Darmkrebs Statistik: Alter, Geschlecht und sonstige Risiken

Wie häufig ist Darmkrebs in Deutschland? Wie hoch ist die Todesrate?

Darmkrebs ist in der Bundesrepublik die zweithäufigste Krebstodesursache. Jährlich erkranken etwa 65.000 Menschen, 26.000 sterben an Darmkrebs (Robert-Koch-Institut 2006, 2008, 2010). Zwei Drittel der Erkrankten leiden an einem Dickdarmtumor, bei einem weiteren Drittel liegt ein Tumor des Enddarms vor (Rektum, Analkanal).
Das theoretische Erkrankungsrisiko liegt in Deutschland bei etwa 6%. Jedes 17. Neugeborene erkrankt im Laufe seines Lebens irgendwann an Darmkrebs; Krebsfrühstadien und Mikrokarzinome sind in dieser Berechnung mit eingeschlossen.

Risiko eines Neugeborenen im Laufe seines Lebens an einem Karzinom zu erkranken

  • Prostatakrebs: jeder 2. bis 3. Junge (48%)
  • Darmkrebs: jedes 17. Neugeborene (6%)
  • Magenkrebs: jedes 43. Neugeborene (2,3%)
  • Brustkrebs: jedes 7. Mädchen (14%)
  • Lungenkrebs: jeder 15. Junge (6,7%)
  • Lungenkrebs: jedes 36. Mädchen (2,8%)
  • Bauchspeicheldrüsenkrebs: jedes 73. Neugeborene (1,4%)
  • Risiko eines Neugeborenen

Welche Bedeutung hat das Alter?

Ob das mit dem Alter zunehmende Erkrankungsrisiko darin begründet liegt, dass zwischen der Krebsentstehung (Krebsinitiation) und dem Ausbruch der Krankheit viele Jahre liegen, oder ob im Laufe des Lebens die Schutzfaktoren abnehmen und/oder Genmutationen zunehmen, ist unklar. Mehr als die Hälfte der Betroffenen ist älter als 70 Jahre. Bei unter 50jährigen ist Darmkrebs selten. Wenn so junge Menschen erkranken, dann ist dies meist die Folge einer relativ dominanten Erbanlage. Nach dem 50. Lebensjahr nimmt die Häufigkeit krebsverdächtiger Polypen deutlich zu, weshalb ab dem 55. Lebensjahr Vorsorgeuntersuchungen (Früherkennungsmaßnahmen) empfohlen werden. Je älter der Patient, desto höher das Risiko, dass der beginnende (aufsteigende) Teil des Darms von Polypen und Krebs betroffen ist und umso wichtiger, dass eine hohe Darmspiegelung vorgenommen wird.

Hat sich die Häufigkeit von Darmkrebserkrankungen verändert?

Insgesamt gibt es heute wesentlich mehr Darmkrebskranke als noch vor 50 Jahren, was vor allem an der zunehmenden Zahl älterer Menschen liegt; schließlich treten die meisten Krebserkrankungen im höheren Alter auf. Allein zwischen 1990 und 2010 erhöhte sich in Deutschland die Lebenserwartung der Frauen von 78,4 auf 82,8 Jahre und jene der Männer von 71,9 auf 77,5 Jahre (Statistisches Bundesamt 2010, Plass et al. 2014).

Wegen der voraussichtlich fortdauernden Zunahme des Anteils der über 60jährigen an der Bevölkerung ist ein weiterer Anstieg der Darmkrebshäufigkeit wahrscheinlich. Seit 2003 verringerte sich – altersangepasst – die Anzahl der Darmkrebspatienten in Deutschland jährlich um etwa 3,2%. Auch die Darmkrebssterblichkeit verminderte sich. Beides ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auf die Einführung der Vorsorge-Früherkennung mit der gleichzeitig möglichen Entfernung von Krebsvorstufen zurückzuführen (Jemal et al. 2010). Ein eindeutiger Effekt der vorsorglichen Entfernung von Krebsvorstufen auf die Überlebenszeit ist erst etwa zehn bis fünfzehn Jahren nach Einführung der Screening Maßnahmen nachweisbar, denn so lange kann die Zeit bis zur bösartigen Entartung eines Polypen in der Darmschleimhaut dauern. Detaillierte Analysen zeigen, dass die Häufigkeitsabnahme nicht alle Altersgruppen betrifft.

