Brustkrebs: Vorbeugung durch Änderung der Lebensgewohnheiten

Im Alter von 40 Jahren dürfen Frauen bei einer gesunden Lebensweise mit weiteren 38,7 Lebensjahren rechnen. Das AICR/ WCRF (American institute for cancer Research/World cancer research fund) geht davon aus, dass 35 – 40 % der Brustkrebserkrankungen allein bei Einhaltung von Empfehlungen zur Ernährung, zur Begrenzung des Alkoholkonsums,

zum Körpergewicht und zur körperlichen Bewegung verhindert werden. Allgemein geht man davon aus, dass Krebsvorstufen und „schlafende Karzinome“ bei einer gesunden Lebensführung noch viele Jahre ruhig und harmlos bleiben. Die Vorstellung ist, dass sich die Aggressivität von Tumorzellen reduziert und sich das Tumorwachstum verlangsamt. Gesichert ist, dass ein gesunder Lebensstil nicht nur vor Krebs, sondern auch vor anderen chronischen Erkrankungen und altersbedingten Gebrechen schützt.

Lohnt sich ab 65 Jahren eine Umstellung noch?

Diese oft geäußerte Ansicht ist falsch. Zwar sind tatsächlich kurzfristige Auswirkungen auf die Krebsentstehung nicht zu erwarten und das Risiko für eine Brustkrebserkrankung ist umso geringer, je früher man auf einen gesunden Lebensstil achtet, aber dennoch lohnt sich eine Umstellung krebsgefährdender Lebensgewohnheiten auch im höheren Alter. Die meisten Brustkrebserkrankungen haben eine lange Vorlaufzeit. Schon weit vor Ausbruch der Erkrankung sind häufig Krebszellen im Brustgewebe feststellbar. Sie bereiten keine Beschwerden und wachsen – wenn überhaupt – nur langsam. Erst bei bestimmten Ereignissen, etwa einem ungesunden Lebensstil, wachen diese „schlafenden“ Zellen und Mikrokarzinome auf. Umgekehrt wird ihr Wachstum bei einem gesunden Lebensstil verlangsamt, wenn nicht sogar verhindert.
Erfahrungen zeigen eindeutig, dass Krebspatienten mit starkem Alkohol- und Nikotinkonsum die Therapie nicht so gut vertragen, und diese bei ihnen schlechter anschlägt als bei Patienten, die das Rauchen aufgegeben und den Alkoholgenuss eingeschränkt haben. Ein gesunder Lebensstil fördert die Gesundheit und das persönliche Wohlergehen, wobei man keineswegs auf alle Annehmlichkeiten des Lebens verzichten muss. Altersforscher haben nachgewiesen, dass bei aktiver Lebensweise nicht nur die körperliche, sondern auch die geistige Fitness länger aufrechterhalten bleibt.

Empfehlungen für körperliche Aktivität zur Brustkrebsvorsorge

Ausreichende körperliche Aktivität ist zwar zur Prävention zahlreicher Erkrankungen längst anerkannt, zur Vorbeugung gegen Krebs jedoch vielen Menschen noch wenig bekannt. Je nach Alter, Körpergewicht und Intensität der körperlichen Aktivität beträgt die relative Risikoverringerung bis zu 20 Prozent, verglichen mit inaktiven Frauen. Bei normalgewichtigen Frauen nach den Wechseljahren soll der Schutzeffekt größer sein, bei Übergewichtigen geringer. Jede Art der Bewegung, also nicht nur Sport, ist sinnvoll, und zwar je mehr, desto besser. Voraussetzung ist, dass die Belastung regelmäßig erfolgt. Die Vorstellung körperlicher Aktivität als Last, stammt oft noch aus früheren Phasen der Industriegesellschaft als schwere körperliche Arbeit die Regel waren.

Wie wirkt sich körperliche Aktivität auf die Krebsentwicklung aus?

