Prostatakrebs-Risiken: Alkoholkonsum, Rauchen, Stress und weitere Lebenstilrisiken

Gesundheit resultiert aus dem Zusammenspiel von Genen, Umwelt und menschlichem Verhalten. Angeborene und verhaltensbedingte Risiken wirken nicht unabhängig voneinander, sondern beeinflussen sich gegenseitig Wie stark ein bestimmter Risikofaktor wie zum Beispiel Alkohol, Tabak oder die körperliche Inaktivität das Erkrankungsrisiko bestimmen, hängt demnach auch von der individuellen genetischen Ausstattung des Betroffenen ab. Natürlich spielt auch die Mikroumgebung des Tumors eine Rolle. Forschungsergebnisse der vergangenen Jahre bestätigen, dass neben der individuellen Genausstattung und der Mikromgebung auch die persönliche Lebensführung („Lifestyle“) bei der Entwicklung von Prostatakrebs eine wesentliche Bedeutung haben.

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Es ist allerdings schwierig, bei individuellen Verhaltensweisen eigenständige Einwirkungen nachzuweisen und sie, der Bedeutung entsprechend, quantitativ einzuordnen, da zumeist mehrere Einflüsse gleichzeitig stattfinden. So sind adipöse Menschen häufig auch körperlich weniger aktiv; sportlich aktive Menschen hingegen meist gesundheitsbewusster, rauchen und trinken weniger.

Einflüsse von Lebensgewohnheiten lassen sich auch deswegen schwer nachweisen, weil sie sich mit der Zeit ändern. Prostatakrebs entsteht nicht von heute auf morgen. Vielmehr ist es bis zum Krankheitsausbruch ein allmählicher Prozess, der sich über einen langen Zeitraum erstreckt. Welche Gewohnheiten den Tagesablauf vor mehreren Jahrzehnten bestimmten, können viele Befragte nicht mehr angeben, aber so lange kann die Entwicklung zum Prostatakrebs dauern. Es ist unwahrscheinlich, dass bestimmte Verhaltensweisen kurzfristig zu einer Krebserkrankung führen.

 

Hat Stress einen Einfluss auf die Krebsentstehung?

Ältere Forschungsarbeiten weisen darauf hin, dass Stresshormone und Zytokine chronische Entzündungen fördern, die ihrerseits über eine Anzahl von Faktoren krebsfördernd wirken können. Psychische Stressoren (Ärger, Angst, Wut, Zeitdruck) sollen eine Anzahl von Hormon- und Immunfunktionen beeinflussen, die zur Krebsentstehung mit beitragen und die Immunabwehr (Immunosurveillance) hemmen.

Stress kann indirekt zur Krebsentwicklung beitragen, da sich viele Menschen in Belastungssituationen gesundheitsschädigend verhalten: Sie rauchen mehr, ernähren sich ungesund, trinken mehr Alkohol und schlafen weniger. Damit setzen sie sich mehreren Risikofaktoren aus.

Positive Stressoren (Eustress), deren Bewältigung Spaß machen, sollen sich nicht negativ, sondern möglicherweise positiv auswirken. Anders hingegen negative Stressoren, die zur Ausschüttung von Stresshormonen führen.

 

Ist Bewegungsmangel ein Krebsrisikofaktor?

Obwohl sich Einflüsse körperlicher Inaktivität von Übergewicht, falscher Ernährung und anderen Risikofaktoren kaum voneinander trennen lassen, soll Bewegungsmangel nach Einschätzung der meisten Experten ein zwar geringer, aber ein eigenständiger Risikofaktor für Prostatakrebs sein. Auch auf den Krankheitsverlauf soll körperliche Inaktivität negative Auswirkungen, heißt es. Bei körperlich inaktiven Karzinompatienten steigt der PSA-Spiegel schneller an als bei körperlich aktiven Männern. Übergewicht und körperliche Inaktivität schon in der frühen Jugend sind ein Risiko und erhöhen das spätere Erkrankungsrisiko, schreiben einige Autoren.

Der exakte Wirkmechanismus, der zur höheren Krebsgefährdung führt, ist bislang unklar. Man geht davon aus, dass körperliche Inaktivität keine Genmutationen verursacht, sondern sich vorwiegend wachstumsbeschleunigend auf die Krebsentwicklung auswirkt und das Mikromilieu für eine Krebsentstehung fördert, also ein Tumorpromotor ist.

Am wahrscheinlichsten sind hormonelle Interaktionen. Bewegungsarmut führt zu einem höheren Testosteron- und Insulinspiegel, wohingegen körperliche Aktivität diese Hormone hemmt. Gleichzeitig wird auch das sexualbindende Globulin in seiner Aktivität beeinflusst. Wahrscheinlich spielt auch der geringere Energieverbrauch eine Rolle spielt, der mit Inaktivität assoziiert ist und zu Übergewicht führt.

