Brustkrebs: Vorbeugung durch Ernährung

Ernährung ist nur ein Risikofaktor von vielen

Unter den Krebserkrankungen, bei denen ein Einfluss der Ernährung auf die Krebsentstehung vermutet wird, steht Brustkrebs mit an vorderster Stelle (WCRF). Man schätzt, dass bei richtiger Ernährung viele Brustkrebserkrankungen vermieden, zumindest in der Entwicklung gehemmt werden.

Je nach Ernährungsweise erhöht oder verringert sich das Krebsrisiko, wobei allerdings der Einfluss der Ernährung nicht überbewertet werden darf; es müssen zahlreiche Faktoren zusammentreffen, damit es zum Ausbruch der Krebserkrankung kommt. Eine falsche Ernährung allein reicht nicht aus! Die Ernährung ist in dem „Puzzle“ der Risikofaktoren nur ein Aspekt von vielen. Bei einzelnen Inhaltsstoffen in Lebensmitteln vermutet man eine Schutzwirkung, die teilweise in Zellkulturen, ja sogar in TierTumor-Modellen, bestätigt wurde. Beim Menschen gibt es jedoch bislang für keinen Inhaltsstoff schlüssige Beweise einer vorbeugenden Krebswirkung. Man geht heute davon aus, dass die Krebsgefährdung weniger durch einzelne Inhaltsstoffe in den Nahrungsmitteln als durch die Zubereitung der Ernährung und durch das gesamte Ernährungsverhalten beeinflusst wird, also durch das, was, wie und in welcher Menge wir essen, bzw. was wir nicht essen. Gute Ernährung bedeutet weniger, das Richtige zu essen als das Falsche zu vermeiden. Akute Veränderungen sind bei einer Umstellung der Ernährung unwahrscheinlich. Dies bedeutet jedoch nicht, dass man nicht im höheren Alter von einer Ernährungsumstellung profitieren würde. Richtig ist vielmehr, dass durch eine optimale Ernährung Einfluss auf die Aggressivität von Krebszellen und Krebsvorstufen genommen werden kann und ein Krankheitsverlauf abgemildert werden kann. Sicher ist, je früher man im Leben eine krebsgefährdende Ernährungsweise vermeidet, umso wahrscheinlicher ist ein positiver Effekt. Eltern kommt somit eine Mitverantwortung zu, wenn ihre Kinder aufgrund gesundheitsschädigender Verhaltensweisen später an chronischen Erkrankungen leiden. Die Vorstellungen über die „richtige“, Ernährung gehen weit auseinander. Es gibt viele Mythen, und skurrile Ernährungstipps. Mitunter sind Mythen und Fakten schwer voneinander zu trennen. Viele Empfehlungen zur optimalen Ernährung werden kontrovers diskutiert. Sicher ist, dass wir mehr über mögliche Nachteile als über Vorteile bestimmter Ernährungsweisen wissen.

Wie lassen sich Ernährungseinflüsse in Studien nachweisen?

Um Ernährungseinflüsse festzustellen, benutzt man verschiedene Testverfahren, etwa Fall-, Kontroll-, Kohorten- oder Interventionsstudien. Ihre Aussagekraft ist unterschiedlich. In Fall-Kontroll-Studien werden Patienten und gesunde Kontrollpersonen, anhand von Fragebögen, nach bestimmten Verhaltensweisen, etwa ihren Ernährungsgewohnheiten in der Vergangenheit, befragt (retrospektive Studien). In Kohortenstudien werden Personen über einen genau definierten Zeitraum beobachtet; ihre Verhaltensweisen und die Ereignisse werden dokumentiert. Die meisten Empfehlungen berufen sich auf retrospektive Studien, in denen die Angaben von Gesunden und Kranken zu ihrem Ernährungsverhalten in der Vergangenheit dokumentiert und ausgewertet wurden. Die meisten Studien halten wissenschaftlichen Ansprüchen nicht stand. Häufig wird in ihnen ignoriert, dass epidemiologische Studien im Optimalfall Korrelationen, nicht aber Kausalitäten nachweisen. Häufig sind sie schon vom Konzept her ungeeignet, da sie fälschlicherweise davon ausgehen, dass Krebs die Folge einzelner Ernährungsbestandteile ist und nicht berücksichtigen, dass es sich bei Krebs um eine multikausale Erkrankung handelt, bei der zahlreiche Einflüsse zusammentreffen müssen. Lebensmittel sind darüber hinaus komplexe Systeme, deren Inhaltsstoffe miteinander und mit der Darmflora in Wechselwirkung treten. Sie ändern ihre Eigenschaften durch Verarbeitungsverfahren wie Würzen, Marinieren, Fermentieren, Kochen und Backen. Bevor man aus den in der Literatur und Werbung gegebenen Empfehlungen Rückschlüsse für sich zieht, sollte man die als Beweis zitierten Studien hinsichtlich einiger Kritikpunkte durchleuchten.

