Gebärmutterkrebs: Risiken, Vorsorge und Früherkennung

Sowohl am Gebärmutterhals (Cervix uteri) als auch im Gebärmutterkörper (Corpus uteri) kann Krebs entstehen. Beide Krebserkrankungen unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich ihrer Ursachen und Erkrankungsrisiken, der Behandlung und der Prognose, sondern auch der Vorbeugung. In diesem Ratgeber geht es ausschließlich um die Vorbeugung, nämlich um die Erkrankungsrisiken und die Vermeidung der im Gebärmutterkörper lokalisierten bösartigen Tumore. Die meisten haben ihren Ursprung in der Schleimhaut (Endometrium), weswegen man Gebärmutterkrebse auch Endometriumkarzinome oder Gebärmutterschleimhautkrebse nennt. Je nach Einfluss der weiblichen Geschlechtshormone unterscheidet man bei ihnen zwei Krebstypen, nämlich den Typ I als hormonabhängigen Tumor und den Typ II als hormonunabhängigen Tumor. Etwa 80 % der Karzinome sind hormonabhängig, also Typ I Karzinome (Robert Koch Institut 2011/2012). Beim Typ 1 Karzinom gehen atypische Gewebevermehrungen (atypische Hyperplasien) dem Krebs voraus, beim Typ II ist hingegen das Gewebe eher rückgebildet (atrophisch). Der Typ II-Krebs kommt so gut wie ausschließlich im höheren Alter vor, wohingegen der Typ I auch vor den Wechseljahren auftreten kann.

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Deutlich seltener als die Typ I- und Typ II- Karzinome sind bösartige Tumore, die von der Muskelschicht der Gebärmutter ausgehen. Man nennt sie Sarkome (Leiomyosarkome, endometriale Stromasarkome oder Müllersche Mischtumore (Karzinosarkome). Sie machen ca. 2 bis 5 % aller bösartigen Tumore der Gebärmutter aus. Häufigstes Symptom bei Karzinosarkomen sind starke Blutungen mit gelegentlichem Abgang von Gewebe durch die Scheide. Auffallend häufig erkranken Brustkrebspatientinnen hieran, die über längere Zeit das Medikament Tamoxifen eingenommen haben. Sarkome unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von den Endometriumkarzinomen, weswegen ihre Ursachen, Risiken und Möglichkeiten der Vorbeugung in diesem Kapitel nicht näher kommentiert werden.

Ratgeber-Übersicht:

Gebärmutterkrebs Risiken und Einflüsse

Nicht jede Frau mit den in der Tabelle aufgeführten Risikofaktoren erkrankt im Laufe ihres Lebens zwangsläufig an Gebärmutterkörperkrebs. In der Regel bedarf es auch des Zusammentreffens mehrerer Risikofaktoren. Auch können Frauen – wenn auch selten – ohne die aufgeführten Risikofaktoren an Gebärmutterkrebs erkranken.

Risikofaktoren, die die Entstehung von Gebärmutterkörperkrebs begünstigen (XXX= hohes Risiko, XX= mittleres Risiko, X= vermutetes Risiko)

  • Starkes Übergewicht (XXX)
  • alleinige Östrogentherapie zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden (XXX)
  • fortgeschrittenes Alter (XX)
  • Kinderlosigkeit (X)
  • frühe erste Regelblutung (Menarche) (XX)
  • letzte Regelblutung (Menopause nach dem 55. Lebensjahr) (XX)
  • Lynch Syndrom Typ II, (HNPCC) (XXX)
  • Cowden Syndrom (XXX)
  • Bluthochdruck (Hypertonie) (X)
  • Zuckerkrankheit (Typ-2-Diabetes) (XX)
  • Polyzystische Eierstöcke (PCO-Syndrom) (XX)
  • vorangegangene Strahlenbehandlung im Becken (XX)
  • Bewegungsmangel (XX)
  • mit Tamoxifen behandelte Brustkrebspatientinnen (XX)
  • künstliche Befruchtung (in vitro Fertilisation) (X?)

