45                 111–134                       175 (158–193)

50                 107–130                        170 (153–187)

55                 104–127                        165 (148–182)

60                 101–123                        160 (144–176)

65                 98–120                          155 (140–171)

70                 95–116                          150 (135–165)

Extreme Ausdauersportarten wie Marathonlauf sind ebenso wie Risikosportarten und Aktivitäten mit Wettkampfcharakter zur Krebsprävention nicht geeignet.

Bei Fieber, bei akuten Erkrankungen wie Durchfall, Infektionen oder Verletzungen sollte auf sportliche Aktivität verzichtet werden. Schmerzen, ein unzureichend eingestellter Bluthochdruck, eine instabile Angina pectoris, belastungsinduzierte Herzarhythmien können körperliches Training unmöglich machen.

Bei drohendem Herzinfarkt und einer Herzschwäche sind körperliche Belastungen zu reduzieren. Bei sehr schnellem Herzschlag (Tachycardie) und bei Herzrhythmusstörungen ist besondere Vorsicht geboten.

Schwimmen ist in mehrerlei Hinsicht zur Krebsprävention ideal. Voraussetzung ist allerdings, dass das Wasser nicht zu warm ist.  Bei Herzrhythmusstörungen oder hohem Blutdruck sollte es nicht wärmer als 29 Grad sein. Bei Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße kann es bei plötzlichem Kältereiz zu einem Herzanfall kommen. In den ersten Monaten nach einer Bauchoperation sollten Aktivitäten unterbleiben, die die Bauchmuskulatur besonders belasten. Sonst könnte es zu einem Narbenbruch kommen. Besonders ruckartige Bewegungen und Belastungen sind gefährlich.

Sportgerechte Kleidung und Schutzvorrichtungen sind zu beachten. 80 Prozent der schweren Kopfverletzungen bei Unfällen von Radfahrern könnten vermieden werden, wenn ein Helm getragen würde.

Beteiligen sich Betriebe und Krankenkassen an den Kosten von körperlichen Kräftigungs- und Fitnessmaßnahmen?

Die Bedeutung von sportlicher Aktivität zur Gesunderhaltung wird zunehmend von den Krankenkassen und den Betrieben erkannt, wobei die Unterstützung je nach Krankenkasse, sowie nach Größe und Struktur der Betriebe sehr unterschiedlich ist. Sie reicht von großzügigen Sportangeboten bis hin zu gymnastischen Übungen in regelmäßigen zeitlichen Abständen und Ausgleichsgymnastik am Arbeitsplatz (info@deutscherbetriebssportverband.de).

Gesetzlich Versicherte erhalten in aller Regel 80 Prozent der entstandenen Kursgebühren von den Krankenkassen erstattet. Voraussetzung ist allerdings, dass die Angebote von zertifizierten Anbietern durchgeführt (www.sportprogesundheit.de) und von Ärzten (www.baek.de/specialdownloads/Rezept_fuer_Bewegung.pdf) befürwortet werden. Vielerorts werden »Sportgruppen nach Krebs« gefördert. Adressen können telefonisch beim Krebsinformationsdienst (KID), Telefon 08 00/4 20 30 40, oder beim Landessportverband (Tel. 0203-7381-0) oder im Internet www.wir-im-sport.de, www.lsb-nrw.de/ref1/gesundheit/thema12.htm in Erfahrung gebracht werden.

Widmen sich Sportverbände und -vereine zusätzlich den Gesundheitsaspekten, so werden die Teilnahmekosten ganz oder teilweise von den Krankenkassen und den Sozialversicherungsträgern übernommen. In dem Leitfaden „Prävention der gesetzlichen Krankenkassen zur Primärprävention“  sind die Handlungsfelder sowie Qualitätskriterien von Präventionsangeboten beschrieben, um von den Krankenkassen bezuschusst zu werden.

Älteren Personen wird allgemein die Teilnahme in Gruppen empfohlen, die von Vereinen, auch mit dem Siegel „Sport pro Gesundheit“ oder über eine Internetplattform  (www.pur –life.de) angeboten werden.

Näheres kann im Internet (www.bzga-ebs.de, www.bewegtleben.net, www.richtigfitab50.de) recherchiert werden. Auf den Homepages der Krankenkassen findet man nach Eingabe der Postleitzahl die passenden und qualitätsgeprüften Anbieter von Gesundheitskursen, mit Angeboten  für Bewegung, Ernährung, Stressbewältigung und zur Suchtmittelprävention.

Neben den genannten Angeboten gibt es eine weitere Anzahl von kommerziell und nicht kommerziell orientierten Angeboten.

Gibt es Empfehlungen zum Alkoholkonsum?

Es gibt unzählige Berichte und Studien, die auf angeblich positive gesundheitliche Vorteile von Alkohol hinweisen. Hierzu gehört auch der Mythos, dass mäßiger Alkoholgenuss – und hier besonders Rotwein – vor Krebs schütze. Hierfür gibt es jedoch keinerlei Nachweise. Wissenschaftler gehen davon aus, dass – wenn überhaupt – positive Wirkungen nicht vom Alkohol selber, sondern von anderen in alkoholischen Getränken enthaltenen Pflanzenstoffen ausgehen. Zu ihnen zählen z. B. Gerbstoffe in bestimmten Rotweinen, die zu einer Hemmung der Verklumpung von Blutplättchen (Thrombozytenaggregation) und somit einer möglichen Verhinderung der Gewebeinvasion von Krebszellen führen. Die stärker im Rot- als im Weißwein enthaltenen Polyphenole (Flavonoide, Resveratrol, Querzetin) entfalten teilweise in Krebszellkulturen eine wachstumshemmende Wirkung,; ob dies jedoch auch beim Menschen der Fall ist, kann nur spekuliert werden. Der Anteil von Resveratrol beträgt beim Rotwein zwischen 0,1 mg bis 15 mg pro Liter (Pinot Noir 3,7 – 8,7 mg/l, Cabernet Sauvignon 0,5 – 4,3 mg/l und Merlot 3,6 – 5,4 mg/l). Bei Weiß- und Roséweinen ist der  Gehalt an Resveratrol deutlich geringer, da bei der Herstellung die Traubenschalen entfernt werden. Ernüchternd ist für die Weinwerbung, dass die angeblich vor Krankheiten schützenden Polyphenole und antioxidativ wirksamen Substanzen in Zwiebeln, Knoblauch oder Brokkoli in höherer Konzentration vorkommen als in Wein