Die biologischen Mechanismen, die bei körperlicher Aktivität zu einer Abnahme des Erkrankungsrisikos führen, sind noch unzureichend geklärt.
Es gibt mehrere Hypothesen:

  • *Einige Experten meinen, körperliche Aktivität sei ein eigenständiger Schutzfaktor). Allgemein geht man davon aus, dass der Übergang von Krebsvorstufen zu invasiven Karzinomen gehemmt wird .
  • *Nicht auszuschließen sind aber auch positive epigenetische Einflüsse, z. B. die Aktivierung von „schlafenden“ Reparaturgenen. Körperliche Aktivität macht das Mikromilieu im Brustgewebe widerstandsfähigerer.
  • *Die Beobachtung, dass besonders Frauen nach den Wechseljahren von körperlicher Aktivität profitieren und bei ihnen mehrheitlich die Entwicklung Hormonrezeptor-positiver Tumoren verhindert wird, lässt auf hormonelle Einflüsse schließen.
  • *Vermutet werden Zusammenhänge mit dem Gewichtsverlust sowie Fettabbau bei sportlicher Aktivität. Körperfett gilt bekanntlich als wichtige Quelle der Östrogenproduktion (Friedenreich et al. 2010). Wer mehr trainiert und „Energie verbrennt“, verliert nicht nur Gewicht, sondern vor allem Fett.
  • *Viele Experten weisen dem Insulinspiegel eine hohe Bedeutung bei; Studien bestätigen, dass es bei regelmäßiger sportlicher Betätigung zu einer Absenkung der Wachstumsfaktoren Insulin-, IGF-1- sowie IGFBP-3 Spiegel kommt (Irwin et al. 2009). Diskutiert werden Auswirkungen auf das Immunsystem
  • *Einige Experten meinen, dass die Einwirkungen sportlicher Betätigung mit Wechselwirkungen zwischen körperlicher Aktivität und dem Gehirn, ja sogar der Seele, zusammenhängen

Gibt es Empfehlungen zur Krebsvorbeugung durch Sport und körperliche Aktivität?

Allgemeingültige Empfehlungen zu geben, ist schwierig. Aus den bisherigen Studien lassen sich nur grobe Empfehlungen im Hinblick auf die spezifische Art, Dauer, Häufigkeit und Intensität körperlicher Tätigkeit ableiten (www.dgsp.de). Im Grunde genommen wirken sich sämtliche körperlichen Aktivitäten in Freizeit, Beruf oder Haushalt schützend aus. Eine Erhöhung der Alltagsaktivitäten (Treppen steigen statt Fahrstuhl fahren, gehen oder Rad fahren statt Autofahren etc.) ist gleichwertig mit Sport. Freizeitsport wird aber besonders positiv beurteilt. Aus Sicht der Krebsprävention ist kombiniertes Kraft- und Ausdauertraining ohne Leistungsdruck und Wettkampfcharakter besonders sinnvoll. Ausdauertraining eignet sich idealerweise zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wird aber auch zu Krebsprävention empfohlen. Günstig ist ein Ausdauertraining mit moderater bis intensiver aerober Aktivität, je 30 Minuten an mindestens 5 Tagen/Woche. Man unterscheidet Ausdauerbelastungen im aeroben und anaeroben Bereich. Anaerobes Training ist für Leistungssportler, nicht aber zur Krebsprävention geeignet. Anaerob sind Belastungen dann, wenn die Energiegewinnung mit Hilfe von Sauerstoff nicht mehr ausreicht; Kohlenhydrate werden dann ohne Sauerstoff durch Milchsäuregärung in Energie umgewandelt. Ein anaerobes Training ist für Leistungssportler geeignet.
Zur Krebsprävention eignen sich eher aerobe Belastungen. Beim aeroben Training geschieht die Zuckerverbrennung zur Energiegewinnung mit Hilfe von Sauerstoff. Niedrig- bis mittelgradige Belastungen gehören dazu, da bei ihnen der Stoffwechsel ausreicht, um ausreichend Energie zur Bewältigung zu gewinnen. Im Allgemeinen werden Aktivitäten ohne Leistungsdruck empfohlen, bei denen neben körperlichen Herausforderungen, auch psychische und soziale Aspekte integriert sind. Optimal ist ein Gleichgewicht zwischen Spannung und Entspannung, zwischen Aktivität und Erholung. Da Übergewicht und Bewegungsmangel schon in der Jugend und im frühen Erwachsenenalter bedeutende Risikofaktoren sind, sollte bereits frühzeitig auf ausreichende Bewegung geachtet werden.

Welche Vorsichtsmaßnahmen sind zu beachten? Von welchen Sportarten ist abzuraten?