Gebärmutterkrebs Statistische Erkrankungsrisiken

Gebärmutterkörperkrebs ist in Deutschland mit etwa 5 % die vierthäufigste Krebserkrankung bei Frauen. Die Gefahr in und nach den Wechseljahren ist besonders hoch. Das mittlere Erkrankungsalter beträgt 69 Jahre. Weniger als 5 % sind jünger als 40 Jahre.
Auf 100.000 Frauen kommen jährlich etwa 18 Neuerkrankungen, d. h. eines von 49 Mädchen erkrankt im Laufe ihres Lebens an Gebärmutterkrebs, aber nur eines von 200 stirbt an diesem Krebs. Die 5-Jahre-Überlebenswahrscheinlichkeit in Deutschland beträgt ca. 80%. Die Erkrankungshäufigkeit scheint zuzunehmen, die Sterblichkeit jedoch abzunehmen (Robert Koch Institut 2011/2012).
Die Wahrscheinlichkeit ( % ), in den nächsten 10 Jahren an Gebärmutterkrebs zu erkranken, in Abhängigkeit vom Alter (Robert-Koch-Institut 2011/12)

Lebensalter: 45 Jahre 55 Jahre 65 Jahre 75 Jahre
Erkrankungsrisiko 0,2 % 0,5 % 1,5 % >0,6 %?

Lebensalter:   45   55   65    75
Erkrankungsrisiko   0,2%   0,5%   1,5%   0,6%

Genetische (angeborene) Einflüsse als Risiko?

Wenn Gebärmutterkrebs in der Familie häufiger vorkommt, liegt möglicherweise eine angeborene genetische Prädisposition vor. Kommen auch Eierstock- und/oder Dickdarmkrebserkrankungen in der Familie häufiger vor, so muss man an das Vorliegen eines vererblichen Lynch Syndroms Typ II (HNPCC) oder des – sehr viel selteneren – Cowden Syndrom denken. Beide Syndrome gehen mit einem hohen Krebsrisiko einher. Das Lynch-Syndrom ist ein autosomal dominant vererbbares Leiden. Die genomische Instabilität geht mit einem stark erhöhten Lebenszeitrisiko für verschiedene Krebserkrankungen einher. Tumore des Magen-Darm-Traktes, der Eierstöcke und der Gebärmutter sind am häufigsten. Etwa 5 bis 9 % aller Gebärmutterkrebserkrankte sollen ein Lynch Syndrom haben.
Das Cowden Syndrom ist sehr selten. Etwa eine von 200.000 Frauen hat diese autosomal genetische Anlage und 5 bis 10 % der Frauen mit dieser genetischen Anlage erkranken an einem Gebärmutterkrebs.
Ein gering erhöhtes Erkrankungsrisiko für Gebärmutterkrebs haben auch Frauen mit mutierten BRCA-Genen (Kauff et al 2016).

Ernährung als Risiko?

Häufiger Gebärmutterkrebs in einzelnen Familien steht nicht unbedingt im Zusammenhang mit einer vererbbaren genetischen Prädisposition; vielmehr gibt es im familiären Umfeld oft gemeinsame, nicht genetisch bedingte Einflüsse. Hierzu gehören bestimmte Ernährungsgewohnheiten, die manchmal über viele Generationen „vererbt“ werden und das Erkrankungsrisiko negativ beeinflussen.
Gebärmutterkrebspatientinnen sind häufig übergewichtig. Stark adipöse Frauen (BMI > 40) sollen ein, um das Sechsfache erhöhtes Erkrankungsrisiko haben. Bauchfettsucht scheint die Gefahr noch zu erhöhen.
Den genauen Wirkmechanismus, der bei Übergewichtigen die Krebsentstehung fördert, kennt man nicht. Es gibt mehrere Hypothesen. So nimmt man an, dass Fettzellen Östrogene produzieren, die das Wachstum der Schleimhautzellen stimulieren. Nach den Wechseljahren könnten dicke Frauen auch deswegen häufiger erkranken, weil ihre Eierstöcke kein „schützendes“ Progesteron mehr bilden, wohingegen das Fettgewebe weiterhin Östrogen produziert. Ein weiterer Einflussfaktor könnte sein, dass die mit Übergewicht häufig assoziierte Hyperinsulinämie und die vermehrte Produktion von Entzündungsfaktoren das Zellwachstum stimulieren. Einige Beobachtungen sprechen für die Hypothese, dass starkes Übergewicht in der Jugend mit einer erhöhten Gefahr für die spätere Entstehung eines endometrioiden Karzinoms assoziiert ist.
Kohlenhydrate mit einer hohen Ausschüttung von Insulin (hoher glykämischer Index) sollen sich Krebs fördernd auswirken (world cancer research fund 2016). Ein Einfluss von Acrylamid wurde diskutiert, bis jetzt jedoch nicht bestätigt.

