Lungenkrebs: Statistik Erkrankungsrisiko, Lebenserwartung und Sterberisiko

Wie häufig sind Lungenkrebserkrankungen? Wie hoch ist die Todesrate?

Lungenkrebs ist in Deutschland die dritthäufigste Krebserkrankung; bei Männern nach Prostata- und Darmkrebs, bei Frauen nach Brust und Darmkrebs. In Deutschland erkranken etwa jeder 15. Mann und jede 36. Frau im Laufe ihres Lebens an Lungenkrebs. Jährlich versterben etwa 29.500 Männer und 13.000 Frauen an dieser Erkrankung (Robert-Koch-Institut 2010). Das durchschnittliche Sterbealter liegt bei 71 Jahren und ist damit sieben Jahre niedriger
als der Gesamtdurchschnitt aller Verstorbenen (Statistisches Landesamt NRW 2013). Lungenkarzinome sind bei Männern – und inzwischen auch bei Frauen – die häufigste krebsbedingte Todesursache. Lediglich 14 % aller Patienten mit Lungenkarzinom überleben langfristig.

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Wie hoch ist das (statistische) Risiko eines Neugeborenen für eine spätere Lungenkrebserkrankung?

Das theoretische Erkrankungsrisiko eines in Deutschland neugeborenen Jungen, irgendwann im Laufe seines Lebens an Lungenkrebs zu erkranken, beträgt 6,7 % (einer von 15 Jungen bei einer Lebenserwartung von 77,7 Jahren), das eines Mädchens 2,8 % (eine von 36 Mädchen bei einer Lebenserwartung von 82,7 Jahren, Robert Koch Institut 2015). Das Erkrankungsrisiko ist nur unwesentlich höher als das Sterberisiko, was auf die hohe Aggressivität des Karzinoms hinweist.

Welche Bedeutung hat das Alter

Das Erkrankungsrisiko steigt mit fortschreitendem Lebensalter. Ob dies daran liegt, dass im Laufe der Lebenszeit die Schutzfaktoren abnehmen oder spontane Genmutationen zunehmen oder die Latenzzeit von Genschädigung bis zur Krankheit so lange dauert, ist unklar. Mehr als die Hälfte der Betroffenen ist älter als 70 Jahre. Ältere Menschen leiden häufig noch an anderen schweren Krankheiten, die die Möglichkeiten der Krebsbehandlung einschränken und somit auch (Mit)Ursache für die hohe Sterblichkeit Lungenkrebskranker sind.

Krebsrisiko im Alter

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Lungenkrebsrisiko und Sterberisiko Männer

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Lungenkrebsrisiko und Sterberisiko Frauen

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Hat sich die Häufigkeit von Lungenkrebserkrankungen verändert?

Wegen der höheren Lebenserwartung und der alternden Bevölkerung gibt es in Deutschland zwar global mehr Lungenkrebserkrankte, aber altersangepasst ist es – allerdings nur bei Männern – zu einem Rückgang der Erkrankungshäufigkeit gekommen. Anders bei den Frauen, bei denen Lungenkarzinomerkrankungen seit Ende der 1990er Jahre altersabhängig zugenommen haben. Wegen der langen Latenzzeit rechnet man bei ihnen mit einem weiteren Häufigkeitsanstieg, da bei ihnen – im Gegensatz zu Männern – der Zigarettenkonsum stetig angestiegen ist. In den USA geht die Anzahl der männlichen Raucher seit 1965 kontinuierlich und – mit einer Latenzzeit von etwa 20 Jahren – auch die Karzinomhäufigkeit zurück. Nicht nur die Krebshäufigkeit, sondern auch der Gewebetyp haben sich verändert. Plattenepithelkarzinome und kleinzellige Lungenkarzinomen haben zahlenmäßig abgenommen, hingegen Adenokarzinome zugenommen. Die Gründe hierfür sind unklar. Einige Experten meinen, dass dies mit der heute höheren Nitratkonzentration im Tabak sowie den veränderten Rauchgewohnheiten zusammenhängt. Dem widerspricht allerdings die Beobachtung, dass nicht rauchende Frauen besonders häufig an einem Adenokarzinom erkranken.

Haben Männer und Frauen ein unterschiedlich hohes Erkrankungsrisiko?