Empfehlungen bei längerer Inaktivität

Nach längerer Inaktivität sollten sportliche Wiedereinsteiger ganz moderat beginnen, und dies auch erst nach einer vorherigen qualifizierten ärztlichen Untersuchung. Diese muss eine Beratung einschließen, welche Übungen und welcher Sport dem Alter, den speziellen gesundheitlichen und körperlichen Einschränkungen entsprechend sinnvoll sind. Eine Überforderung wäre ein großer Fehler. Sport ist kontraindiziert bei akuten Infekten, bei Erkältungen, Fieber und Durchfall. Plötzliche Temperaturschwankungen sind zu vermeiden. Auf jeden Fall muss bei einer Herzschädigung vor Beginn des Trainings eine ärztliche Untersuchung stattfinden. Bei sehr schnellem Herzschlag (Tachycardie) und bei Herz-Rhythmus-Störungen ist besondere Vorsicht geboten. Ein unzureichend eingestellter Blutdruck, eine instabile Angina Pectoris sowie belastungsinduzierte Herz-Rhythmus-Störungen können körperliches Training unmöglich machen. Bei vorgeschädigtem Herzen – so nach einem Herzinfarkt – ist es zwar sinnvoll, sich körperlich zu belasten und Sport zu treiben, doch gibt es eine Belastungsschwelle, die nicht überschritten werden sollte. Die Grenze liegt bei einer Stunde moderatem Jogging am Tag bzw. 7,2 MET-Stunden (Metabolic Equivalent Task).

Empfehlungen bei Vorerkrankungen

Bei einer Herzinsuffizienz, bei Diabetes oder starkem Übergewicht wird ein moderates Intervalltraining mit einem Wechsel zwischen 50 % und bis zu 70 % der maximalen Herzfrequenz für optimal gehalten. Die maximale Herzfrequenz errechnet sich mit 220 minus Lebensalter; der optimale Trainingspuls mit 50 bis 75 % der maximalen Herzfrequenz. Frauen mit hohem Blutdruck sollten ein Krafttraining aufgrund der möglicherweise auftretenden Blutdruckspitzen nur nach Abstimmung mit dem Arzt beginnen. Eine Pressatmung – vor allem beim Krafttraining – kann zu einer mangelhaften Durchblutung und Sauerstoffversorgung des Gehirns führen. Schnelle Bewegungen sind gefährlich. Untrainierte überschreiten rasch ihre Leistungsgrenze. Muskeln, Gelenke, Rücken, Stoffwechsel, Herz und Kreislauf sind schnell überfordert. Bei kritischen Smogwerten mit hoher Schadstoffbelastung der Luft sollte man auf Ausdauertraining verzichten. Plötzliche Temperaturschwankungen sind zu vermeiden. Von intensivem Ausdauertraining ist auch bei hohen Außentemperaturen und einer Luftfeuchtigkeit von 80 bis 85 % abzuraten. Liegen hohe Ozonwerte vor, empfiehlt sich, das Training in die frühen Morgenstunden bzw. den späten Abend oder in geschlossene Räume (z. B. Ergometertraining) zu verlegen.

Empfehlungen bei Übergewicht

Bei mehr als 10 kg Übergewicht sollte man zunächst mit Nordic Walking, Aqua Jogging und Aqua Riding, Schwimmen, Radfahren oder Ergometertraining beginnen. Diese Sportarten nehmen dem Körper die eigene Last und kurbeln gleichzeitig die Fettverbrennung sowie den Kalorienverbrauch an. Sinkt das Körpergewicht und stimmen Kraft und Koordination, erweitert sich die Palette der passenden Sportarten. Zu den Hauptrisikofaktoren sowohl für weißen wie schwarzen Hautkrebs (Melanom) zählt die Sonnenexposition. Sonnenbrände, ganz besonders vor dem 15. Lebensjahr, bergen ein enormes Risiko für Hautkrebs. Hellhäutige Menschen sind besonders gefährdet und müssen sich deshalb besonders vor der Sonne schützen. Bestimmte Medikamente (z. B. Tetracycline, manche Akne-Mittel, immunsuppressiv wirkende Arzneien) erhöhen die Gefährdung. Schatten, geeignete Kleidung sowie Lichtschutzpräparate bieten den besten Schutz. Für unbedeckte Körperstellen empfiehlt sich ein Lichtschutzpräparat, das einen Schutzfaktor von mindestens 15 im UVB- und UVA-Bereich aufweist.