Empfehlungen verschiedener Präventionsmediziner und Institutionen zum Alkoholkonsum.

  • In anglo-amerikanischen Empfehlungen und gelegentlich auch in deutschen Leitlinien wird gerne die Maßeinheit „Drink“ benutzt. Einem Drink entsprechen etwa 12 g Alkohol (Tabelle). Es heißt, Frauen sollten nicht mehr als einen Drink pro Tag zu sich nehmen. Männer dürfen zwei Drinks zu sich nehmen (Kierkegaard et al 2010).
  • Die International Agency for the Research on Cancer und viele andere internationale Organisationen empfehlen Männern nicht mehr als 2 Standardgetränke und Frauen nicht mehr als ein Standardgetränk täglich (Tabelle). Ein „Standardgetränk“ enthält etwa 8 bis 10 Gramm Alkohol.
  • Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Männern nicht mehr als höchstens 20 Gramm Alkohol täglich zu trinken. Den Frauen rät die DGE nur zur Hälfte, also maximal 10 Gramm Alkohol täglich. Die DGE betont, dass selbst diese Mengen nicht jeden Tag getrunken werden sollten. Sie sagt „ Wer regelmäßig ein bisschen trinkt, kommt letztlich keineswegs besser weg, als jemand, der gelegentlich zu viel Alkohol konsumiert“.
  • Der Europäische Kodex gegen den Krebs weist darauf hin, dass sich selbst kleine, jedoch regelmäßig konsumierte Alkoholmengen auf das Krebsrisiko negativ auswirken.
  • Als moderater Alkoholkonsum gilt laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein täglicher Alkoholkonsum von bis zu 10 g bei Frauen und bis zu 20 g bei Männern. Die WHO empfiehlt außerdem, pro Woche mindestens 1 bis 3 alkoholfreie Tage einzulegen. Personen mit einer Fettleber, einer Hepatitis, einer Leberzirrhose oder einer Bauchspeicheldrüsenentzündung sollten völlig auf Alkohol verzichten.

„Standardgetränke“ und deren Alkoholgehalt  Ein „Standardgetränk“ entspricht:

  • 1 Glas Pils, Exportbier oder Altbier  (300 ml)
  • 1 Glas Bockbier          (200 ml)
  • 1 Glas Weißwein, Rotwein oder Sekt           (120 ml)
  • 1 Glas Sherry oder Portwein  (60 ml)
  • 2 Gläser Kräuterlikör oder Korn        (je 2 cl)
  • 1 Glas Doppelkorn, Weinbrand oder Wodka            (je 2 cl)

Der Alkoholgehalt alkoholischer Getränke wird in Volumenprozent angegeben. Die Trinkmenge wird in Gramm reinen Alkohols bemessen. Ein Alkoholgehalt von mehr als 0,5% Vol.-% ist nach dem Lebensmittelgesetz kennzeichnungspflichtig. Auch alkoholfreie Getränke dürfen geringe Mengen Alkohol enthalten. Bei sog. alkoholfreiem Bier und Malzbier kann dies bis zu fünf Gramm pro Liter ausmachen.

Berechnung des Alkoholgehalts eines Getränks

Volumenprozente x spezifisches Gewicht von Alkohol (0,78) = Alkohol in Gramm pro 100 ml.

Beispiel:  13 Volumenprozente (Rotwein) x 0,78 = 10,14 g Alkohol pro 100 ml

Alkoholgehalt alkoholischer Getränke

0,2 L Bier (ca. 4,8 Vol-%) enthalten 8 g, 0,3 l enthalten 12 g und 0,5 l enthalten 19 g Alkohol

0,1 L Wein/Sekt (ca.11 Vol.-%) enthält 9g, 1/8 L enthält 11 g Alkohol

0,02 Cl Spirituosen (ca. 33 Vol.-%) enthalten 5g, 0,04 cl enthalten 10 g Alkohol

0,1 L Sherry enthält 16 g Alkohol

0,02 L Whisky enthält 7 g Alkohol

Alkoholkonsum fördert den Krebsrisikofaktor Übergewicht. Dazu trägt einerseits der Kaloriengehalt alkoholischer Getränke bei , andererseits beeinflusst Alkohol auch direkt den Energiestoffwechsel, da es den natürlichen Fettabbau im Körper drosselt. Außerdem erhöhen alkoholische Getränke bei vielen Menschen das Hungergefühl. Sie nehmen dann mehr Kalorien auf als nötig.

Alkohol enthält nach Fett die meisten Kalorien. Ein g Alkohol liefert etwa sieben Kilokalorien. Ein Liter Bier enthält ca. 470 kcal und eine Flasche Wein (0,75 Liter) je nach Alkoholgehalt bis zu 1000 kcal. Theoretisch ist Wein kalorienreicher, da man in der Regel jedoch mehr Bier als Wein trinkt, neigen Biertrinker eher zu Übergewicht.