 

Infektionen als Risiko?

Gebärmutterkrebs ist nicht ansteckend und wird auch nicht durch Wunden oder Bluttransfusionen übertragen. Eine Infektion mit humanen Papillomviren (HPV) hat nach heutigem Kenntnisstand keine Bedeutung. Beim Gebärmutterhalskrebs ist das anders!

 

Hormonelle Einflüsse als Risiko?

Östrogene sorgen vor den Wechseljahren dafür, dass sich die Schleimhaut regelmäßig erneuert. Gestagene wirken der aufbauenden Wirkung von Östrogen entgegen und sorgen dafür, dass die Schleimhaut mit der Regelblutung abgestoßen wird. Wird die Gebärmutterschleimhaut kontinuierlich durch Östrogene stimuliert oder besteht eine zu schwache oder gar fehlende Wirkung der Gestagene, dann droht die Entstehung eines Gebärmutterkrebses vom Typ-1. Eine ausschließlich aus Östrogenen bestehende Hormontherapie ist daher ein Risikofaktor!
Eine frühe erste Regelblutung und späte Wechseljahren sind Risikofaktoren. Der Grund ist die häufigere und längere Östrogenstimulation; sie ist wahrscheinlich auch die Ursache für das häufigere Karzinomvorkommen bei kinderlosen Frauen und bei Frauen, die nie gestillt haben.

 

Einflüsse und Risiken der künstlichen Befruchtung

Gebärmutterkrebs soll nach einer künstlichen Befruchtung bzw. Kinderwunschbehandlung häufiger sein. Ursächlich verantwortlich hierfür könnte die vorher durchgeführte Hormonbehandlung sein. Sie erhöht möglicherweise auch das Eierstock- und das Brustkrebsrisiko (Kessous et al 2016). Einige Experten bestreiten allerdings Zusammenhänge. Sie meinen, nicht die künstliche Befruchtung, sondern die Unfruchtbarkeit (Infertilität) selber sei die Ursache für die Krebsgefährdung .

 

Einflüsse und Risiken bei und nach hormonellen Verhütungsmitteln

Verhütungspillen auf der Basis von ausschließlich Östrogen oder mit einem nur niedrigen Gestagenanteil (Sequenzpräparate) erhöhen das Erkrankungsrisiko (RR = 1,10 – 1,4), wohingegen Kombinationspräparate mit einem hohen Gestagenanteil das relative Erkrankungsrisiko möglicherweise reduzieren.
Bei Frauen, die eine Spirale zur Schwangerschaftsverhütung tragen, ist das Erkrankungsrisiko geringer, besonders dann, wenn es sich um eine Gestagenspirale handelt.

 

Geographische Einflüsse als Risiko?

Gebärmutterkrebserkrankungen sollen weltweit an Häufigkeit zunehmen, wobei unklar ist, ob dies mit der höheren Lebenserwartung, dem sich veränderten Lifestyle-Verhalten, der Zunahme von Übergewicht oder häufigeren Hormonbehandlungen zusammen hängt.
Weltweit schwankt die Erkrankungshäufigkeit. In Wohlstandsländern ist Gebärmutterkrebs häufiger als in Ländern der Dritten Welt. In den USA sollen Frauen europäischer Abstammung häufiger betroffen sein als Afroamerikanerinnen, jedoch ist die Sterblichkeit bei Letzteren höher.

