Golf und Krebs: Ist Golfspielen gesund?

Bildquelle: By Master Sgt. Steve Miller (http://www-p.afsv.af.mil/AFSports/Sports/Golf.htm) [Public domain], via Wikimedia Commons
Laut einer in Schweden durchgeführten Studie leben Golfspieler durchschnittlich fünf Jahre länger. Kritiker werfen der Studie Unwissenschaftlichkeit vor und sagen, man vergleiche „Äpfel mit Birnen“. Schließlich handle es sich bei Golfern mehrheitlich um eine selektive Bevölkerungsschicht, die wirtschaftlich privilegiert sei, eher Zugang zu medizinischen Leistungen habe, weniger gesundheitsgefährdenden Stoffen in Beruf und Freizeit ausgesetzt sei und sich – nicht zuletzt – einen gesünderen Lebensstil als weniger privilegierte Menschen leisten könne. Im Folgenden werden aus Sicht der Onkologie einige mögliche Wirkmechanismen diskutiert, die speziell eine geringere Krebssterblichkeit bei Golfern begründen könnten. Neben krebsschützenden Einflüssen werden auch krebsfördernde Faktoren kommentiert und Empfehlungen geäußert.

Faktoren, die das Krebserkrankungsrisiko von Golfern verringern.

Einfluss auf angeborene Krebsgene

Krebs ist die Folge von Genmutationen, die durch Erbanlagen, Umweltfaktoren und/oder durch zufällige DNA-Kopierfehler ausgelöst werden. Nicht jede Genmutation (Krebsgen) führt jedoch zu Krebs. Viele sind inaktiv oder werden durch Repairmechanismen und epigenetische Einflüsse eliminiert. Letztere wirken wie Schalter, die Gene an oder ausschalten, ob sich Krebszellen einen Wachstumsvorteil in ihrer Mikroumgebung verschaffen oder nicht. Die Epigenetik als entscheidendes Bindeglied zwischen Erbe und Umwelt ist die Grundlage der Krebsprävention. Fazit: Körperliche Aktivität zählt zu den wichtigsten epigenetischen Einflüssen. Körperliche Inaktivität aktiviert latente Krebsgene, schwächt Repairmechanismen und erhöht die Aggressivität von Krebszellen, während Aktivität das Gegenteil bewirkt.

Einfluss auf das „Krebsrisiko Übergewicht“

Experten behaupten, dass Übergewicht den Tabak als wichtigste vermeidbare Krebsursache abgelöst habe und bald an der Spitze der vermeidbaren Krebsrisiken stehe. Einflüsse auf das Krebsgeschehen sind bei einigen Erkrankungen eindeutig, bei anderen gibt es „nur“ Hinweise. Entscheidend ist nicht das in kg gemessene Körpergewicht, sondern das Fettgewebe; und hier besonders die Fettverteilung. Speziell das Bauchfett wirkt wie ein endokrines Organ, das Zytokine und Entzündungsfaktoren produziert, die die Zellbildung anregen. Fazit: Bei einer vierstündigen 18-Loch-Partie eines 80 kg schweren Spielers beträgt die zusätzlich zum Grundumsatz verbrauchte Kalorienbilanz je nachdem, ob er seinen Golfbag trägt oder tragen lässt, den Trolley zieht sowie je nach Höhenunterschied und Schwierigkeitsgrad des Geländes etwa 1.000 bis 1.700 kcal. Dies führt zu einem geringeren Körperfettanteil, einem günstigeren Taille-Hüft-Quotienten und deswegen zu einem niedrigeren Krebsrisiko bei Golfern.