Wie bei Lebensmitteln gibt es auch für alkoholische Getränke einen Glykämischen Index (GI). Er zeigt an, wie stark der Blutzuckerspiegel nach dem Genuss von Sekt, Bier & Co. ansteigt. Getränke mit hohen GI-Werten sind: Bier, Gin Tonic, alkoholische Mixgetränke und Alcopops. Je niedriger der GI, desto geringer das Krebsrisiko. Je höher der Kaloriengehalt und der glykämische Index von alkoholischen Getränken, umso höher die Ausschüttung von Insulin und die Gefahr einer Gewichtszunahme und Krebs. Lebensmittel und Getränke mit einem hohen glykämischen Index sollen auch die Krebsgefährdung erhöhen.

Wer abnehmen möchte, sollte dem Alkohol beim Essen entsagen; er sollte auch auf den Aperitif vor dem Essen verzichten, denn Aperitifs regen den Appetit an.

Kaloriengehalt alkoholischer Getränke

  • Ein Liter Altbier (1 Liter 5%) enthält ca. 450 kcal
  • eine Flasche Sekt (0,75 Liter) ca. 600 kcal
  • eine Flasche Wein (0,75 Liter südafrikanischer Rotwein (13,5%) ca. 710 kcal…(=101,25 gr. Alkohol x 7 kcal = 708 kcal
  • eine Flasche Weißwein (0,75 Liter Saar Riesling (8%) ca. 420 kcal… (0,75 x80 gr Alkohol x 7 kcal. = 420 kcal
  • eine Flasche Whisky (500 ml) = 1240 kcal
  • eine Flasche Branntwein (500 ml) = 1075 kcal

Allgemeine Richtlinien und Empfehlungen im Umgang mit Alkohol (modifiziert nach Seitz 2009)

  • Der tolerable obere Alkoholzufuhrwert liegt für die erwachsene Frau bei 10 g pro Tag und für den erwachsenen Mann bei 20 g pro Tag.
  • Der Getränketyp spielt bezüglich der alkoholischen Nebenwirkungen keine entscheidende Rolle.
  • Junge Erwachsene und insbesondere Jugendliche sollten ihren Alkoholkonsum maximal reduzieren.
  • Wird Alkohol getrunken, sollte dieser langsam und bevorzugt zu den Mahlzeiten getrunken werden.
  • Alkoholhaltige Getränke nicht als Durstlöscher trinken, sondern den Durst mit Mineralwasser, Fruchtsaftschorle oder koffeinfreiem Tee löschen.
  • Alkoholkarenz an mindestens 2 Tagen in der Woche ist sinnvoll.
  • Alkohol sollte komplett gemieden werden: in der Schwangerschaft zur Vermeidung von Schäden beim Embryo, während des Stillens zur Vermeidung einer Exposition des Kindes gegenüber Alkohol mit Gefahr des akuten Kindstodes, bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten, bei chronischen Erkrankungen des Magen-Darm Trakts, der Bauchspeicheldrüse, der Leber, bei Erkrankungen des Herzmuskels und des Herzreizleitungssystems, bei Störungen des zentralen Nervensystems, bei psychiatrischen Erkrankungen, bei Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, Gicht und intermittierender Porphyrie.

Was ist zu tun, wenn der persönliche Alkoholkonsum über das Normalmaß hinausgeht?

Gespräche mit Angehörigen können zwar unterstützen, aber eine professionelle Therapie nicht ersetzen. Falls Hemmungen bestehen, sich an seinen Hausarzt zu wenden, kann man auch spezialisierte Suchtmediziner zu Rate ziehen. Auch gibt es Beratungsstellen wie die der Caritas und Suchberatungsstellen der Kommunen. Diese können auch von Menschen aufgesucht werden, bei denen das Alkoholproblem noch keine Schäden hinterlassen hat.

Heute hält man nicht mehr lebenslange Abstinenz für das einzige Ziel einer Alkoholentwöhnung, sondern sieht auch die Reduktion des Alkoholkonsums auf ein medizinisch und sozial verträgliches Maß als ein erstrebenswertes und erreichbares Ziel an. Dies auch, weil sich 50 Prozent derjenigen, die zunächst ihren Konsum nur reduzieren wollen, sich später doch noch für die Abstinenz entscheiden und weil nach verschiedenen Studien Reduziertes und „Kontrolliertes Trinken“ bei 40 Prozent der Patienten zu einem Trinkverhalten führt, das keine Probleme im Alltag mehr bereitet. Bei einer Abstinenztherapie sind die Werte nur geringfügig besser.

In vielen Städten gibt es Suchtberatungsstellen, die Einzel- und Gruppengespräche für Alkoholkranke und Angehörige anbieten. Sie sind Anlaufstellen in jedem Stadium der Erkrankung, also vor, während wie nach der Therapie. Sie helfen u. a. bei der Wahl eines geeigneten Therapieangebots und informieren über örtliche Selbsthilfegruppen. Einige bieten auch ambulante Therapien an. Auf jeden Alkoholkranken kommen ungefähr 4 bis 5 Angehörige, die unter den Folgen der Sucht leiden. Die Suchtkrankenhilfe hat viele Angebote für Angehörige.