 

Lebensstil und Lebensgewohnheiten als Risiko?

Bewegungsarmut gilt allgemein als Risikofaktor; allerdings ist eine eindeutige Zuordnung schwierig, denn der Risikofaktor Übergewicht ist häufig mit dem Risikofaktor Bewegungsarmut assoziiert. Ob Alkohol- und Tabakabusus Risikofaktoren sind, ist unklar. Zu dieser Frage gibt es kaum Studien. Der Alkoholkonsum ist nicht mit einem Endometriumkarzinom assoziiert, gleich, welche Art oder wie viel Alkohol konsumiert wird.

 

Therapien als Risiko?

Auf die häufige Einnahme östrogenhaltiger Hormonpräparate bei klimakterischen Beschwerden führt man die in den sechziger und siebziger Jahren außergewöhnliche Häufigkeitszunahme von Gebärmutterkrebs zurück. Mit Einführung der sequentiellen (kombinierten) Hormontherapien und Abnahme der Hormonersatztherapien ging die Krebshäufigkeit zurück. Heute weiß man, dass Östrogene in Alleinanwendung und TibolonR das Erkrankungsrisiko in Abhängigkeit von Dosis und Dauer um den Faktor 3.1 bis 15 erhöhen (Sjögren et al 2016). Eine ausschließliche Oestrogen enthaltende Hormonersatztherapie ist wesentlich ungünstiger als eine sequentielle Kombinationstherapie mir Oestrogen und Gestagen. Gestagene wirken in vielerlei Hinsicht als Gegen¬spieler der Östrogene.
Gebärmutterkrebs kann sich unter einer Tamoxifenbehandlung entwickeln. Tamoxifen ist ein Antiöstrogen, das gerne zur Nachbehandlung von Brustkrebs eingesetzt wird. Es hemmt die Wirkung körpereigener Östrogene in der Brust, wirkt an der Gebärmutterschleimhaut allerdings eher wie ein Östrogen und regt die Gebärmutterschleimhaut zum Wachstum an.
Ob eine Gefährdung durch Phytoöstrogene besteht, ist bisher nicht geklärt. Da zumindest theoretisch eine Stimulation der Schleimhautzellen wahrscheinlich ist, lehnen manche Gynäkologen die Einnahme von Phytoöstrogenen zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden ab.
Eine vorausgegangene Strahlentherapie im Beckenbereich gilt als Risikofaktor für Typ II Karzinome und Sarkome der Gebärmutter, also den östrogenunabhängigen Gebärmuttertumoren.

Vor- und Begleiterkrankungen als Risiko?