Einfluss auf das „Krebsrisiko Bewegungsarmut“

Es gibt eine Vielzahl von epidemiologischen Studien, die auf die Bedeutung von Bewegungsmangel als (Mit-)Ursache für bestimmte Krebserkrankungen hinweisen und körperliche Aktivität zur Vorbeugung empfehlen. Körperliche Inaktivität verursacht hiernach nicht etwa strukturelle Veränderungen am Genom, sondern macht das Mikromilieu aufnahmebereiter für die Invasion von Krebszellen. Aus tierexperimentellen Versuchen weiß man, dass Muskeln Wachstumsfaktoren (Myokine) produzieren, die bei Bewegung vermehrt freigesetzt werden. Einige dieser Myokine (SPARC-Proteine) hemmen – zumindest im Tierversuch – die Tumorentwicklung. Fazit: Bei Golfern werden viele Muskelgruppen aktiviert und so krebsschützende Myokine freigesetzt. Die muskuläre Belastung ist nicht unbeträchtlich. Bei einer 18-Loch-Golfpartie werden etwa 8 bis 10 km zurückgelegt. Übergewichtige, jedoch körperlich aktive Menschen, sind im Gegensatz zu adipösen und inaktiven Personen nicht stärker krebsgefährdet

Hypothesen, die die Hemmung von Darmkrebs bei körperlicher Aktivität erklären:

  • erhöhte Produktion und Freisetzung krebshemmender Zytokine in der Muskulatur • Verhinderung chronischer Entzündungsreaktionen
  • geringere Insulinresistenz
  • Reduzierung von Übergewicht und Verringerung des Körperfetts
  • Einflüsse auf die Prostaglandinund Gallensäure-Sekretion
  • Einflüsse auf die Immunabwehr, speziell auf Natural Killer Cells, Makrophagen und zytotoxische T-Zellen
  • Einflüsse auf Sexualhormone
  • Auswirkungen auf den Vitamin-D3-Spiegel
  • Epigenetische Aktivierung bzw. Inaktivierung zuvor inaktiver Gene (silent genes)
  • Genetische Einflüsse: CTNNB1-negative sowie COX-2-positive Tumore reagieren auf körperliche Aktivität stärker als CTNNB1positive bzw. COX-negative

Einfluss auf das „Krebsrisiko Insulin“

Insulin reguliert nicht etwa nur den Blutzucker, sondern ist auch ein Wachstumsfaktor. Körperliche Aktivität erhöht die Insulinempfindlichkeit der Muskeln und senkt so den Insulinspiegel. Impulse auf das Zellwachstum bleiben aus. Fazit: Bewegung und Sport erhöhen die Sensitivität der Muskulatur für Insulin. Golfer haben daher ein niedrigeres Krebsrisiko.

Einfluss auf das „Krebsrisiko Vitamin-D“

Ein niedriger Blutspiegel des „Sonnenhormons“ Vitamin D3 soll (Mit-)Ursache bestimmter Krebserkrankungen sein. Die höhere Darmkrebs und Prostatakrebsrate in Nordeuropa erklärt man u. a. mit der dort niedrigeren Sonneneinwirkung, denn Vitamin D3 wird im Wesentlichen in der Haut synthetisiert und nur zu 10 % über den Darm aufgenommen. Fazit: Von sportlichen Aktivitäten im Freien ist ein sicherer und ungefährlicherer Einfluss auf den Vitamin-D-Spiegel zu erwarten als durch Einnahme von Vitamin-D3-Präparaten. Die Sonnenstrahlung regt die körpereigene Vitamin-D-Bildung in der Haut an und wirkt einem Vitamin D-Mangel entgegen.

Einfluss auf das „Krebsrisiko Sexualhormone“

Nach den Wechseljahren fördern Östrogene und Gestagene die Gebärmutterkörperkrebsund Brustkrebsentwicklung, weswegen man eine Hormonersatztherapie bei älteren Frauen nur noch sehr zurückhaltend empfiehlt (Delbrück 2016). Fazit: Die hormonstabilisierende Wirkung körperlicher Aktivität könnte der Grund dafür sein, dass invasive Brustund fortgeschrittene Prostatakarzinome bei Sportlern seltener sind.

Einfluss auf das „Krebsrisiko Tabakabusus

Gleichzeitig mit dem Golfschwung eine Zigarette zu halten, ist schwierig. Im Übrigen führt Rauchen auf dem Fairway immer wieder zu missliebigen Äußerungen von Mitspielern. Fazit: Golfer wissen, dass Nikotinabusus langfristig die Leistungsfähigkeit beeinflusst und leben daher gesundheitsbewusster. Ihr geringerer Tabakabusus trägt zu einem geringeren Krebsrisiko bei.