Ich bin jetzt 65 Jahre alt und fühle mich trotz eindeutigem Übergewicht recht wohl. Lohnt sich da noch eine Ernährungsumstellung?

„Ich bin jetzt 65 Jahre alt und fühle mich trotz eindeutigem Übergewicht recht wohl. Da lohnt es sich doch kaum, meine Essensgewohnheiten zu ändern, zumal sich Schutzeffekte erst nach vielen Jahren bemerkbar machen.“ Diese oft gehörte Ansicht ist falsch. Sicherlich, das Risiko einer späteren Krebserkrankung ist umso geringer, je früher man auf eine gesunde Ernährung achtet. Auch ist es richtig, dass die Entwicklung einer Brustkrebserkrankung mehrere Jahre dauert. Andererseits weiß man, dass sich schon lange vor der Krebsdiagnose Krebszellen und Krebsvorstufen im Brustgewebe befinden können, die keine Beschwerden bereiten und lange stationär bleiben, d. h. nicht wachsen (latente oder schlafende Tumore). Erst bei Eintritt bestimmter Ereignisse werden sie „wach“. Zu diesen „aufweckenden“ Ereignissen gehört ein ungesunder Lebensstil mit einer ebenso falschen Ernährung. Die Aggressivität von Krebszellen sowie das Wachstum latenter Karzinome werden bei einer gesunden Lebensführung und Ernährung gehemmt. Ganz abgesehen davon, dass sich eine gesunde Ernährung auch schützend auf andere Erkrankungen auswirkt, ist die allgemeine Lebenserwartung heute derart gestiegen, dass man auch im höheren Alter von einer gesunden Lebensweise noch profitiert. Die statistische durchschnittliche Lebenserwartung für Frauen im Alter von 65 Jahren beträgt 20,4 Jahre (2006/2007 in Deutschland). Dies ist eine Zeitspanne, in der sich Auswirkungen der Ernährung auf die Krebsentstehung und die Entwicklung von Krebsvorstufen durchaus bemerkbar machen können. Ein gesunder Lebensstil nutzt der Gesundheit und dem persönlichen Wohlergehen in jedem Fall. Eine gesunde Ernährung bedeutet nicht den Verzicht auf schmackhaftes Essen.

Gibt es eine krebsfeindliche Ernährung? Bieten Diäten einen Schutz?

Problematisch ist, dass bei Fragen der Ernährung jeder kompetent mitzureden glaubt und dass die Medien gerne sensationsträchtige Halbwahrheiten bei sogenannten Krebsdiäten verbreiten. Dabei ist die Qualität der Recherchen und Datenerhebungen häufig unbefriedigend. In der Regel beruhen sie auf Selbstauskünften von Probanden, deren Wahrheitsgehalt nicht weiter überprüft werden kann. Hinzu kommt, dass sich das Thema Ernährung und Krebs zu einem Geschäftsfeld entwickelt hat, mit dem sich viel Geld verdienen lässt. Gerne wird den Konsumenten suggeriert, dass bestimmte Nahrungsmittel und Nahrungsergänzungsmittel vor Krebs schützen bzw. den Verlauf einer Krebserkrankung günstig beeinflussen. Es gibt unzählige wohlmeinende, manchmal aber auch eher kommerziell ausgerichtete Empfehlungen für angeblich krebsfeindliche oder gar -hemmende Diäten. Die meisten von ihnen halten wissenschaftlichen Ansprüchen nicht stand. Häufig beruhen sie auf falschen Schlussfolgerungen aus Datenerhebungen, die auf den ersten Blick einleuchtend erscheinen und sich schwer widerlegen lassen.