 

Ab welcher Menge ist  Alkoholkonsum schädlich?

Einen eindeutigen Nachweis für eine Prostatakrebsförderung durch Alkohol gibt es nicht. Experten, die einen krebsfördernden Einfluss zu beobachten glauben, begründen dies damit, dass chronischer Alkoholkonsum ein Tumorpromotor ist, der zu einer Erhöhung der Testosteron- und Insulin-Spiegels im Blut führt, und das Mikromilieu in der Prostata zum Krebswachstum anregt.

 

Hat Rauchen einen Einfluss?

Allgemein geht man von negativen Einflüssen auf das Erkrankungsrisiko aus, obwohl es hierzu keine überzeugenden Nachweise aus Studien gibt. Gesichert ist allerdings, dass bei Rauchern eine einmal ausgebrochene Krankheit ungünstiger verläuft. Es kommt schneller zu einer Metastasen-Bildung.

 

Hat häufiger Kaffeegenuss einen schädlichen Einfluss?

Im Gegenteil. In mehreren Beobachtungsstudien stellte man fest, dass bei täglichem Kaffeegenuss (bis zu 6 Tassen pro Tag) Prostatakarzinomerkrankungen weniger bösartig verlaufen.

 

Hat das Sexualverhalten einen Einfluss?

In Beobachtungsstudien wurde kein Zusammenhang mit dem Krebserkrankungsrisiko bei „hoher oder niedriger sexueller Aktivität“ festgestellt.

Frühere Studien hatten häufige Sexualkontakte mit einem erhöhten Risiko in Zusammenhang gebracht. Wenn überhaupt, so könnte dies nach Ansicht von Experten wegen der höheren Infektionsgefahr bedingt sein.

 

Gibt es Zusammenhänge mit der Sonnenscheindauer?

Dass in Nordeuropa Prostatakrebs häufiger als in Südeuropa ist, erklären einige Experten mit der dort geringeren Sonnenscheindauer und der geringeren körperlichen Aktivität, weswegen von der Haut weniger Vitamin D gebildet wird.

 

Beeinflusst die Schlafqualität das Prostatakrebsrisiko?

Ob die Schlafdauer ein Krebsrisiko darstellt, wird kontrovers diskutiert. Gemäß einer größeren retrospektiven Studie haben Personen, die regelmäßig weniger als sechs Stunden pro Nacht schlafen, ein um 50 Prozent höheres Risiko für Dickdarmadenome als Menschen, die sieben Stunden und mehr schlafen. Eine kurze Schlafdauer sei somit ein eigenständiger Risikofaktor für Darmkrebs, heißt es (Thompson et al 2011). Für Prostatakrebs gibt es bislang keine diesbezüglichen Untersuchungen

Entscheidend ist wahrscheinlich weniger die Quantität als die Qualität des Schlafs, der die Expression von Tumorgenen beeinflusst. Unter Schlafqualität verstehen Experten die Aufteilung des Schlafs in seine unterschiedlichen Stadien. Verantwortlich für die Erholung und die Entspannung ist im Wesentlichen die Tiefschlafphase, die auch bei Kurzschlafen nicht zu gering ausfallen darf. Ein Schlafzyklus wiederholt sich normalerweise alle 90 bis 110 Minuten. Jeder Schlafzyklus besteht aus einer Abfolge unterschiedlicher Schlafphasen. Man unterscheidet vor allem zwei Arten von Schlaf: den REM-Schlaf oder „Traumschlaf“ und den Non-REM-Schlaf.

Einige Studien bestätigen zwar auch einen Einfluss der Schlafdauer, führen jedoch die erhöhte Krebsgefährdung auf die häufigere Einnahme von Schlafmitteln und dem insgesamt ungesunden Lebensstil zurück. Wahrscheinlich sind es eher gesundheitsschädliche Begleitumstände, die sich krebsfördernd auswirken.

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Über den Autor Prof Dr. Hermann Delbrück

Hermann Delbrück ist Arzt für Hämatologie – Onkologie und Sozialmedizin sowie Rehabilitation und physikalische Therapie und Hochschullehrer für Innere Medizin und Sozialmedizin. Während seiner Laufbahn in der experimentellen, kurativen und vor allem rehabilitativen Onkologie veröffentlichte er mehrere Lehrbücher. Er ist der Herausgeber zahlreicher Ratgeber für Betroffene mit Krebs. Seit seiner Emeritierung 2007 befasst er sich vorrangig mit Fragen der Prävention von Krebs.

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