Probleme von Alkohol abhängigen Angehörigen

  • Schuldgefühle, weil der Partner trinkt
  • Wut dem Partner gegenüber wegen der Probleme, die sich aus seinem Alkoholkonsum ergeben
  • Anpassung des eigenen Lebensstils an die Suchtgewohnheiten des anderen
  • Konzentration des eigenen Verhaltens auf den Abhängigen
  • Verheimlichung und Leugnung der Krankheit des Partners Freunde und Verwandten gegenüber
  • Folgeerscheinungen wie „Burn-out“ oder sogar körperliche Leiden, weil sich der angehörige dem Suchtsystem des Partners nicht entziehen kann
  • Eigene Suchtformen, wie Essstörungen, Arbeitssucht, Drogenabhängigkeit oder eigene Alkoholsucht

Mit dem Ende einer Therapie und im Idealfall sogar einer Abstinenz ist die Alkoholabhängigkeit nicht geheilt, denn die Rückfallgefahr ist für diejenigen groß, die einmal alkoholkrank waren. Auf sich alleine gestellt, erleiden 70 Prozent aller Alkoholabhängigen im ersten Jahr nach einer Therapie einen Rückfall, im zweiten Jahr trinken sogar 90 Prozent wieder. Die Gefahr ist dann besonders groß, wenn die Betroffenen nach einem Klinikaufenthalt wieder in das gleiche Umfeld geraten und keinerlei soziale Unterstützung bei der Abstinenz erfahren. Hier leisten Selbsthilfegruppen wesentliche Hilfen, indem sich die Betroffenen gegenseitig helfen. Seit vielen Jahren haben sich Selbsthilfegruppen wie Anonyme Alkoholiker, Blaues Kreuz, Guttempler oder Kreuzbund bewährt.

Organisationen, die Rat und  Hilfe bei Alkoholproblemen anbieten

Gibt es Empfehlungen zur Raucherentwöhnung?

Dass Rauchen schädlich und krebsfördernd ist, gehört inzwischen zu den Binsenweisheiten. Die meisten Raucher haben mindestens einmal einen Versuch zur Abgewöhnung unternommen. Tatsache ist jedoch, dass von ihnen die wenigsten überhaupt ein Jahr durchhalten, wenn sie den Abbruchversuch ohne Hilfe unternehmen (Breitling et al 2009). Um die Chancen einer langfristigen Tabakabstinenz zu erhöhen, sind individuelle Empfehlungen notwendig. Der Wille zum Aufhören ist eine allgemeine Grundvoraussetzung für den Erfolg.

Es gibt bei der Tabakabhängigkeit physische und psychische Ursachen, die über die Wahl und die Erfolgswahrscheinlichkeit einer Methode zur Raucherentwöhnung entscheiden. Eine psychische Abhängigkeit äußert sich darin, dass das Rauchen zu einer Gewohnheit geworden ist; bei einer physischen Abhängigkeit liegt hingegen eine Abhängigkeit vom Nikotinspiegel zu Grunde. Meist liegen beide Abhängigkeiten in mehr oder minder starkem Verhältnis vor, weswegen bei der Raucherentwöhnung auf beide Ursachen eingegangen werden muss (z B. durch die Kombination von einer Nikotinsubstitution mit Verhaltenstherapie). Zusätzlich gibt es viele andere soziale und soziodynamische Gründe, die bei der Tabakentwöhnung berücksichtigt werden müssen.

Rauchern, die das Rauchen aufgeben. und Rat und Hilfe in Anspruch nehmen wollen, ist die von der Deutschen Krebshilfe und dem Deutschen Krebsforschungszentrum organisierte Raucher Hotline zu empfehlen (www.tabakkontrolle.de, Tel.: 06221/424224, Mo bis Freitag 14 bis 18 Uhr). Neben einer telefonischen Beratung werden von ihnen Adressen speziell ausgebildeter Kursleitern vermittelt, die in Wohnortnähe Tabak-Entwöhnungskurse anbieten.

Kriterien der Abhängigkeit bei starken Rauchern (z. B. Kettenraucher).

  • Zwanghaftes Rauchverlangen
  • Verminderte Kontrollfähigkeit bzgl. Beginn, Beendigung und Menge des Tabakkonsums
  • Entzugserscheinungen bei Wegfall bzw. Einschränkung des Konsums
  • Toleranzentwicklung (Erhöhung der Zahl täglich gerauchten Zigarette)
  • Vernachlässigung anderer Tätigkeiten zugunsten des Rauchens
  • Fortgesetztes Rauchen trotz des Wissens um seine gesundheitsschädigenden Wirkungen

Methoden der Raucherentwöhnung

Punktschlussmethode? Wie sind die Erfolgsaussichten?

Die Mehrzahl der Raucher, die sich erfolgreich das Rauchen abgewöhnt haben, tat dies im Rahmen eines Willensentschlusses abrupt. Sie beschließen, „von heute auf morgen“ nicht mehr zu rauchen und halten sich daran.

Kommentar: Die Punktschlussmethode zeigt in Studien die höchsten Erfolgsquote. Jedem Raucher sollte geraten werden, zunächst aus eigener Anstrengung einen Aufhörversuch zu unternehmen. Nur falls ihm dies nicht gelingt, sollte er die Hilfe anderer Methoden zur Raucherentwöhnung suchen.

Reduktionsmethode? Wie sind die Erfolgsaussichten?

Sie besteht darin, Schritt für Schritt das Rauchen zu reduzieren, um schließlich ganz aufzuhören. Ein Nachteil ist, dass nach anfänglichen Erfolgen die „letzten“ Zigaretten an Bedeutung gewinnen und das endgültige Aufhören dann deutlich schwerer fällt.

Weil das Rauchverhalten vieler abhängiger Raucher im Wesentlichen durch das Bedürfnis und Verlangen nach Nikotin gesteuert wird, passen „Reduktionsraucher“ die Inhalationstiefe und –stärke diesem Bedürfnis an, um die erwünschte Nikotindosis aufzunehmen. Sie ziehen stärker an der Zigarette und inhalieren tiefer. Dies führt dazu, dass trotz täglich reduziertem Zigarettenkonsum weiterhin die gleiche Menge an krebsfördernden Schadstoffen aufgenommen wird.