Welche Ernährung erhöht das Krebsrisiko und welche schützt?

Krebsfeindliche Diäten gibt es nicht! Wer so etwas behauptet, muss sich den Vorwurf der Unwissenheit, der Naivität oder – schlimmer – der Scharlatanerie und Geschäftemacherei gefallen lassen. Nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft gibt es keine einzelnen Nahrungsbestandteile, die von sich aus „krebsfeindlich“ sind. Zu Unrecht wird dies von immer wieder von einigen »Gesundheitsaposteln« und Geldmachern behauptet. Wenn überhaupt, dann kann man eigentlich nur eine Ernährung empfehlen, die sich nicht Krebs fördernd auswirkt. Vor einer einseitigen Ernährung sollte man sich hüten! Einseitige Diäten wirken sich negativ auf die Gesundheit, die Immunabwehr, die Lebensqualität und möglicherweise auch auf das Erkrankungsrisiko aus. Nicht nur falsch, sondern auch gefährlich, sind Empfehlungen einer fett- und eiweißreichen Ernährung. Den Alkoholkonsum sollte man einschränken. Einfache und schnell verfügbare Kohlenhydrate (z. B. Zucker, Weißmehl) gelten im Gegensatz zu komplexen Kohlenhydraten als ungesund, weil sie zu einem raschen Blutzucker- und Insulinanstieg führen. Nach schnell verfügbaren Kohlenhydraten wie Zucker und Weißmehl mit Tierprotein, z. B. Gummibärchen, Milchschokolade, Früchtejoghurt, Pizza, Schnitzel mit Pommes, Steak mit Kartoffeln, Cornflakes in Milch, Müsli mit Zucker, Rosinen in Milch, Cappuccino, Milchshakes, Wurst- und Käsebrötchen, Hamburger und Fast Food, steigt der Insulinspiegel besonders rasch an. Zwar sind Rote Bete, Bierhefe, Weizenkeime, Sauermilch und „linksdrehende Milchsäure“ sowie Kombinationen von Quark und Leinöl durchaus gesund, für eine Antikrebswirkung gibt es bislang jedoch – wenn überhaupt – nur in Laborversuchen, nicht aber bei Menschen Hinweise. Bei der konventionell angebauten Roten Bete wie auch bei anderen häufig empfohlenen Gemüsesorten kann im Übrigen der Nitratgehalt infolge der – heute häufigen – Überdüngung so hoch sein, dass diese wegen ihres hohen Nitrosamingehalts krebsfördernd sind. Empfohlen wird allgemein eine Lebensmittelauswahl, wie sie in der mediterranen Kost üblich ist, d. h. eine fett- und fleischarme Kost mit einem hohen Anteil an Obst und Gemüse, mehr Fisch als Fleisch, Oliven- oder Sonnenblumenöl und wenig Alkohol. Gesichert ist, dass eine solche Ernährung den zusätzlichen Vorteil hat, auch Herz- und Gefäßerkrankungen sowie einem Typ-2-Diabetes vorzubeugen.

Ist eine Gewichtsregulierung sinnvoll?