Eine ungewöhnliche Verdickung der Gebärmutterschleimhaut nennt man Endometriumhyperplasie. Eine solche entsteht relativ häufig bei einem unbehandelten polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS). Langfristig besteht das Risiko einer bösartigen Entartung (Endometriumhyperplasie mit Atypien) (RR = 3,5).
Sehr viele Frauen haben sogenannte Myome in oder an der Gebärmutter. Myome sind gutartige Muskelgeschwülste der Gebärmuttermuskelwand. Früher nahm man an, dass sich aus ihnen bösartige Tumore, so genannte Sarkome, entwickeln. Nach neueren genetischen Untersuchungen ist dies jedoch extrem unwahrscheinlich. Es ist allerdings nicht immer möglich, ein gutartiges Myom ohne chirurgische Überprüfung von einem Sarkom zu unterscheiden.
Starkes Übergewicht erhöht das Krebsrisiko. Typ 2-Diabetiker sind häufiger übergewichtig, leiden unter hohem Blutdruck, haben häufig auch hohe Blutfettwerte und einen zu hohen Blutzuckerspiegel, weswegen sich schwer nachweisen lässt, welcher von all diesen Begleitfaktoren an dem höheren Krebsrisiko schuld ist. Sowohl der Diabetes als auch die Fettsucht führen zu einer Art chronischen Entzündungszustand, bei dem Wachstumsfaktoren freigesetzt werden, die das Zellwachstum anregen und so möglicherweise das Tumorwachstum beschleunigen.
Darmkrebserkrankte erkranken nicht selten zusätzlich an Gebärmutterkrebs. Schuld daran sind mehrere gemeinsame Risiken, so der „Risikofaktor Übergewicht“, aber auch gemeinsame Krebsgene wie beim Lynch Syndrom. Gebärmutterkrebs ist nach dem Darmkrebs die zweithäufigste Krebserkrankung beim Lynch Syndrom (Schneider 2015).
Das Vorkommen von Endometrium ähnlichem Gewebe außerhalb der Gebärmutter (Endometriose) geht bisherigen Studien zufolge nicht mit einem erhöhten Krebsrisiko einher.
Polypen in der Gebärmutter (Uteruspolpyen) und am Gebärmutterhals (Zervixpolypen) sind relativ häufig. Sie bilden sich durch Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut und sind fast immer gutartig. Sehr selten (in ca. 1 bis 2 %) kann es sich allerdings um Krebsvorstufen handeln, weswegen Polypen entfernt werden sollten.

 

Psychische und seelische Einflüsse

Die häufig von Laien geäußerte Vermutung, dass psychische Verstimmungen, privater und beruflicher Stress, reaktive Depressionen das Krebsrisiko erhöhen, konnte in wissenschaftlichen Studien nicht bestätigt werden.

 

Gebärmutterkrebs Maßnahmen zur Vorbeugung

Nachweisbar erfolgreiche Maßnahmen zur Vermeidung von Gebärmutterkrebs:

  • Hormonell wirkende Verhütungsmittel vom Kombinationstyp
  • Gewichtsreduktion bei Übergewicht in den Wechseljahren
  • Keine ausschließlich Östrogene enthaltene Hormonersatztherapie

 

Empfehlungen bei erblich (familiär) bedingtem Gebärmutterkrebsrisiko

In Familien mit gehäuftem Darmkrebs- und Gebärmutterkrebserkrankungen muss man an eine vererbbare genetische Prädisposition denken. Betroffene und deren Angehörige sollten sich in einem speziellen Zentrum für vererbliche Erkrankungen oder in speziellen Sprechstunden beraten lassen. Adressen kann man bei der Deutschen Krebshilfe erfahren (Tel 0228-72990, mail www.krebshilfe.de).
Liegt ein Lynch-Syndrom vor, dann sind spezielle Früherkennungsprogramme bei (noch) nicht erkrankten Angehörigen notwendig. Unter Umständen ist eine prophylaktische, operative Entfernung des Uterus (Hysterektomie) indiziert. Einige Gynäkologen empfehlen routinemäßige Gewebeuntersuchungen der Gebärmutterschleimhaut. Bei entsprechender Logistik kann diese Früherkennungsmaßnahme gleichzeitig mit der notwendigen jährlichen Dickdarmspiegelung erfolgen.

 

Empfehlungen zur Ernährung

Eine spezielle Diät, mit der sich Krebs verhindern lässt, gibt es nicht. Wenn überhaupt, dann kann man nur eine Ernährung empfehlen, die sich nicht Krebs fördernd auswirkt. Hierzu gehört die Vermeidung einer kalorienreichen Kost. Bei sehr starkem Übergewicht, wenn konservative Maßnahmen nicht helfen, sollte man auch eine Gewichtsreduktion durch eine operative Magenverkleinerung (bariatrische Operation) in Erwägung ziehen.
Dem Grünen Tee – nicht Schwarztee – wird häufig ein vorbeugender Effekt zugesprochen. Auch Kaffee soll schützen (RR = 0,69) (Hashibe M et al. 2015). Der Schutzeffekt könnte durch die Senkung des Insulinspiegels zustande kommen. Evidenzbasierte Nachweise hierfür gibt es allerdings nicht.
Die mediterrane Kostform soll sich günstig auswirken!

