Prostatakrebs: Statistiken, Alter, Lebenserwartung, und Sterberisiko

Wie häufig sind in Deutschland Prostatakrebserkrankungen?

Prostatakrebs ist in Deutschland die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Pro Jahr „erkranken“ etwa 68.000 Männer an einem Prostatakarzinom (2012). „Nur“ etwa 3% der Betroffenen versterben an der Erkrankung. Im Jahr 2004 lebten in Deutschland 222.300 Männer, bei denen in den vorangegangenen fünf Jahren ein Prostatakrebs festgestellt wurde und 326.000 Patienten, bei denen die Krebsdiagnose mehr als 10 Jahre zurück lag (Robert Koch-Institut (Hrsg.), Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e. V. (Hrsg.) Berlin, (2010). Diese hohe Differenz zwischen Neuerkrankten (Inzidenz) und noch lebenden Prostatakrebskranken bestätigt, dass der Prostatakrebs wenig aggressiv. Weitaus die Mehrzahl der Männer mit einem Prostatakrebs verstirbt nicht am Krebs, sondern an anderen Ursachen (Albertsen et al 2005). Es gibt allerdings auch sehr bösartige Formen, die sehr schnell aggressiv werden, frühzeitig in die Lymphknoten und die Knochen metastasieren, erhebliche Beschwerden bereiten und bald zum Tode führen.

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Wie groß ist das statistische Risiko für einen neugeborenen Jungen, im Laufe seines Lebens an Prostatakrebs zu erkranken?

Diese Frage lässt sich insofern schwer beantworten, weil man zwischen latenten und invasiven Karzinomen unterscheiden muss. Manche Experten rechnen nämlich latente, auf die Prostata begrenzte Ansammlungen von Prostatakarzinomzellen nicht zu den Krebskrankheiten, sondern zu Krebsvorstufen, wohingegen andere nicht zwischen invasiven und latenten Karzinomen unterscheiden.
Das theoretische Risiko, dass irgendwann im Laufe des Lebens ein latentes Karzinom diagnostiziert wird, liegt heute bei mehr als 80 Prozent, hingegen beträgt das Erkrankungsrisiko für ein invasives Prostatakrebs „nur“ etwa 13 Prozent.

Risiko eines Neugeborenen im Laufe des Lebens an einem Karzinom zu erkranken

  • Prostatakrebs: jeder 2. – 3. Junge (48%)
  • Darmkrebs: jedes 17. Neugeborene (6%)
  • Magenkrebs: jedes 43. Neugeborene (2,3%)
  • Brustkrebs: jedes 7. Mädchen (14%)
  • Lungenkrebs: jeder 15. Junge (6,7%)
  • Lungenkrebs: jedes 36. Mädchen (2,8%)
  • Bauchspeicheldrüsenkrebs: jedes 73. Neugeborene (1,4%)

 

Welche Bedeutung hat das Alter?

Ob das mit dem Alter zunehmende Erkrankungsrisiko daran liegt, dass zwischen der Krebsentstehung (Krebsinitiation) und dem Ausbruch der Krankheit viele Jahre liegen, oder ob im Laufe der Lebenszeit die Schutzfaktoren abnehmen und/oder die Genmutationen zunehmen, ist unklar. Etwa 70% aller 70-Jährigen und bis zu 100% aller 100-Jährigen haben ein – zumindest latentes – Prostatakarzinom.

Das durchschnittliche Alter, in dem eine (invasive) Prostatakrebserkrankung diagnostiziert wird, liegt bei etwa 70 Jahren. Nur etwa 2 Prozent der invasiven Prostatatumoren werden bei Männer unter 50 Jahren festgestellt und bei unter 40-jährigen kommen invasive Erkrankungen fast nicht vor (Soos et al 2005, Aus et al 1995); allerdings sind bösartige Zellansammlungen schon bei mehr als 20 – 30 Prozent der Männer < 40 Jahren in der Prostata mit den heutigen Untersuchungstechniken feststellbar.

 

Wahrscheinlichkeit in den nächsten 10 Jahren an Prostatakrebs zu erkranken bzw. zu versterben (in Abhängigkeit vom Alter) (Robert Koch Institut 2010).

Altersgruppe Erkrankungswahrscheinlichkeit Sterbewahrscheinlichkeit
40 Jahre  0,1% <0,1%
50 Jahre 1,4% 0,1%
60 Jahre 4,8% 0,4%
70 Jahre 6,3% 1,3%

Beispiel: Bei 1 von 21 Männern, die gerade das 60. Lebensjahr erreicht haben, wird in den nächsten 10 Jahren ein Prostatakrebs festgestellt werden; einer von 260 Männern wird an Prostatakrebs versterben

Durchschnittliche Anzahl der Männer (von 10.000) im Alter von 40 bis 70, die in Deutschland in den nächsten 10 Jahren an einem Karzinomen versterben (Robert Koch Institut 2010)

 

40 Jahre 50 Jahre 60 Jahre 70 Jahre
Darmkrebs 6 30 70 140
Lungenkrebs
(Raucher)
40 180 590 1130
Lungenkrebs
(Nichtraucher)
10 10 20 80
Prostatakrebs <1 8 40 130
Hautkrebs 2 3 7 10

 

Hat sich die Häufigkeit von Prostatakrebs verändert?