Galt der Lungenkrebs früher als typische Männererkrankung, so hat sich dies seit einigen Jahren geändert, denn Frauen sind zunehmend betroffen. Lungenkrebs ist bei Frauen inzwischen die häufigste Krebstodesursache; mittlerweile noch vor Brustkrebs. In den USA sollen jährlich mehr Frauen an Lungenkrebs versterben als an Brust, Eierstock- und Gebärmutterhalskrebs zusammen. In Europa beobachtet man einen ähnlichen Trend. Dass die Lebenserwartung der Frauen in Dänemark und den Niederlanden in den letzten 10 Jahren unter den europäischen Durchschnitt gesunken ist, wird auf den dort steigendem Tabakkonsum von Frauen zurückgeführt. Der zunehmende Tabakkonsum von Frauen erklärt aber nicht allein, warum sich das Geschlechterverhältnis bei Krebskranken kontinuierlich zu Ungunsten der Frauen entwickelt. Gegen den Tabakkonsum als alleinige Ursache spricht u. a. die Beobachtung, dass Lungenkrebserkrankungen auch bei Nichtraucherinnen stark zugenommen haben.
Lungenkarzinome unterscheiden sich bei Frauen in vielerlei Hinsicht von jenen bei Männern, weswegen einige Experten sogar eine völlig andere Krebskrankheit vermutet haben.

Unterschied Lungenkrebserkrankung Frauen und Männer

  • der Anteil an Nichtrauchern ist bei betroffenen Frauen signifikant höher
  • Frauen erkranken wesentlich häufiger an einem Adenokarzinom der Lunge
  • erkrankte Frauen haben eine bessere Überlebensprognose
  • auf der molekularen Ebene finden sich bei Frauen häufiger genetische „Treiber-Mutationen“ als bei Männern.
  • Die Tumore haben bei Frauen häufiger EGFr- und ALK-Rezeptoren
  • Krebsmedikamente sprechen unterschiedlich an
  • es besteht eine gewisse Abhängigkeit vom Hormonstatus. in Zellkulturen von Krebszelllinien wurden die Östrogenrezeptoren Alpha (era) und beta (erb) nachgewiesen
  • bei Frauen kommen mehr „zielgerichtete Therapien“ zum Einsatz

Wie groß ist der Anteil von Nichtrauchern („Nie Raucher“) unter Lungenkrebspatienten?

Auffällig ist die Häufigkeitszunahme von Lungenkrebserkrankungen bei Nichtrauchern. 20 bis 30 % aller Lungenkarzinompatienten haben niemals geraucht. Unter ihnen ist der Anteil von Frauen besonders hoch. Circa 40 % aller an Lungenkrebs erkrankten Frauen geben an, noch nie geraucht haben. In Ostasien ist der Anteil von Nichtrauchern besonders hoch.

Besonderheiten von Lungenkarzinomerkrankungen bei Nichtrauchern und Rauchern:

  • Bei nichtrauchenden Frauen häufiger als bei Männern.
  • Weltweit beträgt der Anteil von betroffenen Nichtrauchern etwa 25 %. in Asien beträgt er ca. 40 %, in Europa „nur“ ca. 10 % bis 15 %.
  • Die Lungenkrebshäufigkeit nimmt bei Nichtrauchern zu, hingegen bei Rauchern ab.
  • Das Durchschnittsalter von Nichtrauchern bei Krebsdiagnose ist signifikant niedriger (62) als bei Rauchern (72).
  • Nichtraucher erkranken besonders häufig an einem Adenokarzinom oder an einem Bronchoalveolärem Lungenkarzinom, Raucher hingegen vorwiegend an einem kleinzelligen Karzinom oder Plattenepithelkarzinom. Im Adenokarzinomgewebe von Menschen, die nie geraucht haben findet man sehr viel häufiger bestimmte Genmutationen, die auf bestimmte zielgerichtete Therapien sehr viel besser als auf Chemotherapienansprechen.
  • Nichtraucher haben wesentlich seltener Begleiterkrankungen wie z. B. ein obstruktives Lungenemphysem, Verkalkungen der Herzkranzgefäße, Kehlkopfkrebs, Gewichtsverlust.
  • Driver Mutationen (z. B. eGFr Mutationen) sind bei Nichtrauchern wesentlich häufiger an Lungenkarzinom erkrankte nichtraucher haben eine bessere Prognose.
  • Karzinome bei Nichtrauchern befinden sich häufiger in der Peripherie, während Raucherkarzinome eher zentral gelegen sind.
    Bei erkrankten nichtrauchern besteht häufiger eine angeborene genetische Prädisposition.

 

Quelle und Buch-Tipp:

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Über den Autor Prof Dr. Hermann Delbrück

Hermann Delbrück ist Arzt für Hämatologie – Onkologie und Sozialmedizin sowie Rehabilitation und physikalische Therapie und Hochschullehrer für Innere Medizin und Sozialmedizin. Während seiner Laufbahn in der experimentellen, kurativen und vor allem rehabilitativen Onkologie veröffentlichte mehrere Lehrbücher. Er ist der Herausgeber zahlreicher Ratgeber für Betroffene mit Krebs. Seit seiner Emeritierung 2007 befasst er sich vorrangig mit Fragen der Prävention von Krebs.

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