Brustkrebs: Statistische Erkrankungsrisiken

Wie häufig sind Brustkrebserkrankungen? Wie hoch ist die Todesrate?

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 65 – 70.000 Frauen an Brustkrebs. Pro Jahr sterben etwa 17.500 Frauen an der Erkrankung. Brustkrebs war bis vor kurzem die häufigste Krebstodesursache, wurde aber vor wenigen Jahren vom Lungenkrebs auf die zweite Stelle der Todesursachen verwiesen. Die weitaus häufigste Todesursache bei Brustkrebserkrankten ist übrigens nicht der Krebs, sondern eine Herz-Kreislauf-Erkrankung.

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Wie hoch ist das (statistische) Risiko eines neugeborenen Mädchens, im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs zu erkranken?

Diese Frage lässt sich schwer beantworten, da einige Experten Mikrokarzinome (Cis Karzinome) zu den Krebserkrankungen, andere hingegen zu den Krebsvorstufen zählen und nicht zwischen duktalen und invasiven Karzinomen unterscheiden. Das theoretische Erkrankungsrisiko, dass irgendwann im Laufe des Lebens ein Brustkrebs diagnostiziert wird, ist sehr hoch. Es beträgt in Deutschland 13 % bis 14 % (also bei jedem 7. Mädchen) (Robert Koch Institut 2010). Diese Häufigkeitsangabe schließt Krebsfrühstadien und Mikrokarzinome (CIS Karzinome) ein.

Allgemeines Risiko eines Neugeborenen im Laufe des Lebens an Krebs zu erkranken:

  • Prostatakrebs: jeder 2. – 3. Junge (48 %)
  • Darmkrebs: jedes 17. Neugeborene (6 %)
  • Magenkrebs: jedes 43. Neugeborene (2,3 %)
  • Brustkrebs: jedes 7. Mädchen (13 – 14 %)
  • Lungenkrebs: jeder 15. Junge (6,7 %) und jedes 36. Mädchen (2,8 %)
  • Bauchspeicheldrüsenkrebs: jedes 73. Neugeborene (1,4 %)

Welche Bedeutung hat das Alter?

Das Erkrankungsrisiko steigt mit fortschreitendem Alter. Zwei Drittel der Brustkrebspatientinnen sind älter als 55 Jahre. Lediglich eine von acht Betroffenen ist jünger als 45 Jahre. Unterhalb von 40 Jahren ist die Erkrankungsrate so niedrig, dass Risiko- bzw. Wahrscheinlichkeitsberechnungen kaum möglich sind. Weniger als 0,1 % der Frauen in dieser Altersstufe erkranken. Oberhalb von 40 Jahren steigt das Erkrankungsrisiko kontinuierlich an. Bei Frauen nach den Wechseljahren überwiegen Hormonrezeptor positive Tumore; bei jungen Frauen hingegen Rezeptor negative Tumore. In der Altersgruppe > 70 Jahren sind in Deutschland Zahlenangaben deswegen schwer zu ermitteln, da ab dem 70. Lebensjahr keine gesetzlichen Krebsvorsorgeuntersuchungen zur Früherkennung vorgesehen sind, so dass viele Brustkrebserkrankungen unerkannt bleiben.

Wie hoch ist das theoretische (statistische) Risiko, an Brustkrebs zu versterben?

Die 5-Jahres-Wahrscheinlichkeit, 5 Jahre nach der Diagnose noch zu leben, beträgt (unter Berücksichtigung aller Ausbreitungsstadien) mehr als 85%. Karzinome bei Frauen > 70 Jahre wachsen meist nur sehr langsam, verursachen keine Beschwerden und sind selten die Todesursache, weswegen Zahlenangaben sehr schwer zu ermitteln sind. Natürlich spielt die Ausdehnung des entdeckten Karzinoms eine Rolle. So beträgt die Wahrscheinlichkeit eines Brustkrebs-bedingten Todes bei einem DCIS Karzinom nach 20 Jahren „nur“ 3.3%. Wurde das DCIS Karzinom allerdings bei sehr jungen Frauen (< 35 Jahre) festgestellt, so erhöht sich das Sterberisiko auf 7,8 %. Jede vierte bis fünfte beim Brustkrebs-Screening gefunden Veränderung ist ein DCIS (Narod et al. 2015).

Quelle und Leseempfehlung zur Brustkrebsvorsorge:

Bruskrebs vermeiden – personalisierte Krebsvorsorge

 

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Über den Autor Prof Dr. Hermann Delbrück

Hermann Delbrück ist Arzt für Hämatologie – Onkologie und Sozialmedizin sowie Rehabilitation und physikalische Therapie und Hochschullehrer für Innere Medizin und Sozialmedizin. Während seiner Laufbahn in der experimentellen, kurativen und vor allem rehabilitativen Onkologie veröffentlichte mehrere Lehrbücher. Er ist der Herausgeber zahlreicher Ratgeber für Betroffene mit Krebs. Seit seiner Emeritierung 2007 befasst er sich vorrangig mit Fragen der Prävention von Krebs.

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