Empfehlungen bei empfindlichen Knochen

Es ist ein weitverbreiteter Irrtum, dass man bei Skelettmetastasen wegen der Frakturgefährdung grundsätzlich körperliche Belastungen vermeiden sollte. Das Gegenteil kann der Fall sein. Bei Bewegungsmangel kommt es zu einem Abbau der Muskulatur und einer beschleunigten Knochenentkalkung mit erhöhter Frakturgefährdung. Bei einem diffusen Knochenmarkbefall sind jedoch Belastungen, insbesondere in den tragenden Skelettteilen, wie der Wirbelsäule, dem Becken und den Oberschenkelknochen, wegen der Gefahr eines Knochenbruchs absolut kontraindiziert. Bei lokalisierten Metastasen ist eine differenzierte Betrachtungsweise notwendig. Entscheidend sind Größe und Lokalisation der Absiedlungen. Häufig sind Skelettmetastasen an Stellen lokalisiert, an denen nur eine geringe Bruchgefährdung besteht. Bei befallener Wirbelsäule sollten alle Sportarten vermieden werden, bei denen diese stark sowie – was noch gefährlicher ist – abrupt und ruckartig belastet wird. Ob Krafttraining möglich ist, sollte der Onkologe entscheiden; er kennt die Einschränkungen aufgrund der Metastasen-Lokalisation und des Gewebebefundes am besten (z. B. unterschiedliche Gefährdung bei osteolytischem und osteoplastischem Befall des Knochens, bzw. Infiltration des Periosts). Bei Wirbelsäulenmetastasen ist nur Rückenschwimmen erlaubt. Beim Becken-, Schädel- oder Rippenbefall ist nichts gegen sportliche Aktivitäten einzuwenden. Indiziert ist allerdings nur leichtes aerobes Training. Sind die langen Röhrenknochen befallen, sind Belastungen kontraindiziert. Für Menschen mit der Veranlagung für Asthma ist bedeutsam, dass Anstrengungsasthma eher bei kalter und trockener Luft auftritt.

Empfehlungen bei Asthma

Asthma-Anfälle kommen daher eher beim Wintersport als beim Schwimmen vor, wenn die Luft warm und feucht ist. Bei einem Mangel an weißen Blutkörperchen (Granulopenie) sind bestimmte Aktivitäten wegen der erhöhten Infektionsgefahr zu vermeiden. Dazu gehören Sportarten mit Körperkontakt, aber auch Schwimmen und Saunabesuche. Der Besuch größerer Menschenansammlungen ist nicht empfehlenswert. Ein Blutzellmangel (Hämoglobin < 8g/dl) sowie Tumor- und therapiebedingte Gerinnungsstörungen sind relative Kontraindikationen für bestimmte sportliche Aktivitäten. Thrombozytenwerte von weniger als 30.000/mm3 erlauben nur noch leichte gymnastische Übungen unter Aufsicht. Bei Werten zwischen 10.000 und 20.000/mm3 sind körperlich belastende Tätigkeiten nur bei ausdrücklicher ärztlicher Genehmigung möglich. Sämtliche Sportarten mit Verletzungsgefahr sind zu unterlassen. Viele Brustkrebspatientinnen begehen den Fehler, sich körperlich nicht zu belasten und auf sportliche Aktivitäten zu verzichten. Dies ist falsch. Körperliche Aktivität scheint bei ihnen positive Effekte in Hinblick einer Wieder-Erkrankungs-Gefährdung zu haben. Es bestehen kaum Einschränkungen.