Als gesund bezeichnet der Kodex des IARC (International Agency for Research on Cancer) ein Körpergewicht, das das geringste Risiko für Folgeerkrankungen wie Krebs, Herz-Kreislauf- und Stoff wechselerkrankungen aufweist. Die Empfehlung lautet, Übergewicht aber auch Untergewicht zu vermeiden und das Gewicht bei einem Körpermassenindex (BMI) zwischen 18,5 und 24,9 kg/m² zu halten. Ein BMI von 24 bis 29 bei Personen > 65 Jahren ist noch akzeptabel. Starkes Übergewicht (BMI > 30) ist ein vermeidbarer Risikofaktor. Da übergewichtige Brustkrebspatientinnen eine schlechtere Prognose haben und der Krebs bei ihnen eher metastasiert, raten die meisten Experten zu einer Gewichtsabnahme. Dabei ist noch gar nicht nachgewiesen, dass die Krebsentstehung bei Gewichtsabnahme tatsächlich gesenkt wird. gesichert ist lediglich, dass man bei einer Gewichtszunahme gefährdet ist und dass korpulente Krebspatientinnen eine schlechtere Prognose haben (Neuhouser et al. 2015). Wichtig ist, dass man schon in der Jugend und im frühen Erwachsenenalter Übergewicht vorbeugt. Nicht nur, weil bis zu 80 % der übergewichtigen Kinder auch später im Erwachsenenalter zu Übergewicht neigen, sondern auch, weil Übergewicht im jugendlichen Alter nach Meinung einiger Experten direkte Auswirkungen auf das spätere Krebsrisiko hat. Sicher ist, dass die Anlage für Brustkrebs schon lange vor der Krebsdiagnose besteht. „Im Alter muss man den Preis für (Ernährungs-)Sünden in der Jugend bezahlen“. Mit mehr körperlicher Aktivität, einer bedarfsorientierter Kalorienaufnahme und einer geringeren Aufnahme von gesättigten Fettsäuren (besonders Transfetten) reduzieren Übergewichtige auch andere Krankheitsrisiken wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, hohem Blutdruck und Diabetes. Körperliche Aktivität gilt über die Gewichtsstabilisierung hinaus als eigenständiger Hemmfaktor für Brustkrebs. Vielen ist nicht bewusst, dass die Mehrzahl der Brustkrebspatientinnen nicht etwa am Brustkrebs, sondern an Herz-Kreislauf-Versagen verstirbt. Übergewicht sowie körperliche Inaktivität sind eindeutige Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wer alt werden will, sollte weniger essen, sagen Ernährungswissenschaftler.

Wie schafft man es, bei Übergewicht (Adipositas) abzunehmen?

Nur zu sagen, man solle weniger essen und sich mehr bewegen, ist zu einfach. Ohne Berücksichtigung der Ursachen führen Vorschläge selten zu einem dauerhaften Erfolg. Besser sind individualisierte Empfehlungen, die auch auf die Ursachen des Übergewichts eingehen. Unrealistische Ziele sind kontraproduktive und führen in der Regel zu einem baldigen Rückfall. Es gibt Tausende von Diäten, auf deren Vor- und Nachteile an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden kann. Die meisten führen zu einer mehr oder weniger ausgeprägten Gewichtsabnahme in den ersten Monaten; kaum eine wirkt länger als ein oder zwei Jahre. Wichtiger als die Befolgung irgendwelcher Diäten ist, dass man seine Ernährungsgewohnheiten langfristig umstellt. Grundsätzlich gilt das Prinzip „Entweder man nimmt weniger Kalorien auf oder man verbraucht mehr Kalorien“. Eine Erhöhung des Energieverbrauchs führt zwar langsamer als eine Verringerung der Kalorienaufnahme zu einer Gewichtsabnahme, hält aber dafür länger an. Hungerkuren durchzuführen, mit Gewalt die Kalorienaufnahme zu beschränken, ist nicht ratsam. Bessere Alternativen sind ein erhöhter Energieverbrauch durch Sport und Bewegung sowie eine an den Belastungen und individuellen Erfordernissen des Körpers angepasste Ernährung. Allein durch bewusstes Essen nimmt man häufig an Gewicht ab. Vielfach sind es nämlich nicht Hunger und Appetit, sondern Kummer, Frust und Langeweile oder Ablenkung in schwierigen Lebenslagen und Automatismen, die Übergewichtige veranlassen, zu viel zu essen. „Nebenbei zu essen“ führt zu Übergewicht! Zwar ist eine schnelle Gewichtsreduzierung motivierend, einer kurzfristigen Gewichtsabnahme folgt aber meist ein deprimierender Stillstand, wenn nicht sogar ein prompter Rückfall. Eine langsame Steigerung des Energiebedarfs bei körperlicher Belastung und einer „bewussten Ernährung“ wirkt hingegen langfristig und nachhaltig. Für eine effektive Gewichtsabnahme sollte man sich > 150 Minuten pro Woche mit einem zusätzlichen Energieverbrauch von 1200 bis 1800 kcal bewegen. Neben der Gewichtsabnahme kommt es hierdurch zu einer Zunahme an Muskelmasse, und so zu einer Sensibilisierung der Rezeptoren für das Schlüsselhormon Insulin. Die Reduzierung des erhöhten Insulinspiegels wirkt sich schützend auf das Krebsrisiko aus.

Wann kommt eine Operation zur Gewichtsabnahme in Frage? (Bariatrische Operation)?