Kommentar: Gar nicht mehr zu rauchen fällt erfahrungsgemäß vielen „Ausstiegswilligen“ leichter als kontrolliertes Rauchen und eine schrittweise Reduzierung des Zigarettenkonsums.

„Light“ Zigaretten? Wie sind die Erfolgsaussichten?

Die Bezeichnung „leicht“ oder „ light“ ist irreführend, denn sie suggeriert ein geringeres Krebsrisiko, was in keiner Weise erwiesen ist. „Leicht“ bezieht sich in erster Linie auf den Nikotin- und Teergehalt im Zigarettenrauch, nicht jedoch auf das Erkrankungsrisiko.

Kommentar:Leichte“ Zigarettenraucher rauchen meist mehr; zumindest inhalieren sie tiefer. Trotz eines deutlich reduzierten Schadstoffgehalts der Zigaretten ist die Höhe der krebsfördernden Schadstoffmenge dann die gleiche.

Filterzigaretten und Mentholzigaretten? Wie sind die Erfolgsaussichten?

Zwischen 40 und 70 Prozent der durch Polonium (210Po) und radioaktivem Blei (210Pb) bedingten Strahlenbelastung werden zwar im Filter zurückgehalten, jedoch wird die Krebsgefährdung dadurch nicht wesentlich reduziert. Der Grund ist, dass Filterzigarettenraucher häufiger zur Zigarette greifen und tiefer inhalieren.

Zusatzstoffe in Tabakprodukten, insbesondere Aromastoffe wie Menthol, verringern das Krebsrisiko nicht. Menthol verändert den strengen Geruch im Rauch, außerdem stimuliert es die Kälterezeptoren, was ein Gefühl von Frische vermittelt. Da die Flüssigkeit zudem kühlt und befeuchtet, ist ein tieferes Inhalieren möglich, was die gesundheitsschädigende Wirkung verstärkt. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) haben ein Verbot von Zigaretten mit integrierten Mentholkapseln im Filter gefordert.

Kommentar: Filterzigaretten und Mentholzigaretten reduzieren nicht die Krebsgefährdung. „Gesundes Rauchen gibt es nicht!“

E-Zigaretten (auch elektronische oder elektrische Zigarette genannt)? Wie sind die Erfolgsaussichten?

Die E-Zigarette qualmt wie eine richtige Zigarette, aber ohne Tabak. Der “Rauch”, der bei ihr austritt und inhaliert wird, ist jedoch ein beim Zerstäuben der nikotinhaltigen Tabakalkaloidflüssigkeit entstehender Wasserdampf. Da Tabak nicht verbrannt wird, entsteht keine Glut, und es werden keine krebsfördernde Gifte wie Teer freigesetzt; jedoch befinden sich in dem inhalierten „Wasserdampf“ unterschiedliche Stoffe wie Nikotin, Propylenglykol, Aromen, Ethanol und Glycerin. Um das Prinzip einer elektrischen Zigarette leicht verständlich zu machen, könnte man das Gerät auch als Nikotin-Inhalator oder Nikotin-Aroma- Verdampfer betiteln.

Kommentar: Ohne Teer, Zusatzstoffe und Kohlenmonoxid, ist die E-Zigarette nicht so ungesund, sauberer für die Umgebung und weniger gefährlich für Passivraucher als eine herkömmliche Tabakzigarette. Finger werden nicht gelb, auch Vorhänge und Tapeten behalten ihre Farbe und stinken nicht. Der Behauptung der Industrie, dass E-Zigaretten gesundheitlich völlig unbedenklich sind, wird jedoch von vielen Experten energisch widersprochen. Nicht nur die Gesundheit der E-Zigaretten-Raucher, sondern auch die unbeteiligter Dritter würde beeinträchtigt, heißt es. Auch das Deutsche Krebsforschungszentrum sowie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) warnen vor dem „Chemikaliengemisch“ in E-Zigaretten.

Rauchen mit E- Zigarette ist keine echte Raucherentwöhnung, da ja nach wie vor „geraucht“ wird. Es werden „lediglich“ keine nachweisbar krebsschädlichen Schadstoffe wie Teer, sondern stattdessen ausschließlich nikotinhaltiger oder aromahaltiger Wasserdampf inhaliert

Rauchlose Tabakprodukte (Snus, Snuffs)? Wie sind die Erfolgsaussichten?

Snus ist ein mit Salzen versetzter Tabak, der unter die Ober- oder Unterlippe gesteckt wird. Hierbei wird mehr Nikotin resorbiert als dies bei einer Zigarette der Fall ist. Das Salz dient dazu, den pH-Wert im Mund aufrechtzuerhalten und so die Resorption von Nikotin zu begünstigen. „Snusen“ ist in Skandinavien besonders beliebt und wird dort zur Tabakentwöhnung empfohlen.

Kommentar: Die Weltgesundheits-Organisation (WHO) und das Scientific Committee on Emerging and Newly Identified Health Risks der Europäischen Union bewerten rauchlose Tabakprodukte als gesundheitsschädliche Stoffe, die zudem abhängig machen. Erfahrungen aus Schweden zeigen, dass rauchlose Tabakprodukte bestenfalls dazu taugen, Raucher von Zigaretten auf jene umzugewöhnen, nicht aber zu entwöhnen.