 

Empfehlungen für Impfungen und zur Stärkung der Immunabwehr

Es gibt keine wirksamen Impfungen. Eine Krebs verhütende Wirkung von „biologischen Zubereitungen“ oder bestimmten Zusatznahrungen konnte niemals nachgewiesen werden.

 

Empfehlungen zur Vorbeugung mit Medikamenten (Chemoprävention)

Ist eine Hormontherapie notwendig, dann sollten Kombinationspräparate bevorzugt werden, die sowohl Östrogen als auch Gestagen enthalten. Auf die gleichzeitige Einnahme von Gestagen kann nur nach Entfernung der Gebärmutter verzichtet werden.
Beobachtungen sprechen für eine bessere Prognose der an Gebärmutterkrebs leidenden Typ-2-Diabetikerinnen, wenn diese das Diabetesmedikament Metformin einnehmen (Seebacher et al 2016). Metformin eignet sich daher möglicherweise zur Krebsprävention. Metformin wird seit vielen Jahren erfolgreich zur Behandlung von Typ-2- Diabetes sowie bei Übergewicht eingesetzt.
Die hormonelle Verhütung mit der Pille schützt vor Gebärmutter¬krebs, vorausgesetzt, sie enthält sowohl Östrogen als auch Gestagen. Je länger sie eingenommen wurde, desto höher ist die Schutzwirkung. Sie bleibt auch bestehen, wenn nur in jungen Jahren hormonell verhütet wurde. Frauen, die zur Schwangerschaftsverhütung eine Spirale (Intrauterinpessar) nutzen, haben ein geringeres Erkrankungsrisiko. Gestagenspiralen werden gerne bei einer Endometriumhyperplasie eingesetzt.
Berichte von einer 25 %igen Risikoreduzierung nach mehrjähriger Einnahme von Bisphosphonaten bedürfen der Bestätigung. Sollten sie sich bestätigen, müssten Vor- und Nachteile vor einer längerfristigen Einnahme von Bisphophonaten und anderen vermeintlich präventiv wirkenden Präparaten wie Aspirin und Metformin abgewogen werden, denn alle diese Medikamente haben auch Nebenwirkungen.

 

Empfehlungen zu Hormontherapien

Je länger östrogenhaltige Präparate eingenommen werden und je höher die Dosierung ist, desto größer ist die Erkrankungsgefahr. Kombinationspräparate, die sowohl Östrogene als auch das schützende Progesteron enthalten, sind weniger bedenklich. Gestagene wirken eher Krebs hemmend, weswegen sie therapeutisch beim Endometriumkarzinom eingesetzt werden.
Sowohl Östrogen als auch Gestagen enthaltende „Pillen“ üben im Gegensatz zu der ausschließlich Östrogen enthaltene Antibabypille eine Schutzwirkung aus (RR = 0,57). Die Schutzwirkung ist umso größer, je länger sie eingenommen wurden. Bei einer Einnahmedauer von 1 bis 60 Monaten beträgt die Risikoreduzierung RRR = 0,76; bei einer Einnahmedauer von mehr als 60 Monaten RRR = 0,44. Auch noch bis zu 25 Jahre später, also über die Wechseljahre hinweg, hält der Schutzeffekt an.