Wenn alle herkömmlichen Behandlungsmethoden versagen, kann man bei extremem Übergewicht auch an die Möglichkeit einer Operation denken. Sie kommt allerdings nur bei stark übergewichtigen Personen in Frage. Das chirurgische Konzept der meisten Operationen basiert auf der Erkenntnis, dass man bei einem kleineren Magen weniger isst und man bei gleichzeitiger Verkürzung der Dünndarmpassage weniger Kalorien und Nährstoffe aufnimmt. Keines der üblichen operativen Operationsverfahren ist komplikationslos. Der Eingriff ist – gerade bei sehr schwergewichtigen Personen – ein Risiko. Operationsspezifische Probleme drohen (z. B. Darmverschluss, Verwachsungen, Nahtrisse). Gelegentlich kommt es zu Entleerungsstörungen (Dumping Syndrom) oder einer bakteriellen Fehlbesiedlung in den ausgeschalteten Darmabschnitten. Auch lange Zeit nach der Operation kann es zu Komplikationen kommen, die den potentiellen Nutzen der Operation zunichtemachen. Die gesetzlichen Krankenkassen sind zu einer Kostenerstattung nur in Ausnahmefällen bereit (in der Regel ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 40 kg/m², bei Begleiterkrankungen schon ab 35 kg/m²), und dies auch nur dann, wenn alle anderen Möglichkeiten der Gewichtsabnahme ausgeschlossen wurden und eine absolute Gesundheitsgefährdung vorliegt.

Gibt es medikamentöse Hilfen zur Gewichtsabnahme?

Von der Industrie werden zahlreiche Medikamente angeboten, die zusammen mit allgemeinen Ernährungsempfehlungen zu einer Gewichtsabnahme führen sollen (z. B. MetforminR, Fettblocker, Fettverbrenner, Appetitzügler, Diätdrinks, Abnehmpflaster). Ihre Wirkung sollte nicht über- und die Gefahr von Nebenwirkungen nicht unterschätzt werden. Alle wirksamen Medikamente gegen Übergewicht haben Nebenwirkungen. Eine medikamentöse Unterstützung sollte nur bei einem BMI > 30, und auch nur dann in Betracht gezogen werden, wenn andere Maßnahmen erfolglos sind. Grundsätzlich dürfen Medikamente nicht dazu dienen, sinnvolle und notwendige Lifestyle-Veränderungen zu ersetzen. Abzuraten sind Cocktails zur Gewichtsabnahme. Sie enthalten meist neben Abführmitteln und Schilddrüsenhormonen auch Antidepressiva und Beruhigungsmittel. Ihr Hauptbestandteil sind zumeist Amphetamin-Abkömmlinge, die zu Blutdruckanstieg, Beschleunigung des Herzschlages, Rhythmusstörungen, Angst, Schlaflosigkeit und innerer Unruhe führen. MetforminR ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Biguanide, der seit langem mit Erfolg bei nicht insulinabhängiger Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus, Typ 2), aber auch zur Gewichtsreduzierung eingesetzt wird. Beobachtungen weisen darauf hin, dass MetforminR neben einer Gewichtsabnahme auch das Krebsrisiko bei Typ 2Diabetikern verringert. MetforminR verträgt man im Allgemeinen sehr gut. Nebenwirkungen (Übelkeit, Bauchschmerzen, Appetitverlust) sind selten. Die schwerwiegendste Nebenwirkung, die auftreten kann, ist die sogenannte Laktatazidose. Sie ist äußerst selten und tritt nur dann auf, wenn die Ausschlusskriterien (Kontraindikationen) für MetforminR missachtet werden. Besonders gefährdet sind Menschen mit einer Nierenschwäche (Niereninsuffizienz).