Empfehlungen bei Lymphödem

Auch ein Lymphödem ist kein Hinderungsgrund. Selbst Tennis, Squash und Golf sind erlaubt, wenn man einen Armkompressionsstrumpf trägt und ruckartige Bewegungen vermeidet. Viele Brustkrebspatientinnen unterlassen es wegen eventueller Schmerzen, den Arm auf der operierten Seite zu belasten. Derartige Schonhaltungen sind falsch. Sie führen nicht nur zu schmerzhaften Muskelverspannungen, sondern fördern – bei mangelnder Inanspruchnahme der Muskelpumpe – eine Ödembildung. Bei Schmerzen oder einem Anschwellen des Armes sind Belastungen allerdings zurückzuschrauben. Man sagt, ein Lymphödem stellt nur dann eine mögliche Kontraindikation für sportliche Aktivitäten des betroffenen Arms dar, wenn die Lymphknoten in der Achselhöhle krebsbefallen sind; aber selbst dies „Dogma“ wird heute von einigen Experten in Frage gestellt, die behaupten, dass unabhängig von der Genese des Ödems – jeglicher Sport möglich sei (Baumann et al. 2013). Schwimmen ist in jeglicher Hinsicht empfehlenswert für Lymphödem-Patientinnen, solange die Temperatur zwischen 24 und 30 Grad liegt. Wassertemperaturen über 32 Grad sind zwar wohltuend, aber nicht wünschenswert. Eine höhere Wassertemperatur kann das Lymphödemrisiko erhöhen bzw. ein bestehendes verschlimmern. Bei Herzschwäche oder Bluthochdruck sollte – wenn überhaupt – der Aufenthalt in warmem Wasser so kurz wie möglich sein. Schwimmen im kühlen Wasser führt im Allgemeinen zu einer Besserung des Lymphödems. Manche Brustkrebspatientinnen schämen sich, nach einer Brustamputation in der Öffentlichkeit zu schwimmen, obwohl der Schwimmsport sehr empfehlenswert ist. Für Brustoperierte gibt es aber Spezialbadeanzüge, die eine Brustprothese enthalten. Es gibt sehr gute Brustprothesen, die sich auch unebenen Narbengebieten anpassen. Für „einen Spezialbadeanzug mit Prothesentasche“ zahlt die Krankenkasse zumindest einen Zuschuss. Eine gute Beratung in einem Sanitätsgeschäft ist empfehlenswert.

Schützt Alkohol, speziell Wein vor Krebs?

Hartnäckig hält sich der Mythos, dass mäßiger Alkoholgenuss – und hier besonders Rotwein – vor Krebs schützt. Hierfür gibt es aber keinerlei Nachweise (Kröger 2010). Wenn überhaupt, so könnten positive Wirkungen von den in alkoholischen Getränken enthaltenen Pflanzenstoffen, nicht jedoch vom Alkohol selber, ausgehen. Zu den angeblich schützenden Inhaltsstoffen gehören Gerbstoffe, die sich in bestimmten Rotweinen befinden. Sie sollen zu einer Hemmung der Verklumpung von Blutplättchen führen (Thrombozytenaggregation) und somit eine Gewebeinvasion von Krebszellen verhindern. Die stärker im Rot- als im Weißwein enthaltenen antioxydativ wirkenden Polyphenole und Phytooestrogene (Flavonoide, Resveratrol, Querzetin) entfalten darüber hinaus in ZellKulturen eine wachstumshemmende Wirkung; ob dies jedoch auch beim Menschen der Fall ist, bleibt spekulativ. Der Anteil von Resveratrol im Rotwein beträgt zwischen 0,1 und 15 mg pro Liter (Pinot Noir 3,7 – 8,7 mg/l, Cabernet Sauvignon 0,5 – 4,3 mg/l und Merlot 3,6 – 5,4 mg/l). Bei Weiß- und Roséweinen ist der Gehalt an Resveratrol deutlich geringer, da bei der Herstellung die Traubenschalen entfernt werden. Zu den im Rotwein enthaltenen Inhaltsstoffen, die das Krebswachstum hemmen sollen, gehören auch die Phytooestrogene, die allerdings auch in Zwiebelgewächsen in reichlichem Maße enthalten sind. Ernüchternd für die Weinwerbung ist die Tatsache, dass die angeblich im Wein vor Krebskrankheiten schützenden Polyphenole in Zwiebeln, Knoblauch oder Brokkoli in höherer Konzentration vorkommen.

Gibt es Empfehlungen zur Raucherentwöhnung?

