Chronische Leukämie: Blutbildung verstehen

Knochenmark und Blutbildung

Um die chronischen Leukämien, die notwendigen Therapien mit ihren möglichen Nebenwirkungen und die notwendigen diagnostischen Maßnahmen besser verstehen zu können, ist es hilfreich, einiges über die normale Zusammensetzung und über das Knochenmark als Stätte der Blutbildung zu wissen. Je nach Körpergewicht und Größe zirkulieren 4 bis 7 Liter Blut in den Adem. Das Blut erfüllt vielfältige Aufgaben. F.s dient zur Versorgung des Gewebes, transportiert Sauerstoff, Hormone, Nährstoffe und viele andere Substanzen, ermöglicht den Abtransport von Kohlendioxyd und Stoffwechselprodukten und dient der Wärmeregulation. Um diese Aufgaben erfüllen zu können, enthält es Blutplasma und Eiweißkörperchen sowie verschiedene Zellen. Hierzu zählen die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und die für die Blutgerinnung notwendigen Blutplätrchen (Thrombozyten). Bei den chronischen Leukämien handelt es sich um bösartige Erkrankungen dieser Blutzellen. Sind nicht genügend rote Blutkörperchen vorhanden so spricht man von einer Anämie. Der rote Blutfarbstoff (Histoglobin), der für den Sauerstofftransport sorgt, ist dann vermindert. Es kommt zu Blässe, Luftnot, Kopfschmerzen, Leistungsminderung und Müdigkeit.

 

Wofür gibt es weiße Blutplättchen?

Die Blutplättchen sind die kleinsten Blutkörperchen. Ihre Hauptfunktion ist, die Blutgerinnung aufrechtzuerhalten. Bei einer Verringerung der Blutplättchen (Thrombopenie) kommt es zu einer verstärkten Blutungsneigung. Bei den chronischen Leukämien sind meist die weißen Blutzellen (Leukozyten) erkrankt, obwohl auch die anderen Blutzellen direkt oder indirekt betroffen sind. lm Vergleich zu den anderen Blutkörperchen sind die weißen Blutzellen nur spärlich im Blut vorhanden. Man unterscheidet drei Haupttypen von weißen Blutkörperchen, nämlich die Granulozyten, die Monozyten und die Lymphozyten. Sie übernehmen alle wichtige Funktionen in der Abwehr von Krankheiten. Bei einer Verminderung der weißen Blutkörperchen (Leukopenie] bzw. bei einer Funktionsstörung kommt es zu Störungen der Infektabwehr. Körperfremde Elemente wie Bakterien, Viren oder Pilze werden dann nicht mehr erkannt und unschädlich gemacht.

Bildung der Blutzellen

Gebildet werden die Blutzellen vorwiegend im Knochenmark, die Lymphozyten auch in den lyphatischen Organen. Blurbildendes Knochenmark befindet sich besonders in den langen Enden der langen Röhrenknochen, in den Rippen und den platten Knochen, wie dem Schädel und dem Beckenkamm. Bei Leukamiekranken können auch andere Organe eine blutbildende Funktion übernehmen. Die einzelnen Blutzellen entwickeln sich über verschiedene Zwischenstufen aus Vorläuferzellen und diese wiederum aus einer für alle gemeinsamen Stammzelle (pluripotente Stammzelle). ie nach Vorläuferzelle kommt es zur Ausbildung von roten Blutkörperchen, weißen Blutkörperchen oder Blutplättchen. Die vorwiegend im Knochenmark heranreifenden Zellen werden, sobald sie ausgereift und funktionsfähig sind, in die Blutbahn entlassen. Ob mal mehr oder mal weniger Zellen gebildet werden, hängt von sehr komplexen Regulationsmechanismen ab. In erster Linie bestimmt natürlich der Bedarf darüber, wie viele und wie schnell die Blutzellen gebildet werden. Ein Bedarf an weißen Blutzellen besteht beispielsweise bei lnfektionen. Bei Sauerstoffmangel benötigt man mehr rote Blutkörperchen und bei Blutungen mehr Blutplättchen.

Leseempfehlung und Quelle: Hermann Delbrück; Chronische Leukämien. Rat und Hilfe für Betroffene und Angehörige

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Hermann Delbrück ist Arzt für Hämatologie – Onkologie und Sozialmedizin sowie Rehabilitation und physikalische Therapie und Hochschullehrer für Innere Medizin und Sozialmedizin. Während seiner Laufbahn in der experimentellen, kurativen und vor allem rehabilitativen Onkologie veröffentlichte er mehrere Lehrbücher. Er ist der Herausgeber zahlreicher Ratgeber für Betroffene mit Krebs. Seit seiner Emeritierung 2007 befasst er sich vorrangig mit Fragen der Prävention von Krebs.