Einfluss auf das „Krebsrisiko Immunabwehrschwäche“

Eine besondere Bedeutung kommt den Makrophagen zu, die bei moderater körperlicher Belastung deutlich zunehmen. Extreme körperliche Belastungen können hingegen das Gegenteil bewirken. Fazit: Golf ist weder Kraftsport noch Hochleistungssport, sondern entspricht eher einem milden Ausdauertraining, bei dem die Klimareize das Immunsystem fördern und stimulieren. 33 Einfluss auf das „Krebsrisiko chronische Entzündungen“: Darmkrebspatienten mit COX-2-exprimierenden Tumoren profitieren von sportlicher Aktivität hinsichtlich Rezidivfreiheit und Überlebenszeit stärker als solche mit COX-2-negativen Karzinomen. Fazit: Golf wirkt ähnlich dem Aspirin entzündungshemmend und reduziert daher die Aggressivität von Krebszellen.

Einfluss auf das „Krebsrisiko chronischer Dysstress“

Stresshormone, die bei Dysstress ausgeschüttet werden und zu einer Verminderung von Lymphozyten und anderen Immunabwehrzellen führen, sollen u. a. die Ursache für eine höhere Krebsgefährdung sein. Sport und Bewegung gleichen Belastungen im Alltag aus. Psychische Spannungen werden abgebaut; man schaltet ab und findet Abstand. Positiv empfundener Stress (Eustress) spornt an, steigert die Vitalität, verbessert die persönliche Belastbarkeit und vermindert stressbedingte Abwehrschwächen. Fazit: Golf ist ein guter Stress-Regulator. Golfer produzieren bei körperlichen und psychischen Belastungen deutlich weniger Stresshormone. Sie verkraften mentale Stresssituationen besser. Studien belegen, dass Depressionen abgeschwächt werden. „Golf ist Schokolade für die Seele!“

Faktoren, die das Krebserkrankungsrisiko bei Golfern erhöhen

Erhöhte Gefährdung für Hautkrebs

Golfer haben ein acht Mal höheres Hautkrebsrisiko als andere Sportler. Hellhäutige Spieler sind speziell gefährdet. Fehlender oder falscher Sonnenschutz sowie Sonnenbrände, bestimmte Medikamente (z. B. Tetracycline, manche Akne-Mittel, die Immunabwehr unterdrückende Arzneien) erhöhen die Gefährdung. Die gefährlichste Form ist das Melanom, auch schwarzer Hautkrebs genannt. Wesentlich häufiger, allerdings weniger lebensgefährdend, ist der helle Hautkrebs. Er entsteht zu 80 Prozent auf den Hautpartien, die den UV-Strahlen ausgesetzt sind. Melanome treten hingegen häufig auch an bedeckten, also nicht dem Sonnenlicht exponierten Körperstellen auf. Golfer haben häufig „Solare Keratosen“ (Aktinische Keratosen), aus denen ein „Stachelzellkrebs“ (Spinaliom, spinozelluläres Karzinom) entstehen kann. Spinaliome befallen gerne die Lippe und streuen dann schnell, weshalb eine rasche Behandlung notwendig ist. Verhornungen der Oberhaut (Lichtkrusten, Aktinische Keratosen) sind Vorstufen des Hautkrebses. Hautkrebs ist, frühzeitig erkannt, die am besten behandelbare Krebserkrankung. Die gesetzlichen Krankenkassen bieten Frauen und Männern ab 35 Jahren alle zwei Jahre eine standardisierte Untersuchung (Hautkrebs-Screening) an.