Zusammenhänge von Rauchen und Brustkrebs wurden früher bestritten (Kenneth C. Johnson et al. 2005), gelten heute jedoch – zumindest vor den Wechseljahren – als gesichert (Reynolds et al. 2009). Dass Rauchen schädlich und krebsfördernd ist, gehört inzwischen zu den Binsenweisheiten. Kaum ein Kettenraucher negiert die schädlichen Auswirkungen. Die subjektiven und objektiven Nachteile sind den meisten bekannt. Die meisten Raucher haben daher auch schon mindestens einmal im Leben einen Versuch zur Abgewöhnung unternommen. Tatsache ist aber, dass nur wenige von ihnen ein Jahr durchhalten, wenn sie den Abbruchversuch ohne Hilfe unternehmen (Breitling et al. 2009). Um die Chancen einer langfristigen Tabakabstinenz zu erhöhen, sind individuelle Empfehlungen notwendig. Allerdings gibt es keine Empfehlung, die uneingeschränkt einen Erfolg garantiert. Unverzichtbar und Voraussetzung bei allen Methoden ist die Motivation, der Wille zum Aufhören. Nur wer wirklich aufhören möchte, schafft es auch. Doch selbst bei einer hohen Motivation schaffen es viele nicht. Bei der Tabakabhängigkeit gibt es physische und psychische Ursachen, die über die Wahl und Erfolgswahrscheinlichkeit einer Methode zur Entwöhnung entscheiden. Eine psychische Abhängigkeit äußert sich darin, dass das Rauchen zu einer Gewohnheit geworden ist; einer physischen Abhängigkeit liegt hingegen eine starke Abhängigkeit vom Nikotinspiegel zu Grunde. Meist liegen beide Abhängigkeiten in einem mehr oder minder starken Verhältnis zueinander vor, weswegen bei einer Entwöhnung auf beide Ursachen eingegangen werden muss. Ferner gibt es viele andere, soziale und soziodynamische Gründe, die bei der Tabakentwöhnung berücksichtigt werden müssen. Rauchern, die das Rauchen aufgeben und Rat und Hilfe in Anspruch nehmen wollen, ist die von der Deutschen Krebshilfe und dem Deutschen Krebsforschungszentrum organisierte RaucherHotline zu empfehlen (www.tabakkontrolle.de, Tel.: 06221/ 424224, Mo bis Fr 14 bis 18 Uhr). Neben einer telefonischen Beratung vermittelt sie Adressen speziell ausgebildeter Kursleiter, die in Wohnortnähe Tabak-Entwöhnungskurse anbieten.

Was kann man gegen Entzugsbeschwerden tun?

Entzugsbeschwerden fallen individuell sehr unterschiedlich aus. Während manche Raucher mit einem durchschnittlichen Tageskonsum von weniger als zehn Zigaretten über heftige Beschwerden klagen, geben manche Kettenraucher keinerlei Symptome an. Häufig lässt sich kaum unterscheiden, welche Symptome auf den Nikotin-Entzug zurückgehen (physiologische Abhängigkeit), und welche psychischer Natur sind. Die psychische Abhängigkeit äußert sich in einem heftigen Rauchverlangen, und dem Unvermögen, auf das Rauchen in bestimmter Situation zu verzichten. Häufig ist es die Angst, jetzt ohne Zigaretten auskommen zu müssen. Die „Macht der Gewohnheit” hat eine hohe Bedeutung. Schließlich ist Rauchen bei vielen Abhängigen ein fester Bestandteil der Lebensgewohnheiten und ein selbstverständlicher Teil des gewohnten Tagesablaufs. Nicht selten berichten Exraucher noch Jahre nach dem Rauchstopp, dass sie nachts schweißgebadet aufwachen, weil sie im Traum der Versuchung stattgegeben haben und eine Zigarette rauchten. Psychisch bedingte Beschwerden müssen anders angegangen werden als körperliche Entzugsbeschwerden. Manchmal hilft bei ihnen Ablenkung, manchmal vermindern Entspannungsübungen sowie körperliche Aktivität die Reizbarkeit und die Frustrationsgefühle. Bei Konzentrationsstörungen helfen häufig kurze Entspannungsübungen. Das verschreibungspflichtige Medikament Bupropion kann die Beschwerden lindern. Entzugserscheinungen bei körperlicher (physiologischer) Abhängigkeit sind durch den Nikotinentzug bedingt, weswegen eine vorübergehende Nikotin Ersatztherapie am ehesten zu einer Linderung der Beschwerden führt. Körperliche Entzugssyndrome beginnen wenige Stunden nach dem Rauchstopp und erreichen innerhalb der ersten beiden Tage einen Höhepunkt. Die Beschwerden dauern oft schon nach sieben bis zehn Tagen deutlich abgeschwächt oder sogar verschwunden. Psychische Entzugsbeschwerden dauern hingegen wesentlich länger. Vor allem Raucher mit mehr als 10 Zigaretten pro Tag und Entzugsbeschwerden profitieren von der medikamentösen Therapie.

Was kann man gegen die Gewichtszunahme tun, wenn man mit dem Rauchen aufhört?