Vorteilhaft ist, dass man den Tabak nicht raucht, und somit keine bei dessen Verbrennung entstehenden Schadstoffe inhaliert, und dass es –  anders als beim Zigarettenrauch – zu keiner Gefährdung von Unbeteiligten kommt. Tatsächlich enthält Snus jedoch auch Kanzerogene; sie erhöhe das Risiko für Rachen-, Speiseröhren- und Bauchspeicheldrüsenkrebs (Bofetta 2008).

Wasserpfeifen (Shisha)? Wie sind die Erfolgsaussichten?

Substanzen im Rauch der Wasserpfeife können, wie beim Zigarettenrauchen, Krebs in Lunge, Mundhöhle und Harnblase auslösen. Auch kommt es zu einer Passivrauchbelastung.

Einer Studie des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zufolge sind die Gefahren nicht geringer als beim Zigarettentabak. Im Gegenteil, es werden teilweise größere Mengen an Schadstoffen wie Teer und Kohlenmonoxid über die Lunge aufgenommen als über Zigaretten. Auch ist die Menge des aufgenommenen Nikotins deutlich. Das Abhängigkeitspotential von Wasserpfeifen liegt über dem von Zigaretten.

Kommentar: Krebsauslösende Substanzen, wie zum Beispiel Arsen, Chrom und Nickel, befinden sich in vielfach höheren Konzentrationen im Rauch von Wasserpfeifen.

Medikamente (Bupropion und Vareniclin)? Wie sind die Erfolgsaussichten?

Das Arzneimittel ZybanR mit dem Inhaltsstoff Bupropion wird in den USA häufig zur Raucherentwöhnung eingesetzt. Es wirkt antidepressiv und angstlösend und senkt in niedriger Dosierung das Bedürfnis zu rauchen; es mildert auch die Entzugssymptome. ZybanR hungert im Gehirn das Belohnungssystem aus, indem es die körpereigenen Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin zentral im Gehirn blockiert. Die Wirkung tritt daher nicht sofort, sondern erst nach etwa zwei Wochen ein. In kontrollierten Vergleichsstudien waren nach einem Jahr 20 Prozent der Bupropion-behandelten Patienten weiterhin Nichtraucher

Zu unerwünschten Nebenwirkungen (Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, Unruhe, Mundtrockenheit oder Übelkeit) kommt es bei etwa einem Drittel der Menschen. Depressionen werden manchmal beobachtet, obwohl andererseits die Einnahme von Bupropion gerade bei depressiven Entzugserscheinungen indiziert ist. Rauchern mit epileptischen Anfällen in der Vorgeschichte, mit Zuckerkrankheit, Magersucht, Erkrankungen des Gehirns oder einer Alkohol- oder Drogenabhängigkeit wird von der Einnahme abgeraten.

ChampixR (Vareniclin) greift an ähnlichen Strukturen im Gehirn an wie Nikotin und dämpft so das Rauchverlangen. Etwa ein Viertel der Menschen, die Vareniclin nahmen, berichtet über Übelkeit, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen oder seltsame Träume.

Die Abstinenzquoten bei Einnahme von Vareniclin sind höher als nach Bupropion.

Kommentar: Die Erfolgsaussichten einer Raucherentwöhnung können durch Medikamente verbessert werden, obwohl es sich bei vielen der im Handel frei erhältlichen Medikamente um Suggestivpräparate (Placebo Medikamente) handelt. Nicht so sehr die Wahl dieser Medikamente als die Art und Weise, wie sie in suggestiver Weise verordnet werden, ist für ihren Erfolg entscheidend.

Eine gewisse Ausnahme stellen die Nikotin Ersatz Medikamente sowie Vareniclin und Bupropion dar. Sowohl Bupropion als auch Vareniclin und die Nicotin-Ersatz-Medikamente kommen allerdings erst in Betracht, wenn andere Entwöhnungsmaßnahmen gescheitert sind“.

Nikotinsubstitution (Nikotinersatz-Medikamente)? Wie sind die Erfolgsaussichten?

Auch wenn der Begriff „Nikotinersatztherapie“ anderes vermuten lässt, das Nikotin wird nicht durch eine andere Substanz ersetzt. Dem Körper wird vielmehr weiterhin Nikotin zugeführt. Die Entzugssymptomatik wird hierdurch unterdrückt und die Abstinenz in den ersten Wochen erleichtert. Gesundheitsgefährdende und krebserzeugende Inhaltstoffe des Tabakrauchs entfallen.

Kommentar: Die Nikotinersatztherapie eignet sich vor allem bei einer physischen Abhängigkeit. Bei leichten Rauchern (z. B. Genussrauchern) sind es meist andere Gründe, die zur Abhängigkeit führen. Bei ihnen wirken Nikotinersatztherapien mehr wegen ihrer Suggestivwirkung.

Die Erfolgsaussichten werden unterschiedlich beurteilt. Mehrheitlich heißt es, dass die Nikotinersatztherapie zusammen mit der Verhaltenstherapie die größten Erfolgsaussichten unter den Tabakentwöhnungsmaßnahmen verspricht. Andere betonen, dass nur sehr starke Raucher von der Nikotinersatztherapie profitieren.

Bei Nikotinkaugummis wird das Nikotin durch die Mundschleimhaut aufgenommen. Der Nikotinspiegel im Blut erreicht nach 30 Minuten Kauen seinen Höhepunkt und fällt danach langsam wieder ab.

Kommentar: Nikotinkaugummis sind indiziert, wenn plötzliches starkes Rauchverlangen oder andere Entzugserscheinungen auftreten. Sie sollten nur so lange langsam und vorsichtig gekaut werden, bis der Effekt von Nikotin spürbar wird. Sobald ausreichende Mengen an Nikotin abgegeben wurden, sollten die Kaugummis in der Backentasche gehalten werden, heißt es in den Gebrauchsanweisungen.

