Prostatakrebs: Einfluss von Vor- und Begleiterkrankungen wie Diabetes

Welchen Einfluss haben Vorerkrankungen oder Begleiterkrankgungen auf die Entstehung von Proastatakrebs? In diesem Beitrag soll der Einfluss von Diabetes, Adipositas, chronische Erkrankung und die so genannte Altersprostata untersucht werden.

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Ist Diabetes mellitus ein Risikofaktor?

Ein Typ 2- Diabetes, nicht jedoch ein Typ 1 Diabetes (jugendlicher Diabetes) begünstigt die Entwicklung vieler Krebserkrankungen. Anders als bei den anderen Krebserkrankungen fehlen für das Prostatakarzinom allerdings hierfür Hinweise. Lediglich ältere, jedoch methodisch sehr angreifbare Studien, gehen von einem erhöhten Risiko aus; die meisten neueren Beobachtungsstudien weisen bei Typ-2 Diabetikern auf ein eher erniedrigtes Erkrankungsrisiko hin (RR= 0,7 -0,9) (Baradaran et al 2009, Hemminki et al 2010). Ein geringeres Risiko wurde speziell bei stationär, weniger hingegen bei ambulant betreuten Typ 2 Diabetikern festgestellt (Stocks et al 2007, Hemminki et al 2010).

Es gibt zwei Hypothesen, die diese auf den ersten Blick sehr überraschenden  Befunde erklären könnten:

Bei stationär betreuten Diabetikern liegt in der Regel eine schwere Diabetes-Erkrankung vor, die im Gegensatz zu den ambulant betreuten Diabetikern mit einer Lifestyleänderung und einer modifizierten Ernährung nicht beherrschbar ist und deswegen medikamentös behandelt werden muss. Das am häufigsten eingesetzte Medikament ist MetforminR (z. B. GlucophageR), dem eine protektive Wirkung nachgesagt wird. Ambulant betreute Diabetiker werden in der Regel mit einer ausschließlichen Ernährungsumstellung, also ohne Medikamente behandelt und kommen daher nicht in den Genuss der schützenden Wirkung von MetforminR. Die in älteren Studien beobachtete Risiko-Erhöhung erklärt sich möglicherweise damit, dass es damals noch keine Diabetes Therapie mit MetforminR gab.

Eine zweite und wahrscheinlichere Erklärung ist der geringere Testosteron Spiegel bei Diabetikern. Eine Adipositas sowie der Typ-2-Diabetes und das metabolisches Syndrom sind sehr häufig mit einem Androgenmangel assoziiert. Bei 25 bis 50% der männlichen Typ-2-Diabetespatienten soll ein hypogonadotroper Hypogonadismus bestehen.

Hat Übergewicht einen Einfluss?

Viele Studien weisen auf eine höhere Bösartigkeit und somit einem ungünstigeren Krankheitsverlauf bei starkem Übergewicht hin (BMI>30) (Richter 2008). Sowohl die Krebsentstehung selber als auchder Krankheitsverlauf werden ungünstig beeinflusst. Unklar ist, ob die Tumorzellen selber aggressiver sind oder ob nicht die veränderte Biologie des Prostatagewebes die Ausdehnung der Tumorzellen fördert.

 

Können chronische Entzündungen (z. B. eine chronische Prostatitis) zu Krebs führen?

Beobachtungen weisen auf ein höheres Erkrankungsrisiko bei einer chronischen Prostatitis hin. Der oxydative Stress sowie der ständige Reiz zu Zellneubildungen sind wahrscheinlich hierfür die Ursache.

In der ersten, nichtandrogen sensitiven Phase (Initialphase) werden bestimmte Mutationen sowie O2-Radikale und Karzinogene für die Entstehung einer „proliferativen inflammatorischen Atrophie“ verantwortlich gemacht, die wiederum zu einer bösartigen Entartung des Gewebes führen kann. Eine wesentliche Ursache hierfür sind chronische Entzündungsreaktionen.

 

Besteht ein Zusammenhang zwischen einem Prostataadenom (Altersprostata, Prostatahyperplasie) und Krebs?

Mit »Altersprostata« (auch Prostataadenom oder benigne Prostatahyperplasie oder nur BPH genannt) bezeichnet man eine gutartige Vergrößerung der Prostatadrüse, die zu solchen Beschwerden wie abgeschwächtem Harnstrahl bei gleichzeitig erhöhtem Blasenentleerungsdruck führt.

Die »Altersprostata« ist kein Vorläufer für ein Karzinom. In ihr kann sich allerdings völlig unabhängig von dem gutartigen Adenom ein Krebs entwickeln. Bei Männern, die wegen eines Prostataadenoms operiert wurden, wird nicht selten im entfernten Gewebe ein Karzinom im Frühstadium entdeckt. Dies ist besonders dann der Fall, wenn sich zusätzlich zu dem Adenom auch Entzündungszeichen im Prostatagewebe befinden.

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Über den Autor Prof Dr. Hermann Delbrück

Hermann Delbrück ist Arzt für Hämatologie – Onkologie und Sozialmedizin sowie Rehabilitation und physikalische Therapie und Hochschullehrer für Innere Medizin und Sozialmedizin. Während seiner Laufbahn in der experimentellen, kurativen und vor allem rehabilitativen Onkologie veröffentlichte er mehrere Lehrbücher. Er ist der Herausgeber zahlreicher Ratgeber für Betroffene mit Krebs. Seit seiner Emeritierung 2007 befasst er sich vorrangig mit Fragen der Prävention von Krebs.

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