Bei jüngeren Menschen (< 50 Jahre) ist es in den letzten 15 Jahren zu einer Häufigkeitszunahme um jährlich 1,5% gekommen. Zumeist ist bei ihnen der Enddarm betroffen. Die häufigere Inanspruchnahme von Vorsorge-Koloskopien in dieser Altersgruppe, aber auch die Zunahme von Übergewicht, der stärkere Alkoholkonsum und die körperliche Inaktivität werden als mögliche Gründe angeführt. Man erwartet, dass auch in dieser Altersgruppe in den nächsten Jahren – bei Berücksichtigung der Vorsorgeempfehlungen – eine Häufigkeitsabnahme eintritt. In den 1980er Jahren hatten Darmkrebsdiagnosen bei Männern um 34% und bei Frauen um 26% (altersstandardisiert) zugenommen, vornehmlich auch infolge der Einführung von Krebsfrüherkennungsprogrammen. Gleichzeitig hatten sich jedoch die Therapien verbessert, so dass mehr Erkrankte überlebten.

Je mehr Krebspatienten überleben, desto mehr „Patienten“ gibt es, denn statistisch werden alle Erkrankten – gleichgültig, ob geheilt oder krank – verzeichnet. Deutlich angestiegen sind Darmkrebserkrankungen während der letzten Jahrzehnte in Osteuropa, Asien, Afrika und einigen südamerikanischen Ländern, wo eine ähnliche Entwicklung stattfindet, wie vor ca. 50 Jahren in Deutschland.

Gründe für die „Häufigkeitszunahme“ von Darmkrebserkrankungen

  • Zunahme von Risiken? (Übergewicht, körperliche Inaktivität und Alkoholkonsum)
  • Häufigere Diagnosen? (durch kostenlose Krebsvorsorge-Untersuchungen ermöglicht)
  • Empfindlichere Untersuchungsmethoden? (heute kann man bereitsehr kleine Tumore erkennen, die früher – wenn überhaupt – erst viel später entdeckt worden wären)
  • Therapeutischer Fortschritt? (mehr Patienten überleben)
  • Bessere statistische Erfassung? (Krebserkrankungen werden häufiger den Krebsregistern gemeldet)
  • Höhere Lebenserwartung? (wesentlich mehr Menschen erreichen ein Alter, in dem Darmkrebs häufig ist)
  • Krebsrisiken? (Strahlenbelastungen, Übergewicht, körperliche Inaktivität, Alkoholkonsum sind häufiger)

Haben Männer und Frauen ein unterschiedlich hohes Erkrankungsrisiko?

Männer sind gefährdeter. Altersstandardisiert ist die Zahl der Neuerkrankungen bei Frauen rückläufig; auch die Zahl der Sterbefälle ist bei ihnen gesunken (zwischen 1998 und 2008 von etwa 16.000 auf 13.000 pro Jahr); dagegen blieb die Sterblichkeit bei Männern mit etwa 14.000 Fällen pro Jahr weitgehend konstant. Als mögliche Ursache für die stärkere Gefährdung von Männern wird in erster Linie der unterschiedliche Lebensstil der Geschlechter angeführt. Männer und Frauen ernähren sich anders. Während der Ernährungsschwerpunkt bei Männern vor allem auf Fleisch, tierischen Fetten und hochkalorischer Kost liegt, bevorzugen Frauen ballaststoffreiche Kost, trinken weniger Alkohol und sind auch nicht so häufig übergewichtig. Außerdem sollen die Hormone eine Rolle spielen. Da Männer durchschnittlich etwa 8 Jahre früher als Frauen erkranken, fordern einige Experten, dass sie schon 5 Jahre eher, also bereits im Alter von 50 Jahren Vorsorgekoloskopien durchführen lassen.

Quelle und Leseempfehlung zur Darmkrebs-Vorsorge:

Darmkrebs vermeiden (Personalisierte Krebsvorsorge und Früherkennung)

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Über den Autor Prof Dr. Hermann Delbrück

Hermann Delbrück ist Arzt für Hämatologie – Onkologie und Sozialmedizin sowie Rehabilitation und physikalische Therapie und Hochschullehrer für Innere Medizin und Sozialmedizin. Während seiner Laufbahn in der experimentellen, kurativen und vor allem rehabilitativen Onkologie veröffentlichte mehrere Lehrbücher. Er ist der Herausgeber zahlreicher Ratgeber für Betroffene mit Krebs. Seit seiner Emeritierung 2007 befasst er sich vorrangig mit Fragen der Prävention von Krebs.

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