Nikotinlutsch- und Sublingualtabletten: Bei der Nikotinlutschtablette wird das Nikotin durch einfaches Lutschen in einem Zeitraum von 20 bis 30 Minuten über die Mundschleimhaut aufgenommen. Es gibt sie in mehreren Stärken. Verringert sich das Verlangen nach Zigaretten, so reduziert man die Stärke langsam.

Kommentar: Sie sind geeignet bei mittelstarker bis starker Tabakabhängigkeit und eher ungleichmäßigem Tageskonsum.

Nikotinnasenspray: Das Nikotinnasenspray ist für starke Raucher vorgesehen. Es bietet die Möglichkeit, Nikotin höher dosiert und schneller zuzuführen als mit Pflastern, Nikotintabletten oder Nikotin-Kaugummis. Die Nikotingabe erfolgt durch je einen Sprühstoß in jedes Nasenloch. Der Spray wirkt binnen weniger Minuten.

Kommentar: Nikotinnasensprays imitieren am ehesten die Nikotinfreisetzung aus der Zigarette; nachteilig ist eine mögliche Abhängigkeit von der Darreichungsform.

Nikotinpflaster: Bei den Pflastern wird das Nikotin durch die Haut zugeführt und dadurch ein gleichmäßiger Nikotinspiegel im gesamten Tagesablauf und in der Nacht erreicht. Das Rauchverlangen wird gesenkt und die Entzugssymptome gelindert (Mulzer und May 2009). Nikotinpflaster werden in mehreren Stärken angeboten. Verringert sich das Verlangen nach Zigaretten, kann man die Pflasterstärke langsam reduzieren.

Kommentar: Die Wirksamkeit ist relativ hoch und die Verträglichkeit sehr gut.

Kontraindikationen gegen Nikotin Ersatztherapien

  • bei instabiler Angina pectoris
  • nach einem Schlaganfall
  • nach frischem Herzinfarkt
  • bei schweren Herzrhythmusstörungen
  • in der Schwangerschaft und Stillzeit
  • bei Magen-Darm-Erkrankungen
  • bei stabiler Angina Pectoris oder einer anderen Erkrankung der Herzkranzgefäße nur nach ausdrücklicher ärztlicher Empfehlung

Aversionstherapie? Wie sind die Erfolgsaussichten?

Mit der Aversionstherapie sollen unangenehme, aversive Konsequenzen des Rauchens bewirkt werden. Das Rauchen soll seiner positiven psychotropen (d. h. auf die Seele einwirkenden) Wirkung enthoben werden. Zu der Aversionstherapie gehören Elektroschocks und Übelkeit hervorrufende Medikamente.

Kommentar: Wenngleich sich nicht bestreiten lässt, dass diese Methode häufig zu einer (leider meist nur kurzfristigen) Enthaltung führt, so ist der langfristige Effekt doch fraglich.

Verhaltenstherapie? Wie sind die Erfolgsaussichten?

Angeborenes und somit schwer beeinflussbares Suchtverhalten gibt es zwar, ist jedoch die Ausnahme. Bei den meisten Rauchern sind es im Laufe des Lebens erworbene Gewohnheiten, die zu „durchbrechen“ sich die Verhaltenstherapie zum Ziel gesetzt hat.

Die Verhaltenstherapie bietet individuelle Hilfen, um besser mit den Problemen des Rauchens und der Entwöhnung um zu gehen. Aktive Mitarbeit und der Wille, sich mit seinem Rauchverhalten intensiv auseinandersetzen, sind Voraussetzung für den Erfolg einer Verhaltenstherapie.

Eine sehr gute Idee ist es, selbst einmal aufzuschreiben, wann und bei welcher Gelegenheit man raucht. Ziel ist es, Auslösefaktoren für das Rauchverhalten zu identifizieren. Anhand eines solchen Tagebuchs kann man leicht überprüfen, in welchen Situationen man häufig zur Zigarette greift; man gewinnt Klarheit über sein ganz persönliches Rauchverhalten.

Kommentar: Verhaltenstherapien sind besonders effektiv bei Rauchern, bei denen die Abhängigkeit psychisch bedingt ist. Der Kombination einer Verhaltenstherapie mit der Nikotinsubstitution wird deswegen die größte Erfolgschance eingeräumt, da bei der Mehrzahl der abhängigen Raucher gleichzeitig eine physische (physiologische) und psychische Abhängigkeit besteht.

Rauchverhalten, das in der Verhaltenstherapie und bei der Behandlung des psychischen Entzugssyndroms berücksichtigt wird.

  • Rauchen als Genuss
  • Rauchen als Gewohnheit
  • Rauchen als soziale, kommunikative Angelegenheit
  • Rauchen zur Stressbewältigung

Gruppentherapie, Seminare? Wie sind die Erfolgsaussichten?

In den verhaltenstherapeutisch aufgebauten Gruppen lernen Raucher, ihr Suchtverhalten zu verändern, Verhaltensautomatismen zu erkennen und zu beherrschen, sowie – bei einem Rückfall – den schnellsten Weg in den Wiederausstieg zu finden.

Ausgehend von der Grundannahme, dass die psychische Abhängigkeit aus Konditionierungen entsteht und kognitive Prozesse, persönliche Werthaltungen sowie die Funktionalität des Konsums bei der Aufrechterhaltung des Tabakkonsums eine wichtige Rolle spielen, beinhalten die Entwöhnungsprogramme, neben psychoedukativen Elementen und Techniken zur Motivationsförderung, verhaltenstherapeutische Behandlungsbausteine. Einen wichtigen Stellenwert nehmen Techniken zur Rückfallprophylaxe und beim Umgang mit kurzfristigen Rückfällen ein.