Vor allem Frauen haben Angst vor einer Gewichtszunahme, wenn sie mit dem Rauchen aufhören. Nicht selten halten sie am Tabakkonsum fest, um nicht zuzunehmen. Für manche Frauen ist eine Gewichtszunahme nach dem Rauchen schwerer zu ertragen als drohende gesundheitliche Schäden durch Rauchen. Leider ist die Befürchtung einer Gewichtszunahme nach einem Rauchstopp nicht unberechtigt. Es ist nicht leicht, mit dem Rauchen aufzuhören und gleichzeitig das Gewicht zu halten. Die meisten Raucher nehmen zu, wenn sie aufhören zu rauchen. Im ersten Jahr nach dem Rauchstopp beträgt die Gewichtszunahme im Durchschnitt etwa 4 bis 6 Kilogramm. Allerdings ist die Gewichtszunahme von Person zu Person sehr unterschiedlich. Für die Gewichtszunahme gibt es mehrere Gründe. Eine Ursache ist der bessere Appetit. Rauchen unterdrückt nämlich das Hungergefühl. Nikotin macht über denselben Schaltkreis im Gehirn satt, der über Hunger und Sättigung entscheidet und der normalerweise von den Signalen aus dem Verdauungstrakt beeinflusst wird. Hören die Nikotinsignale auf, so meldet das Gehirn Hunger. Der bessere Appetit führt dann zu einer vermehrten Kalorienaufnahme und zu Übergewicht. Ex-Raucher verspüren noch wochenlang ständig Hunger, weil das appetithemmende Nikotin fehlt. Ein weiterer Grund ist, dass Nikotin den Stoffwechsel beschleunigt. Wer mit dem Rauchen aufhört, schraubt seinen Stoffwechsel wieder auf das persönliche Normalmaß herunter; der gewohnte Kalorienbedarf und die notwendige Energiezufuhr stimmen dann nicht mehr überein, was bei unveränderten Essverhalten – ja häufig besserem Appetit – mit einer Gewichtszunahme verbunden ist. Das fehlende Nikotin führt dazu, dass der Körper etwa 200 Kilokalorien zusätzlich verbrennen muss, die früher das Nikotin übernommen hat. Besonders betroffen sind Menschen, die viel geraucht haben und sich seit ihrem Rauchverzicht wenig bewegen. Eine weitere Ursache können die vielen kleinen Leckereien sein, die man isst, um „das Rauchen zu vergessen“. Bei Frauen ist dies häufiger der Fall als bei Männern Mit dem Rauchen aufzuhören und gleichzeitig eine Diät einzuhalten, ist schwierig. Erfahrungen zeigen, dass Diäten nur kurzfristig helfen. Kurzfristig vermag Bupropion zwar eine Gewichtszunahme begrenzen. Nach einigen Monaten besteht allerdings kein Unterschied mehr zu Plazebo Präparaten. Außerdem sprechen mögliche Nebenwirkungsrisiken gegen die Einnahme von Bupropion und anderen in der Raucherentwöhnung eingesetzten Medikamenten wie Vareniclin, Fluoxetin und Dexfenfluramin. Ein angenehmer Nebeneffekt einer Nikotinersatztherapie (Nikotinkaugummis und –pflaster) ist, dass hierdurch zusätzliche Kalorien verbrannt werden und auch der Appetit reduziert wird. Tatsächlich zeigen Therapiestudien, dass bei einer Nikotinersatztherapie durchschnittlich etwa ein halbes bis ein Kilogramm weniger zugenommen wird als in der Vergleichsgruppe ohne Nikotinersatzpräparate. Körperliche Aktivität und Sport sind die beste Alternative, um nicht zuzunehmen und Entzugserscheinungen abzuschwächen. Studien haben die Wirkungen von Bewegung auf die Gewichtszunahme bei einer Rauchentwöhnung überprüft und positive Effekte nachgewiesen.

Quelle und Leseempfehlung zur Brustkrebsvorsorge:

Brustkrebs vermeiden (Personalisierte Krebsvorsorge und Früherkennung)

Rating: 5.0/5. Von 1 Abstimmung.
Bitte warten...

Hermann Delbrück ist Arzt für Hämatologie – Onkologie und Sozialmedizin sowie Rehabilitation und physikalische Therapie und Hochschullehrer für Innere Medizin und Sozialmedizin. Während seiner Laufbahn in der experimentellen, kurativen und vor allem rehabilitativen Onkologie veröffentlichte er mehrere Lehrbücher. Er ist der Herausgeber zahlreicher Ratgeber für Betroffene mit Krebs. Seit seiner Emeritierung 2007 befasst er sich vorrangig mit Fragen der Prävention von Krebs.