Krebsgefährdung durch chemische Pflanzenschutzmittel

Dass es bislang keinen eindeutigen Nachweis für ein erhöhtes Krebsrisiko bei Pestizidund Herbizid-Rückständen gibt, ist kein sicheres Ausschlusskriterium für eine Krebsverursachung. Es fehlen Langzeituntersuchungen sowie der Ausschluss von Wechselwirkungen der chemischen Pflanzenschutzmittel untereinander und deren Abbauprodukte. Problematisch ist, dass einige Pestizide noch viele Jahrzehnte nach ihrem Verbot in der Umwelt nachweisbar sind, wo sie Schäden anrichten können. In den meisten Ländern gibt es gesetzliche Bestimmungen, die nur einen sehr limitierten Einsatz von Herbiziden und Pestiziden auf Golfplätzen erlauben. Die Einhaltung solcher Bestimmungen wird in Deutschland rigoros überprüft; regelmäßig finden strenge Boden und Wasseranalysen statt. Ob dies auch auf Golfplätzen außerhalb der EU und erst recht auf außereuropäischen Golfplätzen der Fall, lässt sich in Einzelfällen schwer überprüfen. Eigene Recherchen in Afrika und Amerika geben Anlass zu Skepsis. Golfspieler sollten auf außereuropäischen Golfplätzen Schutzmaßnahmen wegen der dort häufig hohen Pestizid und Herbizidbelastung besonders ernst nehmen. Hierzu gehört, nur mit Golfhandschuhen – am besten beidseitig – zu spielen, nicht auf dem Fairway essen, nach dem Spiel bzw. im „half way house“ gründlich die Hände zu waschen und lange Hosen oder zumindest halblange Socken zu tragen. Qualifizierte Greenkeeper können den Einsatz von Herbiziden maximal reduzieren, mitunter sogar völlig vermeiden. Die meisten Greenkeeper in Deutschland arbeiten nach dem Prinzip des integrierten Pflanzenschutzes. Durch pflegetechnische Maßnahmen, den Standort des Rasens so optimal, wie möglich zu gestalten, setzen sie erst dann chemische Pflanzenschutzmittel ein, wenn Pflegemaßnahmen nicht ausreichen. Als chemische Pflanzenschutzmittel kommen in Deutschland nur Mittel zum Einsatz, die für unsere Flächen zugelassen sind und ein nur geringes Risiko für Mensch und Umwelt darstellen. Die Ausbringung erfolgt mit TÜV-geprüften Spritzgeräten durch fachkundige Mitarbeiter. Im Gegensatz zu früher ist heute im gesamten EU-Raum auf Golfplätzen der Einsatz von Pestiziden wie Glyphosat, Malathion, Diazinon oder Neonikotinoide verboten.

Pflegemaßnahmen, um den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel auf Golfplätzen zu verhindern:

  • Exaktes Mähen, also angepasste Schnitthöhen und exakter Schnitt
  • Etablieren von krankheitstoleranteren Gräsersorten
  • Flexible, an die Wetterund Wachstumsbedingungen angepasste Düngung
  • Optimierung des Wurzelraumes durch geeignete Renovationsmaßnahmen und Materialien
  • Angepasstes Wassermanagement – Beregnung nach Maß, Wasserabführung
  • Förderung eines gesunden Mikroklimas – Beseitigung von Schattenlagen und Staunässe, fördern der Luftzirkulation

 

Quellen und Buchtipps:

Lungenkrebs vermeiden (Personalisierte Krebsvorsorge und Früherkennung)

Darmkrebs vermeiden (Personalisierte Krebsvorsorge und Früherkennung)

Krebs-Vorsorge für Frauen

 

 

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Über den Autor Prof Dr. Hermann Delbrück

Hermann Delbrück ist Arzt für Hämatologie – Onkologie und Sozialmedizin sowie Rehabilitation und physikalische Therapie und Hochschullehrer für Innere Medizin und Sozialmedizin. Während seiner Laufbahn in der experimentellen, kurativen und vor allem rehabilitativen Onkologie veröffentlichte er mehrere Lehrbücher. Er ist der Herausgeber zahlreicher Ratgeber für Betroffene mit Krebs. Seit seiner Emeritierung 2007 befasst er sich vorrangig mit Fragen der Prävention von Krebs.

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