Die genannten Inhalte können sowohl im gruppen- wie auch im einzeltherapeutischen Setting angeboten werden. Bewährt haben sich so genannte „Raucherentwöhnungsgruppen“, die in 6 bis 10 Terminen zu je zwei Therapieeinheiten (90 bis 120 Minuten) mit 6 bis 12 Personen durchgeführt werden.

Kommentar: Die Unterstützung von Gleichgesinnten und nützliche Tipps können das Aufhören erleichtern. Der Gruppenzwang kann bei Einigen dem Erfolg zuträglich sein. Die meisten gesetzlichen Krankenkassen sind bereit, die Teilnahmekosten an Gruppenkursen für verhaltenstherapeutische Raucherentwöhnung auf individuellen Antrag zu erstatten.

Entspannungsübungen? Wie sind die Erfolgsaussichten?

Viele Raucher erleben den Genuss einer Zigarette als entspannend und greifen daher in Stresssituationen zu einer Zigarette. Sie meinen, ohne eine solche den Stress nicht bewältigen zu können. Spezielle Entspannungsübungen können diese Menschen dazu bewegen, sich ohne die „chemische Hilfe“ zu entspannen.

Kommentar: Entspannungsübungen haben sich besonders zu Beginn der Raucherentwöhnung und bei besonderen Anspannungen bewährt. Sehr geeignet ist die Muskelrelaxation.

Hypnose? Wie sind die Erfolgsaussichten?

Bei der Hypnose wird der Betroffene in Trance versetzt, in welcher das Unterbewusstsein empfänglicher ist für „Suggestionen“ und „Vorschläge“. Sind die Vorschläge positiv formuliert, werden sie bevorzugt umgesetzt.

Es gibt so gut wie keine Studien, die sich – wissenschaftlich nachvollziehbar – mit der Wirksamkeit und Erfolgswahrscheinlichkeit von Hypnotherapien zur Raucherentwöhnung befasst haben (Batra 2011). Eine Wirksamkeit von Hypnose konnte bislang  wissenschaftlich nicht belegt werden (Carmody et al 2008, Green et al 2006).

Kommentar: Problematisch ist, dass der Raucher nicht aktiv in den Prozess eingebunden ist, sich in der Regel nicht mit seinen Rauchmustern auseinandersetzen muss und daher keine alternativen Verhaltensweisen zum Rauchen entwickelt.

Sowohl die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (2010), als auch die US-amerikanischen Behandlungsleitlinien kommen zu dem Schluss, dass gegenwärtig keine „ausreichende Evidenz“ für den Erfolg einer Hypnotherapie vorliegt. Menschen, die, aufgrund einer Hypnose mit dem Rauchen aufgehört haben, werden meist schnell wieder rückfällig.

Akupunktur? Wie sind die Erfolgsaussichten?

Anhänger der Akupunktur meinen, dass sich die psychotrope Wirkung des Nikotins durch Akupunktur ersetzen lasse; Skeptiker behaupten, dass bei vielen Rauchern der Glaube an den Erfolg und die mit einer Akupunktur anfallenden Kosten die Ursache für den Erfolg seien. Langfristige Abstinenzquoten nach einer Akupunktur unterscheiden sich nicht von denen einer Plazebotherapie.

Kommentar: Trotz der Popularität von Angeboten wie Akupunktur gibt es kaum wissenschaftliche Studien zum Nachweis einer Wirksamkeit zur Raucherentwöhnung (Wu, T. P. et al.2007).

Homöopathische Präparate? Wie sind die Erfolgsaussichten?

Homöopathische Präparate gelten in der Tabakentwöhnung als Außenseitermethoden, da für sie keinerlei wissenschaftliche Belege existieren. Ähnliches gilt für die sog. Detox-N-Spritzenbehandlung  und „Rauchfrei-Spritzen“, die im Umfeld der „Erfahrungsmedizin“ angeboten werden und angeblich homöopathische Inhaltsstoffe haben.

Kommentar: Der Glaube an den Erfolg ist für die Wirkung homöopathischer Präparate wahrscheinlich entscheidend.

Erstatten die Krankenkassen die Kosten für Maßnahmen zur Tabakentwöhnung?

Obwohl die Krankenkassen von einer erfolgreichen Raucherentwöhnung finanziell profitieren, den Nutzen nicht bezweifeln und obwohl Abhängigkeit vom Rauchen ähnlich wie bei anderen Süchten ist, sind sie mit einer Unkostenerstattung sehr zurückhaltend. Die Zurückhaltung betrifft in erster Linie die medikamentösen Hilfen. Dies hängt damit zusammen, dass Präparate zur Raucherentwöhnung generell zu den Lifestyle-Arzneimitteln zählen und somit – egal ob verschreibungspflichtig oder nicht – von der Erstattung ausgeschlossen sind. Gruppen- und Verhaltenstherapien werden hingegen häufig finanziell unterstützt; manche Kassen erstatten sogar die Kosten vollständig.

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Über den Autor Prof Dr. Hermann Delbrück

Hermann Delbrück ist Arzt für Hämatologie – Onkologie und Sozialmedizin sowie Rehabilitation und physikalische Therapie und Hochschullehrer für Innere Medizin und Sozialmedizin. Während seiner Laufbahn in der experimentellen, kurativen und vor allem rehabilitativen Onkologie veröffentlichte er mehrere Lehrbücher. Er ist der Herausgeber zahlreicher Ratgeber für Betroffene mit Krebs. Seit seiner Emeritierung 2007 befasst er sich vorrangig mit Fragen der Prävention von Krebs.

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