 

Empfehlungen zur Vorbeugung mit chirurgischen Maßnahmen

Bei Frauen mit hohem Erkrankungsrisiko – so beim Lynch Syndrom – wird häufig eine prophylaktische Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) mit evtl. gleichzeitiger Entfernung der Eierstöcke und Eileiter (Adnektomie) empfohlen. Sie ist bislang die einzige Vorsorgemaßnahme, die sich als eindeutig wirksam beim Lynch Syndrom erwiesen hat. Vorteile einer jährlichen Aspirationsbiopsie zur Überwachung sind nicht erwiesen. Diese prophylaktische Maßnahme basiert ausschließlich auf theoretischen Erwägungen.
Bei Polypen sind regelmäßige Kontrollen indiziert, um eine Veränderung der Größe und Form frühzeitig festzustellen. Selbst bei harmlos erscheinenden Polypen raten viele Ärzte zu einer Entfernung, denn sonst lässt sich kaum feststellen, ob sie gut- oder bösartig sind. Erst durch eine Gewebeuntersuchung kann eine bösartige Entartung ausgeschlossen werden. Die Entfernung der Polypen geschieht gleichzeitig mit einer Ausschabung (Kürettage).

 

Empfehlungen zur Vorbeugung durch körperliche Aktivität und Sport?

Körperlich aktive Frauen sollen ein 50 % geringeres Erkrankungsrisiko haben als inaktive Frauen (RR = 0.68 – 0.92). Hormonelle Einflüsse sowie die stärkere Muskulatur und das seltenere Übergewicht könnten der Grund hierfür sein. Aktives Muskelgewebe soll Biofaktoren produzieren können, die u. a. das Wachstum von Polypen hemmen (SPARC).

 

Empfehlungen zur Behandlung von Begleiterkrankungen

Fachleute empfehlen mit Tamoxifen behandelten Brustkrebspatientinnen engmaschige Vorsorgeuntersuchungen, da Tamoxifen die Gebärmutterschleimhaut – wie bei einem Monatszyklus – aufbaut und so das Gebärmutterkrebsrisiko erhöht. Wer bei einer Tamoxifentherapie ungewöhnliche Blutungen oder Unterleibsschmerzen hat, sollte mit der gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung nicht bis zum nächsten regulären Termin warten.
Eine Endometriumhyperplasie mit Atypien gilt als Krebsvorstufe. Lässt sich die meist zugrunde liegende Hormonstörung nicht behandeln, so ist – ähnlich wie bei einem Lynch Syndrom Typ II – nach den Wechseljahren eine vorbeugende Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) in Erwägung zu ziehen.

 

Maßnahmen zur Früherkennung von Gebärmutterkrebs

Wird der Krebs frühzeitig erkannt und behandelt, so betragen die Heilungschancen nahezu 100 Prozent. Schwieriger wird es, wenn der Krebs fortgeschritten ist und bereits Tochtergeschwülste (Metastasen) gebildet hat.

Häufigstes Frühsymptom sind nach den Wechseljahren Blutungen. Weitaus seltener sind Unterleibsschmerzen. Vor den Wechseljahren sind irreguläre Blutungen und ein fleischfarbener Ausfluss verdächtig. Auch das Ausbleiben der Periode kann u. a. ein Frühsymptom sein.

Warnhinweise für Gebärmutterkrebs

  • Zwischenblutungen (bei Frauen > 35 Jahre)
  • vor und nach der Regelblutung auftretende Schmierblutungen (bei Frauen > 35 Jahre)
  • Blutungen nach den Wechseljahren
  • eitriger Ausfluss außerhalb der Monatsregel
  • Schmerzen im Unterbauch
  • unerklärliche Gewichtsabnahme

Aussagekraft von Bild gebenden Untersuchungsverfahren (Ultraschall und Spiegelung)