Prostatakrebserkrankungen haben erheblich zugenommen und die Zahl der Erkrankungen wird voraussichtlich noch weiter zunehmen. Betrug 1980 das Lebenszeitrisiko eines männlichen Neugeborenen für Prostatakrebs noch 1 zu 11, so liegt es heute bei 1 zu 5.
Dass sich die Anzahl der Prostatakrebspatienten mehr als verdoppelt hat, hängt mit der gestiegenen Lebenserwartung zusammen, besonders jedoch der häufigeren Entdeckung und der zunehmenden Inanspruchnahme von Vorsorge-Früherkennungs-Untersuchungen. Dass die Einführung des PSA- Tests hier einen großen Einfluss hat, ist an der Tatsache erkennbar, dass ausschließlich die latenten Karzinome (Frühkarzinome) zugenommen haben, nicht jedoch die Anzahl invasiver und Beschwerden bereitender Karzinome. Heute wird die Erkrankung wesentlich früher diagnostiziert. Das Durchschnittsalter der Prostatakrebs-„Erkrankten“ ist von 73 Jahren (1980) auf weniger als 69 Jahre (2010) gesunken (Robert Koch-Institut 2010); eine Folge der propagierten Krebs- Früherkennungs-Programme bei jüngeren Männern.

Die weitaus häufigste Todesursache bei Prostatakarzinompatienten ist nicht der Krebs, sondern sind Herz Kreislauf Erkrankungen. Die karzinombedingte Sterberate hat sich kaum verändert, ja, sie hat eher abgenommen. Die steigende Lebenserwartung, die Propagierung von Krebsvorsorge-Untersuchungen, das kommerzielle Interesse der Gesundheitsindustrie werden neben dem finanziellen Anreiz für ärztliche Behandlungen zu einer weiteren Zunahme von Prostatakarzinom “Erkrankungen“ führen, es sei denn, dass das derzeitige Vorsorge – Früherkennungs – Konzept geändert wird. Die zu erwartende weitere Erhöhung der Lebenserwartung spielt demgegenüber eine sekundäre Rolle.

Gründe für die Häufigkeitszunahme von Prostatakrebserkrankungen in Deutschland:

  • Häufigere Entdeckung. (Dank der kostenlosen Krebsvorsorge Untersuchungen wird die Diagnose häufiger gestellt).
  • Bessere Diagnostik. (Die Untersuchungsverfahren werden immer empfindlicher und vermögen schon winzige Tumorknoten zu erkennen.
  • Bessere statistische Erfassung. (Krebserkrankungen werden häufiger den Krebsregistern gemeldet).
  • Therapeutischer Fortschritt. (Es überleben mehr Prostatakrebspatienten, so dass es insgesamt mehr Patienten gibt)
  • Höhere Lebenserwartung (Heute erreichen mehr Männer ein Krebs gefährdetes Alter. Allein von 1986/88 bis 2006/2008 erhöhte sich
  • Alle Beiträge
  • in Deutschland die Lebenserwartung von 72,2 Jahren auf 77,2 Jahre (Statistisches Bundesamt 2010)).
  • Zunahme von Krebsrisiken (z. B. häufigeres Übergewicht, häufigere fetthaltige Ernährung, häufiger körperliche Inaktivität, mehr Alkoholkonsum).

Ursachen für die Abnahme der Prostatakrebssterblichkeit in Deutschland:

  • Erfolgreichere und nebenwirkungsärmere Krebstherapien
  • Bessere Beherrschung von lebensbedrohenden Therapiefolgestörungen
  • Bessere Primärprävention
  • Vorverlegte Krebserkennung

Quelle und Buch-Tipp:

Prostatakrebs vermeiden (Personalisierte Krebsvorsorge und Früherkennung)

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Über den Autor Prof Dr. Hermann Delbrück

Hermann Delbrück ist Arzt für Hämatologie – Onkologie und Sozialmedizin sowie Rehabilitation und physikalische Therapie und Hochschullehrer für Innere Medizin und Sozialmedizin. Während seiner Laufbahn in der experimentellen, kurativen und vor allem rehabilitativen Onkologie veröffentlichte mehrere Lehrbücher. Er ist der Herausgeber zahlreicher Ratgeber für Betroffene mit Krebs. Seit seiner Emeritierung 2007 befasst er sich vorrangig mit Fragen der Prävention von Krebs.

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