Brustkrebs: Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Wann muss eine Brust entfernt werden?

Eine Krebstherapie, die pauschal bei allen Brustkrebserkrankungen zu empfehlen ist, gibt es nicht. Was für eine Patientin gut ist, kann für eine andere schlecht sein. Es handelt sich beim Brustkrebs um sehr verschiedene Formen unterschiedlicher Bösartigeit mit unterschiedlichem Rezidivrisiko (Rückfallrisiko), die jeweils einer völlig andersartigen Therapie bedürfen. Häufig kann der Chirurg vor der Operation noch nicht einmal genau sagen, wie viel und wie ausgedehnt er operieren muss. Dies entscheidet sich mitunter erst während der Operation, ja möglicherweise erst nach der feingeweblichen Untersuchung (Schnellschnittuntersuchung) des herausgenommenen Gewebes. In der Regel wird über die notwendige Therapie interdisziplinär entschieden, d.h., onkologisch erfahrene Ärzte der verschiedenen Disziplinen besprechen in einer gemeinsamen Konferenz die für die Patientin jeweils beste Behandlung.

Wann sind zusätzliche Therapien notwendig?

Die Entscheidung, ob eine zusätzliche Strahlen-, Chemo oder Hormontherapie durchgeführt werden soll, basiert auf der Kenntnis zahlreicher Details. Hierzu gehören neben Kenntnissen über die Hormonrezeptoren, die Tumorausdehnung, den feingeweblichen Differenzierungsgrad, die Größe und Tiefe des Tumors und die bisherige Wachstumsgeschwindigkeit auch persönliche Angaben wie zum Beispiel das Alter der Patientin, ob sie noch die Periode hat und nicht zuletzt über ihren Allgemeinzustand. Erst nach Kenntnis all dieser Faktoren kann der Therapeut die individuell auf die Patientin zugeschnittenen, optimalen Therapien vorschlagen. Wenn der Therapeut eine zusätzliche Chemo- oder Hormontherapie empfiehlt, so heißt dies nicht etwa zwangsläufig, daß der Tumor bösartiger wäre. Ja, es kann vielleicht sogar im Gegenteil ein optimistischer Hinweis dafür sein, dass der Tumor zu den therapieempfindlichen Formen gehört, bei denen durch eine zusätzliche Chemo- oder Hormontherapie große Erfolgsaussichten zu erwarten sind.

 

 

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Hermann Delbrück ist Arzt für Hämatologie – Onkologie und Sozialmedizin sowie Rehabilitation und physikalische Therapie und Hochschullehrer für Innere Medizin und Sozialmedizin. Während seiner Laufbahn in der experimentellen, kurativen und vor allem rehabilitativen Onkologie veröffentlichte er mehrere Lehrbücher. Er ist der Herausgeber zahlreicher Ratgeber für Betroffene mit Krebs. Seit seiner Emeritierung 2007 befasst er sich vorrangig mit Fragen der Prävention von Krebs.