Die inneren Geschlechtsorgane lassen sich zwar gut mit Ultraschall darstellen (Vaginalsonographie), aber die hiermit erhobenen Befunde sind so unspezifisch, dass sie keine entscheidenden Aussagen zur Krebsfrüherkennung erlauben. Beim Typ-I-Krebs findet man häufig eine verdickte und unregelmäßig aufgebaute Schleimhaut der Gebärmutter, während diese beim Typ II meist unauffällig erscheint. Polypen, Fibrome und Myome lassen sich feststellen.
Um eine sichere Aussage zur Gut- oder Bösartigkeit zu treffen, ist die Entnahme und Untersuchung von Gewebe notwendig. Hierfür ist eine transvaginal durchgeführte Ultraschall-Untersuchung (TVU) mit einer Endometriumbiopsie notwendig und/ oder eine Ausschabung. Die Ausschabung mit Gewebeuntersuchung ist am ehesten zielfördernd.
Bei der Spiegelung führt der Frauenarzt eine, mit einer Kamera ausgestatte Sonde (Hysteroskop) in die Gebärmutter ein. Der Eingriff erfolgt ambulant. Um eine bessere Sicht zu erhalten, bläst er über die Sonde Kohlensäuregas oder eine neutrale Flüssigkeit in die Gebärmutter. Er kann nun von außen über einen Monitor die Gebärmutterschleimhaut betrachten. Über die Sonde kann er eine Zange in die Gebärmutter einführen und damit gezielt Gewebeproben aus verdächtigen Bereichen entnehmen.

Aussagekraft von Gewebeuntersuchungen (Ausschabung bzw. Abrasio)

Es gibt keine spezifischen Laborwerte, auch keine Tumormarker, die frühzeitig auf einen Gebärmutterkrebs hinweisen. Bei Blutungen außerhalb der Regel bzw. nach den Wechseljahren ist eine Gewebeuntersuchung erforderlich. Hierfür ist eine Ausschabung notwendig, bei der, unter örtlicher Betäubung, meist jedoch unter Vollnarkose, Teile oder die gesamte Gebärmutterschleimhaut entfernt werden.
Die fraktionierte Abrasio unterscheidet sich von der normalen Ausschabung dadurch, dass der Arzt zunächst die Schleimhaut aus dem Gebärmutterhals untersucht und anschließend mit speziellen Instrumenten (Löffeln) die Schleimhaut des Gebärmutterkörpers „ausschabt“. Auf diese Weise kann ein verdächtiger Befund genauer einem bestimmten Ort in der Gebärmutter zugeordnet werden.
Komplikationen sind selten. Blutungen, Infektionen oder Unterleibsschmerzen können entstehen. Es kann zu einer Infektion der Wunde kommen, die u. U. antibiotisch behandelt werden muss. Durch die Verwendung von spitzen Küretten steigt die Gefahr, dass der Arzt den Uterus oder auch andere Organe versehentlich durchstößt (Perforation), so dass Keime in die Bauchhöhle aufsteigen.

 

Maßnahmen zur gesetzlichen Früherkennung

Die meisten Frauen in Deutschland wissen von der Möglichkeit der Untersuchung zur Krebsfrüherkennung einmal im Jahr. In diesem Früherkennungsprogramm ist allerdings nur die gynäkologische Untersuchung mit einem Abstrich von Zellen am Gebärmutterhals vorgesehen. Die Untersuchung erlaubt keine Aussage zu Befunden in der Gebärmutter. Für Gebärmutterkrebs gibt es keine speziellen „gesetzliche Krebsvorsorge-Früherkennungs-Untersuchungen“. Mit dem Ultraschall (Vaginalsonographie) bekommt der Arzt lediglich Hinweise auf eine unregelmäßig aufgebaute Schleimhaut der Gebärmutter.

Quelle und Buch-Tipp:

Krebs-Vorsorge für Frauen: Brustkrebs, Eierstockkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Gebärmutterkrebs, Scheidenkrebs, Schamlippenkrebs und Genderaspekte (Personalisierte Krebsvorsorge und Früherkennung)

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Über den Autor Prof Dr. Hermann Delbrück

Hermann Delbrück ist Arzt für Hämatologie – Onkologie und Sozialmedizin sowie Rehabilitation und physikalische Therapie und Hochschullehrer für Innere Medizin und Sozialmedizin. Während seiner Laufbahn in der experimentellen, kurativen und vor allem rehabilitativen Onkologie veröffentlichte mehrere Lehrbücher. Er ist der Herausgeber zahlreicher Ratgeber für Betroffene mit Krebs. Seit seiner Emeritierung 2007 befasst er sich vorrangig mit Fragen der Prävention von Krebs.

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