In vielen von der Industrie angebotenen Präparaten befinden sich Schilddrüsenhormone. Sie erhöhen den Energieverbrauch und den Grundumsatz des Organismus, und führen so zu einer Gewichtsabnahme. Die Gewichtsabnahme wird unter Inkaufnahme von manchmal sehr unangenehmen Nebenwirkungen erreicht. Hierzu gehören die Erhöhung der Herzfrequenz, des Blutdrucks und eine Gefäßerweiterung. Die Aktivität der Schweiß- und Talgdrüsen der Haut wird erhöht; die Darmmotorik beeinflusst. Im Nervensystem kommt es zu einer verstärkten Erregbarkeit. Fettblocker nennt man diejenigen Medikamente, die die Verarbeitung von Fett aus der Nahrung im Körper verhindern. Der Fettblocker ChitosanR wird aus den Schalen von Krabben, Hummern und Garnelen gewonnen. Im Magen-Darm-Trakt entsteht aus den unverdaulichen Bestandteilen des Chitosans ein Gel, das einen Teil des aufgenommenen Fettes an sich bindet, so dass es unverdaut ausgeschieden wird. Fettblocker hemmen Enzyme, die im Darm für die Aufspaltung des Fetts zuständig sind. Es verringert die Fettaufnahme, ohne den Appetit zu zügeln. Es sorgt so dafür, dass ein Teil des Fettes unverdaut ausgeschieden wird. Die Gewichtsabnahme nach Fettblockern geschieht häufig auf Kosten von Nebenwirkungen, wie Durchfall, Fettstühlen und Blähungen, weshalb Viele diese Medikamente vorzeitig absetzen. Fettverbrenner blockieren nicht den Appetit, sondern verbrennen Fett. Sie greifen aktiv in den Fettstoffwechsel ein. Die gesundheitlichen Auswirkungen sind bislang noch nicht eindeutig geklärt. So weiß man nicht, wie sich die Präparate auf die Aufnahme und Verdauung anderer Nahrungsstoffe auswirken, denn Fett ist nicht nur ein Energielieferant, sondern dient auch als Transportmittel für bestimmte Vitamine. Die Wirkung von Appetitzügler beruht auf einer Hemmung des Hungerzentrums und/oder einer Steigerung des Grundumsatzes. Appetitzügler können zwar zu einer signifikanten Gewichtsabnahme führen, sind jedoch wegen zahlreicher Nebenwirkungen umstritten. Bekannt sind Derivate von Amphetamin, die in Deutschland fast 40 Jahre lang als Appetitzügler eingenommen wurden, bis man sie schließlich wegen Herzschäden und Bluthochdruck vom Markt nahm. Einige Appetitzügler verursachen Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Übelkeit und Erbrechen, bis hin zu Taubheitsgefühlen, Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen. Diätdrinks (Formulardiäten) führen zu einer Entschlackung bei gleichzeitiger Gewichtsreduktion. Ursprünglich wurden sie für extrem Übergewichtige entwickelt, die vor einer geplanten Operation in kurzer Zeit Gewicht verlieren sollten. Als Diät-Einstieg für besonders fettleibige Menschen bieten sie eine gewisse Unterstützung, ersetzen jedoch nicht eine Ernährungsumstellung. Abnehmpflaster enthalten Nikotin. Sie vermindern nicht nur das Verlangen nach Zigaretten, sondern reduzieren auch das Hungergefühl. Mittels Pflaster wird das Nikotin durch die Haut zugeführt und dadurch ein gleichmäßiger Nikotinspiegel während des gesamten Tagesablaufs und der Nacht erreicht. Wegen möglicher Nebenwirkungen auf den Herz-Kreislauf wird vor einem längerfristigen Gebrauch gewarnt.

Reduziert eine Ernährung, die reich an Obst und Gemüse ist, das Brustkrebsrisiko?

Man ist heute mit der früher schon beinahe dogmatischem Propagierung von Obst zur Krebsprävention zurückhaltender. In den Schlussfolgerungen der EPIC-Studie heißt es, dass sich bei einer Gemüse- und obstreichen Kost zwar kein eindeutiger Schutz vor Brustkrebs nachweisen lasse, sich jedoch möglicherweise das Verhältnis Hormonrezeptor-positiver und Hormonrezeptor-negativer Tumore verschiebe. Fachgesellschaften empfehlen jedoch nach wie vor, den Schwerpunkt des täglichen Speiseplans auf Obst und Gemüse zu legen. Dies auch deswegen, weil sich eine solche Ernährung präventiv auf viele andere chronische Erkrankungen auswirken soll (Cummings et al. 2009, Adzerzen et al. 1999). Mindestens fünf Portionen (400 Gramm) Gemüse und Obst sollten täglich verzehrt werden, heißt es.

Wirkt sich eine cholesterinarme Kost positiv auf das Krebsrisiko aus?

Zur Herz-Kreislauf-Prävention mag eine Senkung erhöhter Cholesterinwerte sinnvoll sein, aus krebspräventiver Sicht besteht hierzu keine Notwendigkeit. In keiner der zahlreichen Studien, die überprüfen sollten, ob ein Verzicht auf cholesterinhaltige Nahrungsmittel gesundheitliche Vorteile bringt, wurde eine Beeinflussung des Krebsrisikos festgestellt (Howard et al. 2006). Viele cholesterinhaltige Nahrungsmittel enthalten allerdings gesättigte Fettsäuren, vor deren übermäßigem Konsum nach wie vor eindringlich gewarnt wird. Gesättigte Fettsäuren sollten nicht mehr als 8 % der täglichen Kalorien ausmachen. Die Hoffnung, dass Omega-3-Fette sich wachstumshemmend auf Tumoren auswirken, konnte bislang in keiner Studie bestätigt werden. Die zeitweilige Euphorie bzgl. Omega-3-Fettsäurepräparate war überzogen (Andreeva et al. 2012). Ein bis zwei Fischmahlzeiten pro Woche decken nicht nur den Bedarf reichlich ab, sondern sind auch schmackhafter und preiswerter als mit Omega-3-Fettsäuren angereicherte Mahlzeiten.

Kann man sein Erkrankungsrisiko durch zusätzliche Vitamingaben vermindern?

Früher hat man den Vitaminen wegen ihrer oxydationsschützenden Wirkung einen hohen präventiven Wert beigemessen. In Zellkulturen wurde dieser auch bestätigt. Grundannahme der Antioxidantien-Hypothese war, dass Krebs aufgrund von „oxydativem Stress“ durch freie Radikale entsteht. Antioxidantien, allen voran Vitamin C und E sowie die Vitamin-Vorstufe ß-Karotin, sollten nach dieser Hypothese aggressive Radikale abfangen und so vor Krebs schützen. Umfassendere Analysen haben jedoch ergeben, dass der Schutz antioxidativ wirkender Mikronährstoffe wesentlich geringer ist als man früher annahm. Heute weiß man, dass die die prophylaktische Einnahme von Vitamin C und E, ß-Karotin, Selen, Kalzium keine Schutzwirkung hat, erst recht nicht bei normalem Vitaminspiegel im Blut (Scheppach 2007, Byers 2000, Tombal 2012). In vielen großangelegten Untersuchungen wurde kein Effekt von Vitamin E und Vitamin C in der Krebsprophylaxe festgestellt. Auch in der amerikanischen „Krankenschwestern-Studie“ fand sich keinerlei Schutzwirkung. Vitamin E kann den Verlauf von Atemwegserkrankungen ungünstig beeinflussen; auch fördert es die Entwicklung von Prostatakrebs (Tombal 2012, Lippman et al. 2009). Vorteile nach regelmäßiger Einnahme von Kalzium, Selen, und Vitamin C sowie Vitamin E, Vitamin D sind sehr umstritten (Neuhouser et al. 2009, Larsson 2009). Weder nach einer längeren Einnahme von Vitamin C und E noch nach ß-Carotin haben sich Effekte gezeigt. Nur noch wenige Wissenschaftler erwarten von der zusätzlichen Einnahme industriell hergestellter Vitamine einen krebspräventiven Effekt. Auf keinen Fall ersetzen Vitamintabletten oder Nahrungsergänzungsmittel Obst und Gemüse. Die ganze Vielfalt von wertvollen Vitaminen, Hormonen und anderen Inhaltsstoffen einer Frucht oder eines Gemüses kann nicht durch Tabletten ersetzt werden.

Quelle und Leseempfehlung zur Brustkrebsvorsorge:

Brustkrebs vermeiden (Personalisierte Krebsvorsorge und Früherkennung)

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Hermann Delbrück ist Arzt für Hämatologie – Onkologie und Sozialmedizin sowie Rehabilitation und physikalische Therapie und Hochschullehrer für Innere Medizin und Sozialmedizin. Während seiner Laufbahn in der experimentellen, kurativen und vor allem rehabilitativen Onkologie veröffentlichte er mehrere Lehrbücher. Er ist der Herausgeber zahlreicher Ratgeber für Betroffene mit Krebs. Seit seiner Emeritierung 2007 befasst er sich vorrangig mit Fragen der